Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 18 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 3)
- Language
- German
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Di« Sympathie der Jude, hatte er gewonnen, aler tu seium glänzendsten Rvhme«taam ihrer gedacht, indem er jene- Svdhedrium, daernst in Jerusalem dahöchste weltliche und kirchliche Gericht der Juden gewesen, io Parineu bildete. Nich der Bmrlheilung diese- Törichteüber jüdische Berhältniffe wollte er diese gesetzlich ordnen. Dffsm rdachten die Eltern dankbar, während die Söhne die Er» itterung dedeutschen Volte» al» Deutsche mitempfauden und sich al» Freiwillige den KriegSbehördrn stellten. Mancher der Jünglinge lag kameradschaftlich neben den Gefallene« auf de« Schlachtfeld«, die vielleicht im Leben verächtlich auf Jene niedergrblickt. Manche kehrten wieder, geschmückt mit dem eisernen Kreuze, dasie in der Schlacht bä Leipzig er» worben. Sie meinten ihr Bürgerrecht errungen zu haben, ober darin hatten fie sich geirrt. Man duldete ihre Pflichten al» Lande-kinder, aber min gönnte ihnen nicht deren Rechte. Draußen im Weltgetümmet tobten die Leidenschaften der Menge; in de« geheimnisvollen Welten de- Menschen» Herzen»: die Leldenschast des Einzelnen. Rein und hehr bewahrt der Mensch da- Hritigthum seiner Lieb« während des Kampfeum die heiligen Güter de« Vatrrlaadr», und bei den Schrecken de- Schlachtfelde-. Wie natürlich ist e», daß ein liebende- Mädchen in ihrem stillen Kämmerlein da» kriegerische Treiben wie Schattenbilder an stch >>orübrrzi<h!n läßt, daß ihre Liebe alleandere verdrängt. Der menschliche Antheil, de« Esthers große» Herz an den allgemeinen wichtigen Eceigniffen nahm, war oft durch ihre Liebe zurückgedrängi. (Soitfegung folgt.) Die Stile« in Mittelststen. Wie der „American J-raelitr* erzählt, hat stch, settde« die Stadt Samarkand de« russischen Reiche einverleibt ist, die Lage der Inden dort sehr verbessert, st« genießen jetzt viele Vorrechte, welche ihnen früher, aldie Provinz «och unter der Herrschaft de« Emir» von Bokhara stand, nicht eiu» geräumt waren. Der Vorsteher der Gemeinde zu Samarkand thrilt mit, daß unter den dortige« Jude« ein große- Bedürfnis nach Schulen und technischen Anstalten vorhanden sei, sowie auch nach europäischen . Lehrern, daß e» ober an dem nöchigen Kapital zur Gründung auch der kleinsten Elementarschule fehlt. Samarkand enchält ungefähr 1700 jüdi.chr Familien, oder etwa 6000 Seelen. Die meisten verdienen sich ihren Lebeu-uaterhalt au» der Hand in den Mund, durch Hau» sierrngehm. Jüdische Handwerker sind nicht unter ihnen zu finden, »nd die sehr wenigen Wohlhabenden werden ^ständig in Anspruch genommen, ihre Habe mit ihren armen Brüdern zu the len. Die Juden in Samarkand find strmg orthodox. Sie besitzen drei Synagoge«, dere« größte 1000 Andächtige fassen kann, ohne diejenigen die auf der Frauengallerie Platz finden. Die beiden andern haben Sitzplätze für je 3 —100 Andächtige. Drei Mal täglich findet Gottesdienst statt nach dem aschkenasischen Minhag. Wa» die Abstammung der Juden von Samarkand betrifft, so kann man darübn wenig in Erfahrung bringen, war auch nur den Schein der Wahrheit trüge. Sie haben eine Urböllieferung» daß sie Abkömmlinge jener J-raelitm seien, welche von Rebuchadnezar zur Zeit der Zerstörung de» ersten Tempel» «ach Babylon und Persien verbanul worden waren. Ihre Muttersprache war seü undenklichen Zeiten die persische, in welcher auch die Predigten und Bor» wäge über den Talmud in den Synagogen gehalten werde«. Der jetzige Oberrabbiaer, oder Muley, wie er genannt wird, ist Abraham Ben Aharon Lohe« Zedeh er ist auch zu gleicher Lest Lehrer der Jugend. I» der benachbarten Stadt Khiva bestand einst ein« bedeutende jüdische Gemeinde, aber infolge vieler traurigen Umstände schrumpfte sie allmählich zu eine» kleine« Häuflein zusammen, welches seit kurzem die Moho» medanische Lehre angenommen hat und jetzt gänzlich mit der allgemeinen Bevölkerung verschmolzen ist. Eine ähnliche, maffenweise Bekehrung der Juden zum Mohammedanismu« fand vor ungefähr 50 Jahren in der perstschen Provinz Khorasan Palt. Die Regierung jener Zeit schien die Au«rottung der Judm beschlossen zu habe«. Ei« Massenmord der jüdischen Emwohner fand statt, aber diejenigen unter ihnen welche nicht dm Mukh halt«, dm Märtyrrrtod zu eileidm, gabm ihre Religion auf und wurde» Muselmänner, um ihr Leben zu reiten. Gegenwärtig ön> lassen ihre Nachkömmlinge dapersische Gebiet, um sich in Merv anzusirdeln. wo fie beabsichtigen unter dem Schutze de» Zarm zu der Religion ihrer Väter zurückkehrm. Sie wenden sich jetzt mtt der Bitte an ihre Glaubm-genoffm in Europa ihnm bei Gründung von Handwerkerschulea und sonstigm technischen Anstalten behilflich zu sein, „damit untere neum Herren, die Russen. und unsere Nachbarn, die Türkm, die Perfirr, die »fghanm, die Mongolen, die Ehinesen. die Khivttm und die Bokharesm, nicht länger sagm könnm, wir wärm träge und wollten mtt unserm Händen nicht» er» werbm. Wir wüoschm ehrlich zu arbeitm für unsem Lebensunterhalt und zu gleicher Zeit uns ernstlich dem Studium unserer hriligm Schriften und der Ausübung unserer religiösen Pflichten zu widmen". Kim «fie AndenLstsnie in Indien. Ju der Umgegmd vo« Bombay leben in einer bedeutrndm Anzahl von Dörfern verstreut etwa 10—12000 Abkömmlinge alter jüdischer Einwanderer, welche jedenfalls schon viäe Jahrhunderte stch in einem Zustande vollständiger Isolation von ihren Stammesgeuoffm befundm haben. Diese Judm nennen sich Bue Israel oder Söhne Israels, und bis vor Kurzem galt die Bezeichnung Jehudi oder Jude unter ihm» als ein Schimpfwort. Sie unterziehen stch der Be» schueiduug nach den Gesetzen Moses; aber au die Stelle des alten Testaments, von dem fie bis vor weaigm Jahren keine Abschrift besaßm, trat bei ihnen die mündliche Ueberlieferuug. So ist es denn natürlich, daß sie abergläubische» Vorstellungen der verschiedensten Art huldigen, und daß die Anbetung Je» /hova's bei ihnm mit Götzendienst «nd Wahrsagerei verbundm ist. vo» dm arabischm Judm, welche seit unvordenklicher Zeit »ach Bombay Handel treibm, hattm fie schon vor der Entdeckung des Seeweges nach Indien durch die Europäer Theile der Liturgie der Sephardimgemeiudm erhalten, und diese beuutzm fie immer noch in ihren versammluagshäuseru oder Syuagogm. In gesellschaftlicher Beziehung ftehm fie i« allgemeinen auf einer sehr niedrigen Stufe. In Bombay find sie mit Ausnahme von einigen Kaufleutm und Schreibern fast ausschließlich Handwerker, besonder» Steinmetzm und Zimmerlmte. Auf dem FesUande treibm fie Ackerbau, »der sie beschäftigm sich mtt der Mannfactur und dem verkauf von Oel. Hier und da findet «an fie jetzt auch untor dm eingeboreuen Truppm der mglifcheu Regierung, und fie follm sich als Soldaten eines gutm Rufes erfreuen. E» erfordert gerade kein geübtes Auge, um fie unter dm anderen El«, grbormm der Provinz herauszokennm. Ihre Gesichtsfarbe ist heller als diejenige der Hindu's, und ihr Gefichtstypus dmtet auf eine ursprüngliche Einwanderung aus Arabien hin, denn er ve> bindet die gewöhnlich« jüdische Physiognomie mtt einem Anfluge der arabischen Gesicht-eigmthümlichkettm. Ihre Kleidung ist eine Zusammenstellung au» der Tracht der Hindu'» und Mohammedaner, unter denen fie wohnen. Sie wollm nicht mtt zu audem Religion-gemeinschafte» gehörigen Persoam rffm, obgleich sie oha« welch« Kastmoor» urtheile auihrm Gefäßen triakm. Sie haben gewöhnlich zwei Ramm, von dmcn der eine der alttestammttichm Ge-- . schichte entlehnt ist, währmd der ander« ein gewöhnlicher