Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 15-16 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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So aufmerksam mb theilnehmend voll bang« Erwartung ' «an de» politische» Ereignissen und der NiSerlag« 3tatw leou» gefolgt, wie erschütternd besonder» auf die Pole», die NachriH seiner Bei bann ung auf die Insel Elba »irkte, nicht» glich der Wirkung der heutige« NachricP, die Arthur erbleichend der Gräfin au« einem Extrablatt« euchüllte. »Napoleon ist auf dem Wege nach Pari», da» franzbst- - fche Soll jauchzt ihm entgegen. Roch ist Polen nicht der» loreulrief in summendem Eitthusiasmu« Arthur, sein« 't Eonfüderatka schwingend, das» sie au die Zimmerdecke flog. £’ »Ich ahnte e»,- sagte die Gräfin schwärmeriich, »daß dieser - - KriegSgott nur siegend oder sterbend seine Laufbahn beenden wird." > »Ihr Herren in Wien,- rief Arthur jauchzend, »werfet «Eure Sckireidfedern und Pakte hinweg. Ihr habet zu früh gerufen: Firn« PoloniM.* »Der achtundzwanzigste Januar 1812, an dem man auf Befchl Napoleon» die Selbstständigkeit Polen» in Warschau proklawirre, wird die Wiedergeburt unser» geliebten Baterlaude» bleiben,- sagte die Gräfin tiefbewegt. »Ach! linnu ich mein Leben für den Gottgrsandten geben!- rief fteudig der Ei regte. »Diesen Riesengeist meinten seine Feinde, diese Pygmäeu, in Fesseln zu schlagen l Wie' beneide ich unsre Leaioa, dir mit ihm in Rußland gekämpft. Hat sie nicht seine Niederlage abwehreu können, treu ist sie ihm nach Äba gefolgt, so Biele ihr grdlieben.- »Sie meinten in Wien den Rand unter sich zu thrilenl — E» gäbe keine Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden, wenn diesen Eienden die» gelänge", rief die Gräfin in edler Entrüstung. »Rache, ewige Rache schwöre ich ihnen und mit mir Tausende unsrer Brüder I“ »Gehen wer zur Ruhe, Arthur-, bat besänftigend die -Gräfin. »Laß uns zu den Füßen de« Gekreuzigten flehen, daß er sich der Gerechten erbarme-. — Dir Fäuste geballt, die Stirnabern geschwellt, die Züge wuthenstellt drückte der sonst so sanfte Mann einen glühenden Kuß auf bi« Stirn der theuren Frau. Er geleitete sie in chr Zimmer, dann eilte er in sein .Schlaflabin«. wo er sich angeklnd« auf den Divan warf. Erst bei Tagesanbruch schlossen sich die müden Augcn. — Träume Don Schlachten und Siegen, eine Siegetgüttin mit Esther'» Lügen, die ihm nnen Lorbenkranz auf die schmelzende Stirn Drückte, schwirrten in seinem «regten Gehirn durcheinand«. (Fortsetzung folgt.) Die Form der Ma-zoth. Bo« L. Sohku-R«». - kvchlub.) Der Talmud «wähnt «n« 01VN od« »Formin Brr- $ ♦inbung m,t HTOßa rcno, welche Buxlorf für »Leb- ■ kucheo- und Lrvh für auegezackte und phantastisch gnän« s' derte Kuchen hält.-) Die Geonim dagegen erklären, daß ihierunt« Kuchen in Gestalt von Bbgeln, Fischen und andern ' Thirren verstanden werden. Ich habe selbst in London v«» J fertigte Mazzoth in dies« G^ialt gesehen und auch manche Mazzoth in Form eines Schafeod« Affen gegeffen, kann mich jedoch nicht mehr erinnern, ob diese« am Paffah war. Ja Holland sind solche Mazzoth noch in Gebrauch, ab« in § strenggläubigen Familien nur vor Paffah. i •) rr-ucnn pp'no c»«üachi« 87») ««m b« .««-»» «u |. CFTOJS HUTS »gefardte. Such«' uab iettet das So« Pp'“iO von K - pTD »Röchet' ad. Gefärbte Mazzoth waren aber seldfwerftändlich t. zu» Peßachgebrauch «erbat«. Sollt« bah« nicht »trlmehr, f . wie p-ÜÖ »der Sau»»', von piv in der Sedeutnig von »S仫«, %,■ Hecheln' herzulette» sein, d, die «azzmh ja «U «ne» kn»«ähnlichen, rt^it« Instrument« durchlöchert wurden, »it welch«, »nch leicht «erfchwben« Zeichnnng«, her^stellt werden »onat«, dt« gleichzeitt, . »»U Ftgunn, Zeichnung«, Sildern ««sch«" war«? Raummanael gestatt« mir nicht, einig« iuterrffante Be» merkun-en über hebräische Kucheninschriften anzuführen, welche «ne Erklärung zu dem »Heilig, heilig-, dn Eoptischm Waffel - kucheu abgebe» könnten. Kinder «hielten solch« Kuchen al» eine osnnm .1^110. »ein Specificum. um »eise zu w«t<a'. Einige Andeutungen finden wir im LnaiSl, wie »Zauberkuchengemacht w«den müffen, welche durch die uuauösprechlichen Eagelaamen, die auf denselben angebracht werden, den Zaub« unwirksam machen sollen. Eine» dies« Zaubermittel, welche« von H«ra H o ro w i tz bekannt gemacht wurde, will ih j-doch nicht unerwähnt lasten, da «» sehr eigrnthümlich und praktisch ist. Es soll al» unfehlbare» Mittel gegen die Vergeßlichkeit dienen und dürfte nach «ein« Meinung ebenso wirksam sein, wie «ne» der mnemotechnischen Hilfsmittck, welche man in unser» Tagen anzupreise» vflegt. Da» folgende Mittel ist »«sucht und bewährt gefunden worden und Rabbi Saadjah den Joseph hat von demselben Gebrauch gemacht. Er entdeckte e» in der Höhle de» Rabbi Elasar Kalir und alle weisen Mäun« in Israel nebst ihren Schül«n wendeten da» Mittel mit dem günstigsten Erfolge an: »Im Anfänge de» Monat» Siwan nimm Weizenmehl. kn«r e» und sei »«sichert, daß die Probe gelingen wird. Au» diesem Teige mach« Kucheu, backe sie und schreibe auf dieselben den B«S '.1 aifrn JW l'nn6nj‘? TWV "DT »Erinnerung schaffte n seinen Wundern, gnädig und barmh«zig ist Gott.' Nimm dann ein hartgekochte» Ei, schäle es ab und schreibe die Namen von fünf Engeln daraiff. (Ich kann diese Namen nicht au»sprechea, bin ab« berett, sie Jedem mitzutheilen, d« da» Sxvniment vnsuchen will.) Einen solchen Kuchen und ein solche« Ei iß täglich 3V Tage lang und (wmn du in dies« Zeit nicht an Bndauungsbcschwrrden sinken wirst) du wirst Alle« l«neu, wa« du stehst und e« nimmec wird« v«gessen.' Die illuwinirten Haggodah-Manuscripte sind reichhaltig an Belehrung und Interesse. D« Büsewicht «scheint in denselben regelmäßig al» eia wild« Soldat mit einem mqeheuren Säbel in der Hand; der Weise präsentirt sich in Gestalt eine» werdenden Rabbi mit einem Barte und trägt rin Buch, da« so groß ist wie die Waffe de« Bvsewicht«. Die Maler zeigen sich auch oft al« Weiberfeinde. Man erzählt mir, daß in einer mit Holzschuitten verzierten Hagxadah sich rin Bild befindet, nach welchem der Hausherr bei den Worten "11 Tnö, (dieses Bittertraut) auf seine Ehehälfte hinzeigt. Bon dlrser Abscheulichkeit habe ich nur gehört, ab« selbst nicht» gesehen. Jedoch muß ich meine Btmerkungrn üb« d«artige Manuskripte, sofern sie nicht zur Erölt«uug meine» Thema'» gehören, für spät« ausbewahrea. In d« Haggadah wird gefragt: »Warum essen wir Mazzo?" und zu den Worten '11 TOB?» enthalten die meisten illumtnirtrn Manuscciptr Zeichnungen von Mazzoth, welche in manch« Beziehung int«essant« Anhalrepunkie bieten» den in Rede stehenden Grg«istand historisch zu beleuchten. Einige von diesen abgrbildeten Mazzoth sind oval, auch Hab« ich eine solche in Form eine» Sterne» gesehen, ab« fast alle haben eine krrissörmige Gestalt. Manche haben auch eine breite Bordirung, welche von d« übrigen Mazzo »«schieden ist. Die »Lrawford-Haggadah-, welch« auf d« jüngsten Ausstellung zu sehrn war, enthält die Zeichnung einer runden Mazzo, auf welch« eine hübsch« Btumenverzierung angebracht ist. Wieder andere und wir ich glaube, sehr alte, da die Zeichnung sehr ordinär ist, sind mü schrägen Querliuieu, welche rautenförmige Figuren bilden, versehen und haben Aehnlichkeit mit den gittnsörmigen Kucheu, wie mau sie in Italien und P«sien sieht. In einem Manuskripte de» »British Museum- (römisch« Ritu» 1482) finden wir die Stern« und Würfelform o«bunde«, den Rand von kleinen Dreiecken umgeben und da» Stnttum in würfelförmige Fächer eingetheilt. In noch einem ander» Manuskript hat die Mazzo einen Rand, welch« durch schmale Limen in fast rechteckige Fäch« getheitt ist, «ährend zd« von diese« umgebene mittlere Theil mit ein« Zeichnung versehea ist, in