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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 15-16 (1889) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
15-16 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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s^.Arlhur ist mit umgewandelt, sagte die Gräfin leffe zu Gerson, seit langer Zeit sah ich ihn nicht so angeregt. Esther hat ihn durch die Jugenderinneruvge» neu belebt.- — .Mir erscheinen die Cokreen wie die Humoristen unrrr den Blumen, sagte Esther, sie überraschen wie der Humor, durch glänzende Einfälle. Wer, der die Natur dieser Pflanze nicht kennt, würde ahnen, daß diese steifen, ftachlicheu, haarigen Blätter, so farbenprächtig« Blüthen brrg'n? Lein Stengel deutet diese an, sie erscheinen beinahe plötzlich wie Lobolde, wo man sie nicht vermuthet. ES ist wirklich märchenhaft. Da sitzt die arme Blume, wie eine verwünschte Prinzessin, gekleidet in Pracht und Glanz, im Arme eine» Ungethüms; ohne Duft, den .sein Athem verwehen mag. Den KaktuS kenne ich, ich sah m vielfach bei Frau Doktor Rembrand." .Welche Einfälle Sie haben, Fräulein", bemerkte Arthur überrascht von dem natürlichen Witz de» Mädchens. .Ach, ich bin so unwrffend". sagte sie ernst. Sie sind ein so gelehrter Herr sagt mein Bat«; man ist wie blmd wenn man so wenig gileror hat wie ich, man schämt sich seines bilden Auge»." .Ich wünsche Ihnen wirklich meine Augen", sagte er bedruwngsvoll. Sie würden dann Manches sehen, was Sie nicht zu sehen scheinen." .Der Wunsch ist gut, ab» wie eitel! Solche Augen gerade wir die Ihrigen mir zu wünschen l" scherzte sie tlndlch. .Nun Fräulein» eine Pariserin, würde meinem Wunsche eine andere Auslegung gegeben haben. Es lohnt nicht. Ihnen ein Eomplimevt zu machen." sagte er scherzend. .Ich verstehe Sie nicht." erwiderte sie schüchtern.! .Dafür küsse ich Ihne» die Hand, meine hold« Einfalt", sagte er veignügr und bedeck» diese mtt feurigen Küssen.! .Mein Bater ruft, eilen wir den Unsrigea nach zuj kommen, ich bemerkte nicht dag sie fortgingen." l Da« Herz kiopfte dem Mädchen so laut, sie mein» man muß» es hören, w» wohl und weh, wie himmelangst und erdenselig war chr zu Muthel — Mir flüchtigen Schritten, kaum dir Erd« beruhend, war! Escher bald zur Seite der Gräfin. .Entzückt haben wich die Blumen, 10 eigen war mir »och nie um'S Herz w» dort." Der Samovar spende» da« kochend« Wasser zum Thee, den Gerson schon reisefertig, stehend einnahm und Esther zur Eile mahnte. — l .Lassen Sie da« Kind in Ruhe den Thee trinken", I schalt gutmüthig die Gräfin, Esther aus dem Divan neben sich festhaltend. — .Ich bin bereit, lieber Later," sag» sie fich erhebend. Die Gräfin mit ihren herzlichen Zärtlichkrtt-beweisen, trennte sich ichwer von dem lieben Kinde, daS irühlich schien, aber mit seuch»n Augen htnanseil». — Arthur begleite» d« Gäste an den Wagen, HM» Esther sorgsam in ihre» Plaid, al» vir Gräfin herantrat, chr ein Bouquet und schöne Grüße für Frau Sara übergebend. .Sage Mama, sie möchte doch auch erlauben wie Papa, daß Du zu den Unterrichtsstunden kommst", rief sie, als eben d» Pferd« kräftig anzogen und der Wagen eilig dahinrollte. Schön war der Tag, schöner noch der Abend für da« beglückte Mädchen. — Milde- Mondlicht versilberte den Wald und warf lange Schalten auf die Landftraße. Geheim „»volles Rausch«! und Wispan, ein Beben und Neigen der Baumw'pfel zu «»ander, heimliche» Leben ringsumher >n der Stille, als tauschten Geister holde Grheimniffe unter «nun der. Esther lehr» als eine Andere, nach den wenigen Stunden ihrer Abreise in» Elttrnhaus zurück. Gleich nach d« Anluvst wäre sie am liebsten sofon m ihr Stübchen geeilt, ab« Mutier und Tan» Balentin saßen vor dem Hause auf dem abgenndetrn Baumstamm und frag»» sie über alles Wissen»- werthe aus. man hat» so herzlich theilnehmrnde Frage» über das gräflich« Hau». — Esther that ihr Möglichstes um der Mutter zu genügen, hat» da» Bouqn« überreicht »nd einen Krrb de» schönsten Obste», den sie «ochsimpLage« vorgefunden; erlang» auch bald die Einwilligung zu de» von dem Later bewilligten Uaierrichttlstnnden, und eil» daun, Ermüdung vorschätzend mit .Gute Rächt für Alle", in die ersehn» Einsamkett. Laut wie sonst nie. deie» sie ihr Nachtgebet, al» woll» sie damit ih» innere Unruhe übertöne». — .Here der Welt, Du senkest die Bande de» Schlafe» auf meine Auge« »nd den Schlummer auf meine Augenlider. Laß mich nicht ängstigen meine Gedavkeubilder oder Träume, oder schlimme Regungen der Seele." Der Schlaf kam nicht so schnell al» sonst, doch sieg» endlich die gütige Natur. Der Traumgott webte Bilder von Liebe »nd Glück au» einer reinen Wrlt. Die Männer der Familie war«i längst zu Rahe, al» Sara »nd ihre Schwester noch im traulichen Gespräch« über die ersehnte L«bindung chrer Kint«r Pläne machte». — Sara möchte »nr E'ther» Meinung erforschen, von Arno wußte man, daß er Esther über all« Mädchen stell«. — Die Briden sind ja wie für einander geschaffen. Leichten Herzen» wünsch»» sie einander gu» Rächt, im Geiste begrüß»» sie ihre Kind« al» Brautleute. .Ach, bald hätte ich e» vergessen!" rief Sara. Nimm da» Geld in die Vereinskaffe; die Kollekte hat mein« Büchse schön gefüllt. Uns» drei reichsten Frauen thaten wie immer, sag» sie scherzend. Blümchen wünsch l allen Menschen so viel Besitz, daß sie nicht» zu geben brauche; Taube mvch» gern allein reich sein, damtt Jeder von ihr Gaben auuehme» müßte; Liebe möchte Alle» haben und nicht» geben. Du weißt, mtt ist'» gleich, ob Ein« gern giebt oder nicht, ich fürchte nicht di« schiefen Gesicht«, die Geizigsten leiden am meisten von mtt." .Die Büchse ist recht schw«," sagt. lachend Frau Valentin im Fortgehen. _ Auch in Sosnowiee tauschten zu.' selben Stunde Großmutt« und Enkel freundliche, annkennende Brmnkungrn au». Üb« da» Gerson'sche Hau». Esther'« Lob that Arthur so wohl, daß « die Gütige plötzlich stürmisch umarmte, d» nicht aha», wa» den jungen Mann beweg»; ihrem Herzen»- kinde ab« di« Zärtlichkeit innerlich dank». — Pan Franschischrk sprengte eben im vollen Galopp durch da» Thor, hielt an d« Veranda sein kourbettirende» Reitpferd und grüßte unbefangen die eben nicht angenehm Ueberraschten. .Woher kommst Du so spät?" fragte die Gräfin. .Bon KonarSki'»," antworttte « herzrn»ftoh; .wir verabredeten für die nächsten Tage eine Laudparthie." — .Warst Du nicht auf dem Viehmarkt in T. da» Ochsengespann zu kaufen? Du weißt, r» ist die höchste Zeit zu« pflügen, siehst Du nicht Onkel, daß es benit» in d« ganzen Gegend geschehen?" — Verwirrt stotterte Pan Franschischrk eine Entschuldigung, wendete sein Roß mtt der Haltung eines heimkehreude» Helden und mit Blitzesschnelle ntte « zu dem ihn «wartende» Reitknecht, dem « Reitgerte und Zügel zuwarf und ein Bild von Fräulnn KonarSka küffend, verfüg» « sich in sei« Schlafzimmer. .So kan« e» läng« nicht gehen", sagte Arthur empört über oen unverantwortlichen Leichtsinn seine» Hnrn Onkel». .Rein," antworte» die Giäfia ttaurig; .ab« wo soll « bleiben wmn Du ihn fortschickr? Ec ist uns« Benoandt«; — vielleicht wird er and«» um« Deiner Leitung." .Da« «warte ich nicht, Großmama, schweigen wtt davon." D« Postbote hat» sich heute verspätet, da die Post durch ttgrnd einen unglücklichen Zufall spät« al» sonst in I. angekommen war. Zeitungen kamen damals nicht wie heu» täglich an, manch« Tag lag zwischen den Ereignisse« und ihrer Bnöffrntlichung.

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