Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 14 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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'' »Die Vttsvchuug tritt cm unser« Kinder, »amrnüich an «nserr Töchter auch wem« Hera«. Bedenken Sie.- wie sie von «rder Bezi'chung auf gesellschaftlich« Genüsse au»geschlosse» sind. Da» Lorutthttl unserer »nder«gl>ubigen Mitbürger ist die Scheidewand di« uns schädigt, aber auch nach »ancher Snte hin schützt.- „Die Ausschließung raubt doch besonder» der Jugend «an«den schönen Genuß, empfinden sie es nicht so?' fragte di« Gräfin. - „Gewiß weniger ala man dies annimmt. Di« Linder hören es oft. wie wir Glanz, Ueppigkett und schwelgerisch« Genüsse verachten. Ohne Neid, ohne Erbitterung, ohne dm leisesten Wunsch jmer Begünstigten anzugehvren, sehen wir diese« Treiben zu." Hätte Gerson ganz offen grsprochm, so hätte er noch hinzufügm müflen: Selbst Laster, Böllerei und »u»attung jeder Art fand raan bei dm Lhristm natürlich. »Sicht mau fictm und Kntthte in gleicher Unzurechnung«fähigkttt durch Ünmäßigkeit und Trunkmheit, daun bl'ckt selbst der ärmste Jude auf sie mit stiller Verachtung und sagt sich: »Wir Juden sind doch ein heiliges Volk." Sie wünschm durchaus nicht dm Ehristen ähnlich zu sein, deren Treiben sie als ein eitles, zeitraubendes Poflwspiel da« Ebmbild Gottes rntthrmd. brmtheilm. Sie fühlm ich freier als ihre Bedrücker. S>e leidm unter dem tatrizier- und Beamtmstolz, aber sie belächeln bei ch dieses Philisterwesm mit seinen Schwächm. „Der düse Hals'*), »einm Esau" nmnm sie die Gourmauds. Mancher feine Herr, mancher stolze Borgeschte des damals sehr leicht bestechtichm Richterstand«« verschluckte «tt gutem Wein und L-ckerbissm manche heikle Rechtsftage." Dir Offenherzigkeit Gersons brachte auf die Zuhörer ein gemischtes Gefühl von Bewunderung und Uebrrraschung hervor. Nie battm sie gedacht, daß diese, von dm me'.steu Ehristm nur Geduldetm, sich eine innere Freiheit bewahrttn, die sie über ihre Gegner erhob. »Wenn sich mein Wunsch erfüllte, lieber Frmnd', sagt« feierlich der Probst, „würdm die Menschen Euch ehrm, schon als das Colt aus dem unser Herr Jesus Ehrtstus und die Mutter Gotte« hervorgegongeu sind." Gerson schüttelte dm klugm Kopf, er dachte an die Jahrtausend alte Kluft, dir sich immer mir nmm Anklogm gegm sein Volk gefüllt und keine frmndliche jleberbrückung in Auaficht stellte. Lr sah nach seiner Uhr, es war hohe Zeit, sich reisefettig zu machen. Der gütige Wirth schlang seinm Arm um ihn, btttmb, noch zu verweilen, da man Frmnde wie Gnson zu srltm bei sich habe. Dieser aber autwotttt«: »Eeftms habe ich wirklich nicht mehr Zeit, und zweitms ttchte ich mich nach dem Ausspmch eines unserer Weism, er sagt: »Es girbt drei Attm von Freunden: Die Einm find wie Speise, dir man nicht entbehre» kann; die Andern wie Heilmittel, welche man zuweilm braucht; die Dtttte« wie Krankheit, die man nie will, und die doch kommt." Zu welcher Art von Frmndm Sie mich auch zählm, Ehrwürdm, Maß halten muß jeder lernen!" »Ach Herr Gerson", erwiderte der Probst mit weiche« Tone, »ich brauch« Sie wie Speise, wie recht gesunde, kräftige Speise. Kommen Sic bald wieder, laffm Sie mich nicht zu lauge hungem." Er geleitete seine liebm Gäste eine Strecke wett, bis er sich verabschiedete. (Fortsetzung folgt.) kJ . •) Jüdisch» «cbciUott für BBOmi Die Form der Mazzoth. Von & Co|ta«fte#. Beim Herannahm des Beßachfrstrs dürste es iuterressaut ein, dm Inhalt eines Artikels teunen zu lrmm welchen Herr Israel Abrahams in London berett« im vorigm Jahr« über das obige Thema im »Jewish Ehroniele" veröffentlicht hat. Herr Dr. Johusou sagte: »Man kann leichter «rtmnen, daß ein Kuchm schlecht ist, als einen qutm backm." Ich batte eine kleine Pottion Teig, welch« ick durch lange« Rollm zu eine« breiten, flachen und lockern Ganzen hätte ausdeham könvm. Ich zog e« dagegm vor. au» meinem Teigklümpchen einm kleinen, winsigm und auspruchslosrn Kuchen zu formen. Ich fürchte aber, daß er auch in dieser eoncentrittrn Form sich noch al« geschmacklo« und unverdaulich erweism wird; in diesem Falle möge man alsdann dm Bäcker tadeln; aber nicht das Material. Ich habe weder dir Zeit noch die Absicht, die verschiedmen Operationen zu bttrachtm, welche beim Backm der Mazzoth vorgrnommm werden, a>» da« Knttm. da» zu verwmdrnd« Material, die vncschiedenen Vorschriften über da« zu benutzende Wasser, die Vorsicht be>m Bewachen des Backofm« rc. ,c. Dtrjentgm, welche geneigt find, einige dieser Gebräuche im verglttch zu deum der Richtjudm näher zu bettachteu, werden gewiß iutereffante Beobachtungen über diele einzelnen Punkte machen. Worüber ich zu sprechen wünsche, da« ist nur die Form und Gestalt der Mazzoth. Die christlichm Sinnbilder, welche btt der Ftter de« Abmdmahls eine Rolle spielm, haben ihren Ursprung natürlich tu dm Gebriuchm dr« Peffachabends. Da« Brod, welches beim Abmdmahl gebraucht wird, ist btt einigm chttstlichen Setten ungesäuertes und scheint in der That gesäuertes Brod nur als ein Protest gegen gewtffe, sogmanute judaifireude Bestrebuugen ttngeführt wordm zu sciu. Die lateinische Kirche hält noch au dem Gebrauche, ungesäuertes Brod zu verwendm, fest, und vom 7. Jahrhundert an wurde in Rom ungesäuerte» und tu Loustanttnopel gesäuertes Brod verweadet. Indrffm hatten von dm frühest« Ztttm an die Hoftim ohne Ausnahme ttne rvude Form und wurde vom Papste Zephyr tuus (197—217) diese Form durch ttn Gesetz vorgeschrieben. E« ist auffallmd, daß. der Kirchenschriftsteller Bona diese Form mit der Form der Münzm, welche Judas für dm Berrath au sttarm Mttster empfangm hat, tu Zusammenhang bttngt. Obscho» nun weder iw Talmud uoch in trgeudwelchm Entscheidungen der spätem Dettsorm ttne bestimmte Vorschrift über die Form der Mazzoth fich findet, ist diese seit uudenlllchm Ztttm die ruud« grwesm. Biele Mtuhagtw (Gebräuche) hadm fester Wurzel gefaßt, als wirkliche Gesetze und zu jmm gehött auch der, daß wir die Mazzoth nur tu ruuder Form hrrstrllm. Bet Picart fiadm wir eine Jllustratton. auf welcher ttue viereckige Mazzah vorkommt; dieser Fall ist aber wuhrschttnlich der maugelhaftm Zttchuuug zuznschrttdeu. Es ist wahr» daß in Rumänien viereckige Mazzoth im Gebrauch sind. In dem Strttte aber, dm die Einführung der Mazzothmaschtae hervorttef, brachte« die Opponenten gegm dieseldm Beweise vor. als ob keine andere als dir runde Form denkbar wäre. Kluger z. B. scheint es nur dadurch fettig gebracht zu haben, daß man seine» gewtchttgftm Etuwändm gegm die Einfühmug der Maschine» Berückfichttguug wiederfahrm ließ, well sie nur vier- oder rechteckige Mazzoth fertigsten««». (Jetzt bttauutltch auch mnde.) Als man in London zum ersten Male Mazzothmaschium rtnführm wollte, ging, wie Hem Dr. Adler mtt sagte, die Opposttiou Hauptfach von dm Bäckem und nicht von dm radbiuischm Autotttätm au«. Dt« Bäcker wttgettm fich kategottsch, viereckige Mazzoth zu fadttctrm, indem fie als Grund augadm, daß fie tu diesem Falle thrm Borrath nicht würdeu vertaufeu können. Sogar dt« .heute werdm tu London Ittue vttteckigm Mazzoth gebackm; dirjmtgm» welche tu dtestt Fon» zu Grfichte kommm, find vom Eontiueut iupottirt. Auch die altm Egypter gabm thrm Kuchm dir runde Form und die Mazzoth dtmen nach dem Midrasch al« Ertuueruug au di« Spttsr, welch« dt« «gyptischm Hetteu ihre