Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 13 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Dieser setzte wie zufällig seiueu Fuß darauf. Al« uuu der Herr io« Hotel ging, hob Marek da« Papier auf uud legte el tu feine Westentasche, in der richtigen Boraulsetzung, etwa« zu befitzru, wa« dem Eigenthüwer nicht gleichgültig seil Sein Plau war bald gemacht, derselde sollte ihm seine rechtmäßige Forderung eintragen. Richtig! Nach wenigen Stunden hörte man, Herr Leonhard vermiss« ein wichtige« Papier. »Jetzt warte, Hallunke," dachte er, »du sollst mir meine Forderung dreifach bezahl«." Der Schelm begegnete seinem Opfer. Marek heuchelte Lheiluahme un» gab Leonhard den Rath, dm Verlust bei der Polizei auzumeldeu. »Lass« Eite e« >u«rufeu, der ehrlicher Finder erhält 80 Rubel." Mit schwerem Herzen wurde dieser Rath befolgt. Marek hörte mit Vergnügen Nachmittag« den Ausrufer mit Trommelschlag verkünden: »Der ehrliche Finder erhält 20 Rubel!" Mehrere Stunden danach fand fich »der ehrliche Finder" ein uud mit schadenfroher Genugthuuug steckte er seinm Fiuderlohu ohne Gewissensbisse in seiue leere Börse. »E« lebe Marek» Witz", sagte man scherzmd. »Schlau aber nicht ungerecht!* meinte Gerson." »Jede gehetzte, m die Enge getriebene Ereatur hilft fich so weit ihr verstand und ihr Instinkt reicht. Wem ist e« zu »er» denken, fich sein gute» Recht zu schaff«? Marek lebt von der Hand tu den Mond; verdirbt er die Laune seine« Arbeitgeber«, dann ist er verlorm, er erträgt fie und wartet seine Lest ab, um seinen Bortheil zu erzielen. Ohne Zweifel keine empfehlenswerthe Moral, aber fie ist hervorgernfen durch dm Mißbrauch de« Mächtigen gegm den Schwachm," sagte Gerson. E« ward scherzmd uud ernst noch manche« hierüber gesprochm, dann hob die Gräfin die Tafel auf, und Esther bat um Erlautniß, die liebm Räume de« Schlöffe« zu durch» waudelu, wo fie oft i« fröhlichm Kiudermuth gespielt. »Ich muß »och mit Papa plaudern, erlaubst du, daß dich Arthur begleitet?« fragte die Gräfin. Ihr strahlcude« Äuge sagte ja und Arthur bot ihr freundlich sein« Arm. Sie stützte dm ihrigm so leicht und schüchterp auf dmselben, daß man ihr da« Ungewohnte solch ritterlichen Dienste« oumrrkte. Al« fie dm Lorridör bettatm. zog fie saust ihrm Arm zurück und blickte ihn mit fast kindlich flehendem, aber so komische« Gefichte und schelmischm Angm an, daß fie Beide laut «uflachtm. »Wmu Sie, mein Fräulein, mir da« Berguügm, Sie zu führen, nicht gönn«", sagte er halb ernst, halb scherzmd, »dann muß ich darauf verzichten, ich weiß wohl, meine Stütz« brauchen Sie nicht." »Mindesten« nicht bet solcher Gelegenheit, Herr Graf. Ich wag mir die freie Bewegung nicht früher beschränkm lass«. bi« ich wirklich Hülfe brauche. Mau muß immer versuch« seinen Weg selbstständig zu gehm. Sind wir Frau« dmn gar so gebrechliche Wesen, daß man uo« wie Rinder oder Böglein schütz« muß?" »Da« Recht haben wir Männer wirklich nicht dazu, sagte er, denn wir wissen. die Fraum find «ächtig: „Oherohen ln femme* sagt man nicht nur in Frankreich, in tausend Fällm wo Männer nicht» auärichtm können." »Wie »st lachtt ich über Damm, die sogar in unseren Laden, — den» in Gesellschaftgsaal, wohin ich ja nicht gehöre, sah ich noch keine, — fich mit Zuckerwcrk und Kampttmmlm füttern ließ«; wie befriedigt fie »arm von dm faden, geistlos«, Äußerungen der Herren, die mit ihum warm! Ich würbe mich zu vornehm düüm, diese Art von Höflich, leit» anznnehntm ober anznhörml" »Aber Fräulein, Sie könntm bann auch leicht ehrlich gemeiütt A«he rangen so anfnehmru?" »Ich bin wenig in solche Versuchung grkommm, mich schützt" — sagte sie mit lieblicher Znrückhalwng abbrechmd." „Ihre weibliche Würde", sagte er leise, fast schüchtern. »Daß weiß ich nicht, aber die Stellung der Jüdin, meine ich. — Ist nicht hier dir Tbür ru Fräulein Düpleffen« Zimmer, wo wir bei ihren Lektionm recht ungezogene Kinder waren?' Arthur öffnete da« Zimmer, da« Gespräch fortsetzmd. »Sie war un« Kindern ein Gräuel in ihrer Häßlichkeit. Wiffen Sie noch, wie meine Coufiue ihr Gesicht zu verschieben verstand, al« wäre e« au« Gummi, um die glatte Rase und da« spitz« Kinn de« Fräulein« nachzuahmm? Und ich mochte Fräulein Düpleß nicht» weil sie mir meine laugm Locken zum Zopf znsammenflocht." »Und wir Mädchen dmselben au jeden Baum und Strauch festbaudm, unter welchem Sie eiugeschlafm warm." So wanderteu sie durch die eleganten Räume de« Schlöffe«. Beide von Erinneruugm an mancher Stelle gefcsselt. — Al« Arthur den großm Salon öffnete, stand Esther lächelnd au der Schwelle still. »Ach welche Niederlage habe ich hier auf dem blankm Parquet erlebt! Mein Vater führte mich zu ihrer Frau Mutter, ich machte gleich au der Thür meinen Kuix und glitt au«! Al« ich erschreckt aufblickte, sah ich in der gegenüberlitgmdm Spirgelwaud meine jämmerliche Situation. Da« war mir so komisch —, daß e« mich über Beschämung und Schreck hinwegbrachte und ich über mich selbst mit den Anwesenden lach« konnte. Ist hinter der Tapetenthür noch da« Mufikzimmer?" »Gewiß, sagte Arthur bewegt, e« blieb dort alle«, wie e« meine arme Mama verlaffm!" »Ich sehe fie noch, sagte Esther, und Thräum füllt« ihre Augen, wie fie un« Lieder am Klavier lehrte!" »Sie haben da« Grdächtni« de« Herz««, würde meine Großmama sagen." »Der Parquetbod« ist so gefährlich für «ich wie tamal«, sagte Esther scherzmd, »über diese Eharybdi« helf« Sie wir. Herr Graf, jetzt bttte ich um Ihr« Ar n." (Fortsetzung solp.) Allerlei fiir de« Asu«Uie«ttsch. Indische Menschenfreundlichkeit. Bei der Gericht«sitzung in Middlesrx am 2. März unter dem Borsitze de« Lord I. D. Fletcher ereignete stch «in etwa« nngewöhnlicher Borfall. Zoe, Person«, Alfred M ah o, 35 Jahre alt, und ein Jüngling Smith» ungefähr 17 Jahre alt, waren a«geklagt, eine Rolle Wachölrinwand gestohlen zu Hab«. Maho wurde unschuldig und Smich schuldig erklärt. Rach einem lang« Berhdr wurde Maho von d« Geschworenen, weiche grüßtrntheil« Juden war«, sreigelprochen. Der Vorsitzende verfügte seine Entlassung uud verml heilte Smith zu 3 Mouattn Gefäagniß, verschärft vurch schwne Arbeit. Hiemach ersach'e Herr George A. Jsaac« auf Mensch der Mojorität seiner Mitgeschworen« den Bo,sitzenden, noch einmal dm über Smith gefällten Urlheil«>pruch zu erwäge«, wozu stch Herr Fleischer auch bereit eiklärt«. Hierauf ertherlte er dem Herrn Wheatleh Srcrriär der St. Gile« MtssionsaastaU für Christ« Instructionen, über dm Smith Erkundigungen eiuzuzirhw, welch« denn auch ergaben, daß di.ser der Spieldall de« Maho, welcher rin notorischer Dieb ist» geworden war. Smith ist eine Walse und kam von Lanca«hire, um Arbeit zu such«. Der Borsitzende sagte, nachdem er sich au bi« Geschworen« gewendet hatte, daß er nach dm Erkundigungen, welche Herr Wheatleh ringezogen, da» geg« Smich ertaffmr Unheil zu» rücknehm« und die Freilassung destelben verfügen müsse. Die Geschworen» erhob« fich wie ein Mann, ihre Billi- Sung auözudrücken, worauf Herr Georg« S. Jsaac« um ie Erlaubuiß bat, eine Ansprache an dm Gerichtshof halt«