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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 13 (1889) · p. Seite 50

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
13 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 — Mama den andern Tag da« Brillautkreuz, ei« alte« Erb» stück der Familie, vermißte!- „Alle« hatte ich zurückgelegt-, sagte Lrthur lachend, „und ahnte nicht« von dem Fehlenden. Damal« lernte ich, »ie wahr da« Sprichwort ist: .Wer Schaden hat, hat Sünde!- Man beschuldigte da« Sammermädcheo, aber erst cf« diese mir ihren Sommer klagte, eilte ich mit meiner Epielkameradin zur Mutter, und zitternd, auf den Snieen gestanden wir, daß wir gestern im Parke mit den Schmucksachen gespielt, daß auch da« Lreuz dabei gewesen.- »Nun, fand mau da« Verlorene?- fragte Gersou. der dem Gespräche behaglich gefolgt war. .Da man nun die Spur hatte, wurde gesucht, bi« ich, der Verbrecher, mit einem Freudengeschrei da« Lorpu« delicti fand.- Auch Pan Frauschischek hatte sich zur Mahlzeit ein» gefunden, und nachdem man ihm Fräulein Esther vorgestcllt, küßte er den Damen feierlich die Hand, sich stumm verbeugend mit der ritterlichen Würde eine« Bajard, aber leider konnte mau nicht von ihm, wie von jenem sagen .ohne Furcht und Tadel-. Dagegen war er der aufmerksamste, dienstfertigste Lavalier bei Tische, aß mit vortrefflichem Appetit, öffnete nur den Mund, um die einfachste Frage verwirrt zu beantworten, und empfahl sich endlich mit uotadelhastrm Anstande. .Den feierlichen Abschluß unser« damaligen Verbrechen« weiß ich auch noch, Fräulria Esther. Wir mußten einander die Hand dar auf geben und der Mama geloben, nie ohne Erlauduiß etwa« zu nehmen; dann sprangen wir fort und alle« war vergessen!' .Anch da« Gelöbuiß, nicht« heimlich zu nehmen, Herr Gra'?- fragte Esther neckend. Sie hatte bemerkt, daß er eine Schleife ihre« Gürtel«, die fich gelöst, vorsichtig verborge» hatte. .Vielleicht-, antwortete er lachend. ,E« kommt auf die Versuchung an; aber ich bin leider ertappt, »ie ich bemerke! Ich dacht« schon nach, welchen Prei« ich für den Finderlohu augsrtzen sollte, nun ist e« eher ein Diebstahl, und ich muß froh sein, ungestraft daoouzukommea.- Er überreicht« Esther zögernd die Schleife, die fie mit «ine» feine» Lächeln auf den Lippe» dankend auuahw. .Esther-, rief Gersou. .nicht wahr, wir habe» heute ein glückliche« Meoscheupaar gesehen, eine«, da« vollkommen befriedigt ist, und für welche« diese Welt ketuerlrt Wünsch« hat.- Zerftrent nickte Esther bejahend. .Sie »einen Sabnlewicz und Mariaoua, unsere neue» Philemou und Bauet«-, sagte Fran von Wiuia»«ka lächelnd, »ährend ihr eia Blick Arthur» ausfiel, der Esther zwang, die Auge« niederzuschlagen. .£>*, erwidert« Gersou. »nur eine Sorge beschäftigt fie: ob ihr 8 «gräbniß schön sein wird, wenn e« so «eit mit ihnen rft; ob der Herr Probst oder sein Vikar die Leichenrede halte», ob Fahnen und Lichter dabei sein und ob fie «inen schwarzen «der eine, gelben Sarg erhalten «erden. Lieber Gott, sagte Sab«le»icz beruhigt, zu Leicheustetueu haben wir schon zusauuneugespart, i» Uebrigeu mag e« sei», »i« unsere gnädig« Herrschaft will, fie sorgen für unsere Lebewözeit, fie »erden ti auch bei unser« Tode thnn. — Leid« Leutchen sprechen von ihre« Ende, al« gelte e« für Beide z» gleicher Zeit.- .Die Eitelkeit der Menschen hört nicht auf bi« au da« Grab-, demerkir Arthur sarkastisch. .Aber beneideubwerth ist ihre Herzeu««iufalt, die so ruhig die Gedankenbrücke baut nach jener grbeimuißvolle» Wel:-, «eint« Fra» von Wiuiawbka. .In den Hanptsachen bringt «» schließlich kein Philosoph wetter-, sagt« Gerso». Marek erschien plötzlich am Eingang« der Veranda, fich mit aufrichtiger Frende tief »erueigeud, sei» Sannnetkippchea in der^Hand: .Ich falle der gnädigen Herrschaft zu Füßen-, sagte er, al« er ans den freundlichen Gruß derselbe» näher trat und die Hände faltend au«rief: »Gelobt sei Gott, der mich hat die Freude erleben laffeo. Sie gesund wieder zu sehen, er soll Sie beschützen und segnen mit allem Guten'- »Nuu »lt-rchev, wie geht«. Alle« wohlauf? Hast Du viel Arbeit? Ich möchte Dich gern eia Paar Tage hier beschäftigen-, sagte die Gräfin. Ich habe noch zu lhuu bei dem Herrn Staroste in Wierznow, ich möchte schon lieber hier bleiben. Er ist ei» wilder Herr-, sagte Marek kopfschüttelnd, »er wacht wohl manchmal gut, wenn er einen kränkt, aber man muß sich Manche« von ihm gefallen taffen! »Ja ich kenne ihn-, sagte Arthur, seine Großmutter bedeutungövoll anblickend, .er hat dich wieder geärgert, Marek?- »Er hat neulich gehabt große Tischgesellschaft-, erzählte Marek, »und da läßt er mich au« der Ardeit«ftube holen. Ich wußte schon, er wird mir keinen Suchen backen. Aber wenn der Herr Staroste befehlen thut, da ist nicht zu spaßen. Ich geh' also und wie er mich zu sehen kriegt, ruft er mich freundlich an den Tisch, ich mach' mein »padam do nog- und er streichelt mir den Sopf. Er hat einen großen Hund gekauft, drr kann vom Tisch da« Effeu nehmen, so hoch ist er-. »Marek» sagte der Herr Staroste und guckt »ich spöttisch au. weißt Du, mein Hund heißt.Rabbi-, «ie gefällt Dir der Name?- Mich hat do« sehr gekränkt. Wa« hat er davon, mich zu beschämen und gerade den Mann zu erniedrige», der vn« Gotte« Wort lehrt! Ich dreh' mein Säppche« in der Hand hin und her und mach' eia sehr dumme« Geficht» verneig' mich tief und sprech': »Gnädiger Herr! Wie.der Rabbiner so di« Synagoge-. Ein schallende« Gelächter unserer Zuhörer lohnte Marek. .Auf einen groben Llotz gehört ein grober Seil-, sagte Gersou. »Ich mein'« auch, Herr Gersou. Dort am Tische haben fie auch All« gelacht, in die Hände geklatscht und mir zugetruakeu. Der Staroste sprach sogar: Marek, du hast' mir gut gegeben, dafür sollst du eiun» Scheffel Weizen habe». Aber Wein Hab' ich nicht getruakeu, Herr Gersoa, St« »iffe» wohl warum?- »West er nicht koscher war-, flüsterte der Augeredete dem Grafen zu. »Gnädiger Herr, au ihrer Garderobe habe ich schon uachgesehu, e« ist noch viel in Ordnung zu brtngeu.- Er nahm da« von der Gräfin gereichte Butterbrot mit Läse, trank verschämt ein Glä«chen Liqueur auf die Gesundheit der Gesellschaft und zog fich bescheldea tief verneigend zurück. »Mag immerhin der Witz nicht zu den höchst« Gei steggaben gerechnet werden,' sagte Gersou, .wir Jaden möchte» ihn nicht entbehre«, er hat sein Gute«. Wer nicht da« Recht hat einen Degen z» tragen, muß schlagfertig sein durch Wttz.- Darin stimmte man ihm bet. Gerso» lobte Marek« Eigenschaften und seinen vortrrffliche« Humor. .Eitlen seiner Streiche möchte ich Ihnen erzählen, meine Herrschaften, ich fürchte nur di« ganz« Geschichte ist zu langl- »Ctttt, bitte riefen Arthur und di« Gräfin beinah« zugleich, erzählen Sie, wir hören Sie gerne!- .Nun denn!' sagt« Gersou lächeltch. .Ein geiziger Gnt«befitzer hatte Marek einst verschiedene schwierige und zeitraubende Geschästöansträg« übergeben, die gewtffenhast au«geführt wurde». Weder fit Bemühung, noch Au«lage» erhielt Marek den bescheiden erbetenen Lohn. An eine» Jahrmarkt«tage war der Herr wieder in der Stadt und wieder erlhellt« er Marek Aufträge. Während de« Sprechen« öffnete der Geizhal« sein« Brieftasche an» welcher, von ihm, aber nicht von Marek unbemerkt, ein Papier fiel. t ip-l j Sr

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