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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 13 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
13 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Herau«gegeben von Dr. M. D»|*rr m Magdeburg. Jit libtHUni i Kelthmiz fir die öriMsht Jiailit. -rk>- Jnhalt Lvrt»u<ad«l. Sine kujauüsche SnLhlung aus de« Anfang« unser«« Jahrhundert», von Johanna. (Fortsetzung.) — » für den Familtenttsch: Jüdisch« Menschenfreundlichkeit. — Aaiser-Seburt«taa«feier i» Jerusalem. — Der verrückte Vogel. » dem Sprachschatz de« Laimud. Poetisch übertragen von Sto; Weinberg. — Silchselausgaden und NäthsellSsungen. (Uubefugter Nachdruck au« diele« Blatte uutersagt.) Allerlei - «u, Herzensavel. Sin« kujawische Erzählung au« dem Anfänge unsere« Jahrhundert«, von Johanna. (»UdIJnitf »mnltgi. ®) (Fortsetzung.) ©etfon hatte in der Freude de« Wiedersehen« im ernsten und frohen Gespräche mit Arthur vergessen, Esther'« Erwähnung zu rhu«. Er fand einen Mann wieder statt jene« Auabeu, den er immer geliebt. Al« Arthur fich von seinem Reitpferde geschwungen mit jugendlich männlicher Grazie — den Freund frint« Vater« erkennend, umarmte er ihn freudig. Gcrson blickte mit einer An väterlichen Stolze« in da« au«< diuckroolle, edel geformte Antlitz, in die dunkel«, strahlenden Augen, welche so fiege«gewiß in die W lt schauten, wenngleich über die geistvolle Stirn ein leichter Schalten von Melancholie zu fliegen schien. Arthur verdankte Gerson die Erhaltung seine« vermögen« und er wußte die Uneigennützigkeil und Treue diese« Manne« zu schätzen. Arm in Ar« traten fie Beide in« Zimmer, um Frau von 8iuiaw«ka zu begrüßen. Mit der ihr eigenen Anmuth und Herzlichkeit dem alten Hau«sreuud« die Hand reichend, bot fie ihm einen Platz neben fich, ihn mit großer Theil» nahme über Sarah'« Befinden befragend. Sie batte seine Ankunft sehr ersehnt, und seine Gegenwart wäre ihr au« viele» Gründen rin großer Trost. Esther war e« erwünscht, augenblicklich eine Beschäftigung zu habe», um fich zu sammeln. Sie hatte den herrliche» Manu durch da« Fenster erblickt und wieder zog jene« wunderbare, uurrklärliche so süße Gefühl durch ihr Herz, wie bei dem Gange zur Gräfin. Frei und unbefangen Üickte fie sonst Jedem in« Auge, traf mit klugem. klarem Ginne uugrsncht den richtige» Weg. so daß ihre Heiterkeit fich bi» zur Schalkhaftigkeit steigern konnte, ohne jemal« den verdacht der Loketterie zu wecken. Und so wirkte ihre Nähe nicht berauschend nicht stonbrthvrend, sondern mit stiller Macht da« Herz bezwingend. Endlich bemerkte Arthur die abgrwandt sitzende Bluwenvindrrin. Sein fragender Blick ruht« auf der Gräfin, al« Gerson Esther'« Namen rief. .D Gerson I Sie haben mir den Spaß verdorben. Ich wallte Arthur prüfe», ob er alte Freunde in sein Gedächtniß schließt!" Da« Mädchen hatte fich erhoben und züchtig rrrötheud in reizender Befangenheit verneigte fie fich still vor dem überraschte» Manne. Er faßte fich jedoch schnell. Mit der feinen Touraüre de« Wrltmanne«, die natürlichste Herzlichkeit verbindend, nahte er fich der Schüchternen, welche »och nicht gewagt hatte, zum zweiten Male anfzuschauen, nachdem der Glanz seine« Auge« sie getroffen. Er küßte ihre kleine, weiße Hand und mit jener Stimme, di« an seinen Siuderfrohfinu erimrerte, rief er: .Jak Babka kochen»*), ich hätte Fräulein Esther erkannt, »an» und wo ich ihr begegnet wäre. Die Art, wie sie den Sopf «endet, wenn fie nach Jemandem fieht, die« allein hätte fir mir verratden, wir fiel e« schon bei unfern Spielen auf." Dr« Mädchen« Schüchternheit war durch die einfache« Worte und die liebende Erinnerung verscheucht, und al« fie ihn freundlich anblickte, reichte sie der Gräfin ein für diese grwuvdenr« Sträußchen, blutrothe Nelken und weiße Pasfion«- blumeu. umgeben von Lorbeerblättern. .Siehst du, Babka. die Wendung de« stopfe«?" .Gewiß", antwortete sie, .du hast Sinn für edle Bewegungen, du Schelm." — .Meine Esther, du weißt noch, daß ich diese Blumen liebe?" sprach die Gräfin, der Geberin zärtlich die Wange streichelnd. Esther kannte woql die Bedeutung, welche die Gräfin diesen Blumen gab Blutroth d>'e polnische Fahne, weiß der Adler im SiegcSjchmuck de« Lorbeer«, und da« Loo« der Nation da« Martyrium in den synidolischen Staubfäden der Possion«blume. .Und ich soll ganz leer auSgehen. Fräulein?" fragte Arthur. .Auch Sie solle« Ihre Lirbling«blume haben", sagte Esther schalkhaft, und brachte ihm eine Schwertlilie mit ihre« breiten, spitzen Blatte. .Damal« hat Ihr Heldeumnth Ihren Geschmack überlistet i" ,O ich erinnere mich, wie ich mir da« Blatt al« Waffe an meinem Gürtel befestigte, und Sie mir die Blume al« Orden an river Schnur um den Hal« hingen. E« war doch eine schöne, «chöne Zeit!" Unter Scherzen und Lachen verfügte fich die Gesellschaft in die Veranda, wo da« Mittagrsse« aufgetragen war. Da e« Fastenzeit war, hatte man keine Rücksichten wie sonst gewöhnlich auf die von den Gästen streng beobachteten Speisegesetze zu nehmen. Mehrere Arten köstlicher Fische, Eier, Omelette«. Marianna'« beliebter stäse. von der Gräfin selbst bereitete feine Liqueure, ein Fabrikat polnischer, aristokratischer Haudsrauen, dergleichen ihre seinen Confitüren und herrlicher Uugarwrin, eia Rest de« vor zwanzig Jahren ausbewahrten Jahrgange«. D>e« Alle« wirkte Appetit erregend auf die Tischgesellschaft. Die erfrischende Lühle in der Veranda, der Duft de« fie umgebenden Blumenrrichttuun» und blühender Linden, vor allem die Freude der vier Menschen aneinander» belebten die Unterhaltung. .Wiffen Sir noch, Fräulein", sprach Arthur heiter, .wie wir einst im Parke spirltrn? Ich war stönig Casimir und Sie seine stönigin Esther." .Da« Spiel hätte damal» leicht ei» tragische« Ende nehmen können, ich sehe Alle« al« wäre e« heute, Herr Grafl" .E« war auch ein recht rranrigrr Tag geworden. Wiffen Sie noch. Fräulein, wie ich'verschiedene Schnmcksachen ohne Erlaubniß au« Mama'« Schatulle nahm, um meine stönigin zu schmücken?" .Ich »riß r« auch noch", sagte scherzend die Gräfin, .in weichem Aufruhr damal« da« ganze Han« war, al« . *) ,s» »ehr ich Grob«««« liebe t"

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