Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 12 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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Sotmlortcj auf feine -rücke gestützt, trotz seine« lahmen Verne«, dem alten Hausfreunde die Last von de« gekrümmten Rücken löste; zärtliche Beweise durch Stirnküffen und Umarmungen. deuteten sofort da« freundschaftliche BerhSltniß de« Wirthe« und seine« Gaste« an. Während Marek seine müden Glieder einrenkte, daß fie ordentlich knackten, dol ihm Sabnlewicz einen Stuhl an, trank ihm nach Polenart ein Schnäp«chen zu, ehe er e« dem Gaste reichte, und plaudernd aßen fie gemeinschaftlich da« für fie schnell von Marianna besorgte Butterbrot. > >l« Gerson mit Esther den Gartenweg heraufkameu, eilte Marianna ihnen freudig entgegen. Wenn fie Aufträge für die Herrschaft im Gerson'schen Hause hatte, fand fie dort immer freundliche Aufnahme. »Ich falle zu ihren Küßen-, neigte fie fich ehrfurchtsvoll und küßte ihnen die Hände. Auch Sabnlewicz stieß freundlich da« Fenster auf. fich höflich »enteisen*. Er hinkte den Gästen strahlenden Auge« entgegen. Mit Mühe und liebevollen Worten gelang e« Gerson. iqn in seinen Lehnstuhl zurück zu zwingen; denn er hielt e« für unehrerbietig, fich in Gegenwart der Herrschaft pl setzen. Marianna hatte unterdeß geschäftig den Tisch mit einer glänzendweißen Serviette gedeckt, herrliche dicke Milch in blauen Gla«schüfseln und eben solchen GlaStellern bereitet und alle« nach herrschaftlicher Art. wie fie e« wohl verstand, geordnet. Und wie fie mit »ohlthuender Freundlichkeit und taktvoller Zurückhaltung ihre Gäste zu Tisch einlud, merkte man ihr an, wa» sic al« herrschaftliche Dienerin gelernt. Auf die kleinen Berhältniffe der Familie eingehend, erkundigte fich Gersou nach Allem, wa« fie betraf, bald war man im vollen Fahrwasser der Unterhaltung, da Sabnlewicz und Marianna von der gütigen Fron Gräfin und dem fleißigen jungen Herrn nicht genug erzählen konnten. »Schönere« hättest du uu« nicht geben (innen, Marianna', sagte Esther, al« fie mit ihrem Later am Tisch war. »Wie erquickt diese herrliche, kalte Milch; wir find beide i m Umhergehen recht warm geworden. Nun aber. Marianna, zeige mir deinen Hühnerhof. tu weißt, wie ich da« bunte, ftöhliche Geflügel liebe." »Der Hahn ist mit den Hühnern >m Felde, aber die Leghennen find in diesem Jahre prächtig, ich weiß nicht wo ich mit den vielen Eiern hm soll; ich lasse schon von den Hühnern die Enteneier brüten." »Da« thntt du Marianna?' Berwurbert über den vorwurfsvollen Ton, in welchem Esther die« sagte, fragte Marianna: »Warum sollte ich e« nicht?' »Un« ist e« verboten die Hühner Enteneier brüten zu laffen", bemerkte Esther. »Die arme Henne sträubt ordentlich ihre Federn, wenn fi: ihre Jungen in« Wasser springen sieht. Hast du e« denn nie bemerkt, Marianna. wie ängstlich fie.a« Ufer nmherläuft?' »Liede« Fräulein , erwiderte Marianna lachend, »wenn wir auf solche Dinge achteten» kämen wir nicht weit mit der Wirthschast. Marek meint, man soll keinen Ochsen mit einem Esel zusammen vor den Pflug spannen, da« ist alttestamentarische« Verbot. Sie verstehen den Handel, aber nicht die Land wirthschast," sagte fie die Achseln zuckend. »Da« verkörperte Nützlichkeitsgesetz und da« Gesetz de« Erbarmen« für alle« Geschaffene stehen hier einander schroff entgegen", sagte Gerson, der eben gekommen war, um seine Lachter zur Gräfin zu führen, wohin ihn ein Diener derselben beschicken. Esther flog «ehr al» fie ging, den Bater weit hinter fich lassend. Bald stürmisch, bald ahnungsschwer und zaghast klopfte ihr Herz. Sie sollte die Dame Wiedersehen, di« in ihrer Erinnerung da« Ideal alle« Großen und Schönen geblieben, die ihr den Aufenthalt in diesem Hause noch mehr verschönt hatte, al« ihre liebenswürdige, jetzt leider verstorbene Tochter. Und Arthur, mag er fich ihrer erinnern? Sie stand vor der ThÜr de« ihr von dent Diener be» zeichneten Zimmer«. »Herr Gerson sei zurückgeblieben", meldete er, »Graf Arthur sei eben zurückgekehrt". Er öffnete der noch immer Zögernden die Thür, und kaum überschritt fie die Schwelle, al« ihr Frau von WiniawSka entgegenkam. fie herzlich umarmte und mit den zärtlichsten Namen neben sich auf da« Tabouret zu« Ditzen nöthigte. Da« erregte Mädchen küßte wortlos die Hände der Gütigen, die ihre Freude über ihre vortheilhafte Berändernng nicht zu unterdrücken vermochte. »Gage wir, wie geht e« deiner ehrwürdigen Mama? Den Papa sehe ich Lurch'« Fenster mit Arthur, welcher ein ganzer Mann geworden ist. Wie erregt du bist, Mädchen, aber beruhige dich doch, lege deinen Sopf auf meinen Schooß", sagte fie. ihr die Stirne küflend; .weißt du uoch wie damal« al« ich dir von dem LruSzwicer Mäusethurm und den alten Plasten erzählte? Esther fand endlich Worte: .Mich rührt e» so sehr, daß ich hier Alle« unverändert wiederfinde, nnr nicht" — fie vermied da« Wort anSzusprechen, welche» eine tiefe Wunde ihrer Zuhörerin berühren mußte. »Nur nicht meine Tochter", sagte diese tonlo«. »Sie ruht neben ihrem Maune am Ufer de« Genfer See«. Beide fanden den Tod in seinen Wellen, nur mit Mühe fand man ihre Leichen." Schweigend, Hand in Hand, saßen Beide. Esther« Thränen floffen still. Die Gräfin seufzte tief ans. dam, sprach sie mit gefaßter Sttmme: »Al« ich endlich glauben mußte, wa« ich lange nicht zu faffen vermochte, — daß ich fie für diese Welt verloren» fragte ich wich, wie ich e« ertragen würde, weiter zn leben. Zn ihrem Grabe wallfahren, nm e« jährlich zn schmücken, sehnsuchtsvolle Gedanken an fie niederzuschreiben; in Trauer und Jammer die gebliebenen Lräfte aufzureiben? Ist da« ein LtebeSopfer wie fie e« verdienten? so ftagte ich mich, al« ich wieder zu denken vermochte. Ich durfte mir wohl sagen, daß dem armen Arthur Niemand auf Erden Elternliebe so gut ersetzen würde, wie ich. Da beschloß ich, mich für ihn zn erhalten; ich fand um seinetwillen da« Leben sogar begehrenSwerth. Ich lebe, meine Esther, aber wie in zwei Welten, jenseits und dieSseit« I Siegerin ist die Liebe, fie ist nicht nur »stark wie der Tod", fie überwindet ihn sogar f" Eine lange, feierliche Pause folgte diesem traurigen Gespräche. Dann fragte Frau von WiniawSka, ob man eine Gouvernante für den Keinen Henrik gefunden, und al« Esther e» verneinte, war fie besorgt um de» Linde« willen, welche« sie einige Zeit selbst nMerrichtete, aber jetzt einen geregelteren Elementarunterricht für da« begabte Lind ihre« verstorbenen Jäger« wünsche. Der Gedanke, der geliebten Gönnerin endlich auch einen kleinen Dienst erweisen zu können, drängte die Bitte auf Esther'« Lippen, ob e» ihr vielleicht erlaubt wäre, den Unterricht zn übrrnehmen. »Ich hade zwar keine Schule besucht, da keine Mädchenschule in I. besteht, aber ich getraue mir dennoch so viel Wiffen zu, Henrik« Lehrerin ,u sein." »Da« ist mir sehr lied, Lind und wem» e« deine Eltern gestatten, bestimme du die Zeit, wann du beginnen willst. Sieh', da kommt Papa mit Arthur! Der Gärtner bringt Blumen, nimm fie ihm ad, setze dich in die Fensternische und ordne fie, wende dich nicht u«, di« du gerufen wirst; wir wollen sehen, vd dich Arthur wiedererkennt." (Fortsetzung folgt.) Allerlei für de« A«milie«tisch. Etwas öder ThierqnSlerei. Die Gesetze der Bibel in Betreff de« Thierschntze« find so human, wie deren ganze« Moralsystem, obschon die modernen Lhierschützler zn glauben scheinen, daß sie die Er-