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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 12 (1889) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
12 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 — Sie um Jdr Brod, wie e< auch unsere Weise» gethan, damit Sie Ihr Wisse» al« eiuev Schatz erwerben, der da» Leben bereichert. .Bleibe» Sie über Souoabeud i» Ihrem Quartier, da»» «ohne» Sie bei »»«!" Bon diesem Augenblicke an warm die beidm Männer Freunde im Laufe der Zeit, wo fie einander mehr erfüllte», alsie einander damals versprachen. Eine Schwester Sarah'« verheirathete sich mit Bolmtiu, der nun Kaufmann war. Glücklicherweise war seine Fra» von ungewöhnlicher Geschicklichkeit im Geschäfte; fie achtete da- Wissen Ihre« Manneso hoch, daß fie ihm gern die Muße zur geistigm Erholung verschaffte, indem fie und später der herangewachsene Sohn dem Geschäfte so viel als möglich Vorständen. Dieser praktischen, vielerfahrmm Tante war Esther lieb wie eine Tochter; daß fie e« durch dm Bund mit de» Sohne für immer bleibe, — dawünschte fie wie ihre Schwester Sarah. _ vierte- Kapitel. Esther hatte nnt der Taute gesucht und berathm, um dm Wunsch der Gräfin, eine Lehrerin für ihrm Schützling zu findm» erfülle» zu können, jedoch augenblicklich war keine geeignete Persönlichkeit vorhaadm. »O, Knute ich doit auShelsm", dachte Esther, .welch' eia Glück, bei dieser Frau zu leben!' .WaS mag Arthur für ein vomehmer Herr geworden sein?“ Sie lächelte vor sich hin. Der kleine Spielkamerad von früher, dm fie beinahe vergessen, tauchte wie ein freundliche- Bild in ihrem Gedächtnisse auf. Sr viele Jahre halten Arthur und Esther nichtvon einander gehört! Jedewar seium Weg gegangen, der in jeder Beziehung zu Well und Hauso sehr verschieden war. Dem einsamen Linde in der Judmgasse warm jene Tage der Kindheit lauge Zeit Eriouemugeu aueiner lichtm. schönen Welt. Traumhaft erschienen ihr jetzt die hochgestelltm und doch so gütigen Menschen, und der blondlockige Knabe, drm mau dalange Haar geflochtm. uw deffm Fülle zu bändigen. Jetzt, wo fie die Stätte ihrer Kindersreudeu «iedrrsehm sollte, tratm Mensche» und Dinge lebhafter alje vor ihre erregte Phantaste. Sie freute sich, die Gräfin wirderzusehen. welche durch ihre majestätische Schönheit, ihrm Geist und ihre Mmschenliebe ihre Tochter überragte. Wie mag Arthur an-sehm? Ob er ei» Freund der Jndm ist, wir seine Berwaodtm? Ob er da« Gur selbst dewirthschaftet? Ob er fie wiedererkennen wird und gut gedliebm ist. wie damals, al« fie im Parke mit einander gespielt? Diese und andere Fragm beschäftigten Esther, al« fie sorgfältig chre einfache Reisetoilette beendete. Am frühm Morgm war grfrühftückt, Gersou drängte zur Abreise. Mutter und Tochter verabschiedetm fich herzlich chre Lreben au dm vor dem Hause warteadm Wäge» begleitend, sandte Frau Sarah herzliche Grüße für die Gräfin. Bald lag »or uusem Reisenden ein tiefer, dnukler Eichmwald, die Sonne stand bereitüber ihm wie matte« Silber, von Nebelwolkeu verhüllt. Bach stieg fie höher und daherrliche Tage-gestim strahlte, wunder wirkend, über dm Baumwipfelu. Und welch' ein Bogelgeschmetter ring« umher! — — Esther saß schweigend, erfüllt von überirdischer Glückseligkeit, al» wäre sie in riurm Heiligthume »oll göttlicher Weihe. Unwillkürlich dewegtm fich chre Lrppm, und leise Srach fie vor fich hm: .Die Himmel erzählm die Ehre olle» und von seiner Hände Werk predigt die Beste. Ihr Baker steckte sein Notizbuch in die Tasche, worin er in Berechuungm ganz verliest grwesm Er achmete jetzt erst bewußt die erquickende Morgenluft. .Ja, e» ist schön hier, mein Kind. Sieh, die Natur zeigt de» deukeudm Mmschm", sagte er »ach einer Pause, .stet« da« Bild de» Leben«. In dm Morgmftuadm find Bäume und Pflauzm geschmückt, al« wärm fie nur zur Augemveidda; der Mittag zeigt fie schon schmucklos aber reifmd; am Abmd chre« Leben« erkmnt man an ihrm Früchtm ihren Werth. So auch da« Lebm der Menschm: Die Jugmd, selbst der schönste Schmuck, hat noch da« Recht fich zu schwückm. Thut sie r« wie die Pflanzm, die durch ihrm Schmuck gekräftig: werden für ihre Bestimmung, dann wird fie am Mittag gesund reifm und nützlich und erquickend wirkm am Abend de« Leben«." Ohne daß die im Bespräche Bertieftm e« erwarteten, fuhr der Wagen durch da« mit dem gräslichm Wappen gezierte Thor de« Schlosse«. Al» da« Gefährte hielt, erschien ei» Dimer, aber Esther war ohne seine Hülfe von dem heradgelassmen Wagentritt gespruugm. ihm die Sorge um den Bater lassend. Er neigte fich tief »or dm ihm bekannten Herrschaften, tmg da« Gepäck in« Han«, de» Kutscher dm Pferdeftall znweisend. Im Schlosse war noch Alle« im riefen Schlafe. Esther zog emächtig hin zu dm langeutbehrtm Plätzen ihrer Kioderfreudm- Die altm Ebereschen waren mit ihrm rotheu Beeren wie zu jmer Zeit geschmückt. Die Bank, der runde Tisch standen noch da, und winkim ihr fteundlich zum Ausruhen. Wie da« liebe Mädchen dasaß» jagten fich munter die Erinuerungm an die schönm Lersteckplätze. au Baumerttettem. an Greisspiel durcheinander. Sie erhob fich, um diese heimlichm Winkelchen zu suihen, aber fie wären vsu Gebüsch verdeckt, und mancher hohle Baum, der zu« Bersteck gedimt hatte, war umgehaum. während Neiue Stämme zu schattigen Bäum-n heraagewachsrn waren. Tief im Gebüsch nistete ei» Rothkehlchm mit seinen Jungen. Wie zutraulich fie der Fremdm zudlinzelten I Niemand scheuchte fie hier auf. fie waren so zahm, däß fie ihr Futter au« der Küche holten. Eichkätzchm knu-perten au dm Zweigen und trieben ihr zierliche« Spiel miteinander und unzähligr Bogelftimmm zwitschertm und fangen um Esther her. .Da« ist ei» andere« Lebm al« in der Sasse' dachte fie froh, und im kindlichm Ueberwuthe versuchte fie die Bogelftimmm nachzuahwen, wodurch fie die lieben Thiercheu lockte. Sie kämm und pickten Semmeltrumeu auf, welche Esther vou einer, von der sorgsamen Mutter mitgegebene» Semmel verstrml hatte Dankbar hüpfte da« muntere Rothkehlchen auf die Schulter der Geben». Ein ganzer Vogelschwarm umfiatterte fie, al« ihr Later kam, welcher ihr oorschlug. Sabulewicz zu besuchen, e» sei noch Niemand im Schlosse zu sprechen und Graf Arthur auf de a Felde. Sabulewicz und seine Fra« Manaun« bewohnten ein ftmndliche«, bequem eingerichtete« Zimmer iu der Ofstcina •) de« Schlosse«. Für Ledzeitm warm fie dort mit Speise und Trank versorgt. Der bequeme mit Juchteuleder bezogene Lehnstuhl de« seligm Herrn war der Glanzpunkt der Einrichtung und ein Segm für den gelähmtm Dimer. I« Sommer am Fenster, im Winter am Ofen, saß der treue Dimer den Blick auf da« Schloß, da« er unter seiner Aufsicht meinte weit er e« mft Argu-augen bewachte; Niemand konnte e« vou ihm unbemerkt betreten, noch verlaffm. — Mariauua besorgte die MUchwirthschaft. Ihr Stolz war der Milchkeller mit seium sauber» Milchgefäße». de» farbigen Gla-schüffelu zu dicker Milch, dem polutschm Kümmelkäse: an» süßer Sahne; unter dm krystalleum Vntterglocke» die fchöugeformte, täglich frisch bereitete Butter für die Herrschaft und dm unzähligm, kleinen, mannigfach geformtm, farbige» Sahnmtöpscheu vou Seoer-porzella» und böhmische« Glase, der fette Rah« mußte zu jeder Taffe Kaffee ungeschmälert gereicht wer dm. — Schneider Marek war ebm in« Zimmer getreten, mit feinem breiten Bündel auf dem Rücken, da« beinah« da« Weihuäpfchell am nahm Kamm herunterrtß. Ei» herzhafter Grnß hieß ihn willkommen. Die sorgsam« Eile mit der •) Wirthschastggebäud«.

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