Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 10 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jawahll Esther war ei» herziges, ei» tattitfeaacte* ftiab. Sie gehlirte zu de» Mensch«», die nicht üchttg ge» schildert »erd«, kdnue», »eil fich ihr iuuerr« Leben »och »ehr durch ihr Thu» und Lassen offeudart als in der Erschetnnng. Ja dem Tone ihrer Stimme, ia dem Ansdruck eine« ganz alltägliche» Wortes, ia Blick «ad Bewegung verrieth sich ihr selber »»bewußt der Reichtham ihrer Seele. Die volltönendste Scala des Empfinden« lag in ihr, von der heitersten l!auae dis zur tiefste», erhabensten Leidenschaft. Sir war erfüllt von zarter, duftiger Poesie, voll gesunder straft. Sie gab so viel von ihrem reichen Schatz«, daß Jeder, selbst der Gewöhnlichste, meinte, das Empfangene sei sem eigener Rrichthum und so war fie ohne Neid geliebt und man uBnntc ihr die Ueberlegeuheit, von der Jeder «ehr als fie selbst überzeugt war. _ (8o.i|*|ung folgt.) G«stav Freytag über Rich«rd ««guer. Bekanntlick, Hot Gustav Freytag bet» Beginne seiner litterarischen Laufbahn durch viele Jahre hindurch die Leipziger „<Brtn}b»tra* redigtrt und dir Wochenschrift .Im neuen Reich" heransgegebeu. Unter de» viele» Beiträgen, di« er selber zu diesen Zeitschriften geliefert. Hot Freytag nun eine Auswahl getroffen und die besten, die zugleich für gewtffe Kragen und Strbmuogen der Neuzeit vo» hervorragendem Juteieffe find, in zwei Bände» unter dem Titel »Gesanmelte Aufsätze" nochmal« und diesmal wohl einer »eitere» Oeffentlichkeit übergeben. Wen» Freytag auch seine einstmalige strtlik über Richard Wagner's »Da« Judenthum in der Musik" darin aufgenommen hat, so dürfen wir anarhmra, daß er seine früher ansgespi ochene Ansicht noch heute aufrecht erhält. Ja sarkastischer Wfise bespricht er dir Bedeutung Wagner's für di« Musik, erklärt seinen Angriff gegen die jüdischen Tompouisten für imzritgemäß und ungerecht und sagt daun wörtlich: »Im Sirne seiner Broschüre erscheint Wagner selbst als der größte — Jude. Die Effekthascherei, das auspruchs- »olle und kalt überlegte Streben nach Wirkungen, welche »icht durch fieheren Lnnftgeschmack hervorgebracht werde«, der Mangel «n Fähigkeit, musikalischer Empfindung ihre» melodischen und harmonischen Ausdruck rein und voll zu geben, die übergroße nervöse Unruh« Freude am Seltsamen und Gesuchten, da» Bestreben, durch witzige» Einsall uud äußerlich« stuastmittel die gelegentliche Schwäche keiner musikalischen Erfindung zu deckeu, dazu selbst da« große Talent für rasfinirte Regie der Effecte, gleichend einem «tgenwlllige D lettauteu, welcher begehrlich über die Grenzen seiner stunst linausfährt und Gesetzen der Schönheit auch deshalb widerspricht, »eil er ihnen zu folgen außer Stande ist; ein abenteuerlicher Sinn der im Ungeheuerlichen Befriedigung sucht, unbekümmert darum, ob durch feine Arbeit Sänger, Orchester uud der schöne Gesammtbau des musikalischen Dramas verwüstet werben. Solch« Schwäche «ad Uuart finden wir überall tu seine» Werken neben Thetlftückeu von wahrhaft schöner, zuweile» wahrhaft hinreißender Empstudung. Diese Beschaffenheit seiner merkwürdigen und für »User« Biusik verhäugntßvolleu Begabung scheint uns gerade eine solche za sei», welche'in seinem Sinne als eine de» Judenthnm eigentbümliche «ufgefaßr werden müßte." Diese Parteinahme Freytags gegen Wagner erscheiut «u so bemerk mswerther, als er fich sonst iu seinen Werke» nicht gerade als besonderer »Freund und Gönner" der Juden gezeigt hat, im Gegruthell iu viele» vorurthetleu gegen sie befengen ist, was ja nach ans de» »dtgru Titat unschwer hercnszulese» ist. Daß Krrytag im Uedrtgeu ge- »tffe Schwäche» und «igwchetreu der jüdischen Lompouiste», wen» er sie auch fälschlich ihre» .Jnbenthnm" znr Last legt/ »icht »»richtig charakterisier hat, wolle» wir bet all «userrr Berchmng für Meyerberr, Halevy ». s.». »ud der S» Würdigung ihrer Vorzüge, nicht in Abrede stelle», hi» »acht es einen eigenartigen «»druck, daß gerade r, diesem ausgeprägten Judrnhafser, von so kompetenter Tette dieselben »Untugenden" vorgeworfeu werden, von denen Wag»er behauptet hatte, daß das Judenthnm fie iu di« Musik hiueingetragen hätte. vr. mod. Scherbel-Lissa. Allerlei für den Familientisch. Ein triftiger «blehuungSgrund. In der gute» alten Zeit, al« noch durch Borurtheil von Huben und drüben der Weg zu deutscher Bildung unseren Altvordern hermetisch verschloffen war uud dis sog. Judendeutsch für deutsch galt, ging Lippmanu Dalles zu seinem Freund uud Nachbar Beitel Herz, um ei» Füßchen Rüböl von ihm zu leihen. .Du wirst wirs mooftol sein — wenn ich Dir das ablehue. Sieh mal Lippmanu, wir sind jetzt 40 Jahre laug Nachbarn zu gesund uud immer gute Freunde gewesen. Wenn ich Dir nun das Faß Rüböl leihe, so wird aus Rüböl Lein — (Lrih'n)Oel, aus Leinöl wird Buchöl, (denn ich muß es buchen), aus Buchöl wird Mohn- (Mahn) Oel, uud das ist da« ärgste Gift für alte Freundschaft, und da ist es doch beffer, wir machen das Geschäft nicht." öl. W. In einem Feuilleton des. »Archiv isr." erzählt Daniel Leoi seine «»drücke auf seiner italienische Reise; hauptsächlich werden die Berhältnifle der Stadt Rom, das frühere Ghetto uud die in Bezug auf die Jude» erlaffenea Regteruugsakte des Papstes Pius XII. erwähnt. Bon Alatri erzählt er, daß derselbe sich wiederholeutlich im Geweinderathe von Rom gegen Grwaltmaßregeln gegenüber der katholischen Kirche energisch ausgesprochen, und als man einst die Entfernung eines Kreuzes auf de« Kirchhofe durchsetzen wollte, habe Alatri im Namen religiöser Duldsamkeit dies zu verhindern gesucht. Der Papst, dem dieses berietet wurde, sagte: .Ich habe immer behauptet, daß unter Men römischen Muuictpalräthe» der Samuel Alatri der beste Katholik sei. .Der Jude von Malta" von Marlowe, welchen heutige Schriftsteller antisemitisch neunen würden, ist von nicht unbedeutendem historische» Jatereffe. Die außergewöhnliche Beliebtheit des Stückes zeigt, daß daffelbe die öffentliche Meinung der Engländer über die Judm gegen das Ende des 16. Jahrhundert» genau reslecttrt. Zwischen 1591 und 1695 kam dieses Stück öfter zur Aufführung. als irgend eine» der Ghakespeare'schen Dramen. Trotz dieser gesteigerten Antipathie gegen di« Juden stand die Königin Elisabeth, welche' denselben fortwährend ihre Gunst bezeigte, während der ganzen Dauer ihrer Regierung mit ihnen in Geschäftsverbindung. Wie weit sich diese erstreckt«, ist nicht genau brkaunt geworden; selbst Sydney Lee konnte hierüber keinen genügenden Aufschluß geben. Durch ihren Leibarzt Rodrtgo Lopez correspondirt« di« Kvntgtu mit vielen ansaäriigeu Juden von Ruf u. A. mit de» berühmten Ina» Miquez und mit Salamo Aschkeaasi. 1593 empfing fie einen jüdischen Gesandte», welcher ihr viele intreffaute Mittheiluagea über dt« Juden im Orient «achte. Daß fie alle« dieses Augrfichts der antisemitischen Zeitstrvmung gethau hat, ist charakteristisch für die edle Gesinnung der erhabenen Herrscherin. Gelächter l In alten Zeiten war es Sitte, daß di« römische» Päpste bet de» öffentlichen Vvlksdelastigengen, welche jährlich etuwal-für die Bewohnrr der ewigen Stadt veranstaltet wurden, vo» de» Juden die Kosten bezahle» ließe». Diese Praxis wird in Persien, obschon in verschiedener Weise und ohne den Opfern pekuniär« Koste» aufzulegeu, »och he»te grübt. Der.Spektator" erwähnt unter de» Titel „Gelächter", baß in de» Reiche« des Schah Mjährltch durch folgendes