Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 8 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ttftffettmifdptttg «nv Siafie«-(LH«rattere iw he«tige» A«de»th«m. * Bon Moritz Alsberg. (Fortsetzung.) Durch den Nachweis vo» dem ehemaligen Borhandenfeln einer den Jndogermamen stammverwandten Bevölkerung in Nordafrika erklärt sich auch auf'S Ungezwungenste die von mehreren Forschern festgestellte Thatsache, daß die Guancheu — jene auSgefiorbene Bevölleruug der kanarischen Inseln, welche gegenwlirtig vermisiht mit anderen ethnischen Elementen in den heutigen Bewohnern der Kanaren sortlebt und deren Skelettreste aus den Höhlen von Grau Lanoria und Teneriffa zu Tage gefördert wurden — daß diese Guauchen hinsichtlich ihrer Schädelbildung, Statur und anderer körperliche'- Eigeothümlichkeiten eine bemerken»- »rrthe Ueberemstimmung mit den Germane« aufweiseu. Jene ehemalig«: weiße Bevölkerung Rordasrika'S, al« deren Reste die Kabylenstämme zu betrachten find, hat sich — so muß jetzt als höchst wahrscheinlich angenommen werden — entlang dem Nordrande de» IkontiueolS nach Westen au»- gebreitet und hat auch, vou der Westküste de» heutigen Marokko nach den Kanaren übersetzend, diese Inseln in Besitz genommen. — Und uoch eine andere von der anthropologisch »urgeschichtlichen Forschung koustatirte Thatsache wird durch den Nachweis einer ehemals Nordaftika und Palästina bewohnenden indogermanischen Bevölkerung erst in da» richtige Licht gestellt, tt» ist die» nämlich da» Borkommen jener 'unter dem Ramm der »Dolmen" allgemein bekannten, au» drei oder mehr mächtigen Steinplatten, die entweder zur Form einer Grabkammer oder eine» Steiutische» zusammengeftellt, mii unter auch al« »Steinkreise" (Lromlech) placirt sind, bestehenden vorgeschichtlichen Grabdeokmäler. Im Hinblick aus die von Faidherbe u. A. nachgewieseue Thalsache, daß nne zusammenhäugeude Reihe dieser merkwürdigen prähist arischen Monumente von den britischen Inseln über Frankreich (wo sie insbesondere in der Bretagne;n großer Anzahl vertreten sind) durch Spanien Marokko, Algerien, Tuui« and Tripolis bi» nach Syrien und Palästina sich hinzieht — im Hinblick auf diese Thatsache ist schon vor mehreren Jahren, ehe man von dem ehemaligen Vorhandensein einer indogermanischen Bevölkerung in Nordasrika und Palästina auch nur die geringste Idee hatte, von Seiten namhafter Forscher die Bermuthung ausgesprochen Worten, daß die Gemeinsamkeit und bemerken«, wertbe Uebereivstimmuug in der Konstruktion dieser Grabdenkmäler auf zwischen der Bevölkerung dieser Gebiete bestehende oerwar dtschastliche Beziehungen hindeuke. Wa» speziell die Wohnsitze anlaogt, welche die indogermanische Bevölkerung im alten Palästina inne hatte, so lehren un» die im alten Testament enthaltenen Nachrichten, daß die Amoriter zu einer gewiflen Zeit jene Gebirgsgegend bewohnten, welche von Kadesch im Norden bi» an den Raub der südlich von Judäa gelegenen Wüste sich erstreckt, und daß dieselben östlich vom Jordan die Königreiche Basan und Heschbon begründet haben. Später worden sie durch die vordringende» semitischen Stämme der Moabiter, Ammoniter und Edomiter au» bem größeren Theile de« von ihnen besetzten Gebietes vertrieben. Der Name »Horiter", welcher ihnen in Edom deigelrgt wurde, wird von Sayce al» »weiße Männer" übersetzt. Eine Stelle im Pentateuch (Numeri XTTT, 29) besagt ausdrücklich, daß, ehe noch die Israeliten da» gelobte Land in Besitz nahmen, da» Küstengebiet und da» Thal de» Jordan im Besitz« der Kauaaniten, da» unmittelbar angrenzende GebirgSland aber im Besitz« der Hittiten (Ehetiter) und Jebusiter (letztere sind nach einer Stelle im Buch: Ezechiel al» eine au« der Kreuzung von Hittiten und Amoriteru hervorgegaugene Mischraffe aufzufassen) sich befunden chat. Wegen der hohen Statur, oie sie mit den Kabylea Nordastikaö uno anderen Angehörigen der indogermanischen Raffe gemein haben, werden die Amoriter von de» Jude« mit dem Wüchse der Erder verglichen und bemerkt, daß neben ihnen die Völker von semitischem Geblüt „unansehnlich wie Heuschrecken" erscheinen. Der wegen seiner Körperlänge berühmte König Og von Basan ist der echte Repräsentant des durch seinen hohen Wuchs imponirenden indogermanischen Typus. Daß die Israeliten km alten Palästina mit den daselbst lebenden nicht-israelitischen VclkSrlementen eheliche Brrbiudungen eingegangen haben — dieser Schluß ergiedt sich au» zablreichen Stellen der heiligen Schrift. In dieser Beziehung haben bereit» die Patriarchen den späteren Generationen eia Beispiel gegeben. Hagar, da» KebSweib Abraham», die Mutter J»mael» war von fremder Abkunft, Isaak und Jakob waren beide mit aramäischen Frauen. Joseph mit einer Egypterin vrrheiruthkt; Mose» wird getadelt, weil er ein« Midianiterin zur Frau nahm. David stammt ab von Ruth, der Moabtterin, und Bathseba, die Mutter Salomo», unter deffeu KebSweibern ebenfall» fremde Völker und Raffen vertreten waren, ist eine Hittiterin. Auch ist jene» »viele Pöbelvolk", welche» die au» Eaypten auSziehendrn Israeliten begleitete (Bergl. Exodu» XII. 38) wohl auf egyptische Frauen, mit denen die Stämme Israel» im Lande Gosen eheliche Verbindungen eingegangen waren und deren Kinder zu deuten. Daß speziell nach der Rückkehr au» der babylonischen Gefangenschaft eine Vermischung der Juden mit fremden VolkSrlemruten in großem Umfang stottgrfunden hat — dir» wird in den Büchern ESra (X, 11) | und Nehimiah (XIII. 23) besonder» hervorgehoben. Jene 1 »Fremden" und »zeitweilg im Lande sich Aushaltrnden" haben ebensowohl wie die Krieger und Beamten von nichtisraelitischer Abstammung, welche unter den Königen von Israel dienten, sowie jene Andersgläubige, welche nach Wiederaufaauung de» Tempel» au» Syrien, Griechenland, Palmyra u. s. w. nach Palästina zogen und die, um Jüdinnen hrirathrn zu können, zum israelitischen Bekenntaiß über traten — alle diese Personen haben zur Vermischung verschiedener ethnischer Eümcntentr im jüdischen Volke sehr erheblich beigetragen. — Um hier sogleich einige Bemerkungen über da» Verhalten der Juden in einer späteren Epoche — nämlich zur Zeit, wo sie unter römischer Herrschaft standen — anzuknüpfen, so ist e» jedenfalls ourn grano salia zu nehmen, wenn der römische Geschichtsschreiber Tacitu» bemerkt, daß die Juden de» römischen Reiche» sich nicht mit anderen Völkern vermischt hätten und hinzvsetzt: Alienarum voncubitu abstinent. Daß ein Jude em Mädchen heidnischen Glauben« zur Frau nabm oder umgekehrt, kam ollerding« nicht vor; sobald aber da» betreffende Mädchen oder der betreffende zum Judenthum übergetrrten war — wa» nach den geschichtlichen Zeugnissen sehr häufig stattgrfunven hat — war damit da» in Red: stehende Ehehinderniß beseitigt. Jene soeben erwähnte Mischung verschiedener Volksrlrmente im Judenthum wird auch durch eine Stelle im Talmud bestätigt, in welcher gesagt wird, »daß die im römischen Reich« zerstreut lebend« jüdische Bevölkerung zu derjenigen Judäa'» sich so verhalte, wie ein Teig, der au» mit Kieie vermischtem Mehl hergrstellt wird, zu einem aus reinem Mehl hergrstellten Teig", woraus sich also ergiebt. daß im besten Falle die jüdische Bevölleruug immer noch al» ein Teig, d. i. al» eine au» verschiedenen Bestandtheilen zusammengesetzte Masse bezeichnet werden muß. Wa» speziell die Beziehungen der Juden zu der indogermanischen Bevölkerung des alten Palästina» anlangt, so würden wir. auch wenn die im Vorhergehenden erwähnten biblischen und historischen Belege für die Vermischung der Israeliten mit fremden BolkSelementen nicht vorhanden wären, auf da» häufige Vorkommen ehelicher Verbindungen zwischen Jndogermenea und Juden im Alterthum au» dem Umstand« schließen dürfen, daß blond« und blauäugige Jude» in den entlegensten Weltgegeade« sowohl in Rordafrika, Portugal,