Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 8 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492351-8722856-5956635--1069-5373463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rußland, Aleinosik», Kurdistan» wie fast rät ganzen Orient angdiofftn werden und daß speziell di« unter Birchow's Leitung vorgeaommenen statistischen Erhebungen über di« Farbe der Augen «nd Haare der Schulkinder Deutschland« etwa« über 11 Procent blondhaarige und blauäugige Juden, linder ergebe»» Hagen, die ziemlich gleichmäßig über da« ganze Land vertheilt find. Ein so bedeutender Procentsatz von blonden Juden, wie er gegenwärtig i« Deutschen Reiche angelroffen wird, läßt sich unmöglich durch die im Ganzen sehr geringfügige Vermischung MS germanischen und jüdischen Bolkselrmenl« tm heutigen Deutschland erklären; derselbe zwingt vielmehr ebenso wie da« zuvor erwähnte Vorkommen blonder Juden in den verschiedenste« Klimaten und Erdtheilen zu dem Schluß, daß in jenem Lande, wo e« zur jüdischen Staatenbildung gekommen ist — also im alten Palästina — eine Vermischung de« dunklen jüdischen Element« mit dem blonden intorermanischrn stattgefundeu hat. Daß also die Juden ein Mischvolk sind, daß die Bemerkung Richard Andrer'«: »Die Juden repräsentiren neben den Zigeunern der europäischen Bevölkerung die einzige reine Raste" — daß diese vvn namhaften Anthropologen vertretene Anschauung heutzutage nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, dürfte au« unseren vorhergehenden Darlegungen sich zur Evidenz ergeben. (Fortsetzung folgt.) Allerlei für de« Familientisch. Rothschild hinter den Eouli-fe« Baron Simon von Rot hschild in Wien war einer der gutherzigsten Menschen, dabei aber oft «xcentrisch in seinen Launen. Neben andern losen Streichen hatte er sich auch den angewöhnt, im Theater sich hinter die Couliffea zu schleichen und sich in leisem Tone mit den Schauspielerinnen, Tänzerinnen und Sängerinnen zu unterhalten. Er war aber so zerstreut, daß er sie hierbei oft in da» Kinn kneipte und sie gleichzeitig mit Spottnamen traktirte. Eine« Abends nach Schluß der Vorstellung war der Baron i»> Begleitung de« Theater-Direktor« wieder hinter den Coulisien und unterhielt sich mit demselben über den erziehlichen Einfluß der Bühne auf dir Gesellschaft, al« sie plötzlich durch gräßliche Klagetöne, welche eine jugendliche Ballett inz> rin zwischen 75 und 80 Jahre« auSstieß, erschreckt wurden. »Wa« mag wohl dem armen Kinde passirt sein?* sprach der Direktor; »ich will mich einmal erkundigen." »Thun Eie e«", erwiderte der Baron. »Nicht« rührt mich so sehr, al« die Sorgen der Alten. Die Thränrn alter Leute gleichen nicht dem FrühlingSrrgen, welcher die Rosen hervorbringt, die den E.dboden schmücken; sie gleichen vielmehr dem Winterrcgen, welker kalt, schaurig u»»d furchtbar ist. Lasten Sie un» Nachsehen, wa« mit der alten Dulderin vorgrgcngen ist." Auf die Frage de« Barou«, warum sie so schrecklich jammere und ob vielleicht einer ihrer Urenkel erkranst sei, antwortete sie, daß bereit« alle ihre Urenkel veiheirathet und in dir Fremde gezogen seien, daß ober ihr unbarmherziger Hauswiith, bei welchem sie noch mit der Mieth« im Rückstand sei, gedroht hätte, ihre Möbel auf die Straße werfen lasten zu wollen. »Wie viel sind Sie ihm denn schuldig?" fragte der Baro», sich die Thränen au» den Augen wischend, während sein Kinn zitterte wie 40 Cent wirthige Kälberfußgeläe. »Sech« Gulden", schluchzte di« Arme. Sein Taschentuch hervorziehend, nahm der Baron eine 200-Gulden-Note herou» und reichte sie ihr. Sich ihm zu Füken werfend, bedcckte sie sein« Hände mst brühheißen DankeSthräneu. Der Baron, welchem solche Scrnrn ernstlich zuwider waren, eilte davon, ohne die Herausgabe der 194 Gulden abzuwarten. Einige Abend« darauf ging der Baron wieder einmal hinter die Eouliffen. Kaum war man seiner anfichtig geworden. al« sofort schrecklich- Klagetöne die Luft durchzitterten. Römische Soldaten heulten, ließen Thränen fallen so dick wie amerikanische Wallnüste und baten um eine Geldunterstützung. Priester. Brstalinnen, Kreuzritter, römische Senatoren, Kaiser und Zauberkünstler umringten den B»ron und erzählten herzzerreißende Geschichten von unbarmherzigen HauSwirthen. Dar Baron machte sich fort, so schnell er nur konnte, und sagte im Abgehen zu dem Direktor: »Jrtzt gehe ich nie wieder hinter die Eoulistea! Mein Erscheinen erregt zu viel Jammer und Elend. Da ich aber nicht Geld genug habe, alle dies« Leiden heilen zu können, so will ich künftig lieber hinter den Eoulisten wegbleibe«" — und so that er auch. L. Cohen.*) *) Au« dem »Am. Hebr." Aus dem Spruchschah des Tatmud. Poetisch übertrag'» von Max Weinberg. («iochdruck »ha« •tactmlgung btl fktfaffnl Mrtttn.) Wer sagt ich lernt' mit Eifer und doch ward nicht« mir klar, Der ist, wie er auch streite», nicht offen und nicht wahr. Wer zeigt, daß er ein Meister und feg», ich lernte nie, Drff' Wih'heitSlieb« gleichsoll« in starke Zweifel zieh'. Wer sag», wa» ich errungen und wa» ich we b und kann. Nicht müblo« ist'« gelungen, e« hastet Schweiß daran, UllmLhlich cift ward e« mit klar. De« glaube, der allein sprach wahr. Kitthlel-Aufgal»-«. ][<©!•> jr I. Deutsches Worträthset. Bon A. Spei er in Heinebach. L« braucht'» der Schlosser und der Schmied, Auch in dem Ohre man e» sieht; Doch nimmt man ihm da« Herz herau«, Dann sieht c« freilich ander« au«. Da lebt' e» In der KönigSzeit, Und hat in Israel prophezeit. II. Hebräisches Mörterräthset. Bon D. Schapiro- Memel. Mein Wort bestehet au» vier Zeichen, Doch wenn Hu meinen Fuß Mir nimmst, dann bin ich Deinesgleichen. Willst Du dann meinen Kopf noch streichen, Bin ich de« Leben« Fluß. III. ZÜVtische Scherzfrage. ltzebrilisch.) Bon «. in m. Wie hieß der Sönig, iverthe Rather, Dessen Mutter war ela Bater? Auflösung drr Kittysel i» vor. §1*. L Rache» Rachel. n. p* (Stein). 2U («ater), J2 (Sohn), m. Htjt (Accusatio), PE. (ruhende» Sch'wa). Kil (komme I). KWTjriK (Pausa-Zeichen). Lerantwottlicher Redakteur Dr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag »o» Robert Friese, Leipzig.