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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 8 (1889) · p. Seite 30

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
8 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 Der lieb« Freitagabend, der gottgesegnet« Beginn de« Rahetage«, war al» solcher an» heate wieder von den Versammelten auSzut euren. Bald saßen die Säfte um den großen Tisch, die jüngeren im harmlosen Seplauder in Gruppen zerstreut, in geschwisterlicher Unbefangenheit, wo da« trauliche „Dujeden anständigen Scherz, jede neckende Bemerkung gestattete. Bald war ein Jeder nach seinem Behagen eingerichtet. LS war da ein fröhliche« Seplauder von Menschen, die fich frei fühlten von aller Arbeitslast und Alltag«sorge, wie e« die Sabbathstimmung mit sich bringt. Diese äußerte fich allmählich in dem oben begonnenen Liede bald summend, bald laut vorgetrogeu, eigentlich wehr für fich selbst gesungen, al« wäre Jeder allein. Eine Stimme jedoch übertöate melodisch da« Ehao« jener Töne, und wie von einem Zauber bezwungen verhallten sie allmählich. Die Sänger waren stille Zuhörer geworden und die hold« Stimme Esther« war e«, die jene« alte Lied, welche« verwachsen war mit den frühesten Erinnerungen der Versammelten, beendete. Der Braut entgegen! Freund wohlan Laß froh den Sabbath un» empfah'n! Dem Sabbath eilet froh entgegen Dem Quell, au» dem entströmt der Segen. Sinnvoll vom Anbeginn der Welt, De» Werke» Schluß, da» Bott gefällt. Du Stadt de» Herrn, o Prachtpalast, Ersteh' an» Trümmern trauriger Rast! Schon »oeiltest du zu lang' im Thal der Zähren, Run wird dein Sott dir sein« Huld gewähren. Heut' schüttle ab den Staub nnd Wust, Mein Bolk hüll' dich in» Meid der Luft! Der Sproß von Jsai, dem edien Ahn' Au» Bethlehem, erlösend wird er nah'n. O raff dich auf in frischem Muth! E» naht dein Licht in Heller Glmh. Steh' auf und stimm «in Loblied an. Sieh' Gotte» Glanz verklärend nah'n. Nicht beugt dich Schmach, nicht hüllt dich Scham, Pichi seufze noch, betrübt von Gram. Helft unser« Armen, lieb« Brüder, Dann schaut die Gottesstadt ihr wieder. Die dich beraubt, sie find zur Beute, Es schwindet deiuer Quäler Meute, Dein Gott in froher Lust dich schaut. Wie sich der Bräut'gam freut der Braut. Du dehust dich au» nach allen Seiten, Wirs« deine» Gotte» Ruhm verbreiten. Der Sproß de» königlichen Dichter» W«kr jauchzend un»; die Belt wird lichter. Du Gottesbraut zieh' ein in Frieden; Gegrüßt mit Wonne schon hinieden, . Im Krei» der Frommen lieb und traut. Willkommen Braut, willkommen Braut!*) Dann summten sie «» weiter, wie fich dessen unbewußt; e« waren die Schwingungen einer im tiefste» Ionen» berührte» Saite. Esther« dnokle« Auge strahlte in überirdischem Glanze, nnd erinnernngSvoll schien fie in ferner Vergangenheit jener Herrlichkeit versunken, al« Lieder gesungen wurden zu Psalter und Saiteospiel in dem Tempel Salemoni«, von welche« e« heißt: „Erhöre mein Gott dein Bolk und den Fremdling, der hier betet.- Die Mutter forderte fie freundlich anf, die Freuadtunr» zu bedienen, die im lebhaften Seplauder sich mit den Jugend« genoffeu von de« älter» Theile der Gesellschaft entfernt hatten. Alle« war im wohligen Fahrwasser der Unterhaltung. Man langte vor Allem nach den gesottenen, reichlich mit *) Verfasser de» hebr. Original« ist R. Salomo Alkabiz um die Mitte de» 16. Jahrhundert». Pfeffer und Salz bestreuten Lrbfeu, welche Jeder «it einer unbeschreiblichen, behäbigen und sonderbaren Fertigkett au« der vollgefüllten Hand einzeln in den Mund warf. Mit eigenthümllicher Behendigkeit enthülste» fie die Erbsen, und bald sah man auf Tisch und Boden einen dicken, weißen Rand von diesen Hülsen gebildet. Weiß Gott, welcher belebende Stoff au» diese» halbgaren Erbsen strömte, den» immer angeregter, belebender, gemütlicher wurde die Stimmung. So saßen fie da, die Arme bequem auf dm Tisch gestützt. Mancher, im Eifer de« Gespräche« dm Rock ab« streifmd, in Hemd«ärmelu. denn der Abend war warm. E« war manch' weise«, manch' witzige«, auch manch ab» ' geschmockte» Wort gesprochm — aber mau war nicht zum Kritistreu aufgelegt, und ließ e« gelten. Dazwischen paufirte manchmal Einer der Erbsmküustler, um plötzlich etwa« zu sagen, dem man e» anmerkte, daß e« nur eine Fortsetzung seine« inner» Gedankeugange« sei. „Ein lluger Jung' ist Rabbi Jankele", sagte vm David. „Mit seinm Wvrtchm schmeichelt er uu« die Mitgabe für seine Töchter ab. Er kommt von Byalistock für die dritte Tochter, von Stadt zu Stadt waneerud, sei» Bmtelchm zu füllen. " „Ein feine« Märchm hat er uu« erzählt. Ihr juuge« Volk, hört'« zu, e« wird auch euch gefallen-: „König Salomo sah einm Engel vor fich. »Wer bist du?" fragte er diesen. „Ich heiße nachgiebige Sauftmuth, will bei dir bleiben.- Salomo antwortete: „Du bist ei» guter Gesell ia der gewöhnlichen Gesellschaft, nur für Könige taugst du nicht, qnartiere dich lieber bei mrium . Unlerthanm rin.- / Der zweite Engel tritt ein. ..Wer bist du, schöne, erhabene Gestalt, die mir Ehrfurcht einflößt?- „Ich bin die Bemnnft und wünsche bei dir zu sein, bin deiner werth.- „Da« bist du ganz gewiß, aber mit dir umzugeheu immer deine strenge Hofmeistermiene vor Augm zu haben, würde wir jeden Lebensgenuß verleid:«. Ich ehre und schätze dich, besonder« wenn du an der Seite meiner Minister erscheinst; aber dich immer nebm mir zu sehm, d-zu kann ich mich unmöglich entschließen, ich nehme deiueu gute Willen für die That.- Dir dritte Gestalt, nicht minder anziehend, halte etwa« Unwiderstehliche«: „Wie heißt tot?“ „Die Einen heißen mich Bitte, die Andern Gebet, ich werbe uw deine Freundschaft. Bete zu Gott und kommt die Bitte der Hülf»dedürstigeu zu deinem Ohr, so wird 'Gott dein Gebet erhören, wie du die Bitte de« Bedürftigen.-. „Sei willkommen, denn nur durch dich erhält da» Leben Sinn und Bedeutung. Ohne Erhebung zu Gott und Mitgesühl für die Menschen fließen die Meuschentage leer und unnütz dahin. Bleibe bet mir al« unzertrennliche Gefährtin.- „Fein-, sagte Gerson und die Gesellschaft stimmte befriedigt ein. Rur Josef, der dreizehnjährige Sohn einer armen Wittwe, wollte wissen, warum den König nicht dieselben Tugenden zieren sollten, die er andern empfahl. Die« war nun allerdings nicht leicht auSeinauderzusetzeu und mau verwie« ihm da« ewige Fragen. Aber Gerson rief den Knaben, den er wegen seine« Scharfsinn« und seiner Lrrubegierde liebte, zu fich uud sprach zu ihm: „Schäme dich nicht, mein Sohn zu fragen, wenn du e« thust, um dein wissen zu vermehren uud schäme dich nie zu sagen: Ich weiß nicht, wo du nicht weißt. Aber lasse» wir Salomon« Wei«hett, sie ist für »ich noch zu groß. Höre eine Geschichte, die für dich paffender ist, da ist etwa« zu errathen. Zeige, wie weit dein Wiy geht. Paß auf.- Rtcht nur der Knabe, sondern Alle horchten hier auf, denn Gerson war al« guter Erzähler bekannt. (Forisetzuag folgt.)

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