Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 8 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■M8. Aüdtsche« 188S. iifi litn-Slffft Herau«gcgebe» von Dr. M. Nahmer in Magdeburg. -"i33* Jtr Nllterhaldms s. Kelehnmg str die israelitische Fasilie. fy. , r, Herjkn«ad«l. «ine kujawische Erzählung au» dem «nfange unsere« Jahrhunderl», «on I o h a n n a., (Foris.) Inhalt'.und «ast.a«h°r°',erim.bemigea Juden,hum. «on Morrtz«l«br,g (Fortsetzung.) .«»beknater »-«drück »ntersa^.) V Au« de« epruchschatz de» Talmud. - »Lthsklansgabm und «Sthsellösungen. (Uuoefugler mamoru» — Rassenmischung den Faml lientisch. — Herzemsadel. «ine kujawische Erzählung au« dem Agfangr unsere» Jahrhundert». Bon Johanna - (Rtiftarutf umrrtagu (Foitsc»ong.) Die einzige Tochter Gerson'«. Esther, war du» Bater in kindlichem Frohsio» eatgegcn geeilt, die Mutter an der Hand. Esther bückte st>h, dr» Bater« Hand küffend, der die andre segnend auf da« Haupt de« Linde« legte. Dann reichte er sie der Gattin. »Salem alekem, Sarahleben I Ich bringe dir einen Gast, er hat einen Plätt*) bei un« auf Schabte«!“ Sarah, die den Frieden und die Heiterkeit der Seele persoaificirte, tankte lautlo« und doch so beredt mit ihren frommen, au«truck«oollen Augen, die schönste Zierde ihre» noch von ungewöhnlicher Schönheit zeugenden Antlitze«. Ein fast bettelhaft, doch reinlich gekleideter Mann verneigte sich vor den ihn freundlich ermunternden Frauen, die ihm einen Sitz au dem Tische anboten, wie e» Sitte ist bei den Gemeinde!, wenn rin hüls«bedürstigrr Fremder zum Sabdath sich meldet. Endlich trat Pawel schüchtern ein, den Brief der Gräfin mit seinem .Padam do näg- (»Ich falle zu Füßen') überreichend. .Oeffue den Brief', sagte Gerson. ihm denselben wiedergebend. tem Gebote folgend, keinerlei alltägliche Arbeit zu verrichten. »Bon »er Gräfin WiniawSkal' rief Gerson erfreut den Seinen zu. »Sie und Graf Arthur find von Pari« zurück» gekehrt. Sic wünscht, daß ich zu ihr komme und dich mitbriuge. Esther; dich. Sarahleben, läßt fie grüßen, fie hofft, du wirst nichts gegen ihren Wunsch haben Betreff« Esther«.' »Für dick , mein Lind, die« Briefchen.' Der Brief war glücklicher Weise nicht versiegelt, Esther brauchte also nicht Pawel» Hülfe. »Wie e« mich frent, daß fie mich noch nicht vergeffen', sagte fie, den Brief uugestüm entfaltend. .Fünfzehn Jahre haben wir unk nicht gesehen.' .Lieber Bater', lie«, wie süß ihre Worte find, ich schäme und freue mich zugleich! Sie schreibt mir französisch: .Du bist, liebe Esther, wie mein Herz mir sagt, sicherlich so gut, liebenswürdig und dienstfertig geblieben, wie Du e« immer gewesen, darum richte ich. gestützt auf Deine Güte und die Erinnerung, die dieselbe in mir zurückgrlaffen, au Dich eiue Bitte u. s. w.' Diese Bitte bestand darin, der Gräfin ein junge« MLdcheu zuzuweisen, zum Elementarunterricht eine« Dorskindc« von schöner Begabung, welches die Dame in ihren Schutz genommen. *) d. i. Biller, «ine Anweisung de« Gemeindevorstehers an die Gemriudemitglieder, durrbrrisrnden Arme während de» Sabbalh» zu beköstigen. .Darin wird Tante Valentin zu rathrn wißen', sagte Esther. Der Bote erhielt aus alle die lieben, erfreuenden Worte keine schriftliche Antwort, denn da« Schreiben verbot der Sabbath. Gerson ließ also mündlich durch denselben seinen Gruß entbieten und trug ihm auf, der Gräfin zu sagen, er käme Montag. .Aber erst wirst du dein Abendbrod in der Lüche bekommen', sagte er zu Pawel, der, fich tief verneigend, der erfreuenden Weisung folgte und bald, da- Berfprocheae in der Tasche, seine Heimkehr anirat. Al» Gerson bedeckten Haupte« den Segen über die Sabbathbrode gesprochen, eilte Esther da» Gericht Fische, do« unentbehrliche Festesten de« Freitag-Abend« bei Reich und Arm, zu holen. Alle« in Lüche und Leller getraute Sarah der Tochter au, aber da« Fischkocheu? nein, da« ließ fich weder Sarah noch irgend eine Hausfrau der Gemeinde nehmen, denn fie meinten den Geschmack ihrer Männer darin besonder« zu kennen. Gerson war auch de« Lobe« voll, er spendete gern diesen schönsten Lohn jeder Hau-frau. .Wie hell heute die Lichte» brennen', sagte Sarah zu ihrer Tochter, .sie find uns diesmal beim Ziehen besonder« gerathen. Und unverrufen! sie halten auch länger vor als sonst; der Segen ist über sie gekommen.' .Da» darf man nicht aussprechen, Mutter, wie du mir selbst gesagt, der Segen schwindet, wenn man von ihm spricht', sprach Esther schelmisch. .Du hast Recht mein Leben', meinte die Mutter halb l ernst halb scherzend und legte ihren Zeigrfiag»r lächelnd auf den Mund. — .Ich höre unsere Sabbathgäste kommen, rührt Euch» j Weiber, daß abgetragen wird, rief Gerson nach dem Tischgebet. Da« war bald geschehen, und auf dem erweiterten Tische stand bald da« von dem allgemeinen Brauch festgestellte Menu: gesottene Erbsen mit Salz und Pfeffer bestreut, in einer riefigen blanken zinnernen Schüffel; saftig gekochtes, getrocknete« Obst und im Hause selbst gefüllte« Brauubier, Rüste nicht zu vergeffen. Da waren fie, die lieben Gäste, die mit festlichem Gmß cintraten; gute Rachbaru, die der alte« Sitte gemäß eine Art Verwand schaft-recht genoffen. Gehört doch zum häuslichen Glücke diese« friedliebenden Volke« gute Nachbarschaft, die sie tu ihrem täglichen Morgengebete von Gott erflehen! Lein fühlbarer Unterschied war da zwischen Wohlhabenderen und Aermeren; nicht« wirkte störend in salchm Lreisen auf den einfachen, herzlichen Verkehr» wo Redlichkeit, Gelehrsamkeit, geistige Begabung. Witz, Humor jeden Unterschied der pecuniären Verhältnisse aufhoben. E« gab zu jener Zeit, wir auch heute, Häuser, wo man sich wohler fühlte al« in andern, und ein solches war da« unserer gastfreundlichen WirthSlrute.