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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 7 (1889) · p. Seite 26

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
7 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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^„1$, da« faule Volk," schalt Paa Franschischek, »Mariek, Stafiu, Josef rührt Euch, spanut au, macht, daß ihr da» Heu unter Dach schafft!" — Die Ausführung feiner Anordnung war für Arthur genug, um za erkennen, wie Pan Fransckischek mit seinen Leuten stand. Phlegmatisch, sich hinter die Ohren kranend» machten sie fich an de» Wagen zu schaffen, bis sie den jungen Herrn bemerkten, der eben an» der Scheune trat. Es war, als käme ein uener Geist in sie, und mit fröhlichem Hurrah kam der Wagen in Bewegung. Wohin Arthurs Blick fiel, bemerkte er Uagehörigkeitea, bald wußte er, daß hier seine Gegenwart unerläßlich sei — und welchen Händen die herrlichen Güter anvertrant gewesen. »Ich habe mir keine große Hoffnung von Onkels WirtbschaftStalent gemacht, daß r» aber so schlimm ist, habe ich nicht erwartet," sagte Srthnr zur Gräfin, als fie allein waren. »Ich werde von morgen ab ernstlich arbeiten müffen, ich fürchte wirklich die WirthschaftSbücher anzusehen, aber ich muß diese vor allem ordnen, und dann bitten wir Gersou zu unS, ohne ihn kommen wir hier nicht iuS Geleise." »Morgen möchte ich mit Dir euSfahren Arthur, e« mag weiter hinan« auf dem Felde nicht so arg sein, wie du eS dir denkst." »Sern, Großmama," antwortete er seufzend. Wie verabredet war. begaben fich unsere Freunde auf den Weg. die Gräfin in einem leichten, eleganten Phaethon, Arthur auf seinem schönen Pferde neben ihr reitend. -Unterwegs schlug ihr Herz sorgenvoll, als fie leider zu »ft Arthur« BoranSsetzungeu bestätigt fand. Für nicht« hatte Pan Franschischek gesorgt, al» für gute Reitpferde und feine Equipagen, die er für augeurhme Ausflüge mit den Damen der Nachbarschaft benutzt hatte. Zu Hause augelangt, schrieb die Gräfin auf Arthur« Wuusch sofort an Gersou. Nachdem fie ihm aagezeigt, daß fie und Arthur seit einigen Tagen hier seien, bat sie ihn dringend hinan« zu kommen und Esther mit zu bringen, die fie gerne Wiedersehen möchte. — Ein Bote war mit dem Briefe fortgeschickt. Al« dieser im Städtchen aukam, fiel ihm die Still« in der sonst so belebten Juden,affe auf; nur Stader und Frauen, sauderer als gewöhnlich gekleidet, sah man in behaglicher Erwartung hin- und hergehen. Thüreu und Fenster waren weit geöffnet, um die Dämmerkühle de« Julitagr« in die schwüle« Wohnräume eiuziehu zu laffen. Ja dem ärmlichsten Stübchen sah mau de» Tisch mit sauberem Tuche bedeckt, zwei Lichtchen bräunt m auch dort, in mit uaffem Sande gefüllten Scherben statt Leuchter, um da« Verlöschen de« letzten Stümpfche« gefahrlos zu bewirken; denn Niemand darf vom Freitag» abend bi« zum Schluß de« Sonnabend« Feuer berühre«; zwei Weizendrode lagen auf dem Tische, auf eiuem Teller de« Hauöhttru, und riag« umher standen irdene Teller nach Zahl der Famüiraglieder, hin und wieder auch Meffer uud Label. So war es recht« uud link« in den Häusern, iu welchem der Engel de« Sabbath« schwebte, die armselige Habe selbst de« Armen verklärend. »Ja so!" dachte eudlich der bäuerliche Briefträger, »die Jude« habe» ihre» SchabbeS." Dieser Gedanke erklärte ihm dir Umwandlung von Menschen uud Diugeu in der Gaffe, die er sonst »icht au diesem Tage gesehen. »Wie gut fie e« habe«, diese Schacherjudeul Wer von nt« trennt zwei Lichte auf seinem Tische uud ißt Wetze». brot?‘ Al« er so voll neidischer und doch harmloser verwuudernng um fich blickte, füllte fich bald die Gaffe mit den otU dem Tempel kommende« Jaden, ihre Gebetbücher unter de» Arme» tragend. Wie Arm uud Reich mü frohem Gesichte daherk-m. ihre Lnaben reiulich an der Hand, so ganz beseeligt und erfüllt »an der Sabdathrnh«, die ihnen geistig und körperlich «ntgegeutrat, alS^Lohn de« mühseligen, niederdrückenden Leben» der Woche! ' Der Bote erkannte trotz der Verwandlung maucheu jener Büadeljudeu, die unbekümmert um den Hohn der Buben, in Regen und Schnee ihre» schweren Packen auf dep von Sorge uud Arbeitslast gekrümmten Rücken tragend, freundlich grüßend die Dorfstraße entlang zogen. Der Bote ttat Marek, dem Schneider feiner Herrschaft, entgegen, ihm ankündigend, daß dieselbe angekommen uud seiuer Dienste bedürft, er möge hinauSkommrn. So sehr Marek diese Nachricht erfteute, warf er auch diese Mahnung seine« Alltagsleben« hinter fich und die Melodie jene» uralten Liede« zum Empfange de« Sabbath« summend, eilte er in feierlicher Freude in« Hau«. Der Abram, der von dem Bauer« schon manche« Hasenfell gekauft, da« dftser au« der herrschaftlichen Lüche erhalte», sah heute wft eia Herr au«, mit dem fadenscheinigen, aber reinen Rock und dem weißen Hrmdkrageu. »Abram", sagte er, »ihr Juden habt e« schön bei euch, wft hell e» dort im Stübchen leuchtet, und wie schön die mit Mohn bestreute« Weizeubrode Eine« anlacheu! Wft BauerSftuft können da« nicht haben!" »Lochanh Pawel", erwiderte Abram humoristisch, iadem er nach de» Bauern Sehle deutete, — »die hat schuld, oder lieber da«, wa« ihr hier durchjagt!" Sr grüßte ihn flüchtig und dachte: »Gott hilft un«!" Pawel war endlich im Haufe Gersou«, aber er wagft nicht, die Schwelle de« geöffneteu mit Lichterglanz erfüllte« Zimmer« zu betteten. Dort schwebtt an der Decke dn blanke mesfiugeue Srouleachter, sieben Lichter in den Röhren; die messingenen, mit schönen Mustern gepreßten Wandleuchter warfen den Reflex der darauf befindlichen Lichte weithin leuchtend über dft kattunbezogeueu Polster der polirteu Möbel; auf dem Tisch« brannten tu den filberuen Sabbathleuchter» von der HauSftau durch ftomme« Gebet eingeweihte Lichtt, und wenn diese auch selbst gegossen, brannten fie doch hell, obgleich fie auch manchmal knisterten. Der Tisch unterschftd fich nur durch da« Gepräge größerer Wohlhabenheit vou den Tischen jener armen Leute, welche Pawel gesehen. Der Glanz einer schönen Welt ruhte dort «ft hftr im Frieden de« Sabbath« ans Menschen »nd Dingen. »Lecho Daudi, likra« Salle", trällerte Gersou, al« er die Schwelle setue« Hause« betrat, bi« er eudlich, laut ansjubelnd, seine Stimme erhob und ftiug: »Lecho Daudi, lifta« Salle I" — Eine wohlklingende weibliche Stimme bildete da« Echo de« ftomme» Gesäuge«. föwtfetMg felgt) Nascht auf der VLhue. Hierüber schreibt Herr H. Prague tu den »Archive« JSraeltte«" «ft folgt: Dft jüdisch-poluische Schauspftlerttnppe, welche iu Part« Borstellungen giebt, hat nach einem Abstecher in da« lateinische Viertel jetzt den Saal der »Fantaifie« Parifirnue«" tu der Rochech«uai«ftraße iu Besitz genommen, um dort da« Publikum zu belustige». Wft besuchte» dft Vorstellung am verfloffeueu Samstag-Abend (28. Januar). Die Theater- Sttel in hebräischen Lettern kündigten eine »biblisch-historische perette" — »Rasch i" — in 5 Arte» und 7 Bildern au. Nur tu einem polnische» Gehirn kan» der höchst nnehrerdftlige Bedanke entkeimen, dft LebeuSgschtchte Rascht«, eine« unserer ehrwürdigste» «ad beliebteste» Lehrer de« Mittelalter«, de« größte» Bibel- und Talmud-Eowmeutator«, zu« Gegeuftaud« einer Theater-Borstelluog zu mache». Solche Verwegenheit mnß un« in Erstanue» »ersetzen »Nd tief verletzen. Rascht ist vielleicht — ja «e»ii — nicht in Frankreich der Gegeuftaud so allgemeine» Studinm« wie in Pol« »nd Galizien. Trotzdem empfinde» wft um so viel mehr Achtung für seinen Namen und setue Werke, al« daß

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