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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 7 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
7 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 7. Jüdische» 188». f »■glitt Ir M in TOnnfofmvA Hera usg «geben von Dr. M. Nah »er in Magdeburg. Zn WtthMns». KelehnLs str dir israMsche Famlle. Hertmsadel. Lin« kujawische Erzählung aus dem Anfang« uns«res Jahrhunderts. Kon Johanna. — Nascht aus der Bühne. — Qtftfiffff » Rasfinmischung und Raffen-Lhara^rerc ,m heutigen Judenthum. Bon Moritz Alsberg. — Allerlei für den Famiiientisch. — 0**7***’ » Nüthselausgabeu und RütblellSIunaen. ’ Nüthsklaufgabeü und Näthsellöfungen. I Herze»Sadel. Line lujawische Gr.chhlung aas dem Anfang« unsere» Jahrhunder.s. Bon Johanna - (9ta$bnuf «ittersagt.) (Fortsetzung.) „Jetzt komm mit mir in die Wirthschaft, Oakelcheu. ich kan» «* Dir nicht sagen, »ie ich mich sehne, da» lang entbehrte Landleben zu genießen, zu arbeiten und zu schaffe»." . Nutzer Zärilichkeitsänßenmgen hatte dieser Onkel kein Wort gesprochen, da« nur im Entferntesten audemetr. was sein Seaßere» versprach. »Pan Frans,hischek' gehörte zu einer Specie» der polnischen Nation, die bald „Pan Iran» schischek", „Pan Amadänsz-, „Pan Hippolit" »der einen andrre« Bornamrn hat, »ie andere Menschen auch. Man begegnet solche» Herren häufiger als irgend»» in polnischen Häusern. Sie find tu der R gel ebenso elegant »ie beschränkt, ebenso 'graziös »ie unwissend; voll romanhafter Ich««» über Liebe, sei e« zum schönen Geschlecht« oder zum verlorueo Baterlande; überall der gefälligste Mensch, geschmackvoller Arrangeur bei jede« Vergnügen; zu den schwierigste» Besorgungen von Damentoiletteu immer bereit, und sollte» sie von ihm persönlich in Wind und Wetter, bei Nacht und Nebel ansgeführt »erden; ein Allerweltsonkel, de» dir jungen Damen mit kleinen Handarbeiten ködern »der für seine» «uermüdlichru Diensteifer lohnen; von der Quarta de» Ghmnastnm», dir er in seinem achtzehnten Jahre vrr . - ließ, bi» heute rin „vielversprechender Jiägling-, bei seinm viorzig Jahren» noch jugendlich, «in flotter Tänzer und naiv »ie ein Kind; v»e ei» solche« unzurechnuug«fShig, urchril»- > lo» für da» praktische Leben. — E» war nicht seine Schuld, »enn Franschischek» Later ihn für „einen »ieloersprecheuden Jünglinghielt, er hatte wirklich da» Seiuige gethan, um diosr Voraussetzung nicht zu wecken. Sein« Mitschüler hatten es di» heute nicht vergessen, wie er seinem Lehrer, der ihm durchaus de» Pythagoräischen Lehrsatz erklären wollte, geantwortet: „Herr Prefeffor quöllen Sie fich nicht, ich glaube Ihnen ja.- — i Oder »aren jene Voraussetzungen gerechtfertigt, als der hochanfgeschoffen« Jüngling mit kräftige« Schnurrbart, mit feine» Glacehandschuh«» und tadelloser Toilette folgender Weise seine Verse hersagte, die er seit Wochen immer wieder- \ hole» nmßtr, di« er immer wieder bei seinem Antreten mit! einer »ahrhaft vornehme», graziöse» Verbeugung und dem Ernste eine» Rhrdamanto» einleitete: „In AffriNa »ard einer Schlanggr, dir Jedde» ohne »«laß biß —- „Herr Proseffor weiter »etß ich uicht.- ^Jmmer derselbe gut« In«»«-» hatte die Gräfin be- -eichnend zu Arthur gesagt. — Franschischek hatte seine Eltern verloren und nicht« war von dem schöne» Landsitz geblieben als Schulden, heroorge» gmlgeu durch Leichtst»», Ankenntniß und Unthätigkeit »er (Uadrsagter Nachdruck untersagt.) Eltern, die immer gaben, wie der Pole giebt. da» heißt so lauge er Credit findet; immer großmüthig, erbarmend und wohlthätig; uuinteresfiert, aber auch unbegreiflich vergeßlich bei Verpflichtungen, die da» geschäftliche Leben mit sich bringt. Herr von Orlow-ki, Arthur» Vater, ein entfernter verwandter jener Familie, nahm fich de« jungen Manne» au, indem er ihn al« Hausgenossen bei sich aufnahm, eine bei den Polen selbstverständliche Handlung, denn rin polnische» Hau« ist höchst selten ohne irgend einen oder einige hülfsbrdürftige Freunde oder verwandle. Durch den plötzlich eingetreteneo Todesfall der Eltern Arthurs war Pan Franschischek bisher Alleinherrscher in dem großen Gütercomplex derselben geblieben. Al» die Gräfin damals au-derSchweiz in da» verödete Schloß zurückgekrhrt war, suchte sie so schnell al» möglich, die so plötzlich unterbrochenen Geschäfte ihre» Schwiegersohnes zu ordnen, wobei ihr der langjährige Freund «ad verather de« gräflichen Hause», der Saufmann Äerson au» dem naheliegenden Städtchen I.., theilnamvoll und gewissenhaft beistand. Man hatte de» weltkundigen, erfahrenen Manne« Rath immer für gut befunden, und ihn nicht nur in pekuniären, sondern auch in Familiengeheimuiffe eingeveiht, ein schöne» Zeugniß seinem vortrefflichen Herzen ausgestellt von diesem edlen Hause. Er besaß da» ganze vertrauen deffelbea und wo der Pole vertraut, bildet fich jene» wohlthueude Berhältniß, da» ihm, vereint mit dem Zauber ungesuchter Geselligkeit und feiner UmgangSformrn, den Vorrang in der Reihe der vornehmen Welt gegeben, was selbst seine strengste» Beurtheiler nicht bestreite« werden. So hatte sich ein bezirhuugsreiche« Leben zwischen dem gräflichen und dem Hause Gerson» gebildet. Die Linder beider Häuser spielten harmlos mit einander, wenn sie irgendwo zusammentrafen. Esther, die einzigt Tochter Verso«», die ihm von fünf Lindern, welche in jüngeren Jahren gestorben, geblieben, amüsierte fich ebenso gut auf dem Lande, »ie Arthur in der Stadt, wen« sie von ihre« Eltern einander zugeführt waren. Zweite» ikapitel. Arthur kehrte verstimmt von seinem Sange in der Wirthschaft in« Schloß zurück, nachdem er flüchtig einen Weg durch die Gehöfte -und da» angrenzende Weizenfeld gemacht. Urberall Unordnung, unzweckmäßige Anordnung und Vernachlässigung, die gar schlimme Folgen zeigten. Auf de» herrlichen Wiese» verdorbene» Heu, weil e» zu lange alle» Wetter preisgegeben war; da» eben eiagefahrene, »och brauchbare wurde abgeladen, aber mit unverzeihlicher Zeitoer» säumniß. Die Pferde standen eingrspannt, statt sie zu den adgeladenen Wagen zu benutzen; so lungerten die Knechte müßig umher, trotz de« drohenden Regen«. Arthur konnte seinen Unmuth kaum beherrschen, al» er seine« Onkel fragte, warn« Menschen und Pferde bei der gebotenen Elle der Heuernte müßig stehn? —

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