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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 6 (1889) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
6 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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fich tief, ker gütige» Herr!» de» Tim» ihre- Kleide« cküffmd. ' Marianna trockuete ihn Ihr«»«» au ihrer faltige», »etße» Souutaasschürzr, die st« heute z»r Ehre de« Tage« umßebuvdm. lvie Kniee der Da»e »msaffmd, blickte fie darrteud zu ihr empor. Di« Träft» küßte ihr de« grauen Scheitel, der unter der Kopka voo Tüll hervorschimmerte und lobte fie, daß fie ihren Mauu so gut gepflegt. Da« alte Ehepaar i»ar grau gemordeu i« treueu Dienste ihrer Serrfdtatt; er, Kammerdiener bet Arthur'« Troßvater, sie, ammermädcheri seiner Mutter, damal« «iu schmucke« Paar. St« hatte« deu jungen Herrn auf dm Armen getragen, und al« dieser schon auf dem Pferde fitzen koautr, ritt Sadulewiz »tcht mit de» Grafe» au«. o>,ae Arthur var fich auf dem Pferde zu haben; er fuhr ihn i« Sahne, er schnitzte Pfeifen uud Peitschen, uud erdachte allerlrt Scherze für dm Kleinen. Daran dachte jetzt Arthur und zärttich streichelt« er da« Stlberhaar und dm Bart dc« Getreuen. - „SBic gross der gnädige Herr gemordeu", sprach dieser stolz, die Han!» küssend. »Die find mir über dm Kopf grwachsm." Marianne drückte e'nen warmen Kuß auf die dargereichte Hand ihre« .kochanh Panitschek"*) uud gauz Bewunderung für sein schvne« Gesicht sprach fie tief bewegt: »Tanz »i« seine Mutter." Die Arbeiter im Gehöfte ueigtm fich tief, ehrerbietig i» bescheidener Feme, mau merkte r« ihnen an, welchen froheu Ancheil sie an der Wikdeikehr ihrer Herrschaft hattm, uuo wie dcrm Tmß fie erfreute. Pan Frarischischrk trat zu sriuem lieben Neffm Arthur, ihu seit seiner Ankunft zum so uud so vielten Male um» armmd; 'auch jetzt überhäufte er ihu mit zärtlicher Aufmerksamkeit. seine Augen fragtm nach deu Wünschen Arthur'« uud der Gräfin mit kindlicher Sorgfalt. Er hatte die Sachm uud Zimmer für deu Neffen geordnet, er stopft« ihm dm Tschibuk mit türkischem Tabak, kurz er schien uur für die Lngekommenea zu leben. »Geliebte« Onkelchen, wie Du gut bist", sagte Arthur dankbar. »Er ist immer derselbe gute Junge", meinte die Gräfin, ihn zärtlich anilickead. Die Dienerschaft hatte fich bescheiden mtfernt; die Gräfin ging in« Hau«, um ihre Toilette zu wechseln. (Fortsetzaag folgt.) Mafie»mischtt«g ««d RasieA-Lharaktere in heutige« A«de»th«m. Moritz Altzberg.-) Mit dm Untersuchungen über die Tharak'.ere der Böller und Rassen geht e« häufig nicht ander«, tote mit dm Beo» -achiuogen Über die Eigenthümlichkeiten und Dmkung«art einzelner Jndividu». Ebenso wie wir selbst nach langjähriger Bekanntschaft mit gewissen Personen häufig noch Besondekheiren de« Eharokter« und der Deukweis« herau«« finden, die sich un« di«her nicht offenbart hatten — ebenso brinqen dir tzinschung», welche die Eigmthümlichkettm der Rafim und die Abstammung der Böller zum Gegenstand« habm, häufig Ptnz unerwartete Thatsachen an'« Tageslicht. Wenn Herr v. Treitschke in jenen Publikationen, durch welch« er im Jahre 1879 den antisemitisch» Hexereien emen Schern von B.'rrchtigung zu geben versuchte, die Juden al« ein »fremde« Bolk«thum" uud die gegen dieselbm gerichtete Bewegung al« dt« »Reaktion de« germanischm Bolksgefühl« «gen rin fremde« Element" bezeichnet hat, so werden diese eußeruugru durch di« bekannten pollfischrn Anschauung« de« besagten Geschichtsschreiber« und Autor« zur Genüge «klärt. Eine andere Frage ist aber die, ob di« Lehre von 1 ,»liebte» j»»«e» Herr». **) Km# da .Aranksmt« fieitg.- dem Judentbum al« einem betrogenen, in keinerlei verwandtschaftlichen Brzlchungm zu de« Germaumchum ftrhmden Bolkselernentr vor einer uuparteiischm »iffevschaftltchm Prüfung Staad zu halt» dermuq. Bon diesem Gestcht«- punfte au« betrachtet, dürft» die nachfolgmdm Ecärtmuagm, denm wir die wichtigste» Ergebnisie neuerer Untersuchung» über die im Judmchume mthaltmr Mischung verschied»« Bolkselemmte, sowie üb« di« Raffmcharaktere de« heutigm Judmchum« zu Grundleg», für unsere Lrs« nicht ohne Jntereffe sein. Al« d« »glischr Alterthum«- und Sprachforsch« Profesior 8. H. Satze« zu Oxford, der Frmad «ad Mitarbeit« von Dr. Hrrnrich Schliemann, vor einig» Jahr» Palästina bneist«. war « nicht wmig überrascht, iu gewiss» Städten und Ottschaftm de« Lande«, insbesondere ab« unt« d« Bevölkerung der Gebirgsgegend», «ine ziemlich bedmtmde Anzahl vou Person» mit hellem Teint, blau» Augen und blondem Haar aazutrrffm — eine Tbatsache. welch: Satz« damal» noch mit dem Umstand« in Berbindllug brachte, daß im Mittelalt« ein« nicht unbeträchtliche Zahl von Rordeuropäern durch die Kreuzzügr nach dem heilegm Land« »erschlag» wurdm, sowie mit d« Annahme, daß dieselbm möglicherweise daselbst Nachkommen hinterlaffen hätt». Indessen war diese Boraussetzung eine unrichtige und «st in neuest« Zeit ist durch die von den Engländern O»buraeuadFlinder«Petrie inEgyptm angrstelllm Forschung» d« Schlüffel zur Erklärung der iu Red« stehmdea Thalsache geliefert Word». Orburne lenkte die Aufmerksamkett d« Forscher auf den Umstand, daß auf dm Abbildung» au« d« Zeit de« rgtzptisch«« König« Ramse« II. (1388 bi« 1328 v. Ehr.) wie sie in dem Felsentempel von Abu Simbel un« «halt» sind, die Thasu von Kanana (Kanaan) mit blau» Augen, röthlich-blondem Haupthaar,'sowie mit Augen» brauen und Bart von d« nämlichen Farbe zur Darstellung gebracht sind, und daß ein and«« Polk«stamm de« alt» Palästina, nämlich die Amaur, auf den Wandgemälden d« rgtzptisch» Tempel- und Gräberbautea in gleicher Weise dargestellt sind. Da nach dm Mtttheilungen d« altegyptischen Inschriften uud d« Paph»« die Ehasu von Kanaan etwa« . südlich von Hebron wohnten, währmd die Amaur zwetfel«ohae identisch sind mit den Amorite» de« alten Testammt», so ergirdt fich schon au« de» soeben erwähnt» Thatsachm der Schluß, daß im 14. Jahrhundert vor dem Beginne unser« Zeitrechnung iu grwiffm Theilm Palästina'« «ine B«völt«ung ansäßiz war, welch« alle Eigenthümlichkeitm d« weißen Rasse aufwir«. Auch ist der soeben erwähnte Schluß, zu dem Osvurne bereits vor einigen Jahren gelangte, ohne damal» in den Kreis» dn Egyptologen und AltnthumSforscher allgemeine Anerkennung zu find», neuer« ding» durch die von dem berett« erwähnt» Fliuder« Petri« aogrstellten Untersuchungen in vollstem Umfange bestätigt worb». Letzt«« von d« britischen Association d« Gissenschaft» damtt beauftragt, Photographien und Abgüffr vou dm verschiedenen Bölk«- und Rassentyp«», welche auf dm altegyptischm Dmkmäl«» zur Darstellung gebracht find, herzustellen, tonstatirte, daß auf dem Wandgemälde eine« Grabe« im alt» Theben die Herrscher von Kadesch am Oronte« mtt hellfarbig« Haut und röthlich-blondem Haar zur Darstellung gebrach» ist. Die letzterwähnte Stadt stand nun freilich unt« d« Botmäßigkeit der Hittit», jene« Volke«, welche« zufolge neun» Forschung» im 13. und 14. Jahrhundert d« vorchristlich» Aera in Borderasim eine bedeutend: Machtstellung rinnatm und von sein« Hauptstadt Karchemi« au«, dm größt» Theil von Syrien sich unterwors» hatte. Daß ab« d« Herrsch« von Kadesch selbst ei« Amorttn war, hi«an kann in Anbett acht d« au« der altegyptischm Darstellung «stchtlichlich» Blonddrit und Blauäugigkrir drffelh». sowie im Hinblick auf dm Umstand, daß die Hittit» auf dm Denkmäler« Altegtzpteu» regelmäßig mit gelb« Haut, schwane« Haar »nd dunkle» Aagm dargestellt sind, nicht gqweifelt »«dm. Währmd Letztere ebmsowohl auf dm

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