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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 6 (1889) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
6 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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die geschliffene» Jalousie» und nirdergelaffe»e» Rouleaux nur gci'ffnet wurde«, um die geschmackvolle» Woharäuwe zu lüften und zu reiuigeu. Teppiche wurde» regelmäßig geklopft, um fie wieder zusammengerollt in die Zimmer zu tragen; die kostbare» Möbel wurde» gereinigt und wieder bedeckt, berühmte Gemälde, Marmorbüsten, Kunstwerke von wunder» oller Schönheit, Alle« die« verhüllte Dunkelheit hinter festgesch offenen Fensterläden. Heute bewegte frischer Luftzug die von schwere» Seidmvorhäugen bedeckten Spitzeugardiaen au den weitpeöffueten Fenstern. Blumenduft strömte in die Zimmer, die Blumeuparquet«« vor dem Schlöffe waren in voller Blüth«; die Julisonne verschönte den Teich und den angrenzevden Park mit seiren steifen, im altfronzösischm Geschmacke angelegten Baumw Inden. Alle« erschien hier draußen so frisch und froh, vier innen im Schlöffe war den Augekommeuen, für die bat Hau« so festlich hergrrichtet worden, die Trauer entgegengrtreten, als wäre sie au« ihrer Einsamkeit geweckt, in weläier fie fünfzehn Jahre auf Allem geruht, wa« man zurückgelaffe«. Ach! e« war jene gespenstische, geheimnißoolle Trauer, die nur Derjenige kennt, der iu unglückseliger Stunde sein ihm liebe« Heim verlassen, um deffen schmerz» voller 1)ede zu entfliehen. Des« Trauer empfing die Hrimkehrenden nach ihrer langen Abwesenheit: die sechzigjährige Gräfin von WiaiawSka und ihr« Enkelsohn, de« dlühendin, stebeoundzwauzigjährigen Man», den Grafen Arthur von OrlowSki. Al« ein Diener di« Thürr jene« Zimmer« geöffn-t. wo «inst Arthur Alle« beseffea, wa« Elternliebe zu schaffen vermag, 'landen Beide auf der Schwelle wie vor einem geweihte« Heiligthum, auf dessen Ruinen man die Zeichen dahingeschwundener Herrlichkeit erkennt. Endlich traten fie ein und während draußen die Diener noch beschäftigt waren, da« Reisegepäck ihrer Herrschaft zu ordne», knieten iu dem ehemaligen Schlafzimmer seiner Mutter Arthur und seme Großmutter vor zwei Porrrail« die bi« zu diesem Augenblicke der schwarze Flor verhüllte, den ih:e Hand vor ihrer Abreise darüber gebreitet. — E« waren die Bilder der Eltern Arthur«, die in leben«warme» Tinten von einer Meisterhand gemalt, auf die Kniemden niederz »blicken und fich zu belebe« schienen Welch' hold» seliger Zauber edler Weiblichkeit umfloß diese« schöne Frauenbild l tc« erschien iu erhöhter Schönheit durch seiue rührende Milde, «eben dem Au«druck de« andern Bilde«, in seiner ritterlich« Hochherzigkeit, seinem Mnthe und der Entschlossen» heit iu de» mäanlrcheu Zügen. E» war eine stille Tode-feier, di« fich hier vollzog. In schmerzvoller Ergebung fich dem Rathschluffe Gotte« fügend beteten die Kniemdm. Erinnerung verdrängte die Gegenwart, da« wunde Herz empfand jene Liebe, dir über da« Grab hinan« dauert und die Ber'orenen mit dm Zu» rückget liebmen vereiut. Al« die Matrone fich mdlich erhob, unterstützt von ihrem Lukelsohn. schloß fie ihn in ihre Arme und seine Thräna» wischten sich mit den ihrigen. .Du wein Alle« a»f Erden, wa« ich liebe", sagte Ar» thur sliiist und innig. Sie richtete fich in gefaßter Haltung auf. ergriff seine Hand und sagte feierlich: „ffiir wissen Beide, di« wir einander find, mein Lind. — Alle« kann ich ertragen wa« mir geschehen, aber nicht dm Gedanken, daß ich Dir Alle« bin. Dein weiche« Herz, zum Beglückm geschaffen und de« Glücke« werth, darf, soll fich nicht mit der Liebe begnügen, die Du mir «eihst. Du kennst den 8iebling«wu»sch Deiner Eltern, dm fie schon in Deine» Kinderjahren gehegt in der lieber« -eugung, daß durch seiue Erfüllung Dein Glück gegründet wird. Wladi«lawa von Winiawtka, die Zierde unser« Adel«, fie, der Liebling Deiner Mutter, Deine lieb« Gespielir der Kindheit, fie ist zur dlühmdm Jungfrau heraugereift, schöner uud bester al» man e« vorau«gesetzt, — fie liebt Dich mst der ganzm Kraft ihre« reinen Herzen«. " Ungeduldig aber respektvoll hört« der Erregte asf die Sprecherin; man durfte vorauäsetzea. daß der Inhalt diese« Gespräche« nicht hmte »um erste» Mal« berührt Wurde. Er küßte die Hand der Großmutter und beschwor fie, «i« wieder diese« Thema zu berührm, da« ihm stet« Schmer, bereite, weil er dm eiuztgm ihm bekauntrn Wunsch seiner Eltem nicht zu erfüllm vermöge. .Wladi«la»a hat mir ihr Bild gegeben, Arthur, ich weiß, e« ist für Dich bestimmt. Sie wagte nicht, e« Dir zu reich«, Deine Kälte gegm fie schüchtert da« zarte, liebmde Mädchen ei». Hättest D» boA den Blick bemerkt, den sie bei unser« Abschiede auf Dir »uhm ließ!" Arthur schwieg, die Aagm auf dm Bodm gesmkt. .Ria. so versprich mir dm«, »ma Dn Deiner-Eltem gedenkst, Dich ihre« Wunsche« zu erinnern. Und kommt die Stunde, wo Dein Herz für die Gewährurg ihre« Wunsche« erwacht. Dich diesem guten Gefühle hiuzugedeu und Wladt«. lawa ihre trene Liebe zu vergeltm." .Die« verspreche ich Dir, geliebte Großmama, so wahr ich meine Mutter liebe." Dieser höchste, heiligste Schwur jede« Polen bemhigte die Gräfin. Sie küßte Arthur'« Stim, «achte da« Zeichm de« Kreuze« über ihn und fich selber, dann gtngm fie Haod in Hand hin^u« auf die Berauda de« Schlöffe«, wo die Dimerschaft versammelt war, die schwemermißtm Gebieter zu begrüßen. » Arthur'» Eltern waren während eine« Aufruthalte« ia Billeumf bei einer Gondelfahrt auf dem Gmfersee durch dm tückischm Föhn, der fie dort überraschte, mit dem Kahue tu der Tiefe verschwunden. Der damal« zwölfjährige Kuabe, der mit seiner Großmutter am Ufer die Eltern erwartete, war Augenzeuge jene« mtsetzlichm Ereigniffe« gewesen, da« für sein ganze« Leben einen eigenthümlichm Zug von Schwer» muth in ihm zurückgrlaffm. Gräfin Wiutawota kehrte ge» brochmen Herzen« nach der Heimath zurück, um die so plötzlich uuterdrocheum Geschäfte ihre« Schwiegersöhne« zu ordnen; dann litt r« fie nicht länger hier, wo der Gegmsatz glückseliger vergangmheit mit der trostlosm Gegenwart fie jeden Augenblick austchreckte. Sie ging mit ihrem Eukel nach Part«. Bisher hatte sie uud seine Mutter desse» Sr» ziehuug auf« Sorgfältigste geleitet, ihn sogar mit schönen Erfolgen unterrichtet, aber tu Part«, wo alle Mittel zur Entwicklung von Arthur'« herrttchm Aulagm vorhau dm waren, besuchte er die bestm Schul«, und beendete auf einer Hochschule für Landwirthschast seine Studim. Dana reistm die beidm unzertreuulichm Menschen. Arthur und dtt Gräfin, wett umher, er bereichert« sei» Dtffm, um seiue Güirr al« sachkundiger Laudwirth zu dewirthschaften. Die angeborene Neigung der Palm, e« sei ein Mau» oder Weib, für da« Landlebe«. — der Gedanke, dm alten Stammsitz der FamUi« zom Rahepunkte seine« Leben« zu weihen, drängt« ihn nach der Heimath zurück. Gräfin Wiuiaw«ka, der« Leben unr noch Bedeutung für fie hatte, so lauge e« sich auf Arthur'« Leben« bedürsoiffe «ad Einrichtungen bezog, betrat dm alten, von Erinnerungen jo theuren Boden, wo jede« Plätzchm Zmge ihrer eigeam Jugend und der der verloren« Lieb« beglückendster Aufmthalt gewesen. Run stand« die Beidm, Großmutter und Enkel, da. ftenndlich, herzlich die Dienerschaft begrüßend; sie, obgleich ftüh gealtert, trug die Spur« ungewöhnlicher Schönheit, während er m voller Jugendkraft prangte. .Sabulewicz l Mariauua l" rief die Grästu, dem zwar au eiuer Krücke hinkenden, aber noch kräftigen Manne uud seiner Frau zu, »Ihr seht ja prächtig au«." .Wtelmozua*) hat dafür gesorgt, m» fehlt un»?" sagte der Alte, mtt vor Erregung bebmder Stimme und ueigte *) «hrfblge, dem Sinne «ch: Welver» Sgrad«.

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