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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 6 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
6 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Züdisches Herau«aegrben von Dr. M. Aahwrr in Magdeburg. Z>r zlllttthtltn-«. öelthnllz fir die isrgMsche Jamilir. Inhalt: kujawisch» Erzählung au« dem Anfang« unsere» Jahrhundert». Bon Johanna. — Raffenmischung und nafsrn-Eharaltere ,« heutige, Judeuthu«. Bon Moritz «l«berg — Da» Duell, Bon L «andl. — «u« dem Spruch «atz »« Xalniib. Pantsch »dertrag«, von % »eindng. — «Sihselausgaden und «»bsellSsunaen. Iklavrfagter Aochdru ,,trrsa,t) HerzeuSadel. Eine kujawisch« Erzählung au» dem Anfang« unsere» Jahrhundert». Bon Johanna. - lNechrma unUtfH'.) ©o rrcbt. Da» SKi'tKricbcn her Juden ist in unterer Zeit in verschied«»«» 'Phase». Zette» »ad Ländern o»n so bedeutenden Männern dargestellt morden, daß nur ein besonderer Grund «ir de» Math gilbt. zu jene» herrlichen Geiste«werkm ei» bescheidene» r-cherslei» beizutrage». Soviel mir von jene» Meister» rtea bekannt ist. enthalte» sie Schilderungen entweder von grobartigen Vertretern oder Märlyrei» der Sottestdee; »d»r Bilder verkommenen, nnnllwickeltrn Geiftesledea», oder auch gegen die tnggejognen Grenze» de» Wissen» sich. mpörrude, ringende Naturen. Die Z«U, »0» der ich zu rede» gedenke, hat nicht» von diese» anßeroi deutlichen Din ea. ich »eiae in eben den Ortschaste», di« »eitrr entfernt lagen von groben, a««hr 00m Zeitftro» berührten Städter. Dies« kleinen Provinzialftädte trugen de» Stempel jener Zeit dr» Anfang«» uns« » Jahr» hnudrrt«, »» »Nahe »ir erste Bürgeepflich— war. Die Judtn. . tm««r gute Bürger, waren ta ihre» durch Bor- »rtheil »ad Staatsgesetz abgesonderte» S rllungen überall friedlich« n. fügsame Leute. — Der Standesunlerichied mar« firtc sich bamal» bei ihn» viel »ruigrr ,l« heute. Dir alte» BÜte» Ware» «»erschüttert gepfleg», von »rm «ad Retch, von Gebildeten und Ungebildete»; die enge» Grenzen der Gesrlligket »der vielmehr dr» gesellschaftlichen Lebe»», di« fie vv» Iader»glSnbige» hermetisch abschlossen wäre» >lleo gleich gezogen. Staatsgrsetz« schlosse» jede» öffentliche Hervortrrte» für allgemeine vrrhiUtaiffe dr» Laude» au», für Eine» «ad Alle. Mit Mose» M «ad e l»so hn kam ei» geistiger Umschwung tu sine Zeit. Er war seine» Gla,beu»genoffeu In Leitstern zur allgemeirrm Bildnng. sei»« mild« Weisheit »ad Human « tät durchbrach die Schranke» der gegenseitige», zwischri Jude» »ad Lhristrn seit Jahrhunderte» errichlrteu Scheidewände. Die unwiderstehliche Wirkung seiner mächtige», ver- «delude» Idee« »«de» Grmriugut Aller derer, di« »ach wahrer Bildung strebte»; der Genius seine» Geiste» zog die widerftrrbendflen Elemente an; selbst seine rrditlersten Gegner, die er reichlich »nter seinen Glaubeasgenoffr» wie »ater Andersgläubigen fand, naunlen ihn eine» der ansgezeichuetste» Dealer seiner Zeit. Bergleüt dar der Beweguag eiae» Gewässer», in da« rin mit straft geschleuderter Stein in westen Kreisen immer größere Ringe bildet, — so wirkten die großen Gedanken Mrudelssohut von Berlin au«, weit in die fernsten kleinsten Gemeinden feinet Glaubensgenossen, neue» Leben erweckend. Dt« Zeit, von der ich so gern ein wahre» einfache» Bild zeichne» möchte, stehe eben unter der Wirkung jener Bewegung. Der Drang »ach Wissen verdrängte oft die Alltagssorgeu au da» lieb« Brad. Unbeachtet, unbekannt von ihre» christliche» Mitbürgern nnb der über dt« Grenzen ihre» Städtchen» hinan» Lebenden, legten die Minner jener Zeit «eist unbewußt, da« Fundament zu der ehrenden Entwickelung der heutigen jüdischen Generation. Die Väter warru Autodidakten, da deutsche Schulen iw Allgemeinen selten und unbedeutend waren, nicht zn vergessen, daß ihre Bätrr r» noch für Sünde hielten, ihre stinder etwa» Andere» als de« Talmud lernen zu lassen. Der natüiliche Wissensdrang, geschärft durch diese» Unterricht, befähigte die Männer jener Zeit, sich steantnisse anzueignen, die de. Manchen brwundern«werth waren. Meine» Wisse«» stad dtse auspruch«losen. geistig geweckten Männer, die da« Wissen nur um de» Wissen» wille» erstrebten, weder als Bürger noch al« Famlienväter in der Literatur erwähnt. Diese Zeit deschäftiat seit vielen Jahren meine dr« inncrunjtu. Ich gedenke mit dem lebhaftesten Vergnügen j nee herrlichen Menschen, die ich im Umgang« meiner Altem — noch in jungen Jahren — kennen gelern'. denen de Heu« stge selbstherrliche Jug'nd so Biele» verdankt, wa« sie kaum ahnt. Auch scheint e» «ir geboten, in einer Zeit, wie die unsrige, »0 Professoren und Hofpredigrr sich bemühe» zu beweisen, daß zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung de» Lande« nirmal« freundliche, echt menschliche Beziehungen möglich find. — die eigenen Erfahrungen nach dieser Seite hi« da» Eegrutheil berichten zu lasse« Ein gesunderer Sinn al» der j »er Rechtsverdreher liegt in der Volk», massr. Die verworfenen Agitation«mittel niedrigster Art beweisen die», e» gehörte »i l dazu, die roheu Instinkte der Menge zu wirklichen Feindseligkeiten zu erregen. Heute, wo trotzallrdem und alledem di« Judenfrage nur al» Berfassaug»frage besteht, berühren uns die allgemeinen verrällaisse al« solch«. Daher schildert die »achfolgmd« Erzählung nicht nur die spezifisch jüdischen verhältaiffe, sondern diese find in Beziehung zu« Allgemeinen dargestellt. Vergleicht man die Gdettozeichicht-n, und selbst meine E zädluna, mit den Berfassanzorcchiea unserer Zeit, dann empfindet man den Oxm de» Geniu» der Merjchhei», der siegend üixr dem Mod>r der Brqonqenhe't in reinen Höhen schwebt. Schützend, v'rsöhnenv, unh mmbar, w ist er de« Weg zur allgemeinen Veredlung. Erste» Kapitel. „Der echie Roma» soll ein Licht sein, da» nicht in die Äugen sticht: ein Klima, in welchem weder d.r Mensch v«rbren>t »och gefriert, und eine Raturscenerie, In welcher weder dir Seel« verlrocknel noch erdrückt wird. Die wejse Ralur gab un» «inen Körper mit einer zaritasteude» Haut, die bei aller Empfindlichkeit gleichwohl schmerjensrei ist " (Bogumit Bolz: .Jugendleben".) Ju dem Sch'csse der gräflichen Familie von Orlowski auf Saruowice war seit mehreren Togen ein} rege» Leben bemerkbar. Fünfzehn Jahr« waren vergangen, io welchen

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