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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 4 (1889) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
4 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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zweitens sah er, kee geschworene Feind kcr Net che», in der ftajen Sache eine gut dnrchgeführte Jntrigne der »Jolden" die den armen (klaffen die Demonstrationen ans dem Fisch« markt nnd in den Synagogen entgelten lassen »ollte. Ins diesen Gedanken brachte ihn der Umstand, daß sonderbarerweise nur die aime (klaffe beim Sündigen ertappt wurde: Handwerker, Krämer, aber nicht Liner von den besitzenden Staffen* .Nein!" — sagte der ältere steiler zn seinem Bruder, — .mir wird man nichts weiß machen. Hier ist etwas nicht in der Ordnung. Als ob nur die arme (klaffe sündigte, die .Jolden" aber wie die Heiligen lebten. Wenn es heißt, Buße Ihn» so sollten es Ille thnn, Jolden und Nichtjolden. Weshalb beschimpft man uns? Ich werde ihnen beweisen, daß sie keine Heiligen find! Ich kenne auch ihre Schliche!.. Was, Bärl, wollen wir gehen?" .Warum nicht? Ich komm' mit," antwortete Bärl. Ohne lange zu überlegen, rief steiler seine Sippe zusammen. zu welcher bekanntlich auch der Raufbold Plötze gehörte, und ging ans auf Abenteuer. Einige Stunden in ihnen bekannten Schlupfwinkeln umherstreichend, fanden fie, was sie suchten. Mit dem Lrinwpf einer Siegerschaar zogen fie durch die Straßen, .Gefangene" an der Hand führend — jung: Leute an» den besten Familien der Stadt. .Ins stahalstübel!" kommandirte der ältere steiler. Der Trinmphzug, welcher auf jedem Schritt von dem Gelächter und Geschrei, dem Lärm und Gejohle der von allen Säten herbeieilenden Neugierigen empfangen wurde, nahm feine Richtung nach dem stahalstübel. (Schluß folgt.) Jüdische L'itirgie und fy«a»ogale Misik. Hierüber schreibt Herr H. Guedalla iw .Jew. Ehron." wie folgt: 1. Es wäre wünschensverth, daß für die erhabenen Gesänge unserer frommen Nationaldichter, so wie für die in der Sabbathuub Festtagsliturgie enthaltenen Psalmen ähnliche erhabene und liebliche Melodien, welche von andächtig begeisterten Mvfikern unserer eigenen Ration componirt werden, vorhanden wären. Da diese» ober nicht überall ausführbar war, wurde es in früheren Zeiten nothwendig, vielen dieser gottesdienstlichen Gesänge weltliche Melodien nnterznlegen. In meiner Bibliothek befand fich ein Buch DSU '“IDK, Amsterdam 1632*), gedruckt bei Menaffch den Israel, welche» ich verl>:gt habe und deshalb ein anderes Exemplar zn kaufen wünsche. Ich erinnere mich, in diesem Buche voller Gottesfurcht und Andacht die Bemerkung gefunden zu haben: .Zu firgen nach der Melodie „Permetid belU Amaryllis“ (Erlaube, schöne Amarillis), »Tres oolores in una" (Drei Karben in einer) und zahlloser anderer spanischer und malerischer Lieder jeder Pniode."*) Dieser Get rauch war ohne Zweifel sehr verwerflich, jedoch nach «einem Dafürhalten nicht mehr, als ein anderer unserer Zeit^ welcher alle alten Melodien verpönt und nur diejenigen gelten läßt, welche in neuester Zeit componirt wurden. Diese,» ist unter Umständen eine völlige Siunlofigkeit. So wird z. B. (hier in London) an Festtagen und Sabbathen da« .Adon Olam" nach einer von Herrn Waiey eomponirten Arie gesungen und zwar in der Berkeley-Street- Eynagoge der spanischen und portngiefischen Synagoge und in verschi. denen anbem größern Synagogen. Ich möchte *) Im 9e«>. Lhron. heißt ei in einem Artikel ,6. D. daß dieses Buch 1i»4S gedrmkt sei: venjatob nnd Atvurnzi'4 ikataloa haben iSSÜ—SO, der Michael'sche Sotoloa und Wolf haben 16Ö& Wer weiß noch mehrere Drmkjahre für das Erscheinen dieser ei nzi gen Aasgabe? "-) In ähnlicher »eise »trd in kleineren giemeindan Deutsch, lands an» versühnungseage die ^dednschah" »ohl nach der «elodie .Echter baathlg Inhea bist dm alt- ^sangen nun gerne den Grund «iffeu, warum alle andern Melodien, nach welchen diese Hymnen früher gesungen wurden, abolirt worden sind. Haben diese etwa einen geringeren Werth? Ich zweifle, ob diese Frage von einer aus englischen Inden zusammengesetzten Jury befriedigend wird gelöst werden können. Ich glaube die Zeit gekommen, daß gewisse Lieder und Psalmen je nach den Sabbathen und Festen nach verschiedenen Melodien vorgettagen werden sollten und daß man ans den 1606 Nummern des bekannten .Baal Te- Mah" von geeigneten Eantoren diejenigen heraussuchen lasse» welche fich am besten eignen würden. 2. Ueber daSL'choDaudi schreibt Herr H. Guedalla im ,J«w. Ehron." Folgende«: .Diese- Lied erschien zuerst in dem Rituale der portngiefischen Juden zu Amsterdam im Fahre 1626. Wann es zuerst in de« Rituale der deutschen Inden (Aschkenafim) auftrat, ist mir nicht bekannt. Einen sehr interessanten Artikel über dasselbe brachte die .Menorah" in ihrer Juli- Nnmmm, aus welchem ich folgenden Auszug mittheile: Die einzige Gemeinde, in welcher dieses Lied nicht vorgetrag» wird, ist die zu Worms, ebenso kommt es auch in der Hauptsynagoge der Aschkenafim in Venedig nicht zu« Bortrag. Heine schreibt in seiner .Prtnzesfin Sabbath" irrig die Autorschaft de« Liede« dem R. Iehudan H alevi zu. -Lecho Dandi Likraa Kalle" — Komm, Geliebter, deiner harret Schon die Braut, die dir entschleiert Ihr verschämte» Angesicht. Di-ses hübsche Hochzeitscarmen Ist gedichtet von dem großen Hochverühauen Minnesänger Don Jehuda beit Halevi. Der wirkliche Verfasser dieses Liede« ist aber Salomo» Alkabez ha Levi, welcher im 16. Jahrhundert lebte nnd zu Safed starb. (Siehe .Landshuth" Amude ha»Aboda S 310.) Mein Vater, welcher ein großer Kabbalist war, las das Frettagabendgebet immer au« dem .Tikkvn Schabboß", einem eigenthümlichen mystischen Litteraturerzengniffe des 16. Jahrhunderts. Diese» Buch enthält außer den gewöhnlichen Gebeten Auszüge ans dem Sohar, besonders .Jehi Rozaun" und andere Piecen, in welchen die Engel und der Prophet Eiiah eine hervorragende Rolle spielen. Im Anfänge, also vor 300 Jahren, wurden diese kabbalistischen Gebete nur bei der Privatandacht und in den frommen Vereinen berühmter Kabbalisten am Freitag Abend recittrt oder gesungen. Diese Vereine begonnen aber bald ihre Andachten unter fich st» den Synagogen zu halten und nach Beendigung derselben dann noch mit der Gemeinde zu beten. (Sine natürliche Folge hiervon war nun. daß in den meisten Synagogen nach und nach der alte Ritus verdrängt und der neue eingeführt wurde. Diese« geschah aber um so eher da, wo die rabbinischen Autoritäten ihre Einwilligung dazu gaben und die Zusätze zur Liturgie billigten. .L'cho Dandi" ist einer der jüngsten Beittäge zum Rituale. Es ist über die ganze Erde verbreitet, gleich de« .MoanS Zur" de« Ehanukafcste». Letztere« verdaust seine Popularstät aber mehr der Melodie als dem Texte, wie es beim .L'cho Dandi" der Fall ist. da dieser nach verschiedenen Melodien, jene» aber nur nach einer Melodie gesungen wird. Genaue Angaben über Geburt«- und Todesjahr des Verfassers des Sabbathliedes existiren nicht. Nur wissen wir, daß er in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts geboren wurde und st» sehr vorgerückten Alter gegen Ende desselbm starb. Der erste Drnck de» .L'cho Dandi" fan> g»; Prag tan Jahre 1612 statt. Hier erschien das Lied als Anhang gn dem Buche .Orchoth Ehajstn" r nntar der Uedmschrist rar "SD («cht JDpl mit es tan englischen Zote trrthümltch heißt) ». tz. ein Sie» M OegRftfniig »er Saddattzanknnst. (Siehe .liandstzUth" n. a. O.) «. Latze»

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