Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 3 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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«riflca gabmffalttinKS erschtt». Doch ««• wtt bet <Kr« tanenmt l lat Ibenbe be« Tage« a» de» ich gebrocheu» Hetze»« »»» Grobe «eine» Heinrich »»b de» der drei »ebeu ihm gebettete» Brüberche» »ach Hause gewankt war, saß ich «o Bettcheu meine« mm Ltui'geu. meine« Oscar. Mir gegenüber saß mein Mau», Ruhe tu de» Mienen, ober um so zraufiger den Veeleuschmerz wttderspiegelnd. Unsere Blicke ruhte» auf unserem todtkrautt» Kinde. Schwer hob sich sei» Brüstchen, nur «tt Müde, mit schwerem Röcheln holte Nthem, wir mußte» a»f >lle« gefaßt sein. Unter de» tausend «eguugeu. die da mein Herz durchstürmte», dachte ich au Sünde und Strafe. »Sollte ich mich versündigt habe»?" fragtt ich mich. Da sah ich mich tu« Hau« «einer fromme» Elter» und Schwiegereltern versetzt. In unserem Hause ging es freilich auder« zu. Sollte ich »ich bekehren? Jüdisch-rituelle Haushaltung einführen? »der ich gebe ja nicht« darauf? Sollte diese Falschheit eine Sühne Jett» fönmen?* »Man kann da« auch auder« auffassen, gnädige Fra«.' »Gewiß, .Herr Doctor; ober ich fasse e« doch nicht ander« auf. Sollte diese Feigheit die Gottheit versöhnen können? Meine Furcht vor dem Tode wollte mich eine» Entschluß fasten lasten, de» meine Vernunft für gleichglltig hält. Sollte ich diese ernsteste Stunde meine« Leben« durch Feigheit entweihen?' »Sie ich Sie kenne, gnädige Fra«, konnten Sie ai$t ander« denken.* »Iber doch sollte dtttt ernsteste Stunde meine« Leben« »tcht ohne Einfluß auf meiner, Willen bleiben. »Papa' — sagte ich zu meinem Manne, der in stummer Berzweifluug da saß — »wa« versprach die fromme Hauuah, wenn Gott ihr ein Kind schenke» werde?' »Ja, Du hast Recht' — antwortete er, al« hätte er »it »ir dasselbe gedacht — »wenn die Vorsehung unfern Oscar erhält, daun wolle» wir unser» stolzen Lebenspläuen für thn entsagen» wir wollen ihn Gott weihe«, er soll i» einem bescheidene» Beruf unsere Million«» verwenden — er soll, wie uusere beide» Väter, Religionslehrer werden.' »Gott hat uuser Kind geueseu lasten und wir wollen «User Wort, unser Gelübde eiulösen ... aber was ist Ihne«, Herr Doctor? Rein, keine Thräue, Sie solle« ol« M a u u »tt beistehen, wie wtt unfern Oscar zn dem Berufe, dem »ir ihn gewidmet haben, auf's Beste erztthen.' »Mit Freuden bin ich bereit, gnädige Frau.' »Leider ist meine Eur hier bald zu Sude. Iber Sie sind ja ein Man» der Feder und werde» gegen briefliche Eonsultatiou wohl nicht« eiuzuweude» haben.' »Für eine so heilige Sache, gnädige Frau, stehe ich mtt alle» meinen Kräfte» zur Verfügung.' Die i» tfvMtiea *»d Sl«lo«ie« In der jüngst (bet Larl Graeser in Wien) erschienene» Schrift »Groai:ica «ob Slavonieu', die den al« Ethnographen vorthetlhaft bekannten Dr. Friedrich S. Krauß zu» ver« fester hat, ist omer ludere» Folgende« zu lesen: »Der Handel tu Croatttu und Slavonttn ruht zu neun Zehnteln tu de» Häud«« von Gerden und Jude». Der Jude ver- «ittett den Ezport- und Jmporthandel. Sein ga»^« Ginne» und Trachte« ist darauf gerichtet, flch daheim für die au»« ländischen und t» luslaude für dtt eü>hei»ischeu Erzeugntffe ei» Ibsatzgedtit M schaffe». I« Intelligenz »ud Thatttast, an geschäftsmiiontsche» Muth »ud an Beharrlichkeit üdertrifft 4er Jude sowohl de« Lroateu »tt de» Gerden, wobei ihm sein« Mäßigkeit und luspruchlofigkeü zu statten kommen. Der Jude driiugt sich tu die bestehenden Gesellschaftskreise »tcht et»; er selber wttd zu» Mittelpunktt eine« Kreise«. Man kan» ftth hentt ei» flavontsche« Dorf ohne Inden kau« »ehr vorstell,». De« Jude» Geschäftslade» ist dtt Börse, wo dtt Preise für alle«, was i» der Gegend »nflonnnt, de« -sttwuu werde». Der Jude ist der Makler für alle« und jede«, er ist der Rathgeber und t» vielen Fällen Schied«« richtet de« Baueruvolke«. Da« verhältuiß zwischen de» Jude» und den Bauer» ist nahezu ein patriarchalische«, von Judenhaß ist daher im Baueruvolke keine Rede. Dtt Sprache de« Volke« spricht der Jude durchgehend« tadellos, rein -.. vor fünizig Jahren gab e« in diesen zwei Königreichen nur sehr spärlich Juden. Ei» Großhandel war im Lande so gut »tt aubekauut, den Kleinhandel betrieben aber fast durchgäugtg Gerden ... Der Kaufmann war gewohnt mtt zweihundert Prozent Gewinn zu arbeiten. Bi« er nicht da« letztt Stück von seinem Lager verkauft hatte, zog er nicht »ach Wien oder Pest zu einem neue» Einlaufe. Da erschienen dtt ersten Juden au» Ungarn «ud begnügten sich mtt einem Nutzen von bloß SV pTt. und drückten schließlich dtt Preise bi« auf S pikt. Nutzen herab. Die wohlthättge» Folgen dieser Reib»», zeigten sich bald. So betrug z. B. der Umsatz tu Pvzega vor 25 Jahren nicht mehr oU 170,000 fl. in Waareu jeder Irt. Heute ist in Pozega eine stattliche Judengemeiude. Der Umsatz beträgt über 700,000 fl. Damals kamen die Bauernmädchen barfuß i» die Stadt, nur an Soun« und Feiertagen hatten fie Opanke» an, heute hat fast jede« Mädchen an den Füßen schöne Zug» stteftletteu ... Damal« hatte da« Mädchen nicht« auf dem Leibe als rin rauhe« Leiueuhemd und eia groß^ Fürtuch . . . heute muß fie ein Seidentüchel, eine bunte große Seideuschürze... Brache», Armbänder und Koralleu haben. Stt kau» e» thu», den» der Wohlstand de« Hause« erlaubt e«. vor 25 Jahre» mnßte der Bauer seine Schweine mit Weizen füt» tan, weil a die Frucht um keinen Preis lo«schlagen konnte; heute kommt da Jude zu ibm in« Gehöfte und zahlt in barem Gelbe den vollen Mark'prei«. Infolge der Betriebsamkeit da Juden ist da Wohlstand im Lande in einer vor drei Jahrzehnttn ganz ungeahnten Weise gestiegen.' tt«» dem Programm der «»garischen Sreimaarerei. Der ueugewühltt Großmeister der symbolische» Großloge von Ungar», Stefan Rakovßky, hat au die uugar« ländischen Logen ei» Ruudschretdeu gerichtet, beste» wesentlichen Inhalt wir tu Folgende« wiedergebeu: »Unsere erste und wichttgfte lufgabe besteht i« der Entwicklung unserer eigene» Kraft, ist also dtt wahre brüderliche Eintracht. Die« allein genügt jedoch nicht. Wenn wtt i» der profane» Welt um uns blickt», «üffe» «tt «tt Bestürzung sehe», daß nicht dtt Freimaurerei selbst, sondern dtt von ihr vertretenen Ideen gefährdet find. Dtt Nationen und Völker errichte» neue Scheidewände, anstatt dtt alten uiederzureißen, mau berrüht sich, dtt Mensche« »ach gesellschaftlicher Stellung, »ach Beschäftigung, Ib« ftammuug und Religion einander gegenüderzustelleu. Einzelne und Völker Hab.-« nicht da« Bestrebe«, als die Beste» und Gebildetsten hervorznrageu, sondern dtt Stärkste», dtt Mächtigsten zu sein. Doch der Freimaurer darf nicht zage» und nicht schwanke», den» die« allein httße schon sein Gelvbuiß breche» und muß unentwegt auf dem Pfade seiner erhabenen Ideen vorwärts schreiten. Während dtt Mächtige« der profane» Welt ihre bewaffnete Gewalt vermehren »ud tu derselbe» Welt der Kewpf um die materiell« Güter wogt, wüsten «tt dtt Begeisterung für da« Wahre, Gutt «ud Edle hegen. Staaten und Länder äudeni fich, Helden »ad Heroen tauche» auf und staken ia Vergessenheit, dauernd ist nur die Menschheit, und dtt Freimaurerei muß unermüdlich für die echte Humanität kämpfe». Ermüden wtt nicht in dieser Irdeit und lasten wir uns nicht von Zaghasttgkett «ud Schwäche erfassen.' Unsere Arbeit harret unser überall und zu jeder Zeit: am Familttuherde sowohl »tt in der lußenwelt, zu Hause wtt in der Ferne, heute so gut «tt morgen «ud ülwrmorge,; bethetltgeu wir uu« an de» Kample um den Fortschritt gegen de» Rückschritt »ud btt Reactio«, a» de« Kämpft der Bildung geg» btt