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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 3 (1889) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
3 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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— Id E eruüuscht, amn wir un« Sr. Excellenz »Südlich erklären kötrtteu, mb darum Sw. Hochwohlgeborru ..." Der Beamte, geschmeichelt, daß er, der Gouveruemeut«- Secretatr für «tue» Staatdrattz gehalteu wurde, ließ sich erweihe», md ohne Bugai die Phrase ansreden zu lassen, sagte er i« To« rinci Gömer«: .Schdu Ihr Herreu, ich «erde Such bei Excellenz melden", — »ud auf deu Fußspitze» begab er sich io da« Saliiuet de« Gouvernement«-Shef«. »rke Bugai sah die Deputirteu lriumphirrud au. al« wollte er sage«: .83««, Ihr Herren, ich weiß Bescheid, wie ■uni mit der Obrigkeit umgeht?" Der Rabbtuer md Red Bmuch Jtzele« nickte» ihm beifällig md daukbar zu; uud die übrige» Wiukelschreiber wäre» abermals beleidigt. Sie lüchckteu bissig, womit fie aodeute» wollte», daß mit einem Soi>alter»b«amteo zu rede» e« keine«»eg« eich Gott weiß wa« für ei» Lnnststück fei. Dir Thüreo de« Kabinet« flogen auf, uud i» de» Audienzsaal trat, mit de» Stiefeln knarrend, der Chef de« Gonverne- »e»t«. Sr befand sich in Interims-Uniform, da« »Wladimir- Srerz" um den Hal» und den »StcuiSlausstern" auf der Brust. Die Deputirteu verneigten sich tief, sehr tief, und bene» dam mit einem besonderen Eifer mit den Füßen zu rren, im Glauben, daß sie damit ihre tiefe Achtung für die Person Sr. Excellenz am beste» au«drückreu. Die Exelleuz verfinstert« sich ein wenig bei diesem unangenehmen Scharren von fünfundzwanzig Paar Stiefeln von nicht gerade besinder» zarter Eonstructiou, allein errathmd, daß die« zum Zenyeu der Achtung geschieht, leuchtete fie wieder auf, ja auf ihre« Gesicht erschien sogar ei» gutmüthigee« Lächeln. »Willkommen, willkommen I" sagte der Gouverneur, zu deu Deputirteu tretend. »Hab' Such schon lange nicht gesehen. Sa« habe Ihr zu sage»?" Schweige» . . . Tiefe« Schweigen . . . Jeder wartete, dt« Jemand anfangen werde, aber Niemand fängt an. Selbst Arb: Bug« wurde mit einem Wale zaghaft und schwieg beharrlich. »Nun, wa« habt Ihr zu sage»? Seid doch nicht so ängstlich! Seht Ihr mich denn heute zu« erst« Male?" Diese ermunternden Worte erzielten die gewünscht« Wirkung. Di« Deputirteu begauum zu reden, jeder so gut er konnte. De, Erft« begann die Phrase, der Zweite beendigt« fie, der Dritte korriairte. der vierte kommemtrte, der Fünfte wieder« hol», der Sechste und der Siebente halfen nach uud der Achte blinzelte mit den Augen, wa», wie er glaubte, ebenfall« Sache gehörte; kurz, sie erklärten sich, so gut sie bttnttn. » e« ist zu bewundern, daß der Gouverneur begriff, worum H ich handelte. »Seid ihr mm zu End«?" siug er, al« die Deputirteu schwiegen. »Jawohl", antworteten diese. »So vernehmt denn, wa« ich euch sage/ begann der Gouverneur, die Arm« über die Brust kreuzend. »Wir hören, Exeellenzl" »Wern ich Such nicht von früher gekannt, wenn ich nieist gewußt hüte, daß ihr in Allgemeine» besonnene, ja klug« MäunerSeid, so würde ich habe» glaube» müssen, daß ihr dm, Sinnen seid. Wie, ihr seid mit dem neuen Uka« unzufrieden PI Ich bitte euch, da« ist ja gar kein Uka«, sondern eine kaiserlliche Suade." »Gnade? . . ." bemerkten die Deputirteu achselzuckend. »Jawohl, eine Gnade", antwortete der Gouverneur, Gnade, für welche Ihr Gott danke» md für da« de» Zaren beten solltet. Begreift Ihr dem nicht, daß mit diese» Uka« de« Kaiser« Majestät Euch tu Surr» eigenen Auzeu md nt de» Augen der übrige» Bevölkerung de« Reiche« Heid» will?" Die Deputirteu zuckten wieder die Achseln uud blickte» de» Gouverneur au, um sich zu vergewissern, ob er nicht scherze; er aber fuhr fort: »Wir habe» ei» Sprichwort: „Nach den Kleider» wird «an empfangen." versteht Ihr diese« Sprichwort?" .Wir verstehen «4, Excellenz", antwortete Arkr Burgai für Alle. »Wenn Ihr e* versteht, so ist die Frage, ob e« Euch so angenehm ist, wenn man Euch schon wegen Eurer Tracht al« Jude» behandelt; ich glaub' e« nicht." »Aber die Religion . . .', wandten die Deputirteu ein. »Wir greisen Eure Religion nicht an", antwortete der Gouverneur. »Ach glaube nicht, daß Eure Religion Euch vorfchreibl, so und nicht ander« sich zu kleiden. Gott sieht auf« Herz »ad auf da« Gewifle» und nicht auf die Kleider. Gut, daß Euer Rabbiner hier ist. Run, Rabbi, schreibt Euch di« Reliaion vor, sich nur mit lange» Kaftan« uud lächerlichen Mütze» zu bekleiden?" Der Rabbiner schüttelte da« Haupt zum Zeichen der B rueiuung. „Nun, seht Ihr'«? E« wird schon so sein, wie ich'« Euch gesagt habe. Die Reliaion mischt sich in solche Sache» nicht; folglich grämt Ihr Such nur weg:» Narretheie» ab. Geht lieber »ach Hause, laßt deu Schneider komme» und bestellt Such neue Steider, denn schon in den nächsten Tage» wird der Uka« publicirt werden. Ich habe schs» Anordnungen getroffen, uud vergeht nicht, daß ich streng auf Erfüllung de« Gesetze« achten werde. Uud nun lebt wohl!" _ lS-rtsetzu», f-lgt.) Pädagogische Briefe. Bon Dr. I. »»ldschmidt-Birtens-ld. (Vorrede über de» Ursprung dieser Briefe.) »Ich biu starr vor Erstaune», gnädige Frau." »Wie so, Herr Doctor?" „Sie fragen noch? Eine Millionärin, Frau de« Geheimen Eommerzieurath« M., md so viel Jutereff« für die jüdisch« Religtou«schule?" ,Sgoi«mu«. lieber Herr Doctor, der pure SgoiSmu« l" »Da« Räthsel wird immer verwickrlter: wie körnte Ihr Interesse, gnädige Frau, für die jüd. Reltgiou«schule egoistisch« Motive haben?" »Di« Sache ist sehr einfach: Sie kerne» doch meine» O «c a r-" »O. der liebe Kleine, mein intimster Freund in der ganze» Badegesellschaft." ... »Nun, «ein O«car soll jüdischer Religt»u«lehrer werden." »Guädtge Frau erlaube» stch eine» Scherz mit mir." »Trauen Sie mir so viel Kühnheit zu, Herr Doctor?" »Aber wie soll ich da« verstehen? Wie soll ich'« glauben? E« für möglich halte»? Der zukünftig? Erb« so vieler Millionen, ihr einzige« Kind... jüd. Reltgton«lehrer l" »Weil er der Erbe so vieler Millionen, weil er wein einzige« Sind ist! Doch höre» Sie: O«car war nicht immer «ettr einzige« Lind, er hatte »och vier Brüder." »Bier Brüder! Arm« Mutter!" »Ja, die ruhen iw kühle» Grabe. Sine tückische Krankheit hat fie mir in einem einzigen Monate dahtugerafft." »Welch« schwere Prüfrng für Ihr Mutterherz, gnädige Frau!" »Auch Oscar, kaum zwei Jahre alt, war von der uwerbtttlicheu Krankheit schwer erfaßt. Ich hatte schau alle Hoffnung aufgegeben. 9t war am Abend« de« Tilge«, «u de« ich meine» Aeltesteu, meinen geliebte» Heinrich — » e« war ein prächtiger Junge, mit herrliche» Anlagen, uud sei» Herz war so gut, so lieb, — ich kam deu Thräneu nicht wehre», Herr Doctor, wem ich der Srümerung nachgehe." »Wie alt war er, gnädige Frau?" »O, er war schon zehn Jahre alt. Welch« polar Hoffuuuaeu winkte» «tt m« seiner Znkusst entgegen! Sin akademhcher Lehrstuhl war da« geringste, ans dem er mir in

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