Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 2 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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toi gebührende, Sbreubezeuguuge» nnb bewunderten ihre üll»gh«tt, ihre Gelehrsamkeit. Der große Rambamf) war Leibarzt des Sultans, Do« Isaak Nbarbauell sogar Master — hört ihr es, Rabboßai? — Minister! Jetzt ist es — unserer großen Sünden wege« — nicht mehr also. Das Rabbiuat liegt jetzt darni-der; wir kbaueu euch lehre«, Sott I« dienen, ehrliche Juden z« sei«, aber mit Monarchen rede« u«d deren Ministern können wir nicht." Alle Anwes:ad« sahen sich erstaunt an. »verzeiht, Red Jisroll" begann Red Leiser, der Maggid f+). .Ich kaon Such nicht de pflichten. Ihr er« »iedrigt Such nnnöthig, die Rabbtnen sollen leben. »Die Negierung auf Srdeu gleicht der Regierung im Himmel", und wen» wir vor den himmlischen König treten können, wie sollten wir nicht hintreteu können vor eine» König von Fleisch und Blut? — Rabboßai!" — wandte er sich au die Anwesenden — .beliebet mir zuzuhören. Obzwar ich kein weltlicher Mann und mit Behörden noch nie in Berührung gekommen bin, will ich trotzdem versuchen, meine Gedankeu auseianderzusetzen vielleicht gefallen fie euch. Vorgesetzte, mein' ich, find auch Menschen, und mit Menichen zu reden ist nicht schwer." »Sehr richtig!" bemerkte Arke Bugai. »Mein Vater selig", — fuhr Wtb Leiser fort, — .Rabbiner in 81., verstand vom .Christlichen" so viel wie ich, nichtsdestoweniger hatte er auf Ansuchen der Gemeinde, mit Radziwill persönlich gesprochen: einmal als das Städtchen abgebrannt und das zweite Mal als es von einer Ueberschwemmurig heimgrsucht war. «nd beide Male hatte er Srfolg und gefiel sogar dem Fürsten. Folglich ist es n cht weiß Gott was für ein schwierig Ding, mit einem Gouverneur zu reden. — Mir scheint, daß man folgendermaßen aofangen könnte: .Hoher Herr!" oder wie ,ste" sagen: »Sw. Wohlgeboren ..." .Sxeellenz!" corrigirten die Anwesenden. »Run meinetwegen: .Sure Sxc llenz!" gab der Maggid nach. .Als Adam und Soa im Paradiese lebten, waren fie nackt und, was viel wichtiger, fie wußten nicht einmal, »aß fie nackt waren, denn fie waren durchdrungen von der beseligenden Gewißheit, unschuldig und gottergeben zu sein. Was liegt daran, ob der v rgängliche Kv-per bedeckt oder unbedeckt ist — wenn nur die Seele, dieser Theil Gottes, rein bleibt? Sieht Gott der Herr auf d«n Körper? O nein er steht nur auf die Seele, und die Seele bedarf der Kleiderfetzen nicht. Ihre Kleider find dir Gebote Gottes; erfü t fie fie. dann ist fie bekleidet, erfüllt fie fie nicht, dann ist fie nackt. So stand es mit den Seeleu Adam» und Eoas, bevor sie von der verbotenen Frucht gegeflen hatten; kaum aber hatten fie gesündigt, empfand ihre Seele Nacktheit, d. h. Scham, Scham ob der zwiefachen Nacktheit, ob der Nacktheit der Seele und des Körpers Und erst jetzt, um ihrer Sünden willen, benvlhigten fie der Kleidung: „und fie nährteu zusammen Blätter vom Feigenbaum vnd machten fich Schürzen". Und der Herr hinderte fie nicht nur nickt daran, sondern nährte ihnen selbst Kleider, wie es geschrieben steht: .Und Gott der Herr machte dem Adam und seinem Weibe Röcke von Fell und bekleidete fie". .Und was folgt daraus?" frug Red Israel, gutmüthig lächelnd. .Wartet nur, Red Israel, wartet" — antwortete Reb Leiser; .ich bin noch nicht fertig. Da« Beispiel Adam und Svas kann auch auf diesen Fall angeweudet werden. Wir sagen also: Sure..." .Sxeellenz!" halfen die Anwesenden nach. .Und so, Sure Sxeellenz... unter dem Ecepter des rnsfischea Monarchen fühlen wir Inden uuS wie im Pa- «diese. Wir dienen ihm redlich und treu, erfüllen seine Gesetze, zahlen Stenern, stellen Rekruten, und darum ist es [) Maimoiitdes. ) Prediger. «ns vollkommen gleichgiltig, wie wir gekleidet gehen. Mauuser Toftüm immer den Spott der andern Nattone» errege« — was kümmert « uns? D>r wtflen nur, daß wir treu« Uuterthanen unseres Kaisers, «nd das genügt uns. Wir schämen uns unsere« Eoftüm« nicht, folglich find wir bekleidet, wie es uns geziemt. Den Lhriften gefällt unsere Tracht nicht — nun uns gefällt ihre Tracht nicht. Sie denke», d«ß fie nur anständig angezogen find, und uns scheint es, daß wir nicht minder anständig gefleidet sind. In jede« Falle fühlen wir uns nicht nackt, da wir an uns keine Sünde wiffeo. Wenn wir, Gott bewahre, uns vor unser« Kaiser versündigen und in der Erfüllung unserer Pflichte« eine Nackihest verspüren sollte«, so werden wir selbst um «in neues Costüm bitten, denn da» alte würde uns richt mehr wärmen, weil es mit Schmach und Schande bedeckt. Bis dahin aber gestatten Sure Sxeellenz, uns nach alter Weise zu kleiven." Sr schloß und fuhr mit seinen Blicken über die ganze Gesellschaft, ein Zeichen de» zustimmenden Beifalls er- »artend. .Gehr schön «ad geistreich!" bemerkten Sinige. .Und auch nicht schwer zu übersetzen", sagte Arke Bugai. .Sogar sehr leicht", sahen sich die anderen Winkrlfchreiber zu der Bemerkung veranlaßt, obwohl Jeder von ihnen fich im Stillen gestand, daß es garnicht leicht sein würde, desonders wenn man da« russisch-deutsche und deutichrusfische Wörterbuch von Schmidt nicht zur Hand hat — jenen Rathgeber aller Juden, die anfang-n die rusfische Sprache autodidaktisch zu lernen. (Furlseyung folgt.) Zsserlei für den AamMenttfch. Ei« fdfdttev Titel. Zu einem geistreicken Rabbiner kam einst ein junger Prediger mit der Bitte, ihm einen paffenden originellen Titel zu einer Predigtsammlung, die er herauszugeben beabsichtige, mittheilen zu wollen. .Nennen Sie Ihre Predigtsamm'ung doch: .Thorheit vor Gott", meinte der gefragte Rabbiner ohne lange« Bedenken; .da» wäre paffend und originell." — .Aber Herr Rabbiner, .Thorheit vor Gott!" wiederholte beschämt der Prediger. .Sie glauben doch nicht, daß meine Predigten alle Thorheit..." — .Ach was da", unterbrach ihn der Rabbiner, .Sie scheinen den alten Spruch jenes Weisen nicht zu kennen: .Alle Weisheit der Welt ist Thorheit vor Gott!" — Sichtlich beruhigt entfernte sich der Predig« r, doch ist ein Band Predigten mit dem originellen Titel .Thorheit vor Gott" bi» jetzt im Buchhandel nicht erschienen. _ Lnriasum In ^ee»«o«rde» (Holland) starb gegen Ende Rovember Herr Isaak Joseph van Gelder, welcher 40 I hre fc.» Amt eines Gemeindesekrrtärs gewissenhaft verwaltet hat, im Alter von 71 Jahren. Er war ein frommer uud anspruchsloser Mann, was den Herrn Oberrabbiner denn auch veranlaßte, ihm am Grabe die Morenu-Würde z« erthetlen. _ «tw r# int* gtß. d 3. Januar. Gestern fand hierselbst die Feier de» Ldjährigeu Bestehen« des jüdischen Franrnverein« statt. Bon Seiten der Mitglieder n«d Freunde des Vereins, welcher durch sein segensreiches Wirken viel zur Linderung der Armuth am hiesige» Orte beigetrageu hat, wurde Alles aufgedote«. um das Stiftungsfest zu einem glänzenden zu gestalte».' In de» festlich geschmückte» Räume» de« Schützen- Hanse« versammelte» fich gege» Abend über 200 Gemeinde- Mitglieder. Di« Feier wurde durch folgende» von Herr« Rabbiuer Dr. Berlitz gedichtete» und vargetragrnen Prolog,