Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 1 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 7)
- Language
- German
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Platze bra letzt« i» ber Klasse, beschräafte», »ährmb sie beharrlich mb halsstarrig bk bester« Plätze «tnznnehm« so eigensinnig war«, «ad btt Adolf Tmit seiner unaulstehlkb« jüdischen Aase sogar die Frechheit hatte, d« erst« zu besetz« und dergcstalt durch sein« .Bordringlichkeit das urgermanische Jungdeutschland" hintanzusetzm sich nicht ent» blödele. Die Focderuuq geschah in aller Form. Der junge Urtmtomane warf dem jüdisch« Primus sein« schon arg durchlöchert« Handschuh vor dk Füße. Jede Partei wählte sich ihr« Sekundanten. Kartellträqer war« nicht nöthig,. bran dk Miniaturherr« sollt« bandgemeiu »erd«, und nun begann der gefahrvolle Zweikampf, vor dem unser Zukunft«. Held de» .Vereint, Deutscher Student«" seiner gerecht« Entrüstung über die l-errschaftsgcküste de« Adolf Cohn in Worten, in den« da« Wort »Jude' gerade nicht iu der schmeichelhaftest« Weise eine Nolle spielte, eiu« gepfeffert« und gewürzt« Sttbbtud! gab. Da« Zeichm wurde gegrb« und Beide stürzt« ans »inander zu. Aber ach, der .feige Jud«. benael" beging die unglaublich« Dreistigkeit, sich zur Wehr zu setz« uud nun entwickelte sich rin Kampf auf Leb« uud Tod, beide wälzten sich iu dem durch d« Reg« aufgeweicht« Erdreich und glich« nur noch Lrdklöß«, au« dm« Bott der Herr die Mensch« geschaffen. Aber schon der Beginn de« Duell» ließ voraussehe», daß leider auch hier schon da« Ehristmthum durch da« Aidenthum überwuchnt »uttu uvd der christliche Raufbold Hub »örde. rische» Geheul und Stbhnen an, daß die Sekundant« sich ob de« unerwardckrn Ausganges arg «tsetzkn uud in ein herzliche« Lach« ob de« groß« Maul« und de« daran« sich entringend« Wehklag«» de« Tutisemitleia« auöbrachen. Der feige Adolf Lohn aber hieb so lauge auf ihn ein, bi» er »olle Sati»fo,:tion uud Abbitte von seinem Gegner erlangt hatte. Welche Tracht Prügel der Herr« Duellanten weg« der über und über mit Schlammsauce besudelt« Kleider daheim wartete, berichtet die Fama nicht weiter. tflab macht? Da« ist aber auch kein Wunder: dk Jud« find d« Antisemite« .«in Dorn im Auge", uud sei me» einer, der eiu« Daru im Auge hat, nicht dliud l Damft Hab« wir «tue Illustration zu dem «lim Pharao uud sein« lieb« Egyptem im W.-L. Dchemau«, der »ou der Knechtung Israel» in Egypten erzählt. Der W.-A. berichtet da: Smsr 12 1V2 1TI21 wa» allerdiug« übersetzt »erd« kann: »uud e« grauste ihnen vor dm Kinde« Israel«, aber vom Midrasch übersetzt wird: .dk Kinder Israel« wir« ihu« ein Do« (ftp) im Auge" — tont oomm« ohez notu. E» ist wohl dieselbe »ugmkraukheit, wodurch bei d« Antisemiten auch eine andere optische Täuschuog «steht: die Jnb« find ihu« ein Doru im Auge und — — der Mo ses-Stab erscheint ihnen al«eiue Schlange, der Moses-Stab: die Lehre de» Judmthum», besonder« iu seinen letzt« Sproffeu. dem Talmud, al« eine Schlange der Verführung zu all de« Bös«, da« die Böckelianer d« Jud« auhäugea. Wiederum ganz wie beim alt« Pharao! Aber wie der alte .Moses-Stab" dk Stäbe der Pharaouischm Zauderer verschlang — nicht als .Schlange" die.Schlang«" zum Böse», souderu al« .Stab" die .Stäbe" zum Guten, »k unsere Alt« mit Recht aumertea — so wird auch der iu unserer Zeit verdächtigte .Moses-Stad" die Stütz« uud Stäbe der Zauberer de» Antisemitismus .verschling«" «ad überbaue«. Mein Gott, der bedauemswerthe Böckel uud seine noch brdaueru«werth-rrn Augen! Unter den Dom« iu seiueu Aug« find so viele, die den« Horeb-Dorubusche gleichen: .der Domdusch brannte im Feuer, aber der Dombusch wurde nicht verzehrt". Ja, der Dornbusch ist, wie schon unser« Alt« anmerttea, kein anderer al« Israel, uud dk Flamm«, die um ihn wüthen, da» ist der Haß seiner Feinde. Aber: .der Dombusch wird nicht verzehrt". Der Sabbath-Plauderer. Sabbüth-Pl««»eret zu de» Sochenadschn!t1e» Schernaus, WaSra. Böckel, der große Marburgrr Antisemit, hat durch sei» letztes Debüt im Reichstage ein« Beitrag zur Illustration der Wochmabschaitte Schemau» und Was« geliefert. Ich meine den famos« Witz, den fich Böckel gegen Eug« Richter geleistet hat: .Wenn die Jud« alle aussterben »ürd«. könnte fich .Eugen Richter vergebxn» »ach seiner Partei umsehe»", oder so ungefähr. Lkgt es nicht auf der Hand, daß da» Gegentheil mit größerer Bestimmt» heit anzuuehmen wäre, nämlich: daß ohne Juden die Welt von Böckel und Eousorteu nie etwa» erfahren hätte. Eugen Richtet ist ja ein Deutschfrcifinuiger, da« ist ja wahr. Da» ist aber auch sein ganzer Kehler in den Augen seiner Gegner. Er höre auf, eiu Dmtfchfteifinniger zu sein, uud er ist eiu .Ritter ohae Fehl und Tadel". Böckel ist ein Antisemit; da» ist ober auch Alles, was er ist. Er höre ouf, eiu Antisemft zu sein, uud was bleibt vou ihm übrig? .Und wenn ich für «ich bin. was bin ich" — sagte der bescheidene Hillcl. Böckel könnte sag«: .Und wenn ich nicht geg« die Jud« bin, w a« bin ich 7" Wie körnte er aber geg« dk Jud« sein, wenn sei» iu eine Hypothese eiugckleideter Herzenswunsch vou de« Tod« aller Jud« in Erfüllung ginge? Wenn Böckel nicht vou .seine» Nicht»' Gefühl durchbohrt" werdm soll, mnß er für dm Fortbestand der Jnb« .Thillim" sag« und nicht den Teufel »ou dem Anssterb» aller Jubm au bk Wand -mal«. Ist Böckel nicht dadurch ei» lebendiges Beispiel dafür, daß der Haß l*k Mensch« geg« ihre eigen« »ichtigst« Interesse», geg« ihr« Existenz-Bedingungen — dk Jude» find doch eine Eristenz-Bedmgung für die »Böckel" — Fsserlei für de» Gharaktergwg ««» de« Lebe« timt jüdische« Eompowisieu. Bon dem berühmt«, jüngst verstarb«« Lomponifku Jsaac Strauß, verdient ein Eharafterzug, welcher chm die Hochschätzung seiner GlaubmSgmoff« für immer sichern wird, besondere Erwähnung. Auf dem Höhepunkte seine« Glücke», al» er fich schon der Gunst de» Kaisers und seine» Hofe» zu erfreuen hatte und in dm höchst« aristokratisch« Kreis« al« „persona gratissima* galt, vergaß er nicht uuc nie. daß er Jude war, sondem übte auch die jüdischen Religionsgesetze mit der größt« Gewissenhaftigkeit. Mit großem Wohlbehagen erzählt er, daß er vor mehreren Jahr« während seines Aufenthalte» iu Plombisre» au d« Sabbathabendm vor Eintritt der Nacht mit E a s i w i r Perier iu der Nähe de» Tafln»'« auf» und adzugehm pflegte. Perier half ihm alsdann dk drei erst« Skm« such«, welche den Aubmch der Nacht verkündeten uud pflegte dann zu sag«: »Komm, mein junger Freund, du darfst die Violine nehmen und da» Toucert beginn«, denn ich sehe dk drei Steme am Himmel!" Wo er fich aufhielt, führt« er eine streng jüdische Küche. In Bichy, welches ihm seiueu Wohlstand verdankt, war seine Tafel immerfort gedeckt für dk zahlreich« Jud«. welche aus Afrika «ud dem Orient zum Gebrauch der Kur Hierherkamm. Hier hatk er auch zweimal feine prachtvolle Billa dem Kaiser Napoleon zur Verfügung gestellt. Jedesmal bat er aber dm kaiserlich« Kammerherrn, die Mesusoch, welche an jeder Thür warm, nicht zu entfern« und in dem Zimmer, welches der kaiserlich« Majestät als Lesecabinet dieuk, dk antike Dadbathlampe häng« zu lasten, welche er (Srranß) von sein« Vorfahr« geerbt hatte. — Das war der Man», welcher aus Pietät dk herrliche Sammlung aller auf kn jüdisch« Tullns be-