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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 878 Berichte **> Tsrrehmcheiye«. Jksfta» 21. November. Ja der «ftripa Budgetko» Mission brachte beimEtaGtitel de» Ariegsmiuffter« der Ab». Richter die Knücksetzungr« zur Sprach», »elche bei der Beförderung zum Offizier »»nächst die Soldaten jüdischer Lonfrssion treffen. Er fragte dea Kriegsmintster, ob Grundsätze in der Mllitärverwaltnng beständen, welche die Inden für die Besvrdernng znm Offizier ungünstiger stellen oder ausschließrn. Wenn solche Grundsätze nicht bestehen, so wünschte er zu wissen, wie e» komme, daß seit Beginn der ant semitischen Agitation die Beförderung von Juden auch im Beurlaubtenstand mehr und mehr aufgehört habe, so daß jetzt seine» Wiffrn» dem Offizier»korp» kein einzige» Mitglied jüdischerKonsesslo« angehöre.—DerKriegsministrr erwiderte: E» bestehen kiinnlei Bestimmungen, welch« den Juden in Bezug auf die Beförderung zum Offizier zurück« setzen. — Hierauf Abg. Richter: Er wisse wohl, das» »Bestimmungen" nicht bestehe», welche die Juden von der Erurnnuug zum Offizier antschlüßen. Er habe auch nicht nach Bestimmungen, soudern nach Grundsätzen gefragt. Solche könrttn auch Platz greisen ohne ausdrückliche Bestiwmuvgrn. Die Frage, ob e» noch jüdisch« Offizier« im Beurlaubtenstaade giebt, habe der Kriegsmiwster nicht beantwortet. Der Kriegsn>in,stri: Ich kann nur wiederholen, daß der Ernennung zum Offizier eine Wahl de» Ofsizierkorp» voraugehen mutz, und daß keine Bestimmung irgend einer Art besteht, «elche die Anhänger de» mosaffchea Glauben» hindert, in irgend eine Stelle im Heer« aufzurücken. Auf di« Wahl« de» Offizierskorps besteht gar keine Einwiikung. Wer in eine Gemeinschaft eiatritt, mutz mit derselben homogen sein. Ob r» irgendwo jüdische Reserveoffiziere «der Londwehrosfiziere giebt, weih ich nicht. ' Der Abg. Baumbach verwahrt sich auf da» entschiedeufte gegen die Anschauungen de» Krtegsmintsters. Er habe es »ach jüngst erlebt, daß ein jüdischer Freund von ihm, «in Rechtsanwalt, eia in jeder Beziehung untadelhalter Man», bei der Wahl zum Offizier ansgeschloffea sei. offenbar nur an» Gründe» seiner Konfession. Er beantrage übrigens, daß dt« Erklärungen des Lriegswiuisters beim Referat für da« Plant» mtlgeteilt würden. Abg. Richter: Die Bezugnahme auf dir Wahl der Ofsizierkorp« trifft nicht zu. Das Ofsiziertorps darf das einzeln« Jnbivtdum aus tnoivtdnelle. Gründe» ansschließeu, aber es darf »ich» ans allgemeine» Grundsätzen ganze Kategarie» ausschließrn, im Widerspruch mit dem Wohl des Landes m«d auch mit der preußischen verfaffung, »elche auch die I n d r» für gleichberechtigt erklärt zu allen Kentern. — Der Borgänger des Kriegsmintster«, Herr van Kamele, sei dem Eindringen der »antisemitischen Agitation" in das Heer entschieden entgegen getreten. Ader jetzt rühmten fich dis Antisemiten, daß. seitdem ste chrr Agitatianeu begonnen, Inden nicht »ehr Offiziere würden. Man würde in dem Offizierskorps bet der Wahl gar nicht die Inden grnudsätzlich ««schließe», wenn »an nicht glanbte, damit den Intentionen höhere» Orts durchaus zu entspreche» oder wenigstens nicht znwider zu handeln. Zum Dienen auf Avancement betrichten fich di« Juden vollständig als ansgeschloffeu. Auch in die Kabellrnhänsrr »erde» die Jude« nicht zugelaffeu. Schon bei der ersten Stufe werden di« jüdischen Änjährigeu ptrückgesrtzl, um sie auszuschließen aus der Zahl derjenige«, »elch« nachher zur Osfizterswahl gelangen. Abg. ». Mast»» (kons.): Ich bin ein alter Offizier. I» alle diese Fragen hat das Parlrmrnt garvicht hinein»«- reden. Hier find allein zuständig die Ofsizierkorp«, deren Wahl eine freie ist, und der Allerhöchste Kriegsherr. Krieg «minister: Daran, daß autffewitischr Agitationea in der Arm« keinen Platz haben dürfen, halte ich nls selbstverständlich fest. ' (Rach dieser Erklärung wird der Gegenstand verlasse»; man »ergl. den Leitartikel 1» heutiger Rr.) Wank», LS. Ra«. (Drei Minuten Kritik; ei» Bild »ns de« jüd. Gemrindelrben.) Alle drei Jahre, un» mittelbar rar der Wahl der Repräsentanten, hält die sogen, liberal«, d. h. di« .stiarmführrud« Partei in der Berliner Gemeinde" eine »ffiztöse versammlnng ab. wozu die liberalen Wähler eiugelade» »erden. Es spielt fich hier regelmäßig »ach eine« bestimmten Pragramm eine Sitzung ab, die, wie ein Et dem andern, fich alle gleichen. Die ausscheidenden Repräsentanten stellen sich, mit wenigen Ausnahmen, den Wählern wieder als Eaudtdateu vor und diese dürfen von den versammelte» ioterpelltrt «erden. Der Vorsitzende, welcher schon in einer vorangegangenru geheimen Lonserrnz (Gesellschaft der Freund«) uomiuirt wurde, wird stet« ohne Einspruch per Acelamation gewählt, und gestattet nun Jedem der aufzustelleuden E,udid-tea »drei Minuten lang" zu interpellirrn. Man bedenke, daß es kein Organ und keine paffende Gelegenheit während dreier Jahre giebt. um Wünsche und Beschwerden öffentlich an die verwalluug zu richten — aber drei Minuten darf jeder Oppofitionslustige seinem Herzen Luft machen und wenn er im besten Zuge ist, gebietet der Vorsitzende Schluß und er muß schweigen, drei Jahre schweigen. Nach diese« Programm hat der Schreiber diese« schon »iederhelt solchen osficivsen Versammlungen deigewohnt. dieselben Reden und dieselben Eandtdaten gehört, die mit wenigen Worten versprechen: ihr« Sräste wieder, wi, bisher, der Verwaltung zu widmen re. — Dir Opposition von Seiten des sog. Wohlveretns gipfelte in den bekannten Forderuugru: 1. Aeudernng des Wahlsystems, bezw. Bezirkswahlen, 2. mehr Religiousschulen und Synagogen. Was über tiefe Punkte von der 7ö Eo««isston bisher geschehen, hat dieses Blatt s. Z. berichtet, gestern wurde gewissermaßen ein Resumä gehalten. Die Eanditaten sollten fich erklären, wie sie fich zu dem Programm stellen. Merkwürdiger weise drehte fich die ganze Diskussion um die Frage, ob die Laudidaten für schleunige Neubauten resp. Errichtung von Religiousschulen zu wirken geneigt wären, oder ob diese Neueinrichtungen so bald als möglich angebahnt werden solle». — Einige Eandtdaten, z. B. Sa nitätsrath Dr. Boas. Maurermeillrr Fränkel (der nicht anwesend war), haben durch üuterschrist fich ohne Vorbehalt de« Programm der 7ver Commission angeschloffen und in diesem Sinne ihre ErNärnag abgegeben. Die Reden pro und oontr» waren belanglos und bewegteu fich in bekannten Forderungen. Hochiutereffaut und geradezu für unsere Derhältniffe typisch war aber die Rede des Herrn Juftizrath Mako wer, des langjährigen Borfitzenden des Repräsentauten-Eollrgium». und nur die Ansführungea dieses Landidateu bestimmten uns zur Berichterstattung über die Versammlung. Hier zeigte es sich wieder ein Mal in «clatanter Weise, wie wett der Autoritätsglaube der Berliner geht. Ein Mann, wie Makower, braucht nur das Wort zu nehmen und Alles hört athemlo« ,«. Er gtedt keine bestimmten Erklärungen, er macht keine Versprechungen, noch weniger Ausflüchte, er hält fich reservirt. Was die Forderungen de» Programm» anlangt, so gesteht rr.frrimüthig zu, daß das gegenwärtig« Wahlsystem sehr schlecht sei, daß rin bestens aber erst erfunden wrrden «üffe. Wann man rin solche» etufützre» werde, das wüßt« er nicht, da» müßte man sich erst reiflich überlege», da» ging, doch nicht, daß »an hier ln der Wahlversammlung darüber endgültig beschließen könnte. Gat Ding will «eile haben. E» folgt von keiner Seite ein Wort der Erwiderung, resp. der Erinnerung daran, daß gerade diese Forderung seit bereit» 8 Jahren bei allen Gelegenheiten erörtert wurde, ja daß derselbe Herr vor 3 Jahren in der Wahlversammlung Sn» dasselbe gesagt «ad versprochen habe. — Bei dem rapiden »chsthum der jüd. GemrindeBerlins. da» grstehtRrdner ferner

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