Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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fteiu fo verwunderlich eben nicht: hat doch nach ui« «iu Mensch de« Juukerdlatte den «uh« streitig mach« «alle», daß e« cm treuest« die Anschauungen der verbohrtest« Reactior äre »iederspiegelt. Und außerd«, mögen die Jud«, mit der« die »Kreuzpeilung' und ihre Hiutermäuner in Berührt og kommen, die »feinst«' zwar nicht sein. Die Güterinäkler, Börsenjobber (Spezialität für anpumprnl'e Junker), Händler mit Lotterieloosea u. ähnlich« Jndividu« jüdisch« Glauben« sind nicht die Juden. Da« voruehne Judenlhum, und Gott sei Dank bildet diese« die große Mehrzahl, ist der »Kreozzeitung' unbekannt, eb« weil e« vorn« hm ist . . Eii e große Zahl von Juden dekleidrt Richterften — hat man je gehört, daß ein jüdischer Richter den alten, wohldraründelen Ruf von der Unparteilichkeit und fittlichen Tüchtigkeit der dculsck« Juftizbeamt« erschüttert habe? Mehr n ie hundert jüdische Doz«t« unterrichten an deutschen Univerfi äten — giebt es ein«, dem eine sittlich verwerfliche Handlung vorzuwerfen wäre? Ist die Zahl der jüd. Inhaber hervorragmter, in der Geschästöwelt hochangesrhener kaufmän rischer Firm«, nicht eine un«dlich große? Und wa« weiter da« Ehrgefühl der Jnd« angeht, so kann man au? Hunderte von jüd. Männern uud Jünglingen verweisen, )ie mit der Waffe in der Hand wider d« Beschimpfer ihre« Glauben« uud Stamme« ausgetreten find. »Allein j die »Treu e“, die Anhänglichkeit au den Kriegsherrn und! Louoeroin fehlt den Juden, die fast durchgehend« der Oppo« ftlion «gehör«.' Wohl ist e« wahr, daß in Staat«, de d« Juten die Gleichberechtigung versagt Hab«, oder dies« doch nui belchräukt pracklisch wird« laffm, die Mehrzahl der ißrael. Staatsbürger Mitglieder der Oppofitiouspartei« sind, 8 llein die Ursache dieser Erscheinung ist nicht in dem Stammrtcharocler de« Judenthum« zu suche», sondem in der! allgemein mmschlichen Eigenschaft, daß unterdrückt« Elemente in Gegersatz zu der sie unterdrückend« Staat«gewalt tret«. Aber trotz- und alledem ist kein Jude zurückgeblieben, al« das Ba erlaub ihn zu d« Waffen rief! Hunderte von Juden sind in d« Besreiuog«krieg« gefallen, größer «och ist die Zahl der Opfer in den Kriegen de« vorletzt« Jahrzehnt«. Hat doch Kaiser Friedrich in seinem tnit höchster Begeisterung aufgenommmm Manifest e« unwiderfrochea vor aller Welt bezeugt: »daß Ktlle gleichmäßig iu den Tag« der Gefahr ,hre »olle Hingebung bewährt haben.' Welcher Antisemi> ist frech genug« da« leugnen zu «ollen? Und wie ist e« mit dem persönlichem Muthe der Inten und ihrer kriegerisch« Tüchtigkeit. Run die jüdische Geschichte lehrt e«. daß nie ein Bolk mit größerer Tapferket gekämpft hat, al« Israel für seine nationale Selbstäungkeit, einzig steht in der Geschichte aller Zeit« da« Beispiel dir Macc abäer da, uud welche« Bolk hat je größere Opferfreudigkeit bewies«, al« die Jud« de« Mittelalter«, d e zu Tausenden den Scheiterhaufen bestieg«, den Namen de« eivzig-einzig« Gotte« auf d« Lippen? Für dir militärische Tüchtigkeit der Jud« iu moderner t stel>«u un« ebenfalls viele Beispiele zur Berfüguug. ei der g«ialst«n Feldmarschälle de« große» Napoleon gehört« tem jüd. Stamme an. M asreua war Jude. Der Sieger ron Langensalza, G«eral von Flies, war der Enket de« Charlottenburger »Schutzjud«' Heymann Flies; ein hoher Artillerieoffizier der belgisch« G«eralarmee ist streng. Staubiger Jude. Der humaue Köuig vo» Jtali» hat de« sprossen der alt« jüdisch« Gelehrtmfamtlie der Ott», l eng hi zu seinem Gmeraladjutant« ernannt, die frauzös. Armee tat mehrere Juden unter ihr« höchste» Offiziere». Wir könuteu diese Lifte noch um viele Ramm vermehr«; allein wir glaub«, daß da« Angeführte genügt, um darzuthuu, daß die Jude» au militärischer Befähigung, wie a» all« antereu soldatisch« Eigenschaften hinter d« Richtjud« nicht zulücksteheu. Allein auf ein« «ende«», hoff« mir vorläufig noch nicht. Da« Judeuthu» gat viele und schwerere Kränkung« überftaud« — r« wird auch diese verwind« und durch Zurücksetzung« sich nicht bestimm« Uff«, tu den Armteru und Stellung«. in di» man ihm Eintritt gewährt hat. seine volle Schuldigkett zu thun tu Liebe zum Vaterlaude und dem angestammte» Herrscherhaus«. GrLtz al»v»lk»thß«ttcher Geschichtschreiber. O«kar Seiner in Leipzig ist offmbar einer der leichtfinnigsten Verleger, die e« giebt. Da haben die Deutschest« der Deutsch«, Ludwig Geiger uud Harry «re«l»»uud wie sonst di« Berliner Juden heiß«, di« im Dom« voa Quedlinburg ihre Kinder zur Taufe schick«, feierlichst Graetz in Acht und Baun erklärt und ihn, wie einst Ahab d« Eli«, entlarvt al« d« »Verderber Israel«', und «un wagt r« dieser Verleger, von dem verfehmtm Autor ei» Buch iu drei umfangreichen *) Bänd« i» stattlicher Ausstattung drncken zu laffrn und hat gewiß noch ein anständige« Honorar dafür bezahlt, w«u da« Honorar auch nicht so groß sei« wird wie da«, welch«« der Honorarprofeffor Laza ru« für seine »fünfzehu Sätze' bekommen hat. Und, kaum glaublich, dieser Leiuer, behält gegenüber so gelehrt« und für Deutschthum und Judenthum so — begeistert« Männern Recht, denn die »volksthümliche Geschichte", iu einzeln« Lieferung« rrschi«« uud in dies« Tagen zu« Abschluß gekommen, ist riu vielgeleseue» Buch geword« uud alle dirjmig«, die sich in Deutschland um jüdische Geschichte kümme«, scheinen sich um Ludwig Geiger« und Harry Breslau'« Meinung absolut gar nicht zu kümmern. Am Ende ist Graetz weder der schlecht« Schriftsteller noch der schlechte M«sch, für den ihn diese Berliner Herr« «ater dem Protektorate de« Gemeindebuadspräfident«, Hr. Geheimrath Kristeller, ausgedm. Dem Referent« ist da eine sonderbare Geschichte pasfirt; jüngst gebe ich einem junge» Arzte drei Bände de« großen 11 bändig« Graetz' sch« Geschicht«werke«, den neunten, zehnt« uud elft«, uud der junge Herr nahm etwa« skeptisch die Bücher, offmbar nur iu der Absicht, um au« Höflichkeit gegen »ich ein wenig drin zu blättern. Tag« darauf traf ich dea Herrn und er rief mir zu: mit dem elften Bande bin ich fertig, uud nun erzählte er mir. daß er zurrst widerwillig deu Baud in die Hand gmommeu habe, daun aber sei er voa de« Gegenstand« uud der Darstellung so gefrssellt worb«, daß er die gauze Rächt daran gewandt habe, um ih« zu Ende zu lesm und dieser elfte Baud ist r«, der dem Prof. Treitschke uud sein«» Helfe«, Geiger und Breslau, besonder« wie eia Dom im Auge ist. Laff« wir diese 8«te, die für da« Judeuthum kein Herz haben. Die »volksthümliche Geschichte der Jud«' hat sich rasch die Herz« erobert und wird ein Familie»- buch der deutschen Juden werden. Graetz gehört nicht zu dm Schwächling«, die e« All« Recht «ach« wollen; er spricht furchtto« seine Uebrrzmguug« au«. Sehr schöu heißt r« S. 744 de« dritt« Bande« »die bange Furcht, welch« die Judenheit seit d« dös« Tagea der Lreuzzüge erschreckt hat, wen» ein übermüthiger Christenknadr fir angefahreu — wodurch die Drohung de« größt« aller Propheten iu Erfüllung giug: »Da« Rausch« eine« verschmchtm Blatte» wird Euch erschreck«' — dies« Furcht ist v« Jakob« H«« gewichen'. Graetz ist mit der Feder so tapfer wie einst die Makabäer mit dem Schwerte. Soll Tapferkeit uud Treue iu dem herauwachseudm Geschlecht wieder aufl«beu,s» müsseuElteruuudLehrer diesesBuchuusererJugend ged«. Da« ist dte würdigstrLhauuIagabe.uud die würdigste «hanukafeier ist: tu de« herrlich« Buche i» lesen. *) Sieh« deu beiliegende» »Prospeklu«' der >e»lag«t«h- ' handln«, voa Oskar Lein«.