Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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giffm wir nafct Lrttzeil üba Me 9rftg*»| Mefe» Post«»» infeamcv, so (terra wir btt) sage»: Do» Judenthvm t-ird wegen diesi» Mißgriffe« nicht zugrunde gehe» und M«: Gemeinde Prag, welche in ihrer ttmsradjähaiaen Geschickte manche» Fehler überdauert hat. wird auch über diesen hinwegkomme». Die unseren Gcmeindeverhältniffe» nöthige Autorität verlangt e«, daß wir de« rechtmäßig gewählten Rabbiner die pflichtschuldige Achtuua eatgegenbringe». Wir uerden daher künftig »nr Thatseche» über ihn berichtet. Ir der auf «einen ersten Bericht (in Nr. 44) bezugnehmend« Eorrespondeaz, wurde mir neben manchen Lomplimeutin der Borwmf gemacht, daß ich Manche« verschwiegen hätte. Da« log mir ferne. Der persönliche Klatsch de« ob dit gehört nicht in diese Blätter und, wen» jemand au« persönlichem Jntereffe eine Eandidatur betreibt, so unterliegt doch nur der Candidat und nicht sein Beschützer der Beurtbelung. 88u« von der Amtsführung de« Oberrabbiuei« Hirsch gesagt wurde, ist richtig und beweist zur Genüge, daß ein Rabvinir, der in Prag wirken will, sich nicht auf den non pnoonmn». Standpunkt stellen darf. Hirsch ist auch bei der Beerdiguog de« Professor« Soyke erschienen, der sich erschossen hatte, — noch dazu am Sabbath, wo er doch den Rer older in die Hand nehmen (mtplO 71V7V), dann den Ha;n spannen 0^12), losdrüebn, ^P2V,llNVV2 N22) Cnp yiavfi, und vielleicht auch laden mußte. Hirsch hat sich trotz Joreh Deah 6. 345 an der Beerdigung betheiugt und er hat daran recht gethan, weil er in einem Falle, wo den Ermmttäten der Bevölkerung sich versammelten, die Israelit »«gemeinde zu deren Ehren vertrat. Wenn er in einer Orgel-Synagoge bettle und eine Trauung vollzog, so handelte er ebenfall« noch seiner Pflicht al« Oberrabbioer, da ja di Vollzug einer Trauung nicht nur ein Recht de« Rabbioe:«, sondern ein rechtticher Anspruch der Partei gegenüber dem Rabbiner ist. Ein Rabbiner, der mit dem größten Theil der Gemeinde keine« modtu vivendi zu finden weiß, kann in dieser Gemeinde seine« Amte« nicht »alten. Auch was in Rr. 45 von de« Verfasser de« »Gabriel* und der »Prager Ghettogeschichten" gesagt ist, kann ich nicht gutheißei. Ein Mann, der, wenn er auch weit hinter Sompert und Mosenthal zmücksteht, doch ein gelesener Dichter und persönlich ein Ehrenmann ist, kann nicht mtt der Bezeichnung »Jargon-Schriftsteller* abgethan werde«.*) Ich gebe zu, daß man kein Recht hat, sich orthodox zu nennen, wen» man Romane schreibt,**) aber Inkonsequenz ist manchen Ratnrra Bedürfnis. Diese romantische Unklarheit ist freilich ein Uebel und ein um so größere«, wenn ste zu Einfluß gelaugt, aber darum haben wir kein Recht, bei Charakteren« die so angelegt find, mala fides voranszusetzen oder niedrigen Eigennutz al« Triebfeder ihrer Handlungen anznuehme«. Trotzdem ist die Wahl eine« Orthodoxen von der Eouleur der »Kais durch die Waud-Renner* ein arger Mißgriff in einer Gemeinde wie Prag, denn Gemeinde »der Rabbiner werden mchgebeu müssen, wen» fie fich verttageu »ollen. Wer vor beiden uachgeben wird, ..da« wird die Geschichte lehren. Sicher ist, daß auch die Autorität eine» Oberrabbiuert! nicht im Stande sein wird, der jüdischen Gemeinde in Prag die Ueberzenguug beiznbringra, daß ei« Skandal im Gott-»Hanse unser religiöse« Gefühl nicht beleidige, »der wie ei» Orthodoxer einmal sagte: In »Schul* nicht »schnmßen* ist »ChukkM lutgoj*. — Leider ist aber diese Geschichte keineswegs ei» Sieg der Orthodoxie, sondern ein Sieg de« Inbifsirentismus. — I» der Wiener »Neuzeit*, bekanntlich Jelliueck'« Organ wird der Wahlsieg der Prager Orthodoxie «U folgenden koch« att Lrnchehttr «rrigkt. (Red ) «tttzaltear de« orthodoxe» »JörattiN hat dekautlich sogar Hoffen sä,« Theater geschrieben. Worte» auaqejgt: »Prag. Der jüngste Sonntag war et» wichtiger Tag in unserer Gemeinde. An demselben hat unsere Repräsentanz in vertraulicher Sitzung beschloffra, Dr. Gabriel Ehrenseld, Rabbiner in Guesen und Schüler de« Dr. Hildesheimer, zum Oberrabbiner in kfirag zu wählen. Wir gratnlire» uuserer Gemeinde zu ihrem weisen und gewissen haften Borstaude. Dem von ihm gewählte» Ober», rabbmer geht der Ruf voran, daß er seine Sinder am Sabbat nicht kämmen läßt.' Weiter ist vom ihm nicht» bekannt. Um den Frieden in unserer Gemeinde ist e» geschehe».* N. Zu» Ilugar», 31. October. (Or.-Eorr.) Höchst betrübead ist die Erscheinung, daß c« viele« uuserer Glauben«- genoffe« an Lrast, Muth und Ausdauer in augenblicklich ungünstigen sociale« Lagen sehltt. Juden, deren Ahnen chr« Liebe zum Glauben mtt heldenhaftem Tode ja, wa« noch höher gllt, mit einem durch Geschlechter vererbten Mattyriu« de« Leben» besiegett halten, konnttn fahnenflüchtig werden^ wenn ein unangenehmer aMisemttischer Wind in der Metropole Oesterreich'« wehte? Hat die erlösend« Macht der Religion, die Gemeinschaft de« Fühlen» und Denken« mit der Glauben«gemetnde, welche da» Panier de« Gotte»- glauben« siegreich über die Gräber der Zeiten getragen hatte, in unserer materiellen Zett. so sehr alle WttkUng verloren, daß eine dem Judenthume ungünstige, an sich sittlich verwerfliche Sttvmnng so vielfache Abtrünnigkeit im Glaube« und Leben erzeugen konnte? Mtt tiefet Wehmuth lasen wir in den Tage«- und Fach-Blätttrn. daß im Jahre 1888 im östtrr.-mtgarischen Gesammt-Reiche 922, in Wie» allein 781 Judeutaufra vorgekommm sind. Wen« auch da« Judenthum an denen Nicht« vcrliett, die e« so leichten Saufe« hiugebeu konnttn. so bleibt doch eine so erschreckende Zahl von Treubrüchigen symptomatisch für eine Bewegung, welcher da» religiöse Ideal Nicht«, die Gunst materieller Berhältniffe Alle« im Leben gllt. — E« ist ein wahre« Glück, daß, hinsichttich der anttsemttischen Umtriebe in Wien und Oesterreich, ein ersteulicher Umschwung zu« Gute« eingetreten ist. Alle Verstöße in dieser Richtung werden von den Polizeisttlle»,. im Aufträge der Statthalterei, überwacht und von de« Ge« richtsstellen, im Aufträge de« Justiz.Ministerium», bestraft werden. So wttd denn wiederum mit der gebesserttu äußerlichen Lage der israelitische» Glaubensgemeinschaft in Oesterreich auch die Anhängerschaft derselbe» wachse«. — Tief ra beklagen bleibt e« aber immer, wmn äußerliche Umstände aus die innere Bestimmung der Menschen einwirken. — In unserem Lande ist e«, hinsichtlich der äußerlichen Sttlluna der Juden, günstiger, und bereitet der Eultus-Minister, Graf Csüky, wie derselbe in der Finaoz-Kommisfions-Sitzung vom 28. d. M., hervorgehoben hattt, ein einheitliche« Gemeinde-Organisation«»Statut vor, welche« einem fühlbaren Bedürfniffe abhelfen und gegenüber dem religiösen Bedenken Einzelner und der Parttien gerecht sein soll. E« wttd demnach dem von den Ministern Baron Eötvö« und Träfort errichteten Gebäude einer einheitlichen und freiheitlichen Gemttnde-Verfassung für die Jsraeltten Ungarn'», die Sroae aufgesetzt werdvi. — Wie sehr jüdische Gemeinde-Amts-Anstellungen hierzulande sich gehoben haben und begehren»werch erscheinen, geht darau» hervor, daß um eine Bereius-Sekvttär-Sttle (der hell. Brüderschaft, Ehebrah kadischa) ia drr Pester Religio»«- Gemeinde fünfzig Bewerber, darunter Advokaten, Doktoren und Professoren sich beworben hatte». — Wa» aber der jüd. Gemeinde günstig, ist in socialer Hinsicht der Besserung, wohl bedürftig. - x Arawikreich. Auels Durch dtt Berufuug Zadoc s«h n'» zu» Großrabbiuer von Frankreich find gegenwärtig iu Frankreich zwei Großrabbiuate Pari« uud Rauch zu besetze»; i» Algier find zwei Rabbiuate zu besitze» tu Tlemcen (Orau) und in Medeah (Algttr). lieber de» neue» Großrabbiuer a :! Ji .1