Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 867 — Daz fh Me Festigung de» Jedenthum» io der Reichshanptstatt hat, diesem Paokt de» Programm» vollständig beipflichten. Metßn, lß.Roö. Der Gnneiudevorstaad, der zur Wahl von elf Repräsentanten durch Einmlare einieladen» muß jetzt in Iw» öffentlichen Blättern darauf Hinweisen, daß nur zehn Repräsentanten zn wähle» sind. Gewiß, wer kann für Druckfehler, aber sie stad bei so wichtigen Dingen nicht angenehm und leichter zu vermeiden, wenn au Stelle der Ziffern die Zahlen in Buchstaben gesetzt werden. — In de« »Berzeichniß der wahlfähigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin im Jahre 1889lesen wir auch: Prof. Dr. Hermann Krause, Reustädtisch« Karlftr. 14. Da« ist der bekannte Spezialist für Halskcanlheittn; sollten alle die Rachrichten über dessen Ueberteitt zum Thristeathum falsch sein, »der ist da» wieder einmal ein Druckfehler! Im Berwaltunatbericht ist in der Position Krankrnhau«: 1887, 126V Kranke mit 26003 Berpfleaung»tagen offenbar ein Druckfehler, e» soll he>ßen 36003 BerpfleauagStage. — Eia Posten mit 2730 Mk. figurirt unter dem Titel: Beitrag für humanitäre Institutionen und zu litterarhistorischra twecken. Manchem wäre e» interessant gewesen, wenn der itel gelheilt wäre; dann wüßte man ja wie viel die Gemeinde für Geiger'« Zeitschrift steuert. Da» ist jetzt verhüllt. Es lohnte sich, genauer auf den Berwalt«ng»bericht «iuzugehen. (Wir kommen darauf zurück. Red.) Werk». 18. November. (Or.-Lorr.) I« der Wahlrede eine« in neuester hrrvorgetreteneu Judeufrester« Boeckel'scher Observanz — der Maua heißt Häderlein — findet sich laut Bericht der »Post-, die mit der größten Gewiflenljafiigteit jeden Ausspruch auch de» obskursten Auiisewitleiu« meldet, folgende Stell«: »Die Juden find weltgeschichtlich eia werthlose» Glied tu der Kette der Menschheit-. So ist e». während Häberletnchen durch sein Erscheinen auf dem Welttheater einem tiefgefühlten Bedürfnis adgrholfen hat, dem Brdürsai« nach Heiterkeit nämlich, die in der trüben Gegenwart immer seltener zu «erden drohte. Derselbe Musterknabe girbt dann weiter noch folgenden Satz van fich. »Die Pflege de« Rationalcharaeter», den die Antisemiten sich zur Aufgabe gemacht, erfreute fich auch der Protection de« Kaiser», zu ihm fühlten die Antisemiten fich so hiugezogen.- Wenn ha« keine Majestät«beletdtguug ist, wistea wir'« nicht! P. £*uu*m, in November. (Or. - Tor.) Wenn auch etwa« verspätet, aber nicht minder »arm und aufrichtig empfunden ist di« traurige Mittheiluug von dem schweren Verluste, den unser« jüdische Gemeinde am Au«gange der Festtage erlitten hat. Her» Albert Eohrn, ein Glied der sehr alte» und hochaageseheusteu Familien Lohen und unserer Gemeind«, starb an: 18. Oktober und sein Tod, der plötzlich riugrtrrt«» war, versetzte nicht nur seine Famllie, sondern die ganze Gemeinde in schwere Trauer. Mau tonittc au» dem großen ltzefolge de« Lrichrnzuge« erkennen, baß fich der Vorstand und die Repräsentanten, die Vorstände und Mitglieder verschiedener wohlthätigkett»vereine aage» fchloffeu hatte«. Der Laudrabbiner Dr. Gronemanu, welchrr in ihm eine» tieoeu und bewährten Freund verloren hatte, war selbst auf da» tiefste bewegt und seine Tranerwort« au der Bahre waren von Herzen kommend« und zu Herzeu gehend«, ries ergreifend« Klagrworte. Eine ganz besondere Liede hatte der Verewigte für da« ueubegründrt« .Krankenhau«, in de» er täglich «ehremal» wie ei« ttenrr Hüter fich einfaod, für di« scheinbar unbedeutendst« Lletuigkett ei» offene« Ang« und rege Thrtluahme hatte, da« tu Ordnung z> halten und weis« zu leiten sein ganzer Stolz war. Er war aber auch in de» verschiedene» Wohlthätigkeit«. vereinen, zu dessen Vorfttind« er gehört«, ein jederzeit treuer Rathgeber und tüchtig»: Förderer. Bet seiner großen Meuscheukenutuiß. feinen gnte» Herzen und sein«« scharfen Blicke erwte» er fich stell» al« fähiger nützlicher Mitarbeiter. Dabei ermüdete er nicht, so »st er auch für .besondere Wohlthätigkeitszwecke um Mithilfe »ngeiogeu wurde, nicht uur mitzuspeuden, sondern aach mitzuschaffe» und zu ratheu. I Die schönste «nb hervorragendst« seiner Eingenschaftr» war aber seine Friedensliebe, dt« ihn nicht rnheu ließ, bi« er de» Streit in Frieden gewandelt hatte. Mit Recht konnte die Grabrede vagen, daß e« »ja eben nicht die Familie allein sei, welch« einen schweren Verlust erlitten; t§ habe» ihn erlitten auch die armen hilflosen Kinder, tte Wittweu . und Waisen, die Armen und Nothleideuden, tte wohlthättgen Tereiu« und Anstalten, die ganze Gemeinde.- Krcmkeuhans und Talmudthoraveretu. die Ehe» ros und die Uaterricht«- aastaltru empfinden ganz besonder« seinen Heimgang. Möge sein Andenken gesegnet sein! Hoßek» 18. Roo. (Or.-Lorr.) Man wird «» nicht den israelitischen Lehrern zum Borwurf mach:» können, wenn sie in viäea Gemeinden immer noch nicht eine feste Anstellung erlangen. Wa» au ihnen selbst liegt, habm sie redlich gethan. Nicht bln» ihre Vorbildung für da« Lehrfach, sondern auch ihre wissenschaftliche und pädagogische Fottbilduag entspricht vollständig den Anforderungen de» Staate». Da» hat wiederum die Ende Oktober d. I. am hiesigen israelitischen Seminar adgehaltea« zweite Lehrerprüfung bewiesen. Da den übrige» jüdischen Lehrerbildungsanstalten in Preußen die Abnahme dieker Prünfng nicht zusteht, so wurden vom Königlichen Pro,1nzial-Schulkollegium der Provinz Hessen-Riffau auch mehrere Lehrer au» den Provinzen Hannover, Westfalen und Rheinland zugelassen. Bon den dreizehn Examinanden bestanden zwölf die Prüfung und sind nun zur definitive« Anstellung berechtigt. Möchten auch die Gemeinden da» Ihrige thun und da, wo e» noch nicht geschehen ist, ihr« Schalen in öffentliche Volksschulen umwanoela. E» liegt die» ebenso im Interesse der Gemeinden, wie in dem der Lehrer. Hkee« 0. Hk. 1ö. Roo. (Or.-Lorr.) Bei Gelegenheit der Gedenkfeier de» 80. Todestage« der 11 Schill'schen Offiziere» welche am 15. September daselbst in Wesel stattfand, hielt unser Glaubeusgenoffe Herr L. Zaudy einen nach den neuesten Quellen bearbelteten geschichtlichen vorttag über da« traurige Ende dieser Frriheü«helden. welche Napoleon I. am 16. September 1809 hatte erschießen lassen und deren Andenken durch eia am 31. März 1835 eingeweihte« Denkmal verewigt wurde. Nachdem der Rcduer nach 2'/, Stunden seinen Vortrag beendet, gaben die zahlreichen Zuhörer, welche bi« dahin still nnd andächtig gelauscht, nun durch lebhafte« Beifall ihren Dank Ausdruck. Auch der Herr Bürgermeister dankte dem Herrn Zaudy für seine mit Begeisterung und Sorgfalt ausgeführte mühevolle Arbeit. Folgende Stelle au« dem Zriluag«berichte dürste für eine derciustige Geschichte der Juden am Niederrhein nicht ohne Jntereffe sein: .Trotzdem dir französische Regierung eine Bertheidiguug zu hintertreiben suchte und die Acten dunkel find, steht r« doch fest, daß mehrere Herren di« vertheidigung ausgrsührt haben, darunter auch ein Onkel de» Redner«, Gotthard Zaudy-. Bielleicht al« Strafe dafür hat ein Bruder desselben. der Battr de« Redner», 5 Jahre al» Soldat tu FranVeich dienen müssen.- 2>Oesterretch«U»gar». Q MWrag» 12. November. (Or.»Tor.) ^Die Würfel find gefallenl Da« Borausgesehene ist um so schneller eingrtretea, weil wir davor gewarnt hibea» denn gewöhnlich beeilt «an fich eine Dummheit zu machen, w:nn man darauf aufmerksam gemacht wird, denn wo ist der Sterbliche der, sei er auch nur ein gewöhnlicher Mensch, sich sagen lasten wollt«, daß er geirrt hat: wie kann min dr» einem Vorstandsmitglied« einer jüdischen Gemeinde und ganz besonder» der Stadt, in welcher der.Golem" zu Hruse ist, zumurhen. Allerdings ist seit der vor sechs Jihren vollzogenen Reaovirung der „Alt-Reu-schul" die Existenz de« Golem fraglich geworden, aber dafür wird eia neuer Oberrabbinee darin seinen Einzug halten, der ebrnsowrnig die Welt umk-chren wird, wie da» Geschöpf seine« Borgäager« de» „hohen Rabbi Löw", sott ihm die Zauberformel aus de« Mund« genommen ward. -.-4L- -v