Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 860 — stähl« n nnb erfülle» mit emrm heiügm Eifer für die Sach« »er Wahrheit. E« giebt protestlUltisch« Theologe» a»d Bibelforscher, dir hreu gaazrn Freisinn auf die Forschung de» alten Testtaientr verwenden, dagegen auf christlichem Gebiete sehr vorsichtig zu Werke gehe», ja die direkt di« Tendenz habe« dem Judeachu« durch di« Bibrlkritik den Bode» zu entziehen; da wird z. 8. im neuesten Hefte vo» Stade« Zeitschrift für alttestamrntalische Wissenschaft ein Aufsatz von 3b <Zeiten veröffentlicht (der Autor nennt da» eine» »kleinen Aussatz"): »Di« Liebe zuGott im alten Testamentvor allem um nachzuweffen, daß im Sinne de» Deuteronomiums nicht von keinir Lieb« zu Gott, sondern von einer Aebe zu Jahwe al« dem Gotte Israel«, zu reden sei." Durch allerhand Künsteleien Wirt d m Ehristeuthume ein höherer sittlicher Gehatt iuvicirt. Ja demselben Hefte ist auch S. 276 zu lesen: daß selbst wer» auf den. Gebiete de« alten Testamente« die freieste Kritik schalte, es doch unmöglich wäre, den übernatürlichen Ursprung de« Ehristeuthum« wegzuleugoen. Schwalb, der Sdche folgt und ihn verehrt, hat radikale bibelkritische Ansichten auf beide» Gebiete»: trotzdem sind ihm die Reden der Propheten Grund und Lern aller Religion und Israel könnte heut, wie er nleint, da« Licht der Wett und da» Heil der Böller werden, wenn eS zu den Prophetm zurückkehrte. Gerichte «»> C*roRmtfcettf«ti. Deutschland. Magdeß»rg. 18. Nooember. E« dürfte die Leser uns. Bl. sicherlich iutrresfire» zu erfahren, wie von competeuter christlich er Seite über di« schmählichen Augriffe Ludwig Btiger« gegen Dr. Südemaun geurthellt wird. Wir sind in der Lage zwei solcher Urtheüe hier mitzuth eiten: Herr Kirchenrath Professor Dr. S i e g f r i e d tu Jena schreibt an Herr» Dr. Südemaun und gestattet auSdrümich, es zu veröffentliche»: 1. »daß er den von Seiger gegen ih« (Dr. Südemau») erhobenen Borwurf der Sehässtgkett gegen Ehrifte» u. Deutsche für ««gerecht halte-, und 2. »daß ihm die sachliche» Eiawenduugeu Seiger« gert»gw«rthig erscheinen.- Ferner schreibt der Herr Bar»» Alfred Offermauu (Schrift) in Brünn an Herrn Dr. Südemana. daß derselbe wohl daran gethan, die »»«lautere Objektivität" diese« »chriftltebeudeu- Juden gehörig zu beleuchte». Herr Dr. Jell inek geht »och einen Schritt wetter; er «öffnet in der »Reuzetteine Serie von Artikeln über die Jftaiföc Moralität", in der er da«, worau« Seiger dem Sübemauusche» Werke eine» uuverzeihltche» Borwurf macht — d««i» gezeigt werde, »die Jude» stauben während de« Mitttlalter« moralisch höher al« die Christen" — al« geschichtliche Wahrheit festhält, »deuu seit de« Jahre 1883 vertrete «- öffentlich di« These, daß eiu Theil der christliche» Böller tti sittlicher Beziehung auf etuer utedrtger» Stuf« al« di« Jude» stehe" — schreibt Jelliuek fteimühig, »ad feruer: »Ich fühle und denke durch und durch deutsch, die deutsche Sprache hat «iri» Denke» entwickelt, deutsche Wissenschaft «nd deutsch« Literatur nährte meium Geist, deutsch« Sitte hat auf mein Lebe» eiugewirkt, und well ich im moigsteu jsusamineuhange mit dem deutschen Sesea mich weiß, so eracht« ich e« al» meine Pflicht al« Deutscher, ma deutschem ssrrimuthe dem deutsche» «olle in« Gesicht zu sagen, daß <» nicht da« Recht habe, den Jude» Moral zu predigen t-ielmehr daran arbeiten müsse, daß Millionen seiner Sagelchrigeu zu jener sittliche» Höhe sich emporringen, auf welcher He Juden lärmst stehen." Jellinrk schließt seinen erste» fulminanten Artikel mit folgende» au di« Adresse de« Herrn Dr. Seiger gerichteten!Lorten: »Jmer Anmaßung gegenüber, welch« den Brkeuoern Iw» JudentüumS echische Borles»ngeu hält, dürft« «» nicht IberMsflg sei», nachzuweise», daß Heft aumaßeadm Doeeaten besser daran chäte». i» einer jüdische» Lrhrrmstalt zu erscheine», um sich über praftische« Judenthum und prakttsche« Ehrifte»- thum oder über di« moralischen Zaständi unter Jude« »ud Ehristen belehre» zu lassen." Aaaesichü» solcher Urthelle dürste der Su»sch«ß de» Deussch-JSr. Semeiadebunde«' den» doäj endlich eiufehe», welch« t»u» per» er gemacht, al« er di« Vorstände der i«r. Gemeinden beredete, da« litteracische llirternehmea Geiger» nach Kräfte» zu unterstützen. Wir hatte» als, so »«recht nicht, al« wir aus dem letzte« Gemeindetag« di« Subvmtio» seiten« de« D. I. G^B. — wen« auch erfolglos — bekämpfte». 8. Merkt», 16. November. (Or.-Lor.) Obwohl ich al« Abouuent Ihrer »Wochenschrift" fefyr wohl unterjochtet bin von der Wiedergabe de« »Programm«" de« »Leatral-Beretu« zur Borbereituug der Repräseutauteu-Dahleu" tu Nr. 46, übersende ich Ihnen doch noch auch da« Lttcular der 76. Eom» Mission, um Ihnen und Ihre» Leser» Pt zeigm. daß letztere »ach wie vor besteht «ud nicht identisch ist «tt de» Ausschuß de« Ceuttal-Verein«. der (zufällig oder absichtlich ist ja gleichgülttg) auch au« 75 Persoueu besteht. Ich will Ihnen damit de» Bewei« geben, da« Ihr ftüherer Lorrespondeut Unrecht hatte, al« er die 75. Commissi«» für aufgelöst erklärte, ich also berechtigt war, die s. Z. gemachten Au«, führuuge» jene« Eorrespoudeuteu zu bekämpfen. Wir entnehmen dem un» zugesaadten Eircalair zunächst die nicht unwichtig« Erklärung vom 6. Oktober: »Die oersammeltru vorstandit-MttgUeter der 6 Sektionen de» iteatralverein« zur Vorbereitung der jüdssche» Gemeindronchlr» erhebe» »um Sruudiatz, daß innerhalb seiner Bestrebungen mb ineerhalb seiner Versammlungen rituell« »der Fragen de» Eultu» uiemal» zur Diskussion gestellt «erde» dürfe«, da der Central» verein da» grsantmt« Judenthu» «nd kette« defomdot» Michttm« tn demselben vertritt.- — sowie die »Erläuterung" zu Paukt 1. Ire« Programm«: »Das vorhandensetu einer a»Sr«ichr»t«» Anzahl ven vtzuagogen'und Neltgioasfchulea ist die erste Lebmsbedtngung für di» Erhaltung und da» Gedeihe» der jüdsshrn Gemetud«. I« der verltner Gemeind« tü jedoch weder sür Svaagogea. noch für Religion»» schulen auch nur «»»ckhernd «»Stetthe« gesorgt. Di« von de» vorhandenen Synagoge» entfemtee »ohaendea iöemeiudemttglleder habe» keine Gelegeahelr, »der «»ist ihnen überan» erschwert, eine Synagoge zu besuchen, un» ihren Kinder» veligiousmterrcht ««gedeihen zu lass«. vesoader» au den hohen Festtagen wird di« Erfüllung der verpslichtnng- ' " ' - -- stellen, — vermtßt, empfiade» es viel« «tt venübnch, daß in Folge > mit der Befriedigung nach gottesdienstliche» Bermftaltnuge« Handel und Spekulation betrieben wirb. Aber auch »«rüder ist zu klagen, daß eiaem groß» Dhell unserer Glanbeasgenoffe« di« Gelegächeii iehtt, m ander» Festtage» dem Gottesdienste, der Gei>enkstier der Verstorbene» beiznwohne», daß st« es sich versag« müssen, am Sadbath et» Gottes- Han» z« besuche», daß sie den Lodestag ihrer Eltern nicht »ach ihrem Herzensdrange nud »ach den Vorschriften unserer gleligio» begehe» köuoen, wM ein« Gy«aG»g» fit st« nicht «rtatchd« ist. So manch« Famllie ist damit der Andacht entwöhnt, der Religio» entfremdet, «ad rin großer LheU der Semeindemitglieder ist In Folg« dessen gleichgülttg gegen da« Jadeuthnm genoide». Für die »üedß» y Zett bedarf es der Errichtung dreier Synagogen, st einer für dm» Veste» jenseits de» Leipzig« Platze», für de» Süden jenseits de»)} Morttz-Platze» uad für den «ord-Aordoften. Et soll« die» keim? Prachtbauten sei». Nachdem den reprästawttvr» Ausvrüchen der G«- .. metnd« durch dst Synagoge in der oranienbnrgerstraß« tztechuma g»-: trage» ist, hmidelt «I sich nunmehr um di« Einrichtung rtnfache», »ntdigor Andachtsstätten, die sich mtt verhälMtßmüßm geringe» Mitteln' herstelle» lasse». Der Gemetndevontaad selber hat sich « eiaem Schutt i de» vom 30. F«hr. 1889 an de» .Geschiift« Üdrm»«» Ansschnß du - 7der Eommssfionerklärt, da» stnanztrlle Schwierigkeit«» den» v»»^ der Sguagoge nicht t« vege stehe». Kt vezng ans da» vedürsatß »ach veltgtongsch »ls» ists SolgciM (uuiifftlren: Stattstssch« Bericht« der Stadtverwalttmg ergeben, daß e«. L»»i jüdisch« windet ott»O«sch«tt stn». Di, Gemeind« sorgt nach dem verlchte von 18«8, abgesehen! de« Föglinge» der «emeindeschule, für de« iüeligtoasnntrrrtcht von i »»» Ochiier». Di« neu zu ernchtendm Gchule» müßt» tnmtt der einzelne» vezttke, in »er Nähr der Gy eagoge», lttge». Der stand »er Gemeind« giug dagegen bisher von der voraussc daß di« Glter» ihr« Linder Stunde» wett »och einer _ schnle schicke» sollte», dt« auch nicht einmal einen kleine» Lhell der - «ei ad «Lader hätte aafaehme» klimen." E» dürfte flL «ege» dies« Anüftchrangeu »irht« siche« emwmde» lasse» u,d muß Jeder, der ei»