Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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(Kaxtaif Icnutftrctc nb i» Licht« bei Ehrtstenthnm« fei» Heü f»che. Ich Miß wahrlich nicht. wadnrch ich mich verftebi^t labe, baß bet Man» ictabe »ich mit biefer Z«- feataag hetmgesncht hat. Ich habe ei»e» (sr|cn Blick in bic Blältchm gelheu nnd gefand«, baß «er viele Worte, bie ba gesprochm, durchaus »icht vidra LwotL find, da sie vor dem Forum eines vernünftigen Nachdenkens nicht bestehe» könnt». So läßt er A. B. einen Missionär in Marokko de« dortige, Juden zurnfen: .Unser Heil kommt von de» Jude» und unser neue« Testament ist vo» Jode« geschrieben, und darum trachten »ir darnach, Diejenigen zu erleuchten, von denen »ir unsere Erlösung und Erleuchtung empfangen." — Das wäre ein schöner Bortheil. Banz so» als ob der Mond, der sein Licht son der Sonne empfängt, sagen möchte: .Komm, liebe Sonne, ich will Dich erleuchten." — So sind sie Alle; ich «eine nämlich Diejenigen, die sich »ns freundlich gefinnt zeigen, um schließlich mit unserer Belehrung heransznrückeu. Darauf zielt ja auch jene sonst sehr schöne altgriechische Fadel, welche der .alte Diplomat" vom Aeolns und dem Sooueugotte seine» »jungen Freunde" »argetrage». Allein mit dem Mantel hat es seinen Haken, b.h. er exiftirt für den wahrenJude» nicht, er hat nicht« zum abwerfen und nichts z« bemänteln. Er ist mit seiner Religion eins und läßt sie nur mit seinem Leben. Wenn »an de« Juden Liede mtgegendringt, so hat er dafür uichls mehr zu bieten, als seine» Dank. Mehr von ihm verlangen, hieße schon ei» Tauschgeschäft Vorschlägen, und dazu ist ja, wie die Herren wiffen sollten, die Religion viel zu heilig. Was solle« also die versuche P Wir werden niemals unerkennt» lich sein für das uns erwiesene Wohlwollen, aber wir werden Alles das energisch zurückweisen, was auf ein Berlaffen unseres Judenthum« htndentet. In welcher Form je« uns geboten nnd in welches Gewand es auch gekleidet, «ir «erden es verschmähen und das bleiben, was unsere Väter waren: Juden bis in die innerste Seele. Wie der liberale Paft»r Schwalb sich de« Propheten Sttas zurechtlegt. HL ce»luß.i Ans ebenere» Boden befinden wir uns tu der vierten Rede: .«er war Israels Verderber." Schwalb knüpft an die Erzählung au, wie Ahab, zur Zeit der Huugersnoth dem Elias begegnet und ihm zuruft: bist Du es, Verderber Israels." Der Prophet aber schleudert den Vorwurf auf Ahab zurück. Der Brrf. erweitert das Thema und krönen bi« Frage: »er wäre» die Berderder Israels, die Propheten ober die götzendienerischen Könige, die Bündnisse suchte» mit de» Nachbarvölkern. Schwalb findet, baß die Propheten, politisch betrachtN, ihr Volk schlecht beratheu haben, als fie gegen jedes Büuduiß eiferte». .Wahrlich, die Jsvlirnugspaltltk war nicht klug, sie war eher ei« verderbe» für Israel." Aber, meint unser Autor .was wäre denn ans diesem Bslkche» geworden, wenn die Politik seiner Könige gesiegt 'nnd überall seine Zwecke eneicht hätte? Nun ja, es hätte vielleicht ein oder ein paar Jahrhunderte länger gelebt, was man so leben heißt. Seine Könige hätten sich Paläste gebunt, hätten sich viel Noffe nnd Maulthiere tu ihr« Mar- Hüllen, viele Sklave» «ub Sklavinnen in ihren Gemächern, viele Weiber in ihre« Harem halten könne»; das Alles wäre ja ganz schön gewesen, aber Israels Religio« wäre verloren gegangen; Jehova wäre verschwnnbeu in der Schaar der nachbarlichen Götter, während, jetzt Israels Religion in veränderte» »erklärter Form die Reli^o« der gebildete» Welt geworben ist. während Israel in seiner Zerstörung, in seine« Leibe», in seinem Tobe der Mittler geworben t$ zwischen Sott »ab bet Menschheit." .Ls ist nicht allzuschwer, die Prophet« anszmotten; mit Setter und Schwert bringt man bas fertig: aber bamtt vergeht auch für immer bas Lebe» eines Volkes, sei» Seift, sei« Genius, sei« ewiger Werth." Hiermit wahrt Schwalb die entscheidende weltgeschichtliche Bedeutung der Propheten, und es ko««t vielleicht wenig darauf an, daß fie dolitisch die Verderber gewesen find, daß fie seine große diplomatische Kunst offenbart haben. Aber es scheint, als lasse flch selbst diese GeringschHung eines nur sekundär« Momentes der prophetisch« Wirksamkeit nicht durch die geschichtlichen Thatsachm rechtfertigen. Hat nicht IesajaS eine gute Politik empfahl«? sein »eit vorausschauender Blick sah den Niedergang des assynschen WAt« reiche- und damit die Rettung Juda'S, er ahnte, Lag Eanherib nicht »erde festhalt« oder gar erweitern können, waS Salmanasiar erworben hatte, er warnte vor dm Aeghptern, die leicht ins Land hineinzuruf« und schwer wieder zu mtfernen war«, die übeüties gegen die gewaltig« astatisch« Weltreiche kein« Schutz bietm könnt«; wie gut hat JeremiaS sein Volk de« rathen und von den Chauvinist« Juda'S entsetzliche Qualen erduldet. In älterer Zeit hatte Elisa überallhin Verbindungen angeknüpft; eS ist also gar nicht wahr, daß auch nur politisch die Propheten die Verderber Israels gewesen sind; sie waren meist hochgebildete, weltkundige Männer, die auch daS Steuer de» Staates zu lmkm verstanden.' Bon de» Prophetenfchulen sagt Schwalb: .wa» lernten die Schüler dort? Da« ist ein Räthsel, an deffen Lösung sich die Bibelforscher vergeblich abmühen; wahr cheinlich lernten sie reden und singe«; wahrscheinlich lernten sie auch die heiligen lieber» lieserungen und Sagen kenn«. Keiner der großen Prophet« könnte mit seinem damaligen Wirken auch nur da» ersteExamen eine« heuttgmKandidat« genügend besteh«." Uns scheint da»Wes« der Prophetenschulm nicht ganz so räthselhaft; prophezei« ist allerdings eine Kunst, die sich nicht gut lernen läßt; dafür lernte der künftige Rabi, der religiöse Redner, in dm Piophetenschulm Alles, was damals in Palästina an religiösem und weltlichem Wissen aufzutreib« war; gewiß die fromm« Ueberliefemngm, Gesetze, Lieder und Sagen, aber daneben schreib« und lesm, Himmelskunde, medizinische Kmntniß, die Kunde von den Völkern und Lände«, die ring» um Israel wohnt« u. Ae. Gerade durch diese Kenntniß weltlicher Dinge unterschied« sie sich vielfach von den hochfahrmden L«t«, die an der Regierung war« und die oft jenseits der Grenzpfähle de» Lande» nicht Bescheid »ußt«. Dadurch gewann« sic auch dm klar« Blich um sich in politischen Händeln zurecht zu finden und ihren AuSgang voraus zu schau«. W«n Jesaja» den HiSkia tadelt, der dm babylonisch« Gesandten seine Schätze zeigt, so macht er ihm nicht nur den Borwurf der Prahlerei, sondem der Prophet sieht den aufgchenden Stern Babylon'» und findet e» gefährlich, durch solche Schaustellung der Schätze dm aufstrebend« Feind «och z» locken. Noch ein Wort au» der Schlußrede .die Himmelfahrt de» Propheten", da« sich dkekt an uns Israeliten richtet, soll hier eine Stelle finden: .die ganze Kraft, der ganze Werth Israel» lag in sein« Prophet«; seine Propheten waren für Israel .Wag« und Reiterei", sie waren seine Kraft und ferne Ehre, sein Alle»; nun fahr« sie fort und da» Volk bleibt zurück, machtlos, wehrlos, schmucklos. Die Israeliten unserer Zett beschäftig« sich leider zu wenig mit ihren Prophet«. Wollte Bott, sie wärm wieder tm Stande, und zwar mHlichst viele, nicht blos die Ribbinen, sich zu vertiefen m die R»m der Prophet«, in die Sttöme geistig« Leb«», die au» dies« Reden flössen; Israel würde dann nicht wieder ein politischer Staat wert»«, aber e» würde zu unserer Beschämuug wieder da» Licht der Welt werdm und da» Heil der Völker." Wir können die Leftüre dieser Sammlung von Red« nur auf« lebhafteste empfehl«, sie stad nicht nur anregmd, sondern geradezu aufregmd, sie zwingen zum Nachdenken, e» ist wie ein Pflug, der durch die Furch« unserer Gedanken schneidet. Diese Red« belehr« nicht nur, das ist der geringere Vorzug derselbe«, ne« sie bessern, sie fest« uao