Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— brau er hat an der letzt« 8ttf«m«U»g i» Breäla» gar nicht theilgeiom«« — von dieser in denselben gewählt worden; der Ausschaß hätte auch gar nicht da» Recht, irgend ei» MitgliH atszuschließen. und wir hoffe» zuversichtlich, daß die Angriffe der „jüdischen Presse* uu» in d« Augen unserer Genossen nicht» schab« werden, daß sie vielmehr nur aus'» Reue zeig« werden, wie niedrig und unwürdig die Kampsesari unserer Gegner ist. Denn die »jüdisch« Presse* weiß e» ganz gut, ein Redakteur kann nur ia sehr Men« Fäll« die m den Be» richten gemeldeten Lhatsachen selbstständig kontrolliren, er kann nur )ie Verläßlichkeit seiner Korrespoadeuzen im All» gemeinen prüfen, und wenn ihm diese erprobt oder durch andere waikrre Männer verbürgt ist, so nimmt er di» Berichte auf; wie sollte Einer i» Magdeburg au» eig«em Urcheil die verhältnisie in Prag prüf« könnml Unser Korrespontent ist ein Ehrmmann, da» muß un» genügen; Dinge, wie sie au» Prag erzählt werden, sind auch schon anderwällt vorgekommen. Der Rabbinerverband Hot mit dieker ganzen Angelegenheit absolrt nicht» zu thun; es ist nur orthodoxe Schlaumeierei den Verband hineiozumengea; die »jüdische Presse* und deren Hintermänner, die sich von Anfang in ablehnend gegen den Verband verhalten haben, sind am wenigsten geeignet, Rathschlige zu ertheilen, wie die Ehre de» Verbände» vor Schaden gewahrt werden können. Ja je weiterer Ferne sich die »jüdisch« Presse* vom Rabbinerverbande hält, desto ehrenvoller für dies«. Auf loeiterr persönliche Anrempelungen de» sich meisterhaft auf den Ton erheuchelter ftttlicher Entrüstung verstehend« Blatte» werd« wir im Interesse unserer Leser jede Erwiderung vermeiden; wir würdigt« dasielbe diesmal einer Antwort, well r» unter dm Jnstialm: »U. A. w. §.* so „höflich* darum gebeten; doch für unsere Leser bedarf «» auf di>! Frag« der »jüd. Pr." keiner Antwort, uud für die Leser der »Jüd. Presse" — nun für diese bedeut« die Anfangsbuchstaben „U. A. w. g.* wohl: UndAlle» wird geglaubt! _ vro«atApla«»erei. 8m M. 8. liche Bild de» Renegatenth»»». Rümmer diese« Blatte» zu sch«»» Der erste Bericht, d« uu» die »Wochenschrift* im Monat i'deooLwou gebracht, war der von dem Tod« Sir Bettjamin Samuel Phillip». E» wurde uu» dabei ein Lebeiwdild de» entschlafenen, rdlm Manne» entrollt, wie es un» nur selten vorgeführt wird, und wie e» Jede«, der sein Judmlhum geschätzt uud geehrt seh» will, mit der frrudigst«« Genugthuung erfüllt. Wie uothwmdig ist e» in unserer.Zeit nicht, mit de« Lebensgang« eiueü Manne» bekannt zu werd«, der eine so hohe Stufe der Ehr« erstieg«, nicht» dtstowmiger aber mit seinem ganz», volle» Leb« iw Judmchuw stand, im Judenlhum mit all« sein« gesetzlich« Borschrist«, daß ihm also der Sabbath »och kein überwundene- Standpunkt gewesm und der Symigogenbesuch noch nicht in Bergefltuheit gekommen war. Und wen» wir unter Lausend Glaubm»gmoffeu auch nur ein« einzig« solche« 8 harakter besitz«, und weuu wir anch um auf ein« einzig« derartige» Glaubenstreu« Hinweis« können unter der Mer ge von Lau« und Gleichgültig« auf religiösem Gebiete, so fühl« wir uu« sch« gestärkt in der Zuverficht zu dem Fortbestand unsere» Judmlhum», und jene» widerda» wir in derselb» KtNra«, kau» n» so ziemlich aleichgilti, kaffe». — Ich r» ^ebt eine Kategorie nnserer Glaubensgenoffen, dir e» bei erlangt« «hr» and Auszeichnung» vor Alle» ihre jüdische Angehörigkeit fühl« küßt und ein« Strich durch dieselbe »acht, von de» Kommis «, dem da» Glück in sofe« güuftig gewesm. daß er mit tu d» Vorstand de» — Turnverein» gewählt ward«, bi» hinauf in dem Finanzier, de« sei« Tausende dm Weg zur ober» Klaffe gebahnt hat, hält «aa e» für angebracht, seine jüdische Zugehörigkeit zu ignorir«, »der auf da» Bedeutuugslostfte herabzudrückech Jmer glaubt die Berechtigung hierzu fich an dem — Reck erworben zu haben, dieser dadurch, daß er seine Hände tief, tief in die Kaffe getaucht und zwei Schwiegersöhne vom höheren Militär fich eigeathü«- lich gemacht Hab«. Wa» kann einem Bankier auf solch erlangter Höh« da» Iudmthu« »och sei»? E» würde ihn nur pör« in de« Berkehr mit sein« christlich« Schwieger, söhn«, welch«, beffer al» er, fich de» Judmthum» ihre» Schwiegervater», mehr al» diesem lieb, erinnern, »ud e» ihm nicht in dm angenehmsten und feinst« Formen in'» Gedächtnis ruf« »erde«. Daß die Hochzeit» der Paare am Lersvhuuugstage gefeiert wurde, hat vielleicht dämm seine Richtigkeit, weil wir uu» einen versöhnungstag — ohne »Reue* — wicht denken tinffra. Solch« Erscheinungen find nicht» Seltene», uud die Geschichte unsere» Volke» hat mit ihn« zu rechnm gehabt. Aber da» Judeuthu» schrüt über fie hinweg «ud verlor von seiner Urkraft eb-n sowmi», wie der Baum, von de» einzelne, wurmstichige Früchte abgrsallru find. Sehr augmeh« berührte uns dagegen, wa« na» au» de« Schtistcheu: »Di« Judeufrage* über di« antisemitische Bewegung berichtet wurde, «a« christlicher Feber geflossen, muß dt« vemrtheiluug derselb« u» so schwerer in'» Gewicht fall«. Der verfaffer hat in richtiger weis« darauf hingewies«, was daun geschehm würde, wen» dt« Dmtschm in ander« Ländern Gegmstand der Verfolgung werd« möchten. Judeß deckt fich doch die» nicht recht. Die Deutschen sind in andern Lände« faktisch Fremde, nicht aber die Jude« in d« Lände«, in dmen fie fich ihr Hei»achsrecht mit all« dem erkauft, wa» fie d« Andersgläubig« gleichstellt. Recht aber hat der verfaffer, wen» er di« wtffenschastllche Rassenlehre der Antisemit« iu de» theoretischen Unfiuu und in der praktisch« Barbarei rud« läßt. Er hätte nur noch i« Jnterrffe der inner« Wohlfahrt Deutschland» hinzufügeu soll«, daß es in einer Zeit, in welcher die politisch« Parteizerklüftung eine so starke ist, daß »an au» d« Fraktion« gar nicht heranskounnt, geradezu verbrecherisch fei, ein u«e» Schisma unter da» Volk zu trag«, und diese «rbärntlich« und klägliche Rolle, welch« die Antisemit» übernommen, konnte dem ihr zugedachtm End« nicht entgehe». Täglich «ehren fich die Zeichen, daß dies« au« den unlauterst« Motiv« hervorgegangeue vereinig««; der Auflösung zutreibe, wobei di« Führer der Bewegung in nahezu merkwürdigrr Weise von der Remefi» getroffen »erbeu. »Bvckel* und »Stöcker* grgeaeiuauder, — ein« wirkliche Vtiarlgnäjnü-Geschichte vom »Bickel und Stöckel', — eine lZdnägnäiad-Geschichte mit moderner Verbrämung — — Daß eia Held von der Oper am Jom Kippur da» bluooapd-Gebet uud mit ihm da» Nemnne*to)uii vorgetragen. ist gewiß etwas, da» wir unter die Zetch» der Zeit zu rechne» haben. E» ist vielleicht nicht so schlimm, al» wie es fich anhört, wiewohl der Märtyrer Lob chaaaon es fich wohl nie hätte träumeu lassen, daß sein Opus «inst ein« so künstlich« Behandln«» erfahr« »erde. Jüngst hat «ir et» Herr Pastor Becker au» Breslau einige Ramme« seiner Monatsblättcheu „Dibr» £meth*,! welche für Israeliten und ihre Kremst»« bestimmt sind, zugeseudet. Es wirb darin nichts weniger and drmgeuder * verlangt, al» daß der Jude endlich au« der Finfterniß f«b*g