Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Dt« dritte Red« hat zur Uederschrtft: Eli« im Laude der Heide«. Eli« geht «ach Zarpath |n rt»rr heidnisch« Wittw« und st»dct dort Nahrung d. h. «ach Sch »alb: z«r Zeit der babylonische« Gefangmschaft geht Israel zu de» Heide« u»d findet dart «eue Weisheit, «ad der H«ide«»elt 'wird wieder außerordmtlichrr Gewi»« durch de« Verkehr mit Israel. Die Einzelheit« dieser De«t«»g wolle« wir »icht derühre«, well ««» die» Alle» »war sehr geistreich, «der zu weit hergrholt erscheint; vellrnd» überrascht e» uns, daß ei« so klar denkender Mann sei«» Deutungen a«S für baare Münze siebt, daß Schwalb de« innerste« Sinn der Erzählang getroste« zu haben meint, wa» für eine scharfe Klinge Schwalb zuweilen führt und wie er eS «icht verschmäht sei«« Bilder mitte» aus den alltäglichsten Erscheinungen heran», zugreifen, dafür diene folgendes Beispiel«: „Urberhaupt, da» will ich Luch, liebe Brüder, gestehen, habe ich mich in den letzte« Jahren oft viel mehr erbaut an heidnische« Büchern als a« christlichen; ich gehr eben, wie EliaS, nach Zarpath «nd laste mir dort von der alten Wtttwr einen Oelkuchen gebe», wie man hier zu Bremen sagt einen .Heißen", uns der schmeckt besser, als da« schimmlige Lied christlicher Pfaffen." Schwalb ist auf der rechte« Fährte, wenn er die Ktli« giin der Propheten nicht für exclusiv hält, wir erinnern daran» daß Mose eine Tochter Jrthro'S, de« heidnische« Priester«, zur Frau hat und »an diesem fich belehren läßr, daß Ruth, die edle treue Moabiterin, die Ahne David« ist; u«d im Büchlein Jona »erden sowohl die heidnischen Seeleute wie die Bewohner Ninive'« al« Menschen, die der Mahnung Gotte« rasch ihr Her, »ffaen, geschildert. Diese Beispiele, die fich leicht noch vermehren ließen, zeugen dafür, daß, wie Schwalb mit liecht e« predigt, di« Propheten »icht verächtlich auf die Heiden aiedrrgedlickt habe». (Schluß folg».) Berichte «nd Correspoudenjerr. Deutschland. Maßdeßarg. Der neue Roman Felix Dahn'« .Weltuntrrgang", der im Jahre 1000 n. Ch. G.» dem Jahre, in welchem man den Untergang erwartete, spielt, hat einige Scenen, in denm auch die Juden «ine Rolle spielen. Wir machen Star aus ein Kapitel aufmerksam, in welchem der berühmte lutor nach seiner Art Fragen der Gegenwart im Lichte alter Zeiten beleuchtet. Tin Jude Namen« Jsak, der Sohn edler jüdischer Eltern, war Christ geworden und hatte dea Namen Renatu» angenommen, er war aber einer der ärgsten Korn- Wucherer. Der Bischof tritt mit seinem Begleiter in da« Hau« diese« Renata« «nd sag«: „Ich bin wenig vom Treiben diese« Renatu« erbaut." .Rennt ihn doch nicht Renatu«, Jsak heißt der Jud." .Er ist getauft." Supfo (so heißt dieser Diener de« Bischof«) lachte. .Tauft ihn noch einmal; auf« erste Mal half'« wenig; aber besser: laßt'« ganz bleiben, .wein kann man wässern, nicht Blut". .Ich verbiete Dir so von dem heiligen Sakrament zu sprechen." .Berzeiht mir Herr. Aber ist'« nicht so? Der Glaube wird dauach — vielleicht, vielleicht auch nicht l — geändert. Aber da« Ge» blüt? Da lob' ich mir die ungetansten Juden: unter denen sind vir Besten." »Du sprichst unchristlich, die Taufe bringt ihnen da« Heil." .Ja aber nur, wenn sie daran glauben, we«« sie da« Sakrament deshalb suchen, wenn sie'« aber suchen, weil sie sich ihre« Bolle« schämen und lieber mtt de« Christen die Jude« placke« wolle«, al» sich «it dm Christen vor» dm Jud« placken lasten. Jbr Volk verleugnen diese Aßtrünnigm, und Euch, Herr Bischof, lügm sie vor, sie alaubm; Untreue und Lüge aber dringt «icht Heil, sonoern Schmach." — Im verläuft der Unterredung verbessert der Bischof, der vom .jüdisch«" Wucher und Geiz gesprochm hatte, sich selbst, indem er sich de« Vater« de» Rmatu«, de« «lim Manafle, erinnert, einst ia der groß« Kornnoth viele Christ« gespeist halle. — Interessant ijt c« auch, wie dieser «M der Mutter de« Rmatu» erzählt, daß sie, während Pavst «ad Bischöfe da« Märchm vom Untergang der Welt in der JohaaniSnacht de« Jahre« 1000 glaubt«, fest bei der Meinung blieb, Gott würde seine schöne Welt «icht vernichtm. Merk«. (Eine Momentaufnahme au« dem Reichstag.) Ja die trockme Debatte über di« zukünftige Gestaltung der Reichöbank brachte dir in dem Abg. Boeckrl verkörperte antisemitische Partei ein wmig Lustigkeit und Leb«. Sobald sich der .Reichtherold von Marburg" zum Worte meldet, ändert sich die Physiognomie de« Reichstag«. Di« eben noch so emstea Gesichter klärm sich auf, die ReichSbotea lasten fich bequem auf ihren Fauteuils nieder, kreuzen die Arme und ihre Züge nehmen jmm gespannten und launigen Ausdruck an. den man bei den Lesern der .Fliegmden Blätter", oder bei dm Zuhörern der Borträge de« humoristischm Verein» .Till Eulenspiegel" findet. Der Herr Abg. Böckel hat da« Wort: Der Redner beginnt seinen Vortrag und spricht 2 Minuten lang zur Sache. Alle sehen sich mttäuscht an, al« wollt« sie sagen: Wmn wir etwa« vom Bankgesetz hörm wollen, brauchen wir doch nicht den Abg. Böckel. Endlich kommt'«: Börse, goldme Internationale — au«erwählte« Bolk. Ein Aha der Erleichterung tönt von dm Lippen der Deputirten. Da« Antlitz de« jovialen Abg. Meyer, da« bei dem Anfang der Böckel'schen Rede sich ia Falten gelegt hatte, zeigt ein heitere« Lächeln. Der Abg. Meyer ist ein Freund de« Humor«, mag er freiwillig oder unfreiwillig sein, wenn er nur gut ist. Endlich schließt der Redner und die Debatte schlägt wieder die gewohnten ernsten Bahn« ein. Wir erheben un«, und in dem behaglich« Gefühl, rin amüsante« Biertelstündchen verlebt zu haben, verlassen wir dm Reichstag. P. Aerti». Der „Verem deutscher Studenten" hat seine Produktionen während der Wintersaison durch einen .schneidigen" Commer« eingeleitet, über welch' hochwichtige« Ereigniß die .nationale" Berliner Tageöpresse spaltenlange Berichte bringt. Danach hat der zeitige Vorsitzende diese« Berein«, ein Jüngling, der GotteSgelahrtheit studirt, und einmal die Religion der Rächstmliede predigen soll, einm länger« Speech gehalten, au« dem hervorgeht, daß der genannt« junge Mann die Leitartikel der .Staatibürgerzeitnng" und da« .Bolk" mit achtungtioerthem Erfolg gelesen hat. Er feierte .den AntisemittSmu«, zu welchem jeder denkliche (?) Dmtsche gedrängt werden muß, der ein Berständniß hat für die Würdigung der höchsten national« (ahal) Güter und ein offene« Auge für die Gewalten, welche chm dieselbm raube« wollen." Der Redner sprach dann noch einige Sätze, in dmm die geläufigen Schlagworte: „nattonal, rein-deutsch, voll und ganz", in mehr oder minder passende« Zusammenhang vorkamm und die bei solchm Bierreden übliche Begeisterung auf die — animirtm Hörer auSübtm. Wir hätten von diesen unreifm Kundgebung« unfertiger Jünglinge natürlich keine Rotiz genommen» wenn diese AuSlassungm nicht dadurch eia« gewisse Bedeutung erhiAten, daß eine Anzahl reiferer Personen, wie Universität«- docmtea» von dmm roir nur dm Prof. Strack, Letter de« Irrotitntuva Jad&ioom nennen, Pastor«, Offiziere jmer Versammlung beigewohat Hab«. Diese erwachsmm Person« habm krstrm Anlaß genommen, den unklaren jugendliche« Redner zu rorrigirm, »der ihre Mißbilligung über seine Aeußerungm «wSjusprechm und, wie eia« römisch« Recht«- maxune sagt, qoi tioet oonsenti» yidetar. — Der Flügrladjutaat Leuß de« chrsttlich-sozialm Compagniechef« a. D. Stöcker lädt im Auftrag« seine« Häuptling« dft.Christlich-Sozialen" zu einem Familten«bend eia, dm der Stöcker durch sein Erschein« »nd ein« Bortraverschöner« werde. Hinter dm Couliflm wird also eifrig weitergearbritet, well man «icht dm Much hat, off« der un Reichte nzoaer ausgesprochenen Erklär»»- dü» Kaiser« entgegenzuhand«». — Ehrenmänner diese Obskurant«, «icht wahr? j