Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956618--7352-5373377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 856 — alft daß fic »u» eigener Kraft «it Fleiß und Beharrlichkeit eine Lebentslellung sich zu erringen trachten? E» ist traurig, daß oft genug jüdisch« Studenten selbst in dar Lied von der jüdischen Vordrängerei und Streberei «instimmen. ES zeigt sich darin eben eine Eigenschaft, welch« nicht den jütischen Studenten von seinen Glaubensgenossen unterscheidet, aber doch bei ihm besonder» auffallend wird, der Mangel an Selbstachtung. Wie finden Sie eS. daß ein jüdischer Student .Dissident" wird, um in eine Burschenschaft ausgenommen zu werden, welche Juden die Aufnahme verweigert, was sagen Sie zu der folgenden Aeußerung einer jüdischen St identen: »Die Verbindung muß sich schämen, unter 5 Miigliedern 2 Juden zu haben!"? Hunderte, Tausende von Juden haben nicht de« Manne»- stolz. sludrn ischen Gesellschaften fern zu bleiben, in denen sie immer tut geduldet werden; wie die .Kreuzzeitung" ganz richtig bemerkt, haben Korps wir Burschenschaften heute das zwar nicht statutengemäß«, aber durch stillschweigend« Uebereinkunft gesicherte Bestreben, sich .judenrrin" zu erhalte». Glücklicherweise bestimmen die Verbindungen nicht allein da» gesellige Leren der deutschen Studenten; außerhalb jener findet mau doch noch, vielleicht ausgenommen Berlin» Leipzig, Marburg, eia gäuzlich harmlose», unbefangene» Nebenrinandergehm und Verkehren jüdischer und christlicher Studenten, wenn auch vorwiegend, wie schon die Tischverhältnisse!» mit sich bringen, die Juden miteinander verkehren. Vielleicht liegt e» an dem Ausschluß an» den Verbindungen, welche nur allzuost Pflegrstättr» de» Trunkes sind, daß der jüdische Student mäßig ist; der alte Herr au» dem S. C., der über die Hetz« gegen die deutschen Studenten sich beklagte, «eint da«: Berständnißlosigkeit des Juden für echt deutschen Frohsinn. Desgleichen nennt er es Schachergeist, oder, ich «riß nicht mehr wie, daß die Judenpreffe — damit weiten die Herren Junker bekannllich vorwiegend deutsch-freisinnige politisch« Zeitungen — sich ablehnend gegenüber ixm Mensureuwesen verhält. Run theilt aber der jüdffch« Student durchaus nicht dieses ablehnend« Verhalten; wie es nun einmal studentischer Brauch, giebt er Satisfaktion; schon mancher jüdische Student hat auf der Mensur Beleidigung« seiner Konfession gerächt, mehr als einer ist leider auch schon im Zweikampf dem verächtlichen Zwietracht-Iwerk des Antisemitismus zum Opfer gefalle«. Aber da» stört die braven Antisemiten nicht, fie lügen ruhig weiter von der Feigheit der jüdischen Studenten. Aus alledem erkennt man, daß der jüdffch« Student auf deutscher Universität nur durch die äußer« Verhältnisse gezwung« «ine Sonderstellung eiunimmt, währmd er im wes«tlichen ganz und gar in der wiffmschastlich« und gesellschaftlichen Sphäre lebt, denkt und handelt, welche da» Wes« des d«ffchm Stud«tm ausmacht, fleißig, furchtlos, frei und st oh. Nicht Student«,sondern Predigerund Professor«, Hab«dm Samen de» Racmhaffe» in die Lehrsäle getragm, Hab« dm empfänglikM Herzen dmtscher Jünglinge statt politischer Ideale chruvinfftische Hirngespinst« von sog. „nationalem Egoismus eingepflanzt. <t beste Beweis für die künslliche Züchtung lies Antisemitismus aus den deutsch« Universität« ist sein Ahlen überall da, wo chm kein Apostel »vier dm akademischen Lehrern erstand« ist; untz da» ist glücklicher» weise der Fall auf der weitaus grüßten Mehrzahl der Universität«. (S. weiter unter .Leipzig".) ) «ie der liberale Pastor Schwalb sich de« Propheten Eliaznrechtlegt. n. Schwalb nimmt für seine GcsinnungSamossrn, die fteistnnigm Pastoren, da» Recht in Anspruch, sich die Nachfolger de» Elia nmnm zu dürfen, sie negier« wie dieser de« Jrrthum und schaffen dadurch Raum für die Wahrheit. I» der That ist nicht» so absurd, wie dieser Vorwurf der Negation. _ Voltaire schon hat ihn mit dem energischen Satze widerletztr .Ich befreie euch von einem Tiger, der euch erwürg« will, --» und ihr ftagt noch womit ich ihn ersetzen werde." Aber so glänzmd auch diese Rede Schwalb» sein mag, so bleibt doch die Frage, ob diese Deutung des schlicht« Satze»: »ob diese Jahre Thau und Reg« sein werde," nicht weit hinausgeht selbst über die Freiheit, welche dem Midrasch und der Homiletik eingeräumt wird. Der, Talmud beschäftigt sieb am Schluß des Traktate» Synhedrin gleichfalls mit dieser Prophezeihung de« Elia; auf der ein« Seite wird Elia's Zorn 'gerügt, andrerseits wird zur Enllastung des Prophet« der Sachverhalt so dargestellt» als Hab« «an damals die Thora verspottet, in der doch geschrieb« steht: wmn ihr sündigt, wird Gott dm Himmel verschließen, nun habe aber Ahab aller Orten Gütz« aufgerichtet, uud der Reg« bleib« nicht au», — erst auf dies« Spott hin habe Elia gleichsam in der Erfüllung der mosaisch« Verkündung, die auf Götzendienst dir Strafe des Regmmangels setzt, die hart« Worte gesprochen. Im Uebrigm verschließt der Prophet dm Himmel, um d« Himmel zu öffa«, um durch Strafe zu bessern. Die zweite Red« Schwalb» hat d« Titel: Die Rabm ernähr« den Propheten. Die Rabm, die diebisch« Vögel sind di« negativ« Gedankm, di« dem Prophet« vieles , nehme« von dem, woran das Volk glaubt, was das Volk erfreut, aber daun in der Einsamkett ihn sättig«, denn der eine Bott bleibt ihm. So sei« die freisinnigen Prckiger Rabm. die dem Volke liebaewordeoe religiöse Vorstellung» raub«, .aber wtt müffm die L«te immmer wieder rriunem an da» vrod und Fleisch, das in dies« Negation« unter einer sehr dünn« Hüll« »erborg» liegt; wir »üff» die Leute lehren merk« aus die Wuuder, tu den« fie leb» uud »eb«: wir «üff« die Leute lehr«, i» jede« Mensch» das Göttliche erkenn«, empfind«, verehr», und nicht i» Jesu allein, von de» wir so w«ig wiff«; wir «üff» di« Leute lehr«, »aß es für «ns jedm Tag eine Taufe »eb» soll und ein Abendmahl durch di« Gemeinschaft unseres Geiste« «ü dem Gottesgeist; dann find wir die Rabe», die Gott gelehrt hat, Brod uud Fleisch de« Elias bring« morgens und abends" Niemau» wohl kan» fich dem Ein»ruck dieser eminent geistreich« D«t«»g «tzieh«; die Rab» «hm» und nähr», nähr«, indem sie «ehm«, »die Rab« find wahrlich sehr nützliche Vögel, viel nützlicher als die schön« Papagei«". .Die Mmschhett gedeiht nicht blos durch ihre Freud«, sonde« viel mehr »och durch ihre Schmerz»" In der Einleitung zu dieser Rede spottet der Autor über die sonderbar« Erklärungsversuche, die dieser Erzählung der heftig« Schrift zutheft geworden find. Bekanntlich Hab» die Rad« auch dem Talmud, wie am Anfang des Traktats Ehulin zu lesm ist, viel zu schaff« gemacht; ja diese Tal- »udtst« ging« soweit, die Rab« schlechtweg aus der Er« zähluug zu streich«; nnd j«er andere talmudische Bericht, daß Brod uud Fleisch dem Elia aus de« Hanft Ahab» h«« beigebracht wurde, ist auch , manch witziger nnd erbaulicher Deutung fähig.