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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 45. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 45.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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♦atliftlwM a» kn gftfKtaen. Die mündlich« $rftfnng erst reckte sich eingehend nnf die »erschieknm Abschnitte der ReligtowRetzre. kr jüdisch« Gesöjichtt und «ns Uekrsetzen MN» der Ltbel und Grammatik. — Vechenreteh-U«-«». Vrrlß, 1. Rovember. (Or. - Lor.) Dt« vorzügliche, fachgemäße, ou» der gründlichsten Kenntniß der hiefigm Berhältnifle erwachsene Eorrespondenz in der jüngsten Nr. der ^Wochenschrifthat in kn gemüßigt« Kreis« hier allge- '»eine Billigung gefnnkn. Vortrefflich ist der Artikel nicht nur durch da», wo» er mittheilt, sondern auch wegen deff«, >»a« er verschweigt! vielleicht gelingt e» diese« und ähnlich« Artikeln noch, da» d« Fried« unserer Gemeinde droh«k Unglück von ihre« Haupte abzmoenkn. Man hat draußen im Reiche kein« Ahnung von dm Motiv«, die hier kn Gnesmer Rabbiner ol» Hanptkandidaten auf der Bild- K erschein« lasten. Der Hanptagitator für dmsilbm n kkannler hiesiger Jargon-Schriftsteller, der auf diese Weise sein Schriftstellerhonorar in der »Jüd. Presse- und im »Israelitwett mache» will. Er trat ursprünglich sogar sür einen Subredactmr der „Jüd. Presse-, ein« nun stellenlos« Rabbiner au» 8iban in Rußland, ein. Ein ankrer wirklich einflußreicher und herzensguter Mann, kr e» sonst sehr aufrichtig und tt« mit dem Judmthum und der friedlich« Entwicklung unserer Gemeinde meint, wird von Hamburg nu» beeinflußt, woselbst m« an Shr«feld in Gneseu gedacht Sioben soll, wenn Hirsch nicht angenomm« hätte. Folglich st Hirsch e» dem'Ehrenfeld schuldig, ihn zu seinem Nachfolger in Prag zu defiguireu. Hieran knüpft sich noch eine andere Lombiuation: Wird Gnesen frei, so wird daselbst Raum für einen ankrn Rabbiner, der in einem klein« Städtchen der Provinz Pos« fnngirt, und d« nahe Verwandtschaft mit einem hiestg« Gemeindevorsteher verbindet. Herr Ebrmfeld müßte also, um hier gewählt zu werden, die Ehrenpflicht übernehmen, dem verwandten de» hiesig« Vorsteher« nach Gnes« zu verhelfen, sowie Hirsch nun seinen Einfluß anfbiet« muß, Ehrenfeld durch Prag zu entschädig«. So wäscht eine Hand die andere. Und wa» sag« die Gemeind« und ihre Repräsentanten, w«n man «eist über ihre Häupter hinweg Interessen» und Familienpolitik treibt, kn schmählichsten Nepott»«u», wie er im Judenthum stet» verpönt war, nnd die GemriUderepräsentanz zu einer Null herabdrückt, ihre Vertreter, zu Marionett«figurm macht, die von Händen hinter den Kouliff« gezogm werden. Zn einer solch« Rolle soll« würdige Männer, die Zeit «tnd Mühe zum Dohle der Gemeinde opfe«, sich hergeben? Ich will nun noch einige» in de« trefflich« Artikel der vor. Nr. nur Auged«tete hier etwa» näher beleuchten. Der Oberraddiner in Prag hat nach einer Ministerialentscheidnug da» unbedingte Entscheidung»recht in Lultn»- srag« kr einzeln« Syuagog«, damtt selvstverständltch auch di« Verantwortung, ttotzkm konnte Hirsch die unter seinem Oberrabbinatt stattgefundme Einführung de» dretgttheiltm Thoravorlesnug-Lycln» in einer Synagoge nicht nur nicht hink«, sondern er mußte, al» in »er Metselstznagogr da» Rabbtnat »acant und der Rabbiner kr Nmsynagoge krank wurde, in dies« Gotte»hänse« unter Orgelcklang (hört! hvrtl) und Mädchengesang da» Minchah- Sekt verrichttu und Trauung« vornehmen, ja al« später dt« Zigeunersynagogr nach de» Muster kr drei groß« Gotttdhänser Musik und Mädchenchor einführte, predigte er wetttr in dieser Synagoge und Alle» wa» er erlang« konntt, war, daß während seiner Anwesenheit R» Zwecke der Feterlag»predigt die Sängerinn« hinter einer Wand verschwand«. — Die Ernennung eine» Orthodox« Rabbiner» von der bekannten Eouttur ist übrig«» schon deghalb problematisch, weil der Betusfende sich vor Annahme de» Amte» bin!»« muß, in gewisse Dinge trotz seine» Juchte» nicht einjugcrifm. Wenn diese Ber- . psttchtuug auch nicht an die OeffmtlichkeÜ dringt, so ist damit «d» Abweich« von kn Mainzer und Berliner orthodox« Wnsung« von vo«herein gegeben. Ueirtgm» hat die fbiltatoauink dem zu »ählmden Oberradbiner Ginko««« und Wrrknngskrei» jetzt so beschränkt, daß e» mit de« de» abgegangm« Herrn gar nicht verglich« »erd« kann. Die Prediger wurden sämmtlich zu Ravbinat-affeflorm mit un« beschränktem Traurechtt für die ganze Grme nde emannt, de« Prediger der Reulyaagoge wurde die Rabbinattzverwesung in Gemeinschaft mit eine« nmemannttn Dajau ercheilt. Aemter die von dem Oberrabbiuatt viel abbröckeln, wmn der Ren« zur«ennmk nicht wieder durch gemiethett Agent« da» Functionradjag« nach Muster de» hiesig« Tandrlmarkte» in» Leb« ruf« will. Rur vier bi» fünf Familien, die wirklich orthodox sind und da» Bedürfniß nach einem Ohillak Hab«, und einige Synagogen, dir ohne Kost« zu eine« Gelegenheit»- und Festprediger komm« wollen, sind für Einsetzung eine» Oberrabbiner», der seine Stellung hier nur dann behaupten kann, wmn er darauf verzichttt, eine religiöse Uederzeugung in der Oeffentlichkeit zu bethättzen. Ein kleine» Beispiel. Der Oberradbiner ist Inspektor de» Religionsunterrichte» an dm Mttttlschulen (ca. 1500 Schüler t»r Eonfesston). Der hebräische Unterricht wird in dm Klaffen ohne Kopfbedeckung (hört! hörtl) ertheilt. Da» war de« Oberradbiner Hirsch natürlich nicht recht, e» zu ändern durfte er nicht «m Mal Mime machen, so trieb er e» nach Manier de» Vogel Sttauß und besuchte die von ihm »inspicirtm* Mittelschulm während seiner 10jährigen Amt«- thätigkeit nicht ein einzige» Mal. Me er sich in den Volksschulen, die er wohl zu inspicirm pflegte, mit seinem Gewissen abfand, weiß ich nicht. Wie weit die dem Oberrabbiurr auferttgtt Pflicht de» Schweigen» und Augenschließ«» geht, mag daraus hervorgeh«, daß er kranzgeschmückten Särgen, an deren Seitt die Spaliere angrzündett Fackeln trugen und dm« Mufikchöre voraugingm, folg« muß und, mit einem Wortt, die Pflicht hat. Alle» gutzuheiß«, wa» ihm Vorsteher und Beamte der Eultu»gemeiade vorschreib«. Dafür hat er da» Recht, mit einem pipulistisch« Kniffchm da», wa» diese Herren wollen, al» im strengreligiös« Sinne begründet zu bezeichnen. -rat«», den 16. Oktober. (Oc.-Lor.) Vorgestern fand hier die Wahl de« Cultusvorstande» statt und wie seit einer Reihe von Jahren ging die Fortschrittspartei al» Siegerin he» vor. Dir Wahlmanüver der schwarz« Opposition vermacht« nicht« an der Thatsache zu ändern, daß die Majorttät unserer Gemeink nicht» mehr von dm Zelot« miss« will, knn die Zeit, während welcher sie am Ruder war« und alle» terrorssilttn, ist noch bei Jung und Alt im traurigen Anknkm. Diese Remmiscenzen sind auch wahrlich nicht darnach ongelhan, ihr Regime zurückzuwünschm. Soll «» aber dies« chassidischm Ultra'» nie mehr gelingen, unser Gemeinwesen an sich zu reißen und durch Obscuraniiamu» nach Inn« und Außen zu verdunkeln, dann muß di« Gemeinde-Rqiräsentanz sich ihrer civilisatorischen Aufgabe kwußt sein und e» an lhatkräftigem Wirken nicht fehl« lassen. So ist e» z. B. schon sehr an der Zeit» kn hiefigm Predigerposttu zu besetz«, denn um ein« gutrPrrdigt zu hör« besucht der Gebilkte zumeist kn Tempel. Freilich ist hier di« Wahl eine» Predizer« eine sehr schwierige, denn in erster Reihe muß die Kmntniß der volnischen Sprach« verlangt werden und die Zahl der polnisch sprechenden Eandidattn ist eine überau« kschränktt. — In Lemberg stehen dtt Sach« ebmso und mit Recht plaidirt die Ojcnynnn — Vaterland — da» Organ der AgacUs Achim, für eine Besetzung de» nach km selig« Löwmstein vacant aewordm« Posten» durch «nun Prediger polnischer Rationautät, denn nur eine PrÄnat in polnisch« Sprache vermag auf da» Äemüth nns«« Schuljugmd eurzuwirken. Da» gmannte Blatt schreibt, nur Dr. Dankowiq, früh« in Krakan jetzt in Vulgär««, und der rhetorisch sowohl, wie wissmschaftlich sehr befähtgtt Dr. Klüger,*) zur *) vir «erden sein nevrpe» vuck: »Geschichte der Juden in der bobtzlonUchen Gefangenschaft. 1. LtzeU. 1««.- t« ^ötttrratnrblattdemnschft besprechen.

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