Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Für predigt nnb Religionsunterricht ist nbmDcitig gesorgt unb für bo« halb« Dutzend Leute» »elche Jntereffe ai einem talmudischen IW oder au de» beide» »fficielleu habe», ist dir Anstellung eine« Oberrabdiuer« eiu Luxus» da für diese ein gallischer .Klausnermindestens daffrlbe leiden würde. Diesel» Handvoll bildet die Prager Orthodoxie» während die größt Mehrzahl» der an 20,000 Seele» zahlenden Gemeirde nie!,«» weniger als orthodox ist und selbst unter den Orthodoxe« die Mehrzahl aus solchen besteht, di« nur den Rabbiner orthodox haben «ollen, weil fie meine», daß die Prager @t meinde verpflichtet sei, einen wuwificirten Ezechiel Landau für de« Frrmdrudesuch vorräihig zu halten. Sollte aber der Oberrabdiuer es sich einfallen taffen, die Gemeinde orthodox machen zu wollen so würde er sehr bald die Grenzen seines Könnens gewahr »erden. Ich will z. B. aonehmen» der neue Oberrabbiner »ollte, wie es ei» orthodoxer Rabbiner in einer böhmischen Grmriode und die Hildesheirier'fche Schule in Berlin thut, die Schuljugend dazu verhalten» ihre Bücher am Sabbath nicht in die Schule zu tragen, so würden ihm im kreise des Borftaodes die ersten Gegner erwachsen vnd, wen» er den Versuch wagen wollte, eine coofesfionell-jüdische Schule zu gründen um wenigsten» einen Theil seiner Gemeind« zu sog. »frommen Judenzu erziehen, würden dieselben Factoreu, welche seiner» zeit eine Petition an den Reichsrath um Verwerfung des Lirchtenstiu'schrn Antrages einreichten, dem Oberrabbiuer ein so deutliihes und mächtiges „qnos ego“ zurufeu, daß er »echtzeiti,, die ErfUglofigkeit seines Unternehmens eiosehe« würde oter müßte. Aut dielen Thatsache» und unwiderleglichen Schlüffen geht Hertor, daß jedermann irrt, der etwa meint, daß der Oberrabl.iuer in Prag wirklich der geistige Führer der Gemeinde >ein könnte. — Die Frage nach der Nothwendigkeit der Besetzung dieses Post ns wird »och weniger bejaht «erden könne». Unkere Gemeinde hat drei Prediger, einen Da ja» und metrere zur Seelsorge befähigte, zu« Theil auch darin verwendet« Religiooslehrer, jedenfalls Männer, di« zu ihrem Kmte vollständig befähigt find, da die Gemeinde fie als Seelsorger anerkennt. Warum, fragen wir, wählt die Gemeiulie einen neuen Rabbiner, der keine Kompetenz über die anderen Seelsorger hat und nur durch seinen Titel nach anßen tin den Anschein gewinnt, als wäre er der Vorgesetzte seiner Kollegen? Siillte nicht hier mit größerem Rechte da« Gesetz gelten, welches bei der Thoravorlesnng gilt? KN2' »2 {TD “tfW JTD pro-! yp «D dito (Sittio 59 d). Wen« das Gesetz über die Ordnung im Synagogenenltus den Hanfirer Abraham Katz davor schützt, daß er für weniger gelte, als der Fellhändler Moses Sohn, warum soll denn «in fachlich tüchtiger und von der Gemeinde auerkannter Seelsorger gegen eineu Kollege» derart znrückgesetzt »erden daß Markus Rosenzweig aus Loutrikowitz es glaubt, seinem Ansehen schuldig, zu sei», seine Tochter von keine» andern als de« letztere» tränen zu kaffen. Tie arge Verwirrung, die darin herrscht, wird »och dentltcker, wenn mau au die Persönlichkeit denkt, auf die nun hier das Hauptaugenmerk gerichtet hat, eine Persönlichkeit die zu jene» gehört, deren höchstes Ziel das Hervarrusn und Steigern separattscher Gelüste in der Gemeind« ist, und die wohl fich hüte» werden» zum Kaffe eine Serviitte zu verwende», mit der fl« fich Mittags bei Tische de» Stund gewischt habe», weil das nach ihrer.Anficht in der talumdisiheu Deutung des Gebotes 2TTD '*D 7TOTI1O DK enthalte» ist, di« aber nach der ebenso antoritative» Dentvng des Gebotes 1N-MNN 90: .Ihr sollt nicht in euer eigenes Fletsch schneide», indem ihr Parteiungen bildet-, nicht « Mindeste» frage». .')ch will, um wicht persönlich g» »erde», dt« Sach« hier nicht de«tlich«r ne»w«o, Mer di« gGottllche «eituum hat rin licht, stch de» Sitze eines Vereins für geregelte» Gottesdienst, eine»- Manu bernfeu will, der »or Gericht drpouirt »nd beschworen hat, daß die Thoravorlesung kein integrierender vestaadtheil des Gottesdienstesei, daß mau also «»gestraft »ährend drffelben in der Synagoge eiuander beschimpfe» und durchprügel» dürfe, ohne dadurch auch nur eine« religiöse» Gemüthe Aergrruis zu geben, obwohl doch auch im Kollniodnn-tiiraol» der talmndische Ausspruch vorkommt: .Man darf fich im Gottrshanse nicht leichtfertig oder - unanständig betragen.- .V9H nr?p N2 piTÖ p* 3T3 Anderskits find es doch dieselben Herren, die j'de Förmlichkeit in der Thoravorlesung als e ne gehkiligie mosaische Einrichtung betrachten und Zetrr schreien, wen» »au etwa beim Miucka-Gottesdienst am Versöhnuogstag eine paffender« Lrction riuführeu will. — Ich könnte nun noch von de» Vaterlande des in Ausficht genommenen Eandidateu sprechen, da es auch kriuesweges unterschätzt werben darf, daß für «ns nicht nur hier, sondern im größten Theile Oesterreichs und Deutschlands die Thora von jenseits der Leitha und das Wort Gottes von hinter den Karpathen ausgeht, eine Schmach schon deswegen, weil es den Herren drüben gar nicht einfällt, Reciprocität zu üben, doch will ich das meiner nächste» Eorrespondenz überlaffen, wofür ich mir. Herr Redaele»r, Ihr; Geneigtheit erbitte. N. #u Angara, 22. October. (Or.>E»rr.) Au den jüngsten hohen Feiertagen hatte der Vorstand der Pester Religions-Gemeinde den königl. Hofope osänger David Netz für die Vorträge einiger Soll in dem großen Tempel der Tabakgaffe gewonnen. Da« fiegreiche Auftreten de« stimm« begabten glaudensgenösstschea Sängers hatte zur Folge, daß demselben der Antrag gestellt wurde, seine Verbindlichkeit» mit der Oper zu lösen und die Anstellung eines Lantors der Religion«-Gemeinde, an der Seite des nach ruhmreicher Wirksamkeit der Ruhe bedürftigen Oderkantor« Prof. Friedmann, mit 10 000 Gulden festen Jahres-Gehalts aazunehmen. Uebergäuge von den geheiligten Stätten des religiösen Tultu« zum Eultu« der Kunst find bei Sänger» nicht mehr — neu. So erinnern wir uns, daß vor Jahren, während der Periode des sel. H. v. Huelsen. des General- Intendanten der Königl. Preußischen Hokbühuen, eia Pra^r Eantor H. 8. als Hofopernsäugrr in Wiesbaden ar-gestellt wurde, und wäre derselbe in Berlin engagirt worden, wenn er, nach der Meinung des verstorbene« Intendanten, um einen Jtatf höher gewachsen wäre. — Doch der Fall, dafi eiu Sänger von den Brettern, »»elche die Welt bedeute»-, in die jüdische Welt einnekehrt wäre, zur Hebung der Andacht und Erbauung religiöser Gemülher. ist wirklich ganz — neu. Immerhin liegt darin ei« ästhetisches Moment, das tu der Kirche »olle Berechtigung hat, im Lebe» aber nicht immer Glück «acht, besonders bei weder ästhetisch «och ethisch veranlagte» Natureu. Eine« Rabbiner in Szvluok tz B. hätte sein ästhetischer Sinn verhäugnißvoll »erd«« könne«. Zn» nächst muß hervorgehobeu werden, daß die ungarisch« Natwn ritterlich und ungarische Frauen die Ehr« verdiene», daß der Handkuß als Zeichen der Huldigung für sie landrsübttch geworden ist. Der galante Rabbi glaubte hinter dem Ge» schmacke der Zeit und des Landes, in ästhetischer Hinficht, nicht zurückbleibe» z» dürfen, und di« Folae davon war, daß das alte Breslauer Wttzwort: „Gestern Prediger, heut« „küßt — er- (Küster) i» den Szolnoker Gertchtssäle» sei«« de» jüdische» Geistliche» »ah« günstig« Illustration gesunde» hatte. Der Gemahl der Dame, welcher der Rabbi mit eine» Handküsse sttne Ehrerdiettgkrtt bewiese» hatte, war »»gastlich »nd »»ritterlich genng, de» über jede» Argwohn sittlich erhabene» Geistliche» in moralischer Hinsicht öffnttltch zu verdächtige». und der Rabbi hatte d«ch nnr die — Ha»d geküßt. — Dies« Berlänmdnng eines jüdischen Geistliche» durch eine» Ntchtjnde» mnßtt nun ber Letztere »tt einer nicht nuerhedlichen Geldstrafe büß«», pe »elcher M; Bezirksgericht de»; m—n JbnatbciÜ batte, der. wlivdtAtM mlaat. utemal«