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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 842 - Fortsetzung seiner im vorigen Jahre mit grobem Beifall begonnenen Vortrags über „die historische Entwicklung de» Ingendunterri chts nach Bidet und Talmud" zu liefern und Levy Norden übernimmt die Behandlung eine» poetischen Lesestücke« mit Lehrprobe. — Bei der BorstandSwahl wurden die Herren Levy-Nordcn und de Brie«>Weener, erstrrrr al« Vorsitzender, letzterer al« dessen Stellvertreter, wieder» und der Unterzeichnete al« Schriftsührer neugewählt. Sämmtliche Herren nahmen die Wahl dankend au. Mittlerweile war es 1 U h r geworden und es wollte n>n auch die Magenfrage ihre Erledigung finde-. Nachdem der Vorsitzende de« Herrn Landrabbiner für seine rege Theilnahme an den Verhandlungen der Konferenz namens derselben Dank abgestattet hatte, erwiderte Herr Dr. Buchholz, daß die Konferenztage zu den angenehmsten seines Lebens gehören und schloß unter Dank für die treffliche Leitung mit den besten Wünschen für da» fernere Gedeihen unsere« Brreins. Nach der anstrengenden geistigen Arbeit fand nun das gemeinschaftliche Mittagsmahl statt. Küche und Keller in Nordheimer« Restaurant waren wohl bestellt, und bald machte fich die fröhlichste Laune bemerkbar. An den ersten Toast, der selbstverständlich unserm erhabenen Kaiser galt, reiheten fich viele andere ernsten und heiteren Inhalts. Mit dem Bewußtsein 2 genußreiche Tage verlebt zu haben, trennte man sich unter dem gegenseitigen Zuruf: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahre." Norden, im September 1889. Der Schriftführer F. Israel. Gerichte und Gorrespoudenfen. Deutschland. Magdebnrg, 29. Ostober. Herr Prof. Di. D.Kaufmann schreibt im dieSwöchentlichrn. „Jewish Chronicle": Am 22. d. M. trat Herr Sanitätsrath Dr. Salomon Neumann in Berlin in sein 71. Lehensjrhr. Sein Vater lebt« in Pyritz und kämm dessen Borfahren vor mehr als 200 Jahren bei der JudenauStreibung au« Mähren nach Preußen. Or. Reumann erhielt eine streng religiöse Erziehung und eignete sich rin reiches hebräische« Wissen an. In Halle studirte er Medizin und besuchte später auch ausländische Universitäten und Spitäler. Seine erste Schrift „die öffentliche Gesundheitspflege und das Eigenthum" erschien 1847. Er betheiligte fich eifrig an allen socialen Fragen und trat mit Energie für die Sache seiner Glaubensgenossen ein, wozu ihm seine Wahl zum Berliner Stadtverordneten die beste Gelegenheit bot. Hier focht er an der Seite von Virchnw für Eultur und Volkswohlfahrt. Bei Gelegenheit seines 28 jährigen Stadtoerordnetrnjubiläums überbrachten ihm die Herren von Forckenbeck-(Oberbürgermeister), Birchnw und andne hochgestellte Würdenträger die Glückwünsche der Stadt. Auch für die „Alliance JSr. Universelle" legte ec stets großes Jnterrfte an den Tag und war einer ihrer eisiigstm Förderers 1888 vertheidigle er dieselbe gegm lügnerische Angriffe in seiner Schrift „dir neueste Lüge über die Israelitische Allmnz, rin Probestück aus der antisemitisch« Moral". Gegen Herr» vou T r e i t s ch k e' S Petition um Beschränkung der Jndrneinwanderung trat er mir statistischem Material an die Oeffentlichkeü, in welchem er die Grundlosigkeit der gegnerischen Behauptungen schlagend nachwus und die dieSbezügliche Schrift „die Fabel von der jüdischen Massenein- Wanderung" wnrde als ein Errigniß begrüßt; der Landtag schloß sich nach einer zweitägigen Debatte den Ausführungen Dieser Schrift vollinhaltlich an. Zu Dr. Zunz' 90. Geburtstagsfeier schrikb er: „Zur Statistik der Inden in Preußen von 181« bis 1880." *) vir gedenken dankbarst feines mnthtgea Eintreten» für dieselbe die „Malower »Kristeller-Lazarns'schen Lostrennu» odversuch« . onderbnnd mit de« Sitz in Berlin) ans der Delegtrten-versa»»- lnug in Berlin a« 9., 10. a. 11. Dezember 1879. (Ru.) Auch zur Bereicherung der jüdischen Wissenschaft hat Dr. Reumann wesentlich beigetragen und die Anregung zur Herausgabe der Zunz'schen .Jabelschrist" ging hauptsächlich von ihm aus. Die nachgelassenen Manuskripte von L. La ndshuth hat er ebenfalls vor dem Untergänge gerettet Möge es dem beruflich und außerb.-rufl'ch vielbeschäftigten Manne vergönnt sein, an der Seite seiner treuen, der Familie des berühmten R. Jesajah Hurwitz entsprossenen Gattin, noch recht lange die jüdische Wissenschaft, für welch« er auch so Marches geleistet, blühen und Früchte tragm zu sehen zum Heil und Segen eines Geschlechtes, um da« sich Herr Sanitätsrath Dr. Neumann so vielfach vndie.it gemacht hat. Zßerkk», 28. Oktober. Wie seiner Zeit mitgetheilt wurde, hatte ein Kaufmann in Gera an einen Mandanten des irrthümlich für einen Juden angesehenen Rechtsanwalt» Dr. Sello geschrieben, daß er einen jüdischen Mandatar al» solchen nicht anerkennen könne, „weil derselbe vermöge seiner Abstammung und Religion verpflichtet sei, die Christen zu betrügen". Rechtsanwalt Dr. Sello drautragte darauf bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht Berlin I. die Einleitung der öffentlichen Klage gegen den Briefschreiber. Diese lehnte d>e Staatsanwaltschaft ober mangels VorliegenS eine« öffentlichen Interesses kurz ab, und die auch hiergegen bei der Oberstaatsanwalts last am Kammergericht angebrachte Beschwerde blieb ohne Erfolg. Gegen diesen Bescheid legte Dr. Sello weitere Bsschwcrde bei dem Justizminister Dr. v. Schellinn ein, indem er geltend machte, daß durch den incriminirten Satz auch die nicht-jüdischen Rechtsanwälte getroffen würden, indem ihnen das Zusammenwirken mit offenkundigen Betrügern zum Borwurf gemacht werde. Gestern Hit nun der Beschwerdeführer den Bescheid erhalten, daß die Staatsanwaltschaft beim Landgericht L angewiesen ser, die öffentliche Klage gegen den Briefschreiber zu erheben. Miestzade», 28. Oktober. Hier ist dieser Tage bet M. Limbart ein Schriftchen: „Die Juden frage" von Karl Schmidt erschienen, das diese auch nach der Kaltstellung Stöcker's noch immer brennende TageSftage in durchras ruhiger und würdiger Weise vom wahrhaft humanen Standpunkt bespricht. Nachdem der Verfasser unter Vorführung aller Gründe uud Scheingründe für die Hetzbewegung di^e al« sinn- und rechtswidrig dargestellt, sagt er: ,«»re e» nicht an un» deutschenShrtsten, nach den uner- HSrtr» Beleidigungen, «eiche den Israelit« zugrfügt worden stad, diesen Mitbürger» zuerst die versöhnende Brnderhand zu bieten? Biel« von un» habe« niemals In da» tzetzgeschret eingestimmt, Ander« erkenn« und bereu«, daß sie sich Hab« übertölpelt und mißbrauche» lasten, schäm» sich jetzt des Mangels an Wahrheit, Bernunft und Ritterlichkeit, welch« di« Judenhetze zeig'. Wir wist« zwar, daß ein großer Haufe von «er» führe« und Verführten übrig bleiben wird, ober wir And«« wvllm vorwärts, nicht in'» MiltelaUer zurück. Wir wiffen au», welche Kritik unsere Worte zu erwancn Hab«. „Beschränkter, unwissenschaftlicher Stan^punk.l Der Mann spricht van christlicher und mosaischer Konfession, wir aber bekämpfen die jüdische R a j s e, welch« kein Recht aus germanische« Boden hat." Run. diese wiffmschasiliche Unterscheidung der Raffen.Berfolgung von der konfessionellen verdeckt doch nur da» Bewußtsein, daß die letzter« noch etwa» stärker an Altersschwäche leidet, und die Begierde, auch den getauft« Juden zu Leib« zu geh«. Und doch, stell« wir uns einen Augenblick auf d« „wiffenschaftlichm" Standpunkt der Gegner: wa» ist die Konsequent? Der Deutsche sucht vielleicht tat Ausland« sein Brod; der Koch» der Frisur geht »ach Pari», die arme Beamtentochter al« Erzieherin nach England; Tausend« dütscher Kaufleute und Handwerker haben in Rußland eine zweüe Hetmath gefunden, «erfolgm und vertrrtd« wir unser« Juden, dann Hub« doch wohl auch England und ander« Staaten Anlaß, gegm dt« Deutsch« in ihre« Lande feindlich zu verfahr«. Steift sich etwa der christilch-stttlichantrüftet« «ermane daraus, daß der Engländer doch wohl in dem Deutsch« di« stammverwandte Staee acht« werde, so wäre hiervon schon bei de« Franzos» nicht mehr die Red«. Und bei de« Ruff«? Bet dem Türk«? Bekanntlich lebm auch im Orient Demsch«, und der Türke duldet sie. Reh«« wir also die wissenschaftliche Raffenlehr« der AnNiemst« so rrnsthaft, wie wir irgend Unnm, sie endet thuretisch im Unsinn, praktisch in der Barbarei." Der eigentliche Zweck der „.Bewegung" liegt denn auch weder auf nationalem, noch auf reltgiöjem Gebiet«; er bestes darin, die Massen auf Umwege» dem Kampfe gegen den Liberalismus, der Reaktion ans kirchliche« und poli-

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