Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 845 — -—* -*. WWiKIICp» V«ri«, 25. Oclöbrr. Ckftmt fcxb hier die W«hl "de« Gr»ßrabbioer« »»» Frankreich im Sitznng«. faal« de« israelitifcheu Confistorium« statt. HerrZaßec Kahn »nrß« va» de» 36 Votanten einstimmig gewählt, edwohl er zu wiederholte» Male« de» entschiede»«» Wunsch anSge» spräche» hatte, io sei»er gegenwirtige» Stellang al« Oderraddiner von Pari« z» bleibe». Trotz dieser 8r8dr«ag darf mau wohl aunehmeu, daß er die ihm einstimmig überttageue Würde nicht zurückwrise» wird, umsomehr al« da« Confistorium bemüht ist. eine» ,rucx1u» viraucH" ausfindig z» mache», dec e» dem Großradbiner ermöglicht» trotz seiuer »eueu Stell«»« i» dem gewünschten und gewohnte» Zusammenhänge mit sei«er Pariser Gemeinde zu bleiben. Zum Wahlkörper gehörten zunächst die 12 Mitglieder de« Central- Coufistoriuw«: Baron Llfon« von Rothschild, vorfitzender; B4darride«, Prifident der Sammer de« Caffatio»«-(oberste» Sericht«-)hofr«; Maurice L4vy, Mitglied de« Institut«, Professor am Colläge de France; Calmano-Löoy, Verleger; Thiodore Lfivy, Oberingenteur de« Brücken- und Straßeuba»e«; Mafle, Recht«auwalt; Eugöne Manuel, Geoeral-Jnfprctor de« öffentlichen Unterrichte« («« girbt »ur vier solcher Inspektoren); Jute« Eie. General; Abraham Sir, Rechtsanwalt; vr. Jule« Worm«, Arzt der Polizei-Präfecrnr. Dt« 24 andrreo Wähler vertraten die Confistorialbezirke Pari«, Lyon, Marseille, Lille. Bordeaux, Bayonue, Besan^on, Ranch, vesoul und die Hauptorte der drei algirrischen Departement« E« befinden fich darunter Busta: und Cdmund von Rothschild, Erlanger, Fould, Dreyfu«, Sahn. Mau ersteht au« diese» illuftren Namen, daß im heutigen Frankreich fich Juden in allen öffentlichen Stellen befinden. Dieselbe» zähle» i« fravzöfische» Heere vier Generale, mehrere Obersten und viele andere Offiziere; im Richter» und Beamtenstande find fie ebenfall« gut vertreten. S« giebt auch zwei jüdische Präfekten, Sohn und Scherb. Da unter der Republik bet de» Volkszählungen von der Religion abgesehen wird, ist die jetzige Zahl der Juden in Frankreich nicht festgestellt. Früher worbe» 60—70000 derselben gezählt. Ge< armvärtia find e« jedenfalls mehr, wohl 80000 und darüber. H»rÄu kommen 35—40000 auf Pari«. Die Juden bewahren hier die deutsche Sprache bester, al« die Christen. Da e« io Frankreich überhaupt our wenige einheimische und portugiefische Jude» giebt, kann man fast immer sicher sein, »erstände» zu »erden, wenn man einen Jude» deutsch anrrdet. Kermifchte und «e«rste Nachrichten. Barltn, 89. Oktober. I» der tu vor. Nr. «Itgetheilte» Anklag:- iache gege» de» Vorstand der hies. jüb. Gemeind« »egeu Anstellung de« NaoUIuder» Drogotscht» al» Hitftvorbeter «d»e »vrherig» Geaehml- «nnz de« Miuister» de» Inner, sein» heut« dt« Vchlnßverhandluno statt. Der Staat«»»waÜ hott« gege» de» »orpgeud«, Jnsttzrath Meyer 180 gmea die «der, Borpaudtmtt^leder je 100 K. Geldbuße deautmg». Der Gerichtshof «rleuute aber aus Frrisprechung, weil et« eigentliche .Austell»»^' »och nicht erfolgt »ar. Jnterrstaut war'», «» der Berhnudluug de, Grund der NiGtdeftätigu», de» D. stikeu« de« Polizeipräsidium« zu hireu. Dasselbe hatte p Z. «klärt, da» e« nicht «tusch«, »«»halb für diese« Amt uicht «tu Juläuder «»gestellt würde. Berät». Der edle Hammerstei» spotlet tu der .Kreuz-Ztg." darüber, daß »ehre« Misch« Mitglieder der Berliner Hcum-Fiuauc« der der ruspsaea Nchteruug Orden »i« .autgeprügt konsesfiouelle» Tdn'.nktrraugcnommrn Hanen (Garet Auneu- und LeaniSlauS^vrteu). Nun dt» M. Gaukter« »chwm «» in dieser Bezieh»,, nicht sehr aeuau; fie scheu tu dem Orden ein Zeichen der Auerkruuung für gelüstete Lieust« m»d kein religiösch Symbol Allein dies« gering« Rücksichtnahme »aus den konfessionelle» Chamcter^ ist ja leider »ach tu audere» Kreisen statt verbeettet. >tr Hab» «eutaftea» »och nie gehört, daß die Staat«» neuofie» de« Junker« v. Hammerstein bei der Auöwadl auzupumpender Geidmänarr «in« Unterschöduug »ach der Cous-sfio» gemacht hälte» . . woßu» Dass«», de» 88. Oktober. (Or^Corr) Demnächst findet t» »er »chegelegenen Gemefttt« »»rltu die Sei« de» h>yd«rtjS-r«w» Bestcheuä »er Syn^ae Amt. Dieselbe ward« 17»« »am hochstltzeu Würste» Uraug von »»halt mitte» tu keinem weltttta»»«» stt« Kaste» erbaut und dm jüdisch«, «mm»,», mt _ %U kleine •aadafc, welch« «ata dem »uhnlUsche, r •■‘•►’S , ' '<■ rabbtuate stcht, ist eifrig bemüht, di-se so seltm« Frier würdig g» ge» Pulte». Der hier lebeud, Darm, ». Cohn» Exrellen», hat eine, uam» haft» Betrag gar Feier gespendet. BieäefÜd, 88. Omtt. (Or.-Cm.) Hafer Mitbürger, der Mertuer Herr Mark»« gord au.volleudew heute sei» 110. Lebensjahr. Der ehrwürdige Drei«, der allerdings feit Jahresfrist uicht mehr an« feiuem Haus« zekomme», erstem fich, — abgesehen w, einer I» ueuerer Zeit «r sgetreteueu Schwrrhilrtgkett — gute» Wohlstlu«. rege» Appetit« nah gelaude» Schlaf«, liest aoch »hu« Brill«, »immt ‘ mit Freude, dl« znhbcelche, Slücknmusch«, die Ihm vo» »ah und fern gugehm, enwege» nud belheiligt fich ger» a« der Unterhaltung, wer» er auch häufig der«. Fade« verliert. — Da Se. Majestät der Kaiser wiederhott se>, gatrreffe »ud seine Dheiluahrne für de» hochbetagtru Manu, d r sicherlich der ältest« Meusch tu sei»«» Stuateu ist, kuud gegebeu, hat di« Famlli« »» da, Ci»>lk»b»«t Sein« Majestä' die Aufrage gerichtet, ob vielleicht ei» Bld de» Herr» Zorda« eiue will» komme»« Gab« fein wärd», woraus der Bescheid gekommen Ist, daß der Kaiser ger» diese« Bild «uigegeuuehmeu werd-. De« «chlgelvu^eu» Portrait ist vor Kurze« im Zimmer de« Herrn Jirda» photögraphifch aufgeuomme» worden »ud wird tu dr» uichsten Lage, »ach Berit» atgeheu. — Di« feit viele» Jahre» a» diese» Lage auägesproch«»«» SÜusch« für da« ferner, Wohlergehen de« setteuea Greise« eraeuer» wir hiermit i» herzlicher Lheiluahmr. S. Blume,a». Bari«. Am 30. September fand eiue wiffenscbaftlich« Versammlung h« statt, welch« vo» de» Gelehrten I. Oppert und Ad. Frank geleitet ward. Auf der Tagesordnung staud dt« Ec» örtnung der Frage, ob di« Gotte»tde« de« I >de»thum« mit der Wettschäpsnng zugleich tu« Daseta trat »der auf dem Wege ratiourller Eutwtekeluug zur Ausbildung gelaugt«. (Für den Bibelgläubigeu dürft« die« gar kette Frag« fein.) Mart«. Die Zahl der frauzöfischeu Juden, welch« in diest« Jah'e di» Mitgliedschaft an der Akademie erwarb:», zu Mitgliedern der reischiedeuen Uuterrichtäinstiwte ernannt wur.'en oder golden» Medaillen, Diplome re. erhielten ist so groß, daß ihre Namen mehrere Seiten de« .Untverö Jdraelite' füllen. Bon jüdischen Künstlern haben Preise erwarb«»: Die Herren Alexander Bloch ua» Eduard Picard sür Malerei; Maaame Llemene« Roth, die Herr«» Benjamin Ftchel, Herman Leon und Jule« Aorm« für Bildhauerei; Hncr Sylvia» Kingaburger und Madame Jenny Weyl erwarben ehrenvolle Anerkennung. Au« London wird depeschikt: Eta« Warnung gegen di« von hiesigen Gioßschueidein iu namentlich vo» d-r armen ilraelit scheu Bevölkerung tu Pose» uud Polen geleseueu Blätter» veröffeutltchiea Ja» seraieu erscheint drtagend geboten. Boa de» Bersprechuugeu auf relchliche uud gut dezahtte Ardeü verlockt, kam bereit, ei» erster Lrauö» Port von etwa 20 Persoue» vi» Hamburg a» uud ward« in Whi echapel uamrnilick von de» rigeueu Stammeögeaoffe» f» v.-rfolgt und verhSsttt, daß dt« Polizei de» Bedräaglea Schutz l-ifte» mußt«. Solch« Neuankömmlinge fiadt» bei der jetzt gefchaffeuen Organisation der Arbefter hier absolut keine Arbeit «ud verfalle» sosott in di« größte Not. E« kan» darum nicht dringend genug vor solcherZuwanderung gewarnt werden. London, 2ö. Vctover. Der neue Lordmayor, Sir Heary Jsaae», wurde gestern im Oberhaus« de« Lordkaazler vorgestellt, um von demselben dt« Geueumlguug der Klutgiu zu seiuer Erwählung eutgege» zu nehmen. Der Eich Syudiku», Sir Lhoma» Chamber«, hob ln feiner Ansprache a» den Lordkeuzler hervor, Sir Heury Jsaae» wär« der dritte J»raelt«, welcher da» hoh« Amt «ine» erst,» Beamten der Hauptstadt bekletb». Lord Halöbary bezeichuete es ia seiner Antwort al» «inea Lriumph der bürgerliche» und religiöse» Freche t, daß di« Wahl der Bürger London» ans eine« Jude» gefalle, sei. Genau vor 700 Jahre», 1189, fei die Jude» ia Folge eiue» Suöbruch» saaattscher Berfolgu»g,s»cht uu» Euglaud sverlriebeu worbe«; jetzt empfange er (der Lordkanzler) al» Bertretrr »er KSnigiu eiura Juden al» erste» Beamten der größtea Studt der Welt. Di« Inden hätten fich stet« durch Gehörs'« geglv Cie Gesetze des Lindes, in welchem st« lebte», , »«gezeichnet. VererSdnrg. Pruj. %c Harkavy hat — wie bereit» gemeldet — von Ihrer Majestät der Köaigl» Negeutin Christi»e von Spanien den Jsabella-OrSen erhalte». Di« Zettschrist »Hamelizbemettl oazu: E» ist charakteristisch, da« ein hervorragender Gelehrter de« Judenthwn» mft dem Orden auögezeichuet wardeu ist, beste» Gtisterin vor 100 Jabre» die Jude» an» Spunum vertricbeu hatte, welch« dort die Träger der Cultur und Bildung gewesen find. ÜDarstcha», 3. Otto der. Herr Prosestor Sengt r hat zur Grvffnrma »rl WttttrrsemestrrS an htefiger Universität .über die Stellung der Juden in Kor* eiue» Portrag gehalle». Doch «ar dieser Bortrug, wie ^gephirah' erzählt, voll «nttfeauttscher Lenden>. und ist e« ties dedautmch, daß «ft» dl« jüdische Seschichi« behandelnde« Thema auf der erste» Stätte »er Wissenschaft in judensetudlichnn Siun«, »hur jejstiche Wahttett und Ortgiaalliäl, erärtert worden ist. Odosfa. Der hiesige Arbeiter-Birei» (zur Förderung de, Haudwerk» der Jude») stierte jüugst unter große» Feierlichkeiten tu Synagoge «ud Gesrllichaft da» Fest seine» Ab jährige» Bestehen«. E» besuche» zur Zeit 1B Schüler «e G-werdeschnl« de« Bereinö. — Dem verstorbenen Nnbbinrr der diesige» jüdischen Gemeind«, Herr« Dr. Schwad,cher, s.». hat di« httlig«Bttderschaft (Oftodru kaeiimch») «t« prachtvolle« »mddeukmai gesetzt, »eichtt Nmsend Nudel gekostet gut.