Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 44.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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tischcm Erbitte, dienstbar zu macken. W>r wünschm mit dem Verfasser daß unser Vaterland recht bald von dieser schwindelhaften und gemeinschädlichen Bewegung befreit werde. HRt-Ingelßei«, 20. Oct. Dem kurzen Bericht in vor. Nr. über die „siebente ordentliche Bersammluog der Lchawageben Sie wohl «och zur Vervollständiguug einige ergänzende Bemerkungen Raum in Ihre« Bl. Eingeleitet wurden!>ie Verhandlungen durch einen Bortrag de» Borsitzenden Herrn Adolf Tebläe, der die Geschichte der Achawa von ihrem Entstehen vor nunmehr über 25 Jahren bi» heute in lebcntigen Zügen vorführte, ihr stetige» Fortschreiten und ihre bisher bereit» entfaltete gesegnete Wirksamkeit schilderte. JnSbesordere gedachte der Berichterstatter auch der Männer, die, bere t» entschlafen, dem aufstrebenden Vereine hingrbende Thätigkeit oder große Gaben widmeten und so zur gedeihlichen Förderung des Werke« wesentlich beitrugen. Die Mitglieder leS Verein» werden Gelegenheit haben, diese Urgeschichte de» Verein», die Geschichte der ersten 25 Jahre desselben, kennen zu lernen und den Männern ein dankbare» Erinncrr bewahren, die zum Gelingen de» Werke» so wesentlich beitrugen. Den Leser» diese» Bl. ist e» nicht unbekannt, daß der Verein jetzt 240 aktive und 840 Ehrenmitglieder zählt, — von letzteren freilich 446 in Fraukfurt — daß er ein Vermögen von rund 160 000 Mark (Nominalwerth der Papiere!» besitzt und bereit» über 140 000 Mark an Unterstützungen vertheilte. Nach eingehender Debatte wurde der Antrag (Sender und Genoffen) welcher bezweck:t, die Aufnahme nur bis zum j 3S. 8eb:n»jahre zu gestatten, abgelehnt. Im Gegensatz hierzu uurde die in vor. Nr. mitgetheilte Uebergangsbestimmung angenommen, welche zum 31. März 1890 den Lehrern, welche das SH. Leben-jwhr noch nicht überschritten haben, den Beitritt unter gewiffen Bedingungen gestattet. — Eine sehr erregte Debatte schloß sich an die Anträge über Aenoeruugen in § 9 (Ansprüche auf Unterstützung betr.) an. Immer wieder wurde geltend gemacht, daß da« Wohlwollen der Ehrenmitglieder durch diese Abänderungen vermindert, die Ansprüche wesentlich erhöht werden könnten. Dennoch gelang es, den schon mehrmals in früheren Geueral- Versamrilungcn abgelrhnten Antrag diesmal fast mit Stimmeneinhelliglrit zur Annahme zu bringen, wodurch der so viel beaistandete Nachsatz in tz 9 Absatz b („Denn sinicht rin der Stellung ihre« verstorbenen Ernährer« entsprechendes Auskoniinen haben") in Wegfall kommt. Der Paffu» 9b der Statuten heißt jetzt: „Anspruch auf Unterstützung haben 9d Wittwen verstorbener Mitglieder, so lange sie im Wittweustande verharren." In 9o wurde durch die Beifügung de» Worte« .au»- kömmlick" vor „anderweitig gesorgt ist" die Bestimmung über die Unterstützung der Waisen ebenso^» im Sinne vieler Mitglieder »erdeffert. Wir dürfen annehmen, daß diese Hinwegräumung ein-! schränkender Bestimmungen unsere Statuten wesentlich vrr-! brffert und damit die Bedenke» geschwundeu sind, welche viele Lehrer >iom Eintritt «bgrhalte» habe». MIgen sie nun auch! zahlreich eintreten und insbesondere di« Präklusivfrist nicht ungenützt verstreichen lassen. Die weiter vorgeschlageue» Aenderuugen der Statuten find nur redaktionell und wurden ohne D Watte angenommen. Am Abend vereinigte ei» von den Frankfurter Borstaudsmitgliedern freundlich gebotene» Mahl die Theiluehmer der Bersam nluug. Manch hier gesprochene» ernste» und heitere» Wort ließ erkennen, wie die Achawa Alle« lieb uud werth ist; wie insbesondere die auswärtigen Mitglieder wissen, wa» sie an Frankfurt uud an de» Männern in dieser Gemeinde haben, die ihre Zeit nnd ihr« Kraft dem edle», humanen Zwecke zuwende». Möge e» ihnen der Geber alle» Guten lohnen, — in ihrem Herze», in ihre« Lebe». Möge in den nächste» 25 Jahren die Achawa ebenso glückliche Erfolge anfzuwetsea haben, wir in de» ersten und sich weiter der Förderung aller Guten erfreue«! Kl. Aefterrei4>*]laflara, Staf, den 25. Oktober. (Die Oberrabbinerfrage.) „Mit Recht sprach auch der deuti >« Poet zum Rothbart im Kyffhäuser: Betracht' ich die Sache ganz genau, so brauchen wir gar keinen Kaiser." Diese bo«hafte, alle Romantik persiflirende Bemerkung H.ine'» muß jedem Kenner der hiesigen Verhältnisse eiufallen, wen« er de» Aufruhr wegen der Rabbinerwahl hört und sieht. Die Sache liegt ja einfach so, daß man einen Oberrabbiner in Prag al» dasselbe betrachtet, wa« die Uhr mit den hebräischen Ziffern auf dem jüdischen RathhauSthurme daselbst ist. E» ist nur schade, daß man einen lebendigen Oberrabbiner auf diesen RathhauSthurm nicht hängen lassen kann, damit jeder Fremde, der nach Prag kommt, diese neue Sehenswürdigkeit gebührend bewundern könne. Sage ja niemand, daß ich die Dinge schwarz sehe, denn ich bin in der Lage Thatsacheu sprechen zu lassen. Al« i« vorigen Jahre da» Herrenhaus den Gesetzentwurf znr Regelung der israelitischen Gemeindeverhältniff« dahin ameudirte, daß dem Rabbiner die Leitung und dem Borstande die Ber« waltung de« Lultu» zusteheu solle, da war die Prager Gemeinde eine der ersten, welche den PetitiouSsturm dagegen einleiteten. Löeun also der Borftand heul« -in Ehasfidim- Stübel mit dem dazu gehörigen Kugeluud Branntwein- Schmau» in Prag «tablirte, oder, wenn er dt« Verlegung deS Sabbath« auf den Sonntag decrettrte, so ist der Oberrabbiner nicht einmal Unterrabbiner genug, um sein Veto dagegen geltend zu machen, denn die Leitung der Eultusangelegenheiten steht ja ihm nicht zu. Des Weiteren besteht in Prag auch für den Ober« rabbiuer die Pflicht, jede Publieaiion an die Gemeinde mit dem Visum de» Vorstande« versehen zu lassen, d. h. sie der Eensur desselben zu unterbreiten; der Borstand ist also für den Oberrabbiner dasselbe, wa» für den katholischen der Bischof oder die Judix-Eongregation. Uebrigen» handelt e» sich dabei nicht etwa um verschollene» Ratut, da» mau vergessen hätte aufzuheben, sonder» auch der letzte Oberrabbtuer müßte, al« er ein Verbot der nicht unter seiner Aufsicht hergestellteu Mazzoth publicirte, die Genehmigung de» Vorstände« einholeo, wa» um so drolliger klingt, wen» mau bedenkt, daß mitunter — gegenwärtig ist da» allerdings nicht der Fall — an der Spitze der Gemeinde ein Herr stehe« könnte, der nicht einmal uuavprobirte Mazzoth im Hause hat. I« Uebrigen kann sich jeder Uneingeweihte darüber ei» Urtheil bilden, wenn er sieht, daß der Vertreter der jüdischen Eonfesfion im Laude-schulrath nicht der Oberrabbtuer oder dessen Vertrauensmann, sondern ein Mitglied de« Vorstand«» ist, dem er kein Gesetz uud kein Gcmeiudeftatut zur Pflicht macht, sich bei seinen Referaten an die Zustimmung des Oberrabbineu zu binde«. Ebensowenig haben wir gehört, daß dem Obrrrabbiaer über syuagogale Ordnungen» welche in Prag von tef Gemeindeverwaltung getrennt find, ei« Votum zustande. Ganz im Gegentheil hat Orgel, Mädcheuchor, Mädchen» coufirmatiou uud manch«» Ander« sich in Prag oha« Rücksicht auf da» bisher noch immer der Orthodoxie augehörige Oberrabbiuat Bahn gebrochen. Hingegen ist es auch dem letzten Oberrabbtuer nicht gelungen, Fleischer und Selcher dazu zu verhalten, daß sie ihre Läden a« Sabbath schließen und sich sonst seine» rituellen Forderungen fügen, obwohl er bald nach seinem Antsantrttte sich ehrlich darum Müh« gab. Endlich war es auch eia« Machtftage au welcher dir versuche, den Obrrrabbiaer Hirsch in Prag z« halten, scheiterte», obwohl er tu manchen Dingen, wie bet der Petition über die gesetzliche Regelung der Rechte des Rabbiners sich vollständig reserviert hielt. Untersuche» wir aber die Frag« des Bedürfnisses, f» dürste schwerlich «in Beweis desselben zu erbringen fest».