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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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uttfx, jo würde ihn die« nicht abhaltm, seine Ueberzmgnng zu verkiiud«, denn nicht daß er »it seiner »nstcht in der Selt drrchdriugt, sondern daß er ta Gemüt he van ihr durch» drr-gen ist, ist ihm von entscheidender Wichtigkeit. Frr die praktische» Statt ist der Mann abgethan, well er nicht gmügmd rechnet und Rechnung trägt, »eil er die wunderliche Laune hat, einfach da« zu schreibe», wa« er für richtig hält, unbekümmert darum, ob nicht ei» fromme« Gemüth dadurch aufgestärt und verletzt wird, unbekümmert vor Albm darum, ob die kirchlich und politisch Mächtigen ihm urd seinem Strebe» Gunst oder Ungunst entgegentrage»; er hat bei allem Freisinn die altfränkische Meinung, daß D plowaten nicht für die Kanzel und da« kirchliche Lehramt taugen; er hat auch eine unerbittliche Ehrlichkeit gegen sch selbst, während gerade auf dem Acker, den er dearbeitet die Giftblume de« Selbstbetrug«« am üppigsten blüht. Darum ist die Lektüre seiner Schriften eine ausgezeichnete Schulung der Wahrhaftigkeit, und durch die« unentwegte Wahrheitsstreben ist auch der Stil merkwürdig klar und durchsichtig, da hären wir nicht da« hohle Patho« der Kanzel, nicht da« alterthümelnde Kauderwelsch, da« so vrrlrefflich geeignet ist, sich und Andere in Nebel riozuhülle», sondern wir werden überrascht durch ein außerordentliche« Talent, die schwierigsten Probleme der Alterthumäwissenschaft so klar und allgemein verständlich zu behandeln, daß jeter gebildete Leser mit Leichtigkeit dem Gedaukeugaug de« Autor« folgen kann, jr au der Gedankenarbeit desielbrn mit theilnimmt. Schwalb hat nun sein Werk der religiösen Befreiung, wie er e« ovffaßt, jüngst fortgesetzt io einer Predigtsammluog, welche sich mit dem Propheten Elia» beschäftigt Der Prophei Elia« nimmt in der Entwicklung der jüdischen Religiru eine höchst eigeuthümliche Stellung ein. E« wird in der Schrift keiuer der Propheten so scharf getadelt und so schroff bei Seite geschoben al« er, und von seiner Beredtsamkeit find un« nur ganz kleine Bruchstücke erhalten; den» »och ist er noch den später» Prophelen selbst und sodann allen folgenden Geschlechtern al« der Thpu» eine« Prrpheteu erschien«. Elia« wurde al» eine Persönlichkeit aufgefaßt, die nie gestorben ist, sondern durch alle Jahrhunderte den Israel.te» nahe geblieben, mit heivorrageuteu Lehrern uud Frowwen in persönlichen Berkehr getreten ist und dereinst dem Mesfia« den Weg bahnen wird. Offenbar hat di« Euergi:, mit der er, ei» einzelner Manu, dem Könige, der Königin, sowie der ganzen Schaar dcr BaalSpriester entgegen» trat, i>;m da« Herz Israel« gewonnen; er ist ja da« glänzendste Zeuguiß dafür, daß nicht die Zahl entscheidet. Auch Schwalb tritt in diesen Jdeenkrei». In der Borrede heißt e«: »Ehe der Messta« dm ume» Bund stiftet »nd Gotte« Reich auf Erdm gründet, muß Elia« vom Himmel herab wieder kommen uud ihm dt« Wege wieder bereiten. Diese biblisch sehr gut begründete, gewiffermaßm noch jetzt lebmdige Vorstellung enthält allerdtug« unhaltbare Elemente, veraltete Bilder; aber sie enthält auch eine bleibende »nd ftr unsere Zeit besonder« «erthvolle Wahrheit. Den» Thatsache ist, daß der auf kirchliche« Gebiete herrschmb« Moni«»»« nur dadurch ein End« nehme» kau» uud hoffentlich uehmm wird, daß der Geist der alte» Propheten, jmer in der vergaugmhell feststehmdm und der Zukunft sehn» sucht««oll zugewandteu Gotte«Helden, an« dm höchst« Rqt- . oneu z» un« herabkomme und u»S wieder einmal «ft der ihm eigmthümlicheo Kraft rede und wirke. Elia« muß ' wiederkomm«, sonst komwt Gott nicht zu «a»; sonst »er» geh« in After«schwäche, in Aberglaub« und frivole« Un» glaube» Kirche und Synagoge. Au chrer Stelle bleib« nur . wüste all« gut« Wege versperr«d« Trümmer lieg«." So adoptirt Schwalb auf seinem freiesten kirchlich« Standpunkt die alte Uederlteferung; Slia ist ihm und war der Synagoge von jeher di« Verkörperung de« prophetisch« Geiste«, und wir haben e« oben versuch», den Grund aufzuspüren, weswegen von allen prophetisch« Gestalten gerade Elia trotz seiner offenbaren, in der Schrift mit Schärfe gerügten Fehler/ zum Vertreter de« prophetisch« Geiste« über- Haupt erkoren worden ist. Der Talmud drückt dir« mit dem Satze au«: Pincha« ist Elia, d. h. in Elia lebt der Eifer, der hohe Muth wieder auf, der einst auch die Israelit« in der wüste, da Mose« schon verzweifelte, ei weckt und erlöst hat, damal« al« Pincha« durch eine außerordentliche That, dcr Zerrüttung ein«» Damm setzte. Darum brauchen wir aber nicht die ganze Persvnlichkeft de« Elia in da» Reich der Mythe zu verweiseu. Gewiß hat die dichtende Bolk«seele diesem ihren Helden manch« Zug grgeb«, der der Wirklichkeit nicht entspricht. Aber hier, wenn irg«dwo gilt: u nihilo nil fit. Da« Volk idealistrt, aber r« schafft nicht diese Gestalt«. Schwalb giebt un« nun in elf Predigt« gleichsam eium Midrasch auf die Geschichte de« Elia. Die erste Rede hat die Ueberschrift: Der Prophet verschließt den Himmel. Elijah heißt: mein Gott ist Iah, .dieser Gedanke ist uuch die Serie uud die Kraft aller olttestamentalifchen Prophet«" und .Elia könnte sehr wohl, da« wage ich anzunehmen, nicht« andrre« sein, al« eire durch die Kunst eine« dichterisch« Geist « geschaffme Personifikation de« alttestamentlichen Prophrtenthum«." Und wa« lhuu dies« Prophet«? Sie verschließen den Himmel, daß Jahre lang weder Tha« noch Regen fälle, d. h. wie Schwalb den T,xt versteht oder vielmehr deutet: der Propheten That ist negativ; sie nehm« dem Volke den Glauben an die Götz« uud alle die Freud« an dem Dienst derselben und bieten al« Ersatz einen unsichtbar«, verborgenen Gott und ein« streng« Gottesdienst. Die A»w«d«ng dieser Deutung auf die Geschichte der Religio» und zumal de« Ehrtstenthum« ist gläuzend, Lhrtstu«, Paul»«, di« Reformatoren sind negativ, aber indem sie d« Jrrthum zerstöre», schaff« sie Raum für dt« Wahrheit. So verfahr« auch dt« freifiuuigen Theologm. (Fonfttz»», folgt.) Bericht über die fünfte SonferendeS Vereins der israelitischen Lehrer »nd K»ltnSb«mt« des Laudrabbiuatt Emde«. lSchluh.) Die zweite Sitzung begann am 11. morgen« um 8'/, Uhr mft dem Referale de« Her« Selig »Emden über da« Thema: .Der Unterricht in der hebräisch« Grammatft in der eiuklassige» Volk«- resp. ReltgtonSschnle", — eine wohldurchbacht« Arbeit, welche der Vorsitzende tu seine» Danke für dm Resermt« «I», an« der Praxi« der Schule hervorgrgaugeu. bezeichn» konnte. I» der Einlettnag gedacht« der Redner der Einwirkung unsrer Lehrervereine auf die verbessern»« in b» einzelu« religiös« DiSzisstin«, uud e« sei die« zu schütz» aogestcht« der günstiger» BertzäÜntffe, «nter welch« dt, religiöse Unter»

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