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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 43. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 43.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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■aalte E oit nnferrt CBdfai enthält für bk sociale €5ttö*n* der Inder riue» beherziaeutwertheu Bill Israel vermag nur durch Liebe de» Haß. uur durch Friede» de» Streit z» «utwasfuer. Davon habe» wir hier *n Laude die erfreulichstrn B weist. wie denn auch i« Oesterreich der Antisemitismus im Erlösche« ist, seitdem iu Deutschland der mit de» Stöcken Stöcker'» bewaffnet« .christliche Soeialismusvor ban Machtspruch« der Mehrheit »ud Gerechtigkeit, der vom Thri oe aus verkündet wird, die Waffe» gestreckt hat. — Me ia Berli» i» der .Tonhalle-, dem Bersammluug«- orte der ßZlücker-Sociolffteu, die konfessionellen Diffrrenzeu in di« Harmonie der Töne sich avflöse»; so wrrden in Wien die Bctter und Lüger, ich Hütte beinahe gesagt, die Bettere der Lüge und Lügner, anstatt mit antisemitischen Hetzreden, bald mtt onstandrvoll«r Rathbandluug über da» Kohl der Stadlgcmnnde, welche alle Glaubensgemeinschaften in Frieden und E nt cocht umfaßt, da» Galle, ü-Pabltkum zu iuteüdsirea grzwunger sein. — Daß in txn Höhenzügen der Wiener Gesellschaft ein besserer Ton wallet, davon liefert die Thalsacke einen erfrevlicken Beweis, daß die Mllioorn-Stistung de» Boroa Hirfch für Schul- und EuliuS-Zwecke in Galizien kenn doch im November diese» Jahre» schon in -rast tritt. E» hat ter Minister-Präsideut Graf Taaffr dem genannten Philarithopm iu persönlicher Audienz eine diesbezügliche Zusage gemacht. — Aucj in unserem Lande haben wir einen Akt seltener Hochherz gleit mit Freuden in den Aoralen der Geschichte zu verewigen. Die kön gliche ungarische Akadimie der Wissenschaft, n, die höchste wisienschaslliche Körperschaft de» Lande«, ist allen Klassen und Glaubensgemeinschaften ein nationale» Heiligthum. Bor den Pforten der Wissenschaft hat jede Parle uvg und jede» Sonderintereffe ihre Grenze. Die der Wisse nfdioft gewidmeten Thaten der Hochherzigkeit interessiren )ahrr alle Gebildeten im Lande. E« hat daher eine die ganz: ungarische Nation durchziehende freudige Bewegung hervorgerusen, daß rin ungarischer Edelmann, io de» Worte» edelstem Zinne, Andor v. Semsey, der Sohn eine» rechdrgüterten Vater» und einer patriotisch hochfühligen Mutter, der königl. Akademie der Wiffeaschaften in Budapest, zum Zwecke der Fortentwickelung ungarisch-nationaler Kenntnisse dmch Stillung von Preisfragen in den einschlägigen Matenen, den Britta,, von hundert tausend Gulden zur Beifügung stellte. Ter hochherzige Spender, den die Akademie zum Ehren-Mitglirde ernannt, und der für w'ffenschaftliche Lehr. Anstalten und -Zwecke brrlit» eine Bieittl Million Gulden gespendet hatte, eihielt vom CultuS-Minister Trafen Csäky em auszeichuende», mit pattiotischer Begeisterung abgrsaßte» Dankschreiben. Mit dem Fortschritte auf intellektuellen Gebiete, hi:lt auch ter auf dem politischen gleichen Schritt. Für die Eullur de» Landes ist die Akademie, für die staatlich« En Wickelung da» Parlament eine fest« Säule. Bride Häuser re» Landtage» sind nun wieder eröffnet, und die Station harrt mit Spannung der Brrwalruog»-Reform- Gesrtzgetung. Unser Freudenfest ist nicht ganz ungetrübt, da die Ernte in dieseui Jahre nicht gut ausgefallen ist. Während also im Innern de» Landes am nationalen Leben de» Staate» gearbeitet wird, hat an den Grenzen deffelbeu rin Drama .Mutter und Sohnam Königsthrone Serbien'« nun endlich seine Lösung gefunden, arbeitet auf Rumäniln'» Throne die Königin Earmeu Sylva am Texte einer Oper .Meere»-Klänge-. Möchten doch endlich unsere» rumänischen Glaubensgenoffen die Hei«ath»kläng« lieb und theiier gemacht werde». An edler Gesinnung und Thalbereitschcst der Juden hat e» niemals gefehlt, welch« ja stet» de» Saf. auf ihre Fahne geschriebeu haben: .Fördert da» Wohl de» Staate» Eurer Zugehörigkett; denn in der Wohlfahrt bei» Staate« liegt Euer eigene» Glück- (Irrem. 28,7). D. Hkretzöurg, 15. October. (Or^Lorr.) Ls ist eine eigenchüialiche Erscheinung und höchst beachteatwerth, daß unser ge ttbter König mtt Borliebe di« Manöver benützt, um der Eintracht i» der Bevötternug da» Wort Pt rede» «ch Saus de» Schein kriege die Friedeusgestakt hervoraehen läßt. ei Gelegenheit der groß« Msuöver vor zwei Jahr« hatte ich Aulaß i» diese, Blättern ausführlich die diesbezüglich« zahltenbe« Ermahnungen des köntglühe» Frttdeusapostn« zu besprechen, uud bei de» vor Kurze« unweit vou Prrßburg abgeholteue» Manöver autwortete wieder der Monarch der Dqnttatton de« römisch-katholischen Llerus: »Ich hoffe, daß der katholisch« Elerus die Treue für Thron und Vaterland und die brüderliche Eintracht zwische» den Bewohnern aller Eonfessionen richtig pflegen werde. Der Segen des Allmächtigen begleit« diese Ihre Thätigkett.- Mehrere dentale Lorporationen velüffmUicheu jetzt Proteste gegen dicsm fürsllichen Wink mtt dem Zaunpfahl und schreibe», daß sie ohnrdie» st«t» friedfertig und toleraut sind, und daß nur der protestantische Minister-Präsideut Tisza de« Herrscher solche Worte in dcn Mund lege und d« Geisllichkett »echetze. Allein unser kluger König weiß oha« jdw Eingebung. wann und wo er eine« Hieb zu versitzen hat; er hat ihn hier dem Antisemittsmos und dem Glaubenshaß leist beigebracht uvd steigert durch solche väterliche Wort« dir Liebe der jüdischen Bewohner zu ihm und dem Vaterland« um ei» Bedeutender. Einige Tage später sagte auch Tisza bei eine« ihm zu Ehren geg ben<n Banquette: .Ich erheb« »eia Glas auf Dirjeuigro, die bereit sind, die Ruhe und da» gute Einvernehmen zwischen den Klassen und Eoufessiouen jedwedem Angriffe gegenüber zu vertheidigeu mag dir» auch im Namen des Zdealismu« geschehen.- I» demselben Sinne äußette sich erst gestern der Juitizmiuifkr und Prrßburg« Abgeordnete Sziltzghi bei der Grundsteinlegung zum Gerichi»gebäude ia Szabadka. Er sagte schön und sinnig: Nicht nur dieser Bau, sondern auch der hohe Beruf, der in demselben ausgeführt wird, nämlich di« Urbung der Rechtsgleichheit, soll unerschütterlich bestehen. Hier müsse Jedermann gleichen, well gerechten Schutz findender Schmache und Starke, Arme und Reiche, dcr Glücklich« und der vom Schicksal« Verfolgte sind hier gleich wie i» Hause Gotte», und müssen hier mit Verträum eivkehren. — Daß die Israeliten bei einem solcher Herrscher u-d bei solchcn Kronräthen, ur brsch. det ihrer politischen und bürgerlichen Rechte, ihrer R.ftgion uugeh'ndert aohängen könne», ist klar und selbstverständlich; desto auffallender und verdächtiger ist r», daß unlängst in einem Budapest« Blatt« folgende sensationelle Meldung zu lesm war: .Eine sonderbare Erscheinung ist e», welche in der jüngste» Zeit i» Ungarn, ganz besonder» aber in Budapest zu Tage tritt und eine Erklärung gewaltsam herausfordert. Im letzte» Jahre, noch mehr in den letzten Monaten, sind in Budapest so zahlreiche Israeliten in aller Sttll« zum Ehristruthu» übrrgettettch wie die» in normalen Zettläusten nicht ia zehn Jahren der Fall zu sein pflegt. E» vergeht kau« ein Tag» daß die Taust nicht an mehreren Jtrarlttm vollzogen mabcf Familienväter mit Frau und Kinder» kehren in den Schoß, der katholischen Kirche eia. E« girbt in Budapest außer» orderttlich Biele, welche vor aller Wett für Juden gehakte» werden, während bereit» Wochen uud Monate vorbei find, seitdem sie da» Sacrament der Taust empfangen haben-. Dieser Bericht beruht ater, befferen Informationen zufolge, auf Unwahrheit uud scheint zwischen den Zeilen mehr zur Nachahmung aufforderu, als Tatsächliche» rrstriren zu wolle». Auch ia Oesterreich säugt jetzt au der Antisemttismusschlecht fortzukommeu und di« tolerantere Auffafiuug siegt. Da» hat sich unläuast in dem 'Urthell der Polizei Behörde io Wien gegen den deutsch-nationalen Verein und auch in den Antworten de» neuen böhmischen Statthalters an die irraelttischen Deputationen gezeigt. Auch der österreichische LultuSmiuister v. Gautsch bewährt sein« Liberalismus; aÜ» er in voriger Woche die christliche» llaterrichtSanstaltr» dep Stadt vrody in Galizien inspicirte, hat er auch die dortig« von der Wiener Allumz fnbventiouirtt israelitische Botts« - schule besucht, erkundigte sich eingehend nach ihren verhält»

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