Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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zu erfüllen haben, sofern nicht bei ihrer Konzesstontrung ausdrücklich etwa« anbere» bestimmt ist. Demnach habe Krl. Boretin« nicht da« Recht gehabt, jüdische Sinder zurückmnveifen, denn A 10 de« Titel 11 Tell II. de« allgemeine« Landrecht« besage au«drücklich, daß Niemandem wegen Verschiedenheit de« Glaubensbekenntnisse« die Anfaahme in einer öffentlichen Schule versagt werden dürfe. Iber auch die Form der Zurückweisung könne nicht gebilligt werden. Zahlreiche Mitbürger hätten sich mit Recht verletzt gefühlt und seien auch thatsächlich in Folge der bekannt gewordenen Briefe 30 jüdische Schülerinnen au« der Anstalt genommen. Die Schuldeputation beschloß daher, über die Angelegenheit im Sinne dieser Ausführungen an das Provinzial-Schulcollegium zu berichten, und nahm einen von Dr. Herme« gestellten Antrag an, wonach bei der Sonzesfirung der Prtvatschnleu und der Uebertragung solcher Anstalten an neue Leiter dafür zu sorgen sei, daß der Charakter der Schule bezüglich der Konfession resp. der Parität der Konfessionen gesichert werde. . Die Antisemiten Berlin» sind ob der kaiserlichen Kundgebung ganz au» dem Häuschen gerathen. In ihrer jüngsten Versammlung wurde strenges Gericht über Stöcker gehalten, der auf einen Wink von oben die Fahne »iedergelegt habe. Zur Bcrtheidigung Stöcker» wurde eingewandt, er habe die Fahne nicht orrlaffen, sondern seine Thätigkeil nur auf kurze Zeit unterbrochen. Möglicherweise Verde mancher Wahlkreis dadurch »pleite gehen", aber zur rechten Zeit werde Stöcker wieder ouftreten und vielleicht doch »och siegen. Ein Redner verlieft schließlich unter dem Beifall der Versammlung folgende Kriegserklärung: »Wahrhaft nationale Männer sind über den »Fortschritt" zur Tagesordnung übergegangen, zum Thril auch Über die Nationalmiserablen. Auch über die konservative Partei werden wir einst zur Tagesordnung übergehen. Nur der Antisemitismus bleibt. Helten wir Alle, daß wir über Juda'« Leichnam zum Siege schreiten." — Da» Stöcker'sche »Volk" benu^t die Zwischenzeit des Waffenstillstandes, wie jedes geschlagene Heer, zur Läuterung seiner Getreuen und zu ernsten Betrachtungen über die Ursachen der Niederlage, und da dämmert ihm denn auch — freilich etwa» spät — hie und da rin Fünkchen Wahrheit auf. Da« Blatt schreibt in einem Leitartikel am IS. October: »Der gut» Sache de» AniisemtiSmuä hält«» di« schlechten Mittel u»d »ie ungeeignet» Versauen geschadet. „»« waren jum Zell unsätziae »der sonst ungeeignet« Minner, welch« an di« Spitz« traten. „SeschästSantisewilen" wntzle» unter de» Deckmantel unverjälscht deutscher tvrsinnung dt« Bewegung im eigenen Jntereff« auäzubeut». Unlautere EMenzen, die sich vordrängten, gaben der gegnerischen Presse einen nur!u willkommenen «»laß zur Beschimpfung und Berillumdu-rg der Sache »lbft. Schlecht wl« gum Teil di« führenden Männer, waren auch nicht elte» dt« Mittel." Weiterhi» derichtet da» Stdcker'lch« .Volk", wie folgt: »Mit kleinen Mitteln suchte «an da» große Ziel zu erreichen. Man wallte die Juden ärgern, Indem man die Schaufenster mit Zerr» dtldern schmück,«, »n Häusern, Zäunen, Säule» u. s. ». bracht« man a,t>semitische >a,chrisl«a an. Aus Briese und Drucksachen druckte man Stempel mir antisemitischem Inhalt. Ueber Zhüren prangt« da« Lcgetchnend«: .Iu^en ist der Ei,tritt verbaten." von Zeit zu Zeit prügelt« «an «inen Juden durch oder warf dann sogar «ine ganze An» tzabl durch« Fenster, wt« die» in jener Neujabrlnacht t« Last Bauer geschah. Manch«» düakt« «», er habe d« «ipf:l de» Aalts,ti«mu» erklommen und eine urdemschr That gethaa, wenn er in einem van Juden besucht» Lokal leut über dieselben sp ach oder gar den sehnlichsten Wunsch äußette: .Einmal so eine« frech«» Judenlümmel eia Paar rnnterzula»,«».' Di« »ntisemittsch» veisammlungen hielte» sich nicht immer von Ausschreitung» frei. Unerquicklich« Scene» sind vorge« komm», welch« Veranlassung gaben, van .besoffenen Antisemiten" und »o» .Radau-Antisemiten" zu sprechen. Ueber di« Abwehr jüdischer Frechheit ging man zuweilen hinan« und griff mit germanischer Grobheit zu." So sei denn die Hochfluth der Bewegung fast ohne Ergebnisse vei lausen. .Mühsam muß der verlorene Bader» jetzt zurück- «robett »erd», und derj»igr neu gewonnen »verden, der' anfangs der SO. Jahr« km Siegeslauf zu gewinnen war, wenn «an richtiger verfahr." Ein« neu« vorwättSbewegung aber fei jetzt festzustellen. „Such» mir si« zu ein.-r dauernd sieg reichen tu mach»! Da« geschieht am best», men» wtr di« «»«achten Kebler off» bekenn», si« in Zukunft vermeid» und wahrhaft praktisch» Antisemiti«»»« treib»." (L« ist doch nicht Zufall, daß ein« schlechte Sache von schlechten Personen mit schlechten Mitteln betrieben worden ist. Jede Sach« ktmn nur in einer ihrer eigenen Natur ent« sprrchenden Weise vertreten werden.) Iruulfurt «. M., 16. October. (Or.-Cor.) I« 14. d. M. hielt di« Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwittwen und »Waisen in Deutschland, ihre siebente ordentliche Generalversammlung unter ziemlich zahlreicher Betheiligung dahier ab. Der Vorsitzende. Herr Adolf Tebläe, erstattete einen Bericht über die Entstehung und Entwicklung de« Verein«, der nunmehr da« 25. Jahr seine« Bestehen« zurückgelegt hat. Der Verein hat sich andauernd reicher Zuwendungen edler Menschenfreunde zu erfreuen gehabt. Gegenwärtig gehölen ihm 840 Ehrenmitglieder (beitragende) von welchen allein 446 auf Frankfurt entfallen, an. Die Zahl der activen Mitglieder (Lehrer) beträgt 289. Zuzüglich der Leistungen de« Jahre« 1889 wurden seit Gründung de« Verein« über Mk. 140,000 verausgabt; da« vermögen beläuft sich im Nenuwerthe annähernd auf Mk. 170,000. Der Antrag, den Eintritt nur bi» zum 35. (statt 40.) Lebensjahr zu gestatten, wurde fast einstimmig abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, daß bi« zum SI. März 1890 solche Lehrer oder Rabbiner, welche da« SV. LebekS-jchhr noch nicht überschritten haben, nach Maßgabe der geltenden Vorschriften, al« ac tive Mitglieder eintreten können, jedoch außer dem Einkauf«geld von Mk. 60 noch die Beiträge für dt« vom 40. Lebensjahre an zurückgelegten Jahre nachzuzahlen habe«.*) Die Anträge Nr. 2 und 5 wurden abgelehnt, die vom Vorstände gemachten Vorschläge von Nr. 6 bi« 13, mit Ausnahme von Nr. 9, wurden mit großer Mehrheit angenommen. (Wir werden in nächster Nr. einen in vieler Beziehung ergänzenden Bericht über die Beschlüsse bringeu. Red.) Nach Beendigung der mehrstündigen Berathung vereinigten sich die Theilnehmer der Generalversammlung bei einem gemüthlichen Abendessen, zu welchem sie zur Feier de« 25. Jubelfeste« der Vorstand eingeladen hatte. Hort«»««, 14. October. In der Schöffengericht«- fitzung vom 19. Juni d. I. war, wie wir zur Zeit berichteten, der damalige Verleger und Redakteur der antisemitischen .Westfälischen Reform", Herr Otten, von der Anklage der Beleidigung de« Viehhändler« Herrn Rosenberg in Dorstfeld durch dir Presse freigesprochen worden. Der Vorsitzende de« Gerichtshöfe« hatte damal« ganz besonder« betont, daß da« freisprechende Urtheil von den Schöffen herrühre, trotzdem anerkannt worden war, daß der inkriminierte Artikel beleidigenden Charakter« für die Privatkläger sei. E» handelt sich um einen Artikel au» Dorstfeld, in welchem die Nichtaufnahme von zwei Vettern de« Rosenberg in den dort bestehenden Gesangverein .Konkordia" in ungeziemender und beleidigender Weise behandelt worden war. Gegen das freisprechende Urtheil de« Schöffengericht» hatte der Privatkläger die Berufung angeleitet, so daß die Sache heute vor der hiesigen Strafkammer verhandelt wurde. Die letztere verurtheilte Otten zu einer G:ldbuße von 50 Mk. Sie hat nur deshalb von einer Freiheitsstrafe abgesehen, weil Otten nach seiner Angabe zur Aufnahme de« Artikel» gezwungen worden war, da ihm andernfalls der Druck der Reform entzogen worden wäre. Die« ist inzwischen doch geschehen und, da gegen Otten »och mehrere Prozesse wegen Beleidigung durch die Presse schweben, wird derselbe, um eventuell eine gelindere Strafe zu bekommen, dazu übergehen, die Verfasser der inkrtminirten Einsendungen nennen, wie da« auch heute bereit« bezüglich de« oben erwähnten Artikels geschah. Oesterreich-Ungar«». 17. Z«i Augarn, 14. Ottober. (Or.-Lorr.) »Nehmet di« Palme in die Hand, und Alle« wird wissen, daß Ihr, Israeliten gesiegt habt." Diese« auf da« Hüttenfest ange- •) Rach htm 81. «är» bleibt wieder wie bisher da» 4«. Leben»- jahr di« Aujnahmegrmz». Möge die Zwischenzeit von den Senior» stark zu Eintritttanttägm benützt werde». (Red.»