Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 41-42.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Ml ifcaat jedoch nur.jheilweffe «ela««. Hiermit hätte ab« der Orden sei« eigentüche -xistenzbenchtt»»«, »erlore» und wäre zn nickt» weiter al» einer auf flhainfcüigfeit gezrü»- dete« Unterstütznngsgesellschast mit gesewpe» Verkehr nnd derartigen Berpiügnuge» für gewisse geschlossenen Ikreise her« adgesuvkru. Daß dtö» »ohl auch schon io früherer Zeit drohte, kann «an in de» „Gesprächen über Kretinanrerei" von Lefsiug sehr wohl zwischen de« Zeile» lesen. Er »er« suchte r», dem Geist des Orden» wieder ans die frühere Höhe zu erheben, brach aber sei« Werk ab, al« er auf »irlfache» Wiederstaud und zwar von mächtiger Seite her stieß.' Mau muß auch nicht glanben, daß der Orden stet» nnd überall »»» lieberaler Gesinnung drsvrlt war. An nicht wenigen Orte» waren z. v. die Logen 1848 und 1848 der Heerd, wo fich die reactionäreu Kräfte samwelle». Ist doch eben der Orden eine menschliche Veranstaltung, die dem Wechsel der Ansichten und Verhältnisse unterworfen ist. Im- «erhin aber bleibt anh für Jndenthnm der Freimaurerorden ein fremdartiger Gegenstand, für den r», so lange er nicht Tendenzen der Ausschließung und der Uuduldsamkeit bezeugt, keine feindselige, anch keine fördernde Gesinnnug hegen kann. Unsere Zeit liebt überhaupt Geheimnißkrämerei nicht mehr, und ist argwöhnisch gegen Institute, »elche fich in Mysterien hüllen und auf den Reiz der Neuheit und Besonderheit zählen. Hat mau doch seit den frühesten Zeiten da» Iudenchum der Geheimnißkrämerei zu bezichtige» versucht, um ihm Greurlthaten zuschreiben zu können, von welchem e» keine Ahnung hatte und die seinem Wesen aus» Entschiedenste widersprachen. Dergleichen Verfahren wüsten wir überall bekämpfen, wo wir «» antresfeu." — Soweit Herr Dr. Philippson; sein Expos» enthält entschieden viele richtige Gesichtspunkte, ob dieselben aber auf jüdische Orden und Logen zutreffend sind, muß ich einem „Eingeweihten" überlaffen. Soviel weiß ich au» Freimaurerschriften, daß es innerhalb de» Freimaurerthum« sehr viele und heftige Gegner aller „Geheimniffe" giebt. — W. (Soviel können wir im Allgemeiven sagen, daß da» „Geheimwesen" in den jüdischen Orden eine sehr unter« «ordnete Rolle spielt und da» Gruudwrseu derselben, dir Humanität, gar nicht blrührt. Der letzten General-Convention lag sogar der Antrag auf Aufhebung aller Geheimhaltung vor, und früher oder später wird wohl gerade im Inter, sie der Ausbreitung dieser Vereine der Mantel de«Gehrimniffr« fallen.) Gieße«. Ein seltene« Fest beging am 1. October Rabbiner Dr. Levy, da 60 Jahre verflossen sind, seit er hier al» Rabbiner wirkt, venedict S. Levy wurde am 14. October 1866 zu Worm« al« Sohn de« Rabbiner« Samuel Wolf Levy, der später »ach Mainz berufen wurde, geboren. Im Jahre 1813 starb sein Vater, noch auf dem Sterbebette den Wunsch ausdrückend, daß sein Sohn Benedict sich dem Rabbineramt widmen möge. Diesem letzten Willen kam der Sohn auch nach. Nachdem er da« Gymnasium durchgemacht, bezog er die Universität Würzburg und studirte daselbst Theologie; Philologie und Philosophie. Nach dreijährigem Studium besuchte er die Untvasität Gießen und bestand daselbst die philosophische Doktorprüfung. Später ging er »ach Worm« und studirte bei dem damaligen Rabbiner Dr. vamberger weiter, bestand di« Rabbinatsprüfung und wurde zum Rabbiner ordinirt. Gerade zu dieser Zeit war die Stelle de» Rabbiner» in Gießen freigewordeu, indem der damalige Rabbiner Dr. Wolfs nach Kopenhagen berufen war. Dr. Levu meldet« sich für da» fteigewordrue Rabbinat «ud der damals 23 jährige junge Mann wurde, nachdem er zuvor noch eine Prüfung bestanden hatte, am 1. October 182V zum Rabbiner in Gießen ernannt. N«chd«« im Jahre 1842 da» Rabbinat Friedberg aufgehoben worden, wurde ihm auch diese« übergeben, «nd seine Thätigkeit erstreckte sich seit dieser Zeit über sämmtlich« tsraelitstche» Gemeinden der Provinz Oberheffeu, und wie al« junger Rabbiner fft der jetzt »3 jährige Greis sich seiner Pflichten bewuP, indem er sein Amt nach wie vor unermüdlich verwaltet. Berheirächet war Herr Dr. Levy zweimal und stammen au» erster Ehe 3 Kinder (nn Sohn lebt in Mannheim, der zweite fft der k>erühmte Generalmusikdirektor in München und eine Tochter lebt al« Witiwr de« Colonel Mack in Pari«); eine Tochter au« zweiter Ehe, die in Earlsruhe lebte, ist gestorben. Bon Seiten der Universität Gießen wurde ihm (nach 50 Jahnm) am 7. November 1878 da« Doktor-Diplom erneuert und am 7. November vergangenen Jahre» ließ ihm die Universität zum 80 jährigen Doktor-Jubiläum durch den derzeitigen Dekan eine schöne und ehrenvolle Adresse überreichen. Der Universität hat er seine Dankbarkeit dadurch bewiesen, daß er ihr seine sämmtlichen hebr. talmudischen und rabbi- Nischen Bücher unter der Bedingung verschrieben, daß er zeitlebens im Besitze derselben bleibe. Auch von Seiten seiner Lande«fürstea wurde er ausgezeichnet. So erhielt er in den sechziger Jahren von dem verstorbenen Großherzog Ludwig III. den Ludwigsorden 2. Klaffe und wurde beim 60 jährigen Dicnstjubiläum im Jahre 1878 von Ludwig IV. mit dem Philippsorden 1. Klaffe dekorirt. Daß dem Jubilar die Gesundheit und Geistesfrische, die ihm so viele Jahre treu geblnben, noch lange erhalten bleibe, ist der Wunsch nicht nur seiner Gemeinde, sondern seiner zahlreichen Verehrer und Frcunve in Gießen und weit darüber binauS. An» Aorst (Lausitz) versenden 3 Herren folgende« Circulair an alle Gemeinden in Deuffchland. „Liebe Glaubensgenossen! Trotzdem unsere Stadt mehr als 100 jüdische Seelen zählt, existirt hier noch keine Gemeinde, weil die vermögenderen und gesellschaftlich höher stehenden Juden zum Theil Dissidenten geworden sind, Alle aber von der Gründung einer Gemeinde Nichts wissen wollen. Unter diesen Umständen müffen wir 20 weniger bemittelten Familien sowohl auf Gottesdienst als auf religiösen Unterricht unserer Kinder verzichten, wenn wir bei unseren Brüder-Gemeinden keine Unterstützung finden. Deshalb bitten wir Euch, im vertrauen auf die nie vergeblich angerufene jüdische Bruderliebe, zum Zwecke der Begründung einer Gemeinde und wenn möglich zur Erwerbung eine» Go tteShause» und eine» Friedhose» baldmöglichst an einen der Unt«rzeichneten einen, wenn auch kleinen, Beitrag gelangen zu lassen, „viele wenig machen ein viel, vereinte Kräfte führen zum Ziel!" Ueber die ein» gegangenen Beiträge werden wir innerhalb 4 Wochen im „J«rarlit" dankend Quittung leisten. Indem wir auf recht baldige Erfüllung unserer Bitte hoffen, rufen wir Euch ein herzliche» .Friede sei mit Euch" zu." Obwohl unter dem Circulair der vermerk steht: B'glaubig«: Die «olizei-«erwalnmg. Eng mann, Erster Bürgermeister. so weiß man ja nicht, ob sich diese Beglaubigung blo» auf die NamenSunterschrifteu, oder auch auf den ganzen Sachverhalt bezieht. — E« dürfte sich vielleicht empfehlen, wenn die Herren Sammler sich zunächst an den Vorstand de» deuffch-i«r. Gemrindebunde» wendeten und dieser die ganze Angelegenheit vorher prüfe und über die Schritte berathe, die zur Abhilfe dieser traurige» Zustände zu thu» sind. Diese direkten Anzapfungen aller deutschen Gemeinden sollten doch vermieden werden. Oesierreich-Uugarn. N. An» Nngar«. 4. October. (Or.-Cor.) Nicht da» Börsen-Unglück eine» Prediger«, sondern da« hochherzige Entgegenkommen seiner Frruade zu schildern und dadurch den Triumph der Antisemiten abzuichwächen. war die Tendenz de» Corvespondentcn der gesch. Wochenschrift (Nr. 39). Nun» der Prstrr Juristentag hat sich, angelegentlich mit der Rechtsfrage der Differenz-Geschäfte auf der Börse beschäftigt und fich für die Klagbarkeit solcher Geschäfte entschieden; da diese auch für den nicht-professionellen „Börsianer" kein Spiel, sondern «in Gewerbe bedeuten. Bei der großen Zihl jüdische Bürsenbesucher und -Theiluehmer ist diese Entscheidung für die weitesten Krrffe von prinzipieller Wichtigkeit.