Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 41-42.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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H« Zad)tu feiger gege«'G»de«a»» bringen wir im A rschluß an den Leitartikel in vor. Nr. al» Beweis, wie die unerhöne« dmunciatorffchm Angriffe Ludwig Geigerauch von Seiten eine» Manne«, der in religiöser Beziehung durch«».» nicht auf Güdemann'S Standpunkt steht, der sich aber ein warme» Herz für da» Judenthum, dessen Geschichte und Litt« ratur bewahrt hat. ein e scharfe Berurtheilung und Güdemann'S Werke die wohlverdiente Anerkennung finden, nachfolgenden Brief de» Königl. sächs. Rechtsanwalt» und Notar», Emil Lehmann in Dresden, deffen Beröffentlichung derselbe ausdrücklich gestattet hat. Er schreibt: unterm 20. September au» eigenem Antriebe an Dr Güde» mann, mit dem er sonst nie in Eorrespondeaz stand, wie folgt: »Hochgeehrter Herr! In diesen Sommkrferien habe ich die drei Bände Ihrer »Geschichte de» E ziehungswesens und der Cultur der Juden" grlrsm und daran» viel gelernt. Nachdem ich die Lektüre beendet, drängt es mich — im Gegensatz zu dem sehr bedauerlichen und ungerechtfertigten Urtheil, da» Ludwig G:iger in der »Zeitschrift für Geschichte der Juden" über J^r Werk abgegeben hat — Ihnen meinen Dank und mein« Anerkennung auszusprechen. Ich finde durchaus nicht, daß Sie in den Fehler de» Herrn Prof. Dr. Grätz verfallen sind, gegen den allerdings ebenso vom deutschen als!,om reformsrrundlichen Standpunkte Einwendungen zu Scheden waren. Ich freue mich, daß Sie eine wirkliche, würdige langersehnte E u l t u r gcschichle der Juden gegeben haben und bin auf deren Fortsetzung gespannt. Ich bedaure, daß sich der Chauvinismus in jener Kritik so geltend machen lonnte. Wem die mittelalterlich« Leiden»» und Geiste» ge schichte unserer Ahnen nicht al» eine mahnende Stimme aus dem Weltgericht erscheint, vermag objektiver Historiker sein, subjektiv hat er die Kühlung verlöre«. Den moderneu Juden kann nicht» so religiös stiinmen, nicht die wissenschaftlich und ästhetisch bestrittenen Cultu»- formen und Grundquellen — als seine Litteratur und Culturgeschichte. Und den Anderen ist sie je nach ihrer Richtung eine Warnung und Mahnung. Daß unsere Antisemiten daran keine Freude finden können, ist natürlich. Möze das neue Jahr, zu dem ich Ihnen Glück wünsche. Ihnen zur Fortsetzung Ihres großangelegten, verdienstvolleo Werke» führe». Dresden, den 20. September 1889. In vorzüglicher Hochachtung ergebenst Emil Lehmann." Dieser Brief gereicht nicht nur dem Herr« Dr. Güdemann, sondern auch dem Schreiber selbst zu großer Ehre. ES ist bekannt, daß derselbe dem Ausschuß de» D. I. G. B. fett deffen Existenz angehört, aber den Eingeweihteren ist e» ebenso bekannt, daß Herr EmU Lehmann mit dem Vorstand de» Gemeindet unde» nicht durch dick und dünn ging; alle die Wandlungen deff.lben nicht mitmacht« und gar viele Maßnahmen desselben durchaus nicht billigte. Auf dem letzten Gemeinbetage hatte sich auch eine starke Agitation gegen seine Wiederwahl geltend gemocht. Wir können >nglicht» seine» obigen Briefe» und seiner überzeugonaSvolleu offene« Stellungnahme gegen Ludwig Geiger» ftmif den stillen Wunsch nicht unterdrücken, daß r» der Wiffeaschaft de» Judrnchum» nie au solche« Anwälten schien möge. Gerichte ««d <gstvtff*nbtu}tu. Deutschland MagdeRurg. Die in Wien erscheinend« klerikale Zeitschrift »Gegenwart" veröffentlicht eine »drinzmde Bitte" au da» klerikale »Vaterland". Erster« hebt hervor, daß die arg« Gehässigkeit grgr« andere Tonfesstonen, wie sie da« .Vaterlaad" fördert, unvereinbar sei mit der Moral der katholische« Kirche. Ja dieser »dringend« Bitte" an da» »Vaterland* gerichtet heißt e» weiter: »Diese Zeilen, welchen die Ehre zutheil wird, von den erlauchtesten Persönlichkeiten gelesen zu werden, sollen e» weithin verkünden, daß wir nimmermehr mit der gehässigen Haltung derartiger Blätter einverstanden sind. Die heutige, rohe Kampfesweise unserer antisemitischen Glaubensgenossen ist in jeder Bezichung verwerflich." Der Artikel gipfelt in der Berurtheilung dr» Antisemitismus al» inhuman, unkatholisch, illoyal und unpatriotisch und fü^t schließlich au«, daß diese Strömung für unsere verhetzten christlichen Glaubensgenossen viel gefährlicher sei, al» für die Juden. F. 7** Httzei«. 20. September. (Or.-Corr.) Der Nestor der jüdischen Publicistik, Hr. Dr. Philipps»« in Bonn, bringt in der Nr. 36 der »Zeitung de« Judrnthum«" einen Artikel über da« Freimanrerrhum, in welchem er einige all« - gemeine Gedanken über geheime OrdeuSverbiadungen ausspricht, die wohl für die Leser Ihre, oesch. Bl. von Interesse sein dürften. Er stellt zunächst die Frage auf: »Welche Stellung nimmt da» Jndenthnm dem Freimaurrrchum gegenüber ein?" Und beantwortet fie wie folgt: »Bon vornherein kann da« Judenthum, wie jede positive Religion, einem geheimen und abgeschloffenen Vereine, in welchem auch g,tte«dieastliche Handlungen, wie die Anbetung de« Weltbaumeister«, in besonderen Formen vollzogen »erden, nur abhold sei«, da r» ihm goruicht gestattet ist, zu prüfen und z« beurtheilen, inwiefern die in dem geheimen Verband gelehrten Grundsätze und Anfichten mit den seinigen übereinstimmea oder in Widerspruch stehe«. Die« wird noch dadurch vermehrt, daß im Freimaurerorden verschiedene Grad« bestehen, auf bereu jedem andere Maximen den aufsteigenden Novizen mitgetheilt »erden. Allerding« gewährt e« einige Bürgschaft, daß viele und bedeutende Judeu den Orden gngehört haben, ohne fich merklich dam» ihrer Religion entfremdet ,« haben. Wir kmum sogar Mische Theologen, die keinm widerspmch darin fanden, dem Ordm eifrigft anzugehören. Go z. B. Gotthold Salomo«, der derrdte Verkündiger und Bertheidiger der jüdischm Lehre, welcher oft dl Logen sprach, mehrere dieser seiner Redm auch veröffentlichte. Daß der Freimaurerorden fich von de» Tempel Salamoni« herleite, ist unr eine Fabel. Neuere Geschichtschreiber des Orden« haben «rwiesen, daß er, wmn auch fich ««lehnend an die Bauhütten de« Mittelalter«, doch erst im eigrnUtchm Sinne i» dm zwanziger Jahrm dr» 18. Jahrhuudert» auf britischem Bo dm mlftaudm ist. Ader die Idee, »ns welcher er erwuchs, war die der allgemeiom Humanität, der Gleichhett der Mensch« vor Gott, so daß fich tu chm Jndtvidum aller Stände und Konfesstonm vereinige» könnten. Hierdurch «urdm zu einer Zeit, wo derarttge hnmane Gedanken noch wrnch Verbreitung gefunden, diese wenigstens i« die grbildeterm Klaffm htueiutragm und theoretisch und praktisch geltend gemacht. Mau weiß, wie diese J^em i« Lause des Jahrhunderts immer allgemeiner herrschend und der Boden wurde», aus welche« der Seift entsprang, welcher di« größere Hälfte des laufeadm Jahrhuudert« beherrschte. I« der Thal sah man in dem Ordm Fürstm und geblldetr Lauste»te und Handwerker, Professoren und feinere polnische Inden sich brüderlich di« Häude rrtchm uud gesellig mtt einander verkehre«. Leider hat fich et» Thell des Ordens selbst m feinen ursprünglich« Zweck getrennt. Die prmßtschm Log« ' erklärte» sich für et» »christliches Institut", und schloff« die Inden uud überhaupt Ntchtchrtstm ms. Die Logm anderer Länder versuchtm sie von dieser Exclnfivttät adzudriugm.