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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 40. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 40.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Mehrere lüdische Gelehrte betheiligtr» sich lebhaft an de» Eougreßverl-andlungen. Ja der Plenarsitzung unter dem Borsitze des Äc mg» sprach der Patron de« Eongrrffe*. Herr Jules Oppert auS Pari*, über di« Lstroaomi« der Chaldäer. Sr zeigte, daß die Eiutheiluug der Wache in 7 Tage eiu Ueberbleibsel dieser alten Cultur sei. Ferner gab er AuSlexungeu zu verschiedenen astronomischen und astrologischen Dxteu. Ja der Section»fitzuug für semitische Sprachen am 5. September la* Herr Rabbiner Dr. Klein von hier über .Zeit und Inhalt des Buche« Judiths. Herr Dr. SB. Geigcr von der Akademie der Wissenschaften zu München und Herr Joseph Halevi aus Pari* hielten ebenfalls Vorträge in dieser Sektion; Letzterer nahm auch regen Antheil an den Generaldebatten. Herr Rabbiner D. Simonsen ans Copeuhage» sprach überpalmyrmische Bilder und Inschriften, welche in der Glyctotek„Reu Carlsberg" zu Copeuhage« vorhanden sind. Ein gedruckte- Werk des Herrn Rabb. Simonsen, welches eine» Bericht über diese einzige Sammlung enthielt, so wir auch Erklärungeu aramäischer Inschriften ist jüngst erschienen und lag dem Congresse vor. Ja der Jslam-Srctioa hielt Herr Rabbiner Wolfs au* Gothenberg eine« Bortrag über .die Extreme" nach MaimowteS. Boa andern Gelehrten, auch christlichen, welche auf die Jaden und da» Judenthum bezügliche interessante Mülheilungen nachten, seien roch erwähnt: Herr Prafessor C h w o l s e n a» s St. Petersburg, B cepräsideat der semüischea Section und warmer Freund seiner früheren Glaubensgenossen, Herr Dr. k. Gin-burg und Professor Kautsch, welche über den masoietischen Text der Bibel sprachen; Herr Prosrssor Guidi au» Rom, welcher eine hebräische Uebeisetzuug des Reuen Te'tamentS vorlegte, der italienische Professor Ca*pari, wacher über da* Buch Job sprach und Herr Knudtzo», cand. theol., welcher ein Thema au» der hebräischen Grammatik zu seinem Bortrage gewählt hatte. GroHbritawwte». London. E« lvurde jüngst in diesenBlättera dieFrage ventilirt, ob ein jüd. Lehrer sich Prediger neuneu solle. Hier in England »ärr eine solch« Frage gar nicht am Platze, denn bei uns predigt jeder, der direct oder iodirrct mit der jüdischen Religion etwa* zu thun hat. Der Ehasan, der Schochet, der jüd. Elrmeutarlehrer, et hoc genas omne — sie alle suugiren al* Prediger in größer» und kleinern Gemeinden. Elftere haben zwar oft gediegene« theologische* Wiffen, aber e» ist doch ein bischen zu stark, wenn ein junger unerfahrener HUfslehrer in :ioer Frrischule die Kanzel al* Prediger betritt, dessen ganze* theologische* Wiffen darin besteht, daß er die Gebete verfingen und leichte Bibelstücke mit Hilfe einer wörtlichen englischen Urbersetzung übertragen kann. Ja. «an erzöht sich sogar hier von einem Fall, daß vor einigen Jahren ein jüdischer Lollecteur, der die Gemeindesteuern in eimr «nglischeu Gemeinde einkasfirte und eine* Tage« mit dcm eingesammelten Geld« verschwand, kurz nachher in Amerika al* jüdischer Prediger fungirte. Wo dies« Leutchen hrr Predigten heruehmru? Nun, e* giebt ja genug Predigts rmmluogen, dir recht billig zu haben find, und die fie alt ihr eigene» geistige* Gut ausgeben. Was Wunder, wen» man hier zu Laude auf den jüdischen Prediger — natürlich mit wenigen Ausnahmen — recht sehr herabficht. Palästina. Jerusalem. (Die Juden in Jerusalem nach christlicher Anschauung.) Folgende objektiv« Schilderung von der Lag« hx Jude» in Jerusalem au* der Feder de* uupartettscheu christlichen Eorrespoudeuteu der in Boston erschrinrudeu „Sand»y Globe", Herrn Frank G. Earpenter, welä,e .Jrwlsh Standard" repraducüt, geben wir in der Erwartung, daß fie auch dir Leser diese* geschätzte» Blatter iuteresfireu werde, in getreuer Urbersetzung in Nachstehende« wieder: .Unter dm 40,000 Einwohner» Jerusalem* find 80,000 Judr» und birft berechtigen zu der Erwartung, «tust wieder da» herrschende Bett in Palästina zu »erde». Die türstsche Regierung, welche vor längere« Jahre» den Jude« «tue» mehr al* dreiwöcheuUiche« «ufntthalt in Palästina verweilte, hat unter dem Einflüsse der fremde» Mächte diese Beschränkung aufgehoben, und heute »ander» die Jude» zu Hunderten nach dem heiligen Laude. Sie nehme» au allen Geschäften Theil und ein großer Thetl de* palästinisch«» Haudel« ist in ihren Händen. Einige unter ihnen find der Meinung, daß der Tag, an welchem die biblische Prophezeihuug, daß sie einst ihr Land wieder bewohne» werde», bereit* gekommen sei und ein seltsamer Stamm Südarabieu* will sogar die Offenbarung erhallen hrbea, sei» wüste* Land zu verlassen und nach Palästina znrückzukehren. Diese Jude» haben in den letzten 2500 Jahren Jemen tu Arabien bewohnt. Sie find vom Stamme Gad und baden Palästina 700 Jahre »or der gewöhnlichen Zeitrechuuug verlassen. Sie bringen viele schätzbare alte Docamente mit, welche ihre Abstammung beweisen und nicht wenige von ihnen widme» fich dem Ackerbau in der Nähe Jerusalem*. Auch die Jndenaustreibung in Rußland und Oesterreich führte viele Juden nach Jerusalem, woselbst außerdem eine große Anzahl polnischer und spanischer Juden fich befindet. Unser amerikanischer Eousul, Herr Gilma», erzähtt mir, daß ungefähr 200 amerikanische Jade» in Jerusalem wohnen und daß der größte Theil dieser Einwanderer die Bewunderung der Bewohner dieser Gegend erregt. Er erzählte mir ferner, daß die Bewegung in Betreff der Beschränkung der jüdischen Einwanderung in de» letzten 3 big 4 Jahren eine besonder« rührige gewesen sei und daß bei seiner Ankunft in Jerusalem e* zur Politik der in Jerusalem vrrtteteneu ftemden Mächte gehörtt, die Türke» bei der Judenau«treibuug zu unterstützen. Der Termin für da« Aufntthaltsrecht der Juden i» Palästina ist nun »nt ausgedehnt worden und die Beschränkungen, durch welche «an chr Berwetleu in Jerusalem erschwerte, find thatsächlich aufgehoben. Bor einem halbe» Jahrhundert wohnten in Jerusalem nur 32 jüdische Familie» und in ganz Palästina nur 300 Seelen. Jetzt hat da* Land an 50000 jüdische Einwohner, von welchen ungefähr drei Birrtel auf Jerusalem kommen. Sie find «in eizenthümliche» Bott und verschiede» von alle» andern Juden auf der Erde. Sie näher» fich mehr dem Typus der früheren Bewohner diese* Lande«, tragen. eine vor ge schrie bene Kleidung und unterscheiden sich auch in ihrem Auftreten wesentlich von den andern orientalische» Böllern. Die Knaben und Männer tragen lange mautelähnliche Kleider, welche ohne Gürtel vom Halse bi* zu de« Füßen reiche» und unter welchen vor« noch-andere Kleidungsstücke hervorscheiven. Auf dem Kopse trage» fie Tuch» oder Sammetmützen mit braunem Pelz besetzt, welcher aufrecht, steht und einer breiten Franse ähnlich steht. Keiner rastet' fich und alle tragen Bollbärte. Da* Gesicht ist von zwet. lauge«, gekräuselten Locke» eingerahmt, welche »or de« Ohr ihren Anfang haben und manchmal bi* auf dir Brust reiche». Sie denken hierbei a» da* biblische Geset» »Du sollst di« Ecken Deines Barte* nicht verderben." Sie schneide» ule da* Haar vor den Ohren ab und ich sah Knaben, welche de» ganzen Kopf geschoren, aber diese zwei Locken unversehrt erhallen hatten. Die Juden Jerusalem* find von schöner Gefichtsbildung mit dem oliveufarbtgeu Teint, welcher dieser Rasse auf der ganzen Erde eigen ist. Ihr Haar ist M». den verschiedenste« Farbe», schwarz, weiß unb feuerrach und Biel« tragen Bärte vo» filberweißer Farbe. E* gibt unter de» Inden Jerusalem* viele Arme unb ihre Lage ist trauriger, al* die ihrer Glaub«ageuoffe» i» andern Ländern. Diejenige», welch« durch versalguug hierhin vertriebe« wurde», lebe» alle vo» Unterstütz«»^, die ihnen von ihren Glaubensgenossen auf der gauM Erbe zufließe« und die große Anzahl derjenige» llchbe» und auM Ehristev, welch« aus dies« weise ihr Dasei» friste», hat 3Ö& salem zu einer Bettlerstabt gemacht.... , , ...

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