Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 40.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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tfebern ist drr Zutritt zur Synagoge gänzlich versagt «. a. nu Zur Erzielung eine» würdigen Verhalten« und zur Unterdrückung jede» vorlauten Mitbeten» mit Kantor und Chor ist da» durch rin Ornat gekennzeichnete Aufsichtsperson«! vermehrt »ad mit genauen Instructionen versehen. Um di« Bestimmungen der Synagogen-Ordnung in allen ihre« Punkten thatsächlich z ir Geltung zu bringen, find außer dem Moualsvorsteher besondere Vorsteher und Repräsentanten defignirt, welche entschlossen find — denn hio haaret aqua — durch energische Handhabung der Exekutive eine Wendung zum Bessern herbeizuführen. Oeflerretch-Uwgar«. 0. Mir», 30. September. (Or.>Lor.) Wenn der jetzt in den Ruhestand versetzte Statthalter von Böhmen Baron Krau» dem »ntisemitt»mu» hart zu Leibe ging, wenn e« ihm gelang Rohling mundtod zu machen und die Meute elender Schmutzblätter zum Schweigen zu bringen, dann waren die bekannten Herren au» der Schule Schönerer« schuell bereit, diese» Vorgehen auf die Rechnung der jüdischen Abstammung de» früheren Statthalter» zu setzen. Nun weiß zwar Schönerer von seiner lieben Ehehälfte her, daß man vou »Leib Borechabstammen und doch eine gefinuuugsfefte Autisemitiu sein kann, aber gegen die Reinheit der Abstammuug de» jetzigen Statthalter» in Böhmen; de» Grafen Franz Th un «Hohenstein, wird sich doch gewiß nicht der geringste Zweifel erheben. Und dieser rein« Arier hat bei der Vorstellung de» Vorstande» der Prager Judengemeinde den Juden der Monarchie ei» Lob gespendet, welche» un» über viele Kränkungen und Zurücksetzungen zu trösten und zu erheben geeignet ist. Der Herr Statchalter hat e» al» eine wohlbekauute Thatsache hingestellt, »daß die Juden der Mouarchie au Loyalität und Patrio ti«mu» über« oll hervorrageu und stet» tu diesem Siune wirken.* Wahrlich solche Worte au» solchem Muudr find Lichtstrahlen iu eiuer trüben Zeit und geben un» die feste Zuverficht, daß die Saat der Bosheit, die eine Zeit laug allzu wuche» risch tu die Halme geschossen war, unter de« liebevollen Seepter unsere» gnädigen und gerechten Kaiser» schuell wieder verschwinden wird. — In Militärkreisen hat da» letzte Avancement auch «rhrrreu jüdischen Offizieren Beförderung gebracht, zwei avaucirteu zu Hauptleuteu erster Klaffe. Leider war eiuer drr beide» Oberlteutenaut», welche tu Ja r»»lau einem schurkischen Attentat zum Opfer fielen, Namen» Don a t, eia Israelit. — Ob die neue Session de» Reich«raihe» die endliche, so dringend gewünschte Berathung de» Judengemeindegesetze» bringen wird, wiffeu die Götter und der Präfident Smolka. Derselbe ist Herr der L»ge»»rduuug und da der Lu»schuß« bericht schon verthrilt ist, so könnte die Lesung de» Gesetze» in einige» Stunden vollzogen werde«. — Der Andrang zu den Mittelschulen seiten» i»raelitischer Schüler ist wieder jehr groß, wa» wir durchau» nicht freudig begrüßen. E» sollten viel mehr Jgraelitra praktische» Erwerben, dem Handwerk und drr Bodeucullur, sich widmen, da« ist nicht nur für Galizieu, sonder» auch für Böhmen eindringlich zu wünschen. — I« der Verfügung der uiedrrösterreichischen Statt« halteret, durch welche der Judevfrefferverein alias .deutsch, nationaler* Verein in Wien aufgelöst wird, ist auch die Ber« breituug de» Auttsemittsmu», bereu sich der Verein schuldig »achte, al» Grund der Auflösung genannt. Dir Erkennt» utß, daß der Anttse«iti»mn» noch schädlicher ist al» die Phylloxera, kommt spät, oder Gott Lob, daß fie kömmt. «» find auf de« Gebiete der geiftigeu Sultur viel edlere Saaten durch den Raceuhaß zerstört worden, al» Weinberge durch die Redlau». I»» Ilugar», 22. September. (Or.-Corr.) Ja der Westhälfte der öslcri> ungar. Monarchie wird die Frage der Krönung Sr. Majest. de« Kaffer» Franz Joseph L »um König« von Böhme» feit der Erurueruug de» Greffen Tchnn zu» Statthalter iu Prag lebhaft »ismtirr. Die Krönung ist da« ersehnte Ziel der alt« und jungczechischen Partei »und da» Mittel der Versöhnung mit den böhmischen Deutschen; ««»halb die österr. Regierung, welche auf dem Boden der Versöhnung der Rationalitäten stcht, diesen Erörterungen nicht gerade entgegen ist. Wohl aber würde man in Ungar« eine, wenn auch nur formelle, trinitäre Theilung des zu dualistischer Einheit gestalteten österr.« Ungar. Reiche» für in historischer und verfassuvg»mäßiger Hinsicht durchaus unbegründet halten, und stimmen in dieser Richtung, wie in der liberalen Fortentwickelung de« Staate», dt« Deutsch« Oest.ireicher mir den gesiunungstreuen Magyarm wohl vollkommen überein. Dennoch hat ein altctechischer Abgeor Meter, Prof. Dr. Zucker in Prag, mit seiner die böhmische Königs« krönung staatsrechtlich motivirenden Rede da« Herz Ladislaus Rieger'« entzündet, welcher Böhmen glücklich prie», daß c* einen solchen Patrioten bcsitztt und die jüdische Glaubensgemeinschaft ov dieses verehrten Mitgliedes. Neben Süß in Wien spielt also Zucker in Prag eine hervorragende Rolle unter den Professoren und Bolk-vertreteru. Wmn doch der Antisemitismus in Wien nicht gar zu bitter wäre! Nicht nur auf dem Gebitte religiöser Toleranz, sondern auch in drr Erforschung wissenschaftlicher Altetthümer und poetischer Geistesschätze der Ration schreitet Ungarn vor. Eine Deputation der königl. ungar. Akademie der Wiffen« schäften begirbt sich auf Einladung Sr. Majestät des Sultans Abdul-Hamid, unter Führung de» Professors vämböry, nach Eonstanfinopel, um in der kafferl. türkischen Bibliothek nach Uederresten de» magyarischen Schriftthum« — au» der Zeit der Occupation de» magyarischen Lande« durch türkische Herrn — zu forschen. Ist die Munifizenz und Gastfrrundschaft de» Großherrn drr Türkei zu loben, so darf auch die Hochherzigkeit und der edle «iffenschaftliche Sinn unsere» König» rühmend hervorgehobm werden, welcher dem Führer der Deputation, Herrn Prof. Btmdöry, die Summe von 6000 fl. für die Zwecke der Reffe au» der Privaffchatulle zur Verfügung gestellt hatte. Zur Eröffnung be« neuen Schuljahre» besuchte der Minffter des Lultu» und Unterricht». Graf LsLky, sämmtlich« Lehranstalten der LaadeShaupfftadt. Auch dem ungar. Israel. LaudeS«Taubstummrn«Justitute wurde die Ehre des Besuche» Sr. Excellenz zu Theil, und wurde der Minffter vom Herrn Rabb. Dr. S. Ko h n, als Mitglied de« Aufsichtsraches, empfangen. — An den Ovationen, welche dem Minister- Präsidenten von Tffza auf seiner Reise zum evangel. Convente in Löva bereitet wurden, becheiltgte sich gleichfalls der Rabbiner. E» ist rühmlich zu erwähn«, das drr ungarische Rabbinerstaad bei jeder Gelegenheit Palriottsmu« und nationale Gesinnung bekundet und drr Glaubensgemeinschaft de» Landes iu allen Parteien ein achten»« und beackteaSwerthe» Beffpiel bietet. Möge da» neue Jahr de» jüdischen Kalender» de« Bekenner» de» einig-einzigen Gottes in unsere« Lande, in dem unserem Staate so befreundeten Deutschland und auf der ganzen Erde Heil und Segen bringen! Sch»««». Ktvckßak«. von den 2 Preisen, welch« unser König bei Gelegenheit des hier stattgchabten Orieutalisten-Eongrefse« vertheilte, erhiett den einen Herr Dr. Goldzieher, Secretär der jüdffchen Gemeind« zu Budapest, als bedeutender Kenner de» Islam. Dr. G. besuchte den Congreß als Vertreter des ungarische» Reiche». Die Speisekarte für das Abschtrdsbankett, welches König Oscar den Cougrrßmitglicher» gab, euthiett Lobsprüche über mannigfach« Gerichte, welche von dm Delegirtm in verschiedmen orimtalischen Sprachen abgefaßt waren. Unter dm Werken, welche dem Congreß Vorlagen, befanden sich Probebogm von Dr. Ginsburg's ueuer hebräischer Bibel »och de« «afforetffchm Texte der ersten Beuetiaaischm Bibelausgabe vo» 1625—26. (Die erste Ausgabe erschien von 1518—20 und die zweite vo» 1523—28. Der lieber» setzml Dieselbe wird von dem Hofbuchdrucker Carl Fromme i» Wim gedruckt.