Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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führ folgen»««: .Hochverehrter Herr AmtSgenoffel Die Worte, die ich soeben an« Ihre« beredten Mund« gehört hob«, hoben mich tief bewegt nnd e« wird mir in meiner ianern Erregung schwer, da« rechte Wort de« Dank« und der Erwiederung zu finde«. 3n erster Linie meinen innigsten Dank au Sie und dir Gemeinde, dem hochansehnlichen Tempel» verbände, dessen Ruf wich beglückt und um deffea Wohlwollen ich btte. Wenn ich die Frage aufwerfe: Werde ich da« Verträum, welche« man mir in so freundlicher Weife entgegenbringt, erfüllen könne»? Werde ich den hohen Anforderungen, die da« Lehr- und Predig« amt an mich stellt, genügen können? so must ich gestehen, daß ich mit einem Erfühl der Schwäch« diese heitige Stätte betrete mit der bangen Frape: Wie soll ich diesen Geist, den Sie und mein Vorgänger pflegten, fortsühren? Ich will und kann keine Versprechungen für die Zukunft machen, aber das darf ich versichern, mein Wille ist fest und ernst, und eine heilig« Begeisterung entflammt mich heute in diesem für mein Leben so wichtigen Lugendlick. Ich will bemüht sein, ganz dem Ideal eine« Prediger« zu entsprechen. In welchem Geiste ich diese« Amt zu jührrn gedenke? Darauf muß ich die Antwort her te schuldig bleiben; ich will kein Wortgepränge machen. Da« Programm ergiebt sich erst au» dem Thun, nicht au« Worten. Wir leben noch immer in der Zeit de« Uebergonge« Leider bestehen zuei Lager im Judeathum, die wir zu versöhnen bestrebt sind. Za Liebe und Frieden ist nufere Kraft, unser Sttebea gelte der Versöhnung bestehender Differenzen. Bereinigen wir un« in dem theurrn Glauben; — wa« un« trenn», ist nicht so schwer, als Da«, wa« un» vereinigen s-illte. Wir Alle haben un» im Sttom der Zeü geändert. Tie Stürme sind über un» hinweggegaugrn und haben un« zeläutert. Ich gehöre nicht zu DeaMigeu, die da« Althergebrachte unentwegt preisen, ohne eingehende Prüfungen angestellt zu haben, aber wir dürfen un« den Glaube« und die Pietät für die alte Lehre nicht au« dem Herzen reißen lassen Da« treue jüdi sche Herz soll den Friedensboten zwischen den Parteien machen. So will ich denn «ein theure« Amt antreten, mit dem Hillel'schen Spruch: dem Frieden nachzujagen, alle Menschen liebendzu umfassen.- Nach diesen herzlichen und erheb, nden Worten spracht Dr. Leimdörfer noch nach dem Texte de« Propheten Maleacht: .Die wahre Lehre Gotte» sei meine Lehre und Führen»,- darin sei di.' ganze Aufgabe eine« Lehrer« gekennzeichnet. Hierauf stiaimte der Vorsänger einen erhebenden Gesang an, wahrend die Thora-Rolle durch den Präse« Schönfeld emporgehobni wurde. Die schöne Stimme de« Sänger« erfüllte das 'chöae Gotteshaus. Hierauf betrat Dr. Seltgmann die Kanzel und hielt seine Antrittspredigt au« Ezechiel über da« Wort: .Gehe hin zu meinem Volke und red« mit memem Werte; zum Wächter habe ich Dich gesetzt über mein Hau« Israel.- Die Rche war »ach jeder Richtung hin durchgeistigt und von einer edlen Begeisterung getragen und schloß mit den Worten: .Den Morgen möchte ich wecken sehen, wo Jtrael mit allen Völker» verrinigt würde durch die ewigen Lande der Menschlichkeit, Liebe und Eiuttacht.- — Die ganz« Feierlichkeit, während der da« Andenken de« vrr» storbencn Ar. Jona« wiederholt mit großer Verehrung hervorgehoben wurde, machte allseitig einen rihebruden und tiefen Ciadiuck. Kan»«»«. De» hannoverschen Couriervon IS.Sept. wird geschrieben: Die h esige Synagoge feierte die Anwesenheü de« Kaiser« in einem zwar grräusch» »ad pruaklosea, aber nicht« desto« «eulger ewdrucksvollen Akte. Gelegenttich de« sabbathltchm MorgengotxSdienstrS hielt Herr Laudrabbiner Dr. Gronemann die dom patriotischen Grifte durchwehte Festpredigt, in welcher er der Bedeutung der KSnigStrrue und Vaterlandsliebe vom Standpunkt der Religion au« beleuchtete und dann insbesondere auf hc veleu Wohlthatea hinvne«, die die iSraelitffche RsligiooSgimeiad« der Toleranz de« gegenwärtigen Herrscherhaus«» zu oerdanku habe. Ja Anknüsflung «, de» verlesenen 1 «ochenabfchuitt 5. «. Mos. Sav. 2«. 1—11 legtt «r Mp Schlich im Namen der versammelte» Gemeinde da« Gelöbnch ab, di« Erstlinge der auf dem Boden der Religion gnvoanene» Feucht, Gememsinn und opferftrudige Hingebung stet« dem .Altäre de« Vaterlandes zu weihen. Ein Choral und ei» Gebet für den Landesherrn schloß die erhebende Feier. N. #tu Ungar«, lö. September. (Or.-C,rr.) Drei Männer beschäfttgtm gegenwärttg die Anfmeeksamkeit de« »sterr.-ungar. Judenthum«: Prof. Zucker In Prag, welcher der all-czechischen Panei angehört und über die Königs- Krönung von Böhmen eine staatsrechtliche Rede hielt, durch welche er da« Herz «ieger« ergötzte, der — allerding« von seinem Standpunkt« au« — da« Judenthu« glücklich prie«, einen solchen Mau» zu besitzen, auf den di« Ration Böhmens stolz sein dürfe. Ferner: Prof. S ü ß in W i e n, welcher über die vereinigten Antisemiten der Leopoldstrdt al« Abgeordneter dr« niederösterr. Landtage« gesiegt und die liberale Sache gerettet hatte, und—Dr. Kayserling in Budapest, d« spielend sich die Sympathie» der hauptstädtischen Gesellschaft zu gewinnen verstand, aber an der Börse rin verlorene« Spiel ttieb. — Glück in der Liebe (der Gemeinde) und Unglück im Spiele ist ja eine tägliche Erscheinung. Nicht alltäglich aber ist da» Ereigniß, daß ein Prediger so glänzend dotirt ist, hunderttausend Gulden verlieren zu können, und rasch Capacitäten zur Hand sind, den Verlust auSzugleichen. — Die« ist die Lichtseite der unangenehmen Begebenheit. Großbritauttien. -La»»»«, Ende Srpt. (Or.-Eorr.) .Th-ten sprechen-. Bel vielen unserer Glaubensgenossen, die fich höchst aufgeklärt dünken, scheint e« zum guten Tone zu gehören, fich über die jüdische» Speisegesetz« lustig zu wachen und sie al« NonseuS za erklären. Dabei berufen sie fich natürlich auf dir Fortschritte, welche die Wiffenschaft in neuester Zeit gemacht hat, und da sie ihrer Behauptung nach der letzteren huldigea,. so können sie fich von den Satzungen der jüdischen Religion durchau« nicht leiten taffen. Nun hat aber auch die Wissenschaft ihren Humor und zeigt zuweilen ihren Anhängern, die mit der Religion auf gespanutew Fuße stehen, daß gar manche« religiöse Gebot, sogar vom streng «issenschafttichea Standpunkte au« betrachtet, die nöthige Achtung verdiene. Al« Beispiel möge folgende Thatsache dienen. Der ntuefte» Statistik zufolge, find mehr al« SO Prozent de« Schlachtvieh««, da« hier zu Land« jahran« jahrein verzehrt wirb, mit Krankheiten behaftet, die auf die Cousumenten übertrage», werde», und daß di« dadurch verursachten Sterbefälle in her allgrmttnen englischen Bevölkerung höchst zahlreich seien. Wenn demnach die besagten aufgeklärten Glaubensgenosse» ihr körperliches Wohl im Auge habe«, worüber 'wohl kein Zweifel herrscht, so wäre e« in ihrem eigenen Jutereffe rathsam, daß ste de« jüdische« Fleischer und bi« jüdische». Restaurationen wieder aufluchteu und Patronifirteu, di, ste bisher au« wiffenschaftliche« Prinzip« so streng« vermiede» haben. (Wir werden in nächster Nummer einen hochinteressanten Artikl »über die LebenSkaft de« jüd. Stamme«- »ou eine» englischen Arzte bring«, der den Nutzen der hygienischen Vorsichtsmaßregeln de« Judenthum« statistisch nachweist. Red.) Sawiüo. ’j Kinrinnati. Die Juden i« Staate Ohio, welch« de» Sabdath nach Vorschrift feiern, also wie e« da« jüdisch« RrligioaSgesetz gebietet, sind den Gesetzen über di« SountagS» frier, insofern diese den Geschäftsverkehr betreffen, «tcht unterworfen. Sie dürfen, wenn st« ihr« Geschäft« am Sabdath geschloffen halten, diese am Sonniag öffnen. Sie dürfen «nch, wenn sie sich am Sabdath der Arbeit «athalreu, am Sonntag alle Arbeiten verrichten, ohne daß irgend «in Gesetz dieses verhindert; nur »üfle« ste in dies« Fall« dem Polizeichef und den Beamten ihre« Drstriet« hiervon Anzeige machen mtt der Erklärung, daß sie für jede ungesetzliche 4***^