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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 39. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 39.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Bit «ritten: Br «ck cum er Erfahrung »rii, wir unbefangen unb gerechltgkrittll ebenb Sa* Gemüth bei Bindet ist. ob et nun christliche» oder jüdischen - »der nuchamrdqmschrn Eltern entsvonme. der wird nicht bezweifeln, daß Unznträglichkeiten det Verkehrt zwischen chrislltcheu und jüdischen Schülern, wie sie hier in der höchsten Uebertreibung geschildert werden, überhaupt niemalt Vorkommen, wo et nicht künstlich de« gläubigen Kinde beigebracht wird: Sch' nicht mst den Judenkindern; sie sind schlechter, alt dn l, wo nicht der Haß und die Unduldsamkeit, wie der Keim einer verderblichen Krankheit, dem Kinde eingeiwpst wird. Zn solch' schönem Erziehung-week scheuen sich ja in unser« Falle Estern (Artckeleinsruder) und gewisse Lehrerinnen — i ln Frl. Boretiu« — nicht, sich brüderlich die Hand zu reichen. — In derselben Feuilletonartikelserie der .Kreuzzeituug' — Abendnummer vom 20. d. MtS. — äußert sich der Judenhaß und da» Autschließungtbestteben auch auf einem andern Gebiete det Seistetleben». Die ^kreuzzeitung" hatte über den „Verein zur Begründung deutscher Volksbühnen' Bemerkungen gebracht, in welchen die Befürchtung geäußert wird, daß der Berlin an der Betheiligung der Juden scheitern werde. Ein Mitglied det Vereins richtet darauf eine Zuschrift au die .Kreuzzeitung', worin, soweit man aut deu Bruchstücken, welche man un» nicht vorzueuthalten für nöthig hielt, schließe« kann, die Au»- lassungen det ersten Artikel» auf da» richtige Maß zurück» geführt werden. Während oben die antisemitische Zuschrift wörtlich mitgetheilt wurde, unterbleibt hier die Aufnahme der Einsendung, .weil sie keinen Namen trägt.' Da» betr. Mitglied hält die Befürchtungen der .Kreuzzeitung' für ungerechtfettigt, ist der Ansicht, daß der Verein sich vor untisemstlschen und politischen Tendenzen zu hüten habe, daß er Niemanden autschließen dürfe, der sich für seine gute Sache interessier, daß höchsten» .eineMehrheit von Juden gefährlich' sei. Darauf antwortet die .Kreuzzeitung', daß auch die Juden vereine zu allen möglichen Zwecken gründen und die Christen davon autschließen — welche ja stet» äußerst begierig sind, der Ehre jüdischer Bereintangehürigkeit theühastig zu werdrn l (Eorresp.) —, daß die Juden, in deren taut nicht« stecke und stecken könne, wa» deutsch wäre,Pariser oulevardftücke auf die „deutsche Volksbühne' bringen würden, daß wenige einflußreiche Juden eben so gefährlich seien, wie eine Mehrheit. Irgend welche Beweisgründe dafür beizu» bringen, daß die Theiluahme und Mitarbeit jüdischer Bühnen» genoflen an einem zm Pflege diutschen Bolktschauspielt eigen» gegründeten .Verein unthunlich sei, häst die Kreuzzeitung nicht für nöthig: Denn daß die Juden überall autgeschlofsen werden nfifjen und dürfen, gehört zu ihren selbstverständlichen Glaubenssätzen. — Zu dem oben erwähnten Vorgehen der Schul« Vorsteherin Marie Boretiu» wird in der „Bolktz.' folgende» Seitenstück vorgeführt: Bor einer Reche von Jahren waren tu einer höheren Töchterschule, welche u. A. auch die Tochter vet damaligen Kullutministert Falk besuchte, antisemitische Tendenzen in starker f&ife hervorgetreten. Mt der Minister davon Kenntniß echielt, nahm er nicht nur seine Tochter sofort aut der Schule, sondern er soll auch an dir Eltern der sämmtlichen Kinder, welche die Schule besuchten, ein Schreiben gerichtet haben, in wrichem er sie von de« Ge» schchenen benachrichtigte. Natürlich folgten diese alle dem von de« Minister gegebenen Btispiele. Stettin, den 20. September. (Or.-Ear.) Schon vor mehreren Jahren regte ich in diesem gesch. Blatte au, ob et nicht viel besser und zweckmäßiger wäre, die zu Rosch-Hnschouo üblichen Briese und Gratulationen dadurch abzulösen, daß man eine bestimmt« Summe zu eine« »ohtthätigen Zweck opfert. So geschieht et jo auch bei» bürgerlichen Neujahr in fast allen größeren Städten und diese Sitte bürgert sich immer »ehr und »ehr ein. «eine Anregung hat damalt kn der .Wochenschrift' Widerspruch gefunden, die Sache ist Mach fettben nicht besser geworden, sondern nimmt immer größere Dimensionen' an.MDa hat mauGdie letzten Tageßvor de« Feste nicht» weiter zu thuu, alt die betreffenden Briefe und Karten autzuschrribeu und ängstlich muß man darauf bedacht sein, daß nur Niemand vergeffen wird. Abgesehen davon, daß nur die Post dadurch reich gemacht wird, nimmt et auch uuuöthiger Weise die Zeit in Anspruch, die man wahrlich bester gebrauchen kann. Würde eine Ablösung stattfinden, bann würde zu Unterstützungen eine ganz erklekliche Summe zusammeukoiumen und der Zweck wäre durch Veröffentlichung der Namen in einem Localblatt doch erfüll». Daß man seinen außerhalb wohnenden Freunden und Verwandten auch keine Gratulation schicken soll, will ich damit nicht gesagt haben, aber wozu seinen Bekannten in derselben Stabt, die vielleicht in demselben oder im Nebenhanse wohnen? Ist da» nicht wirklich etwa« zu wett getrieben? In Berlin muß diese» wohl auch schon empfunden worden sein, wenigsten» veröffentlicht heute in den Berliner Blättern Herr Dr. I. Hildetheimer eine dahin gehende Anfforderung. Er betont darin die Lästigkeit und die Kostspieligkeit der Eorrespondenz anläßlich de» Rosch-Haschouo-Fefte« und plaidirt für Ablösung zu Gunsten einet wohlthätigeu Zwecket. Hoffentlich findet diese Sache Anklang, aber nicht nur in Berlin. Kamturg» 21. September. Die Amtseinführung und Antrittsrede des neuerwählten Prediger» Herrn Dr. E. Seligmann au» Breslau fand heute Vormittag im israelitischen Tempel von 9'/, Uhr ab unter der Theilnahme der Direktion und bei überfülltem Gottethause statt. Nach einleitender Liturgie und Ehorgesang mit Orgelspiel erschien der neue Prediger, geführt von dem Präses der Direktion, Joseph Schvnfeld und den Gemeinde-Delegirten I. 8. Bunzel und Naphtoli Samson. Da» Repräsentanten-Eolleginm hatte die Mitglieder Jul. Ealme», Jos. Levy, Eonsul Lion und Kaufmann entsandt. Die Gemeinde empfing den neuen Prediger stehend, und man darf nach dem Gesammteindmck, nach dem freundlichen und bescheidenen Anstrrten de» neuen Prediger» dem israelitischen Tempel-verbände nur Gück zu dieser Akquisition wünschen, — er wird ein würdiger Nachfolger seine» jo früh verstorbenrn Vorgänger», Prediger Dr. Jona«, sein. — Der an den Stnfen de« in einem Lichtmeer erstrahlenden Altar» den Eollegen erwartende Prediger Dr. Leimdvrfer, der treffliche und beliebte Redner, hielt an Dr. Seligmann mit kräftiger, volltönender Stimme eine Ansprache, der wir folgrude« entnehmen: .Unser Tempel bildet einen wichtige» Factor in der »ntwickelung unsere« ffultul, und war bahnbrechend für den Fortschritt de» Judenthum». Die uralte reine »oltedlehre Mose» »u vereinige» mit den Forschungen der Siffenschaft, da» war da» hehre Ziel unsere» Tempel». So war der Tempel .ein gewoliiger Damm geg-n de» Adsull von unserer Religion und gegen den Zeloit»«u», welcher J»roel» Stntgkeit leider so oft und tief zerklüftete. Der hohe Senat un» die erleuchtete BLigerschast haben in ihrer Seiöhett noch nusern »empeloerdaad gleichgestellt mit allen andere« Suite« unserer liebe» Vaterstadt» nnter welche« unsere Gemeinde al» die arSßte bezeichnet werde» darf. Sir könnten unsere» Tempel dea Salomonische« nennea: Ser immer kommt in unsere Hallen — ob Sude oder Richlinde — kann hier bete», und scheu, wie hier der Geist wahrer Bcäverlichteil gelehrt wird. „Salomonisch" avch in de» Sinne, daß G-nhold Salomo»bahnbrechend für die Homiletik hier gewirkt. Mögen auch Sie, verehrter Her» »mldg«osse, in diesem Sinne wirk», wie die besten Minner im Geiste der Thora; mögen Sie daran arbeite», daß da» »orurthell und der Haß gegen Israel und Jada immer «ehr in seinen uobeiechtigtm Forderungen schwinde, daß unsere Gemeinde gunehme an Siultqüett, Gerechtigkeit und Tugend, sich erquicke anr Li beulbau« der Stssenschast, der Erkenntnis undde» Fortsch.ttt» der Zeit. Möge» Gte, merlher Herr Lollege, dahin emsig »iden, daß unser Tempel immer »chr sich al» eine Stötte de» Frieden», der Borsehuog und der Toleranz entsalte. Die« ist die höchste und edelste «asgade eine» Prediger« unserer Zeit. Die Schule, au» welcher Sie kommen (vre»lan), ist»»« Bürgschaft, daß sie diesem Geiste «ochstrebe» werde», den» an« diesen Lehrsäle» find so viele der tüchtigste» Männer für Israel» Gemeinde» tzeivoro«gange». Möge e» ihnen und jedem Prediger befchiede» lein, baß die ttit« und Nachwelt sa,e. er war ei» echter Theologe de« Jndemhnm«, ans seinen L«en schwebte, au» seine» Munde kam nnr die Satzrheü; Friede und Grad heit waren seine edle» Führer «ns dem LebenSpsode und hielte, viele ab von Sünde.' Die Ansprache wachte nllsettig einen tiefen Eindruck. Hierauf ergriff Dr. Seligmaun dat Wort. Er sagte uuge»

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