Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Hinsichtlich bei Aufrufe» der .Alliance J-roelite" iu jenem Blättchw, »ill e« uuS iu der Lhat Vorkommen, al« ob di« Hu»d«tage für daffelb« «och nicht »»rüber wären. Auf die au diefer Stelle aufgeworfene Krage: Ob de»» Niemand vorl,»nden fei, der jene« Erzengniß journalistischer Pöbelhaftigkei: zur Verantwortung ziehen möchte? — antworten wir: Da« lohnt nicht, und ist auch nicht uöthig. wir haben da« feste vertraue», daß da« deutsche Volk sich nicht in'« Schlepptau nehmen lasten »erde von eiuer Clique, die sich au« schiffbrüchigen Existenzen zusammensetzt, und deren geistlicher Bestaodtheil sogar wegen seiner Aversion vor der Wahrheit bereit» seine moralische Berurtheilung gefunden hat. — wir halten da« feste vertrauen, daß Deutschlaud und Oesterreich niiht länger den zweifelhaften Ruhm haben wollen, in Mitte der Lulmrländer eine Bewegung in sich fortwuchern zu lasten, die neben dem Erandmal der Gleubuag-verfolguug, dasie unserer Zeit aufdrückt, als letztes Ziel den Mord und Todtschlcg sich gewählt. wir haben da« feste vertrauen, daß wir stet« in unserem Parlamente eine Majorität haben werden, der da« Gefühl für Recht nicht fehlen und die Einsicht nicht abgehen werde, daß ein großer Theil deutscher Staatsbürger d r Religion wegen feiner mit Gut und Blut erworbenen Gleichheit vor den LaodeSgeetzeo nicht beraubt werden dürfe. Wir Haren endlich davertrauen zu dem deutschen Volke, daß e« den Hetzereien fanatischer Priester gegenüber sich den gesunden Sinn und da« bessere Gefühl von dem bewahren, w>,S die wahre Religion au jede« Menschen zu achten und zu schätzen heißt, uud daß e« unmöglich io dem willen Gotte« liegen könne, daß ein Mensch »o« de« andern in den Staub gedrückt werde, weil dieser iu anderer weise ihn verehrt. — Da« deutsche Volk hat in seiner Gesammtheit in dieser Beziehung bi« jetzt gläuzend seine Probe bestauben. — E« hat dievielen Anreizungen und Aufforderungen zur Verfolgung seiner jüdische» Mitbürger mit stiller Brrachtnug erwidert. wir vertraue» der tröstenden Verheißung de« Propheten Jesaja« (Lar. 84,17). r.ad ftd: Nasse, g«teu Dich geschmiedrt, tlerlier. di« Kraft, und sühn zum Ziel« nie, tXe schlimmste Zunge, o auch str ermüdet — tlerunheilt ist, »er aus Dich Galle spie. Die Juden feiern jetzt die ernstesten und heiligsten Feste, und an chueu ist e« vornehmlich da« schöne und herrlich« Gebet, da« sie zu ihrem himmlischen Vater richten: .daß dt« Zeit komme« möchte, wo alle Menschenkind« ein Bünduiß schließen, den göttlichen Wille» mit uugetheilteu Herze« zu erfüllen". Da« ist die Lehre de« Judeuthum«, eine Lehre, die da- Herz erweitert, und den Meuschenbanf auf die idealste Höh: emporträgt. Der Jude soll in alle» Menschen die Kinder «Sötte« erblicken. Er soll sie nicht sortiren und i» verschiedene Klaffen bringen. Juden, Ehrifte» uud Heide«, sie seien ihu, gleich, wenn er zur Pflichtübuug ihnen gegeu- Überfteht, wenn er die Menschenliebe an ihnen zu bethätigeu hat. Uud mit solchen Gedanken wollen wir denn auch tu unsere diesmaligen Feiertage trete» Möge da« neue Jahr unser» verehrten Lesern eine angenehmere Lektüre bringe», al« die, die sich mit dem A»tisemiti«mus beschäftigt. Möge» ihnen i» dem nuu begtuueudea Jahr überhaupt um Erscheinungen begegnen, die well uud Leben ihnen iu den lichtvollsten Farben zeig,» uud der altjüdische Wunsch sich ganz und voll an ihnen erfülle«: ion?nnyton^p Kemchte «td CsrrespSRkeiye«. Derrtschlwwd. Aterfta« Da hochselige Kaiser Friedrich hatte al» Kronprinz taf» eindringlichste davor gewarnt, de» Geist da Unduldsamkeit iu die Stätten da Jugenderziehung und da Bildung einziehe» zu lasten, «eil hia da« Gift am gefährlichsten wirke. Daß diese west« Mahnung io unsera Stadt da Intelligenz noch nicht allsettig beherzigt «ird, zeigt folgenda vor-! f»ll,überwelcheu dieTage-blätter baichten:Ja der hies. städtischen | Schuldeputation ist t» diese Woche zur Erörteruug gekommen, ' daß die Leiterin eiua privaten höheren Töchterschule, Frl. Boretiu«, die Schwester de« früheren oationalliberalen Ab-! geordneten, wiedaholt die Aufnahme jüdischer Schüleriuoeu! abgelehut hat. Im deöfallfigen Schreiben der genannte» i Dame an einen jüdischen Lata heißt e«: .Die gegenwärtig ' recht bedeutende Zahl jüdischer Schülerinnen bringt «ich j häufig in die peinliche Lage, darauf bezügliche mißfällige »eußerungeu von Seiten chriftlicha Eltern eatgeg nnehmea! zu wüsten unter Hiuzufüguog de« Wunscheeiner Aeudanng I diesa Sachlage; auch Abmeldungen, die mir im höchsten Grade bedauerlich sein mußten, sind au« gleichem Grunde erfolgt. Unter solchen Umständen hat die Erwägung allfettigen Jntacffe« mich zu dem Entschluß geführt, bi« aus weitere« von da Neueiuscholuug jüdischer Schülerinnen ab» zusehen." E« werden un« noch abschriftlich mehrere Briefe gleicha «rt mitgetheilt, in welche« Fräulein Boretiu« versichert, daß sie .mit Konsequenz" künftig von der Aufnahme jüdischa Schülerinnen Abstand nehmen wade. — Die Antisemiteupreffe meint, daß die Schulfreiheit e« den Besitzern > von Privatschuleu gestatten müffe, nach Belieben Kinder aufzunehmen oder zurückzuweisen. Da« wäre gewiß sehr richtig,! wenn wir Schulfteiheit hätten. «l«daun würde gewiß nie- I wand etwa« dagegen einwendrn, daß die Stöcka'schen höheren! Töchter überall für sich erzogen würden. Aber solche Schulfreiheit besteht in Prenßen nicht. E« ahält nicht jedermann die Konzession zur Errichtung einer Privatschule. welch« seine persönliche Qualifikation dazu nachweist. E« wird außadem nach der Instruktion vom 31. Dezember 1839 noch da« öffentliche Bedürfniß bei «rtheilung der «onfesfiva zu Privatschule» geprüft- Bei da Erörteruug der Bedürs. nißfrage sind einzelne Schulen konzessiouirt worden auSdrücklich in der Beschränkung auf gewisse «onsesfionen; andere Schulen, wie die iu Red« stehende, sü»d konzesfionirt worden, um ein allgemeine« Bedürfniß da betreffenden Stadtgrgeud zu befriedigen. Fränleiu Boretiu« handelt als» iu de» ge» gebeueu Falle i« Widerspruch mit da ihr atheilteu K«rzesston. — Wir würden r« übrigen« nicht verstehen, wenn jüdische Elter», deren Kinder bi«her iu da Schul« de« Frl. Boretiu« uutarichtet wurden, ihr« Töchta nach de« Bekanntwerden jener Briefe auch nur einen einzigen Lag noch iu dieser Schule belasten sollten. — wir wir «fahre», ist! die Augetegeuheit in da städtischen Schuldeputation durch da« Mitglied derselben, den «bg. Dr. Ott« Herme», zur Sprache gebracht worden, uud wird derselbe auch »och weiterhin eine Erörteruug vaaulaffe« darüba, ob uud wie da« Verhalten de» Frl. Boretin« mit da ihr atheilten Konzession im Einklang steht. 3»«ft», 22. September. (Or^Eorr.) Da Fall .Boretiu«" (Verweigerung da Ausnahme jüdischa Schülerinnen) vaanlaßt« ein« .judenfreundliche" (?) Pnsünlichken zu einer Zuschrift an die .Kreuzzeitung", in welch« da betr. Giasead« die gute Gelegenheit natürlich nicht vorübageheu last« kann, ohne seinem .duldsamen" Hechen Lust zu mache» «ad die That jena Institut-Vorsteherin al« einen .Akt de« Selbst« nhaltungötriebe«" zu bezeichnen. „Ott au» eigena Erfahrung weiß, wie unaträalich die Zustände in den höheren Mädchenschulen find, wo Christinnen und Jüdinnen zusammensitzea, wie viel Sorge und Badruß die« de» Lltan da erstaen verursacht, wie groß die Balegenheitrn find, in welch« ste sich dadurch fortwährend gestürzt sehen, wird da« nicht bezweifeln. Lu die Stell« kameradschaftlichen Bakehr«, wie a sonst uata kleinern «ud größeren Mädchen stattfiadtt, trete» entweder kalte« Rebeaeinaudergeheu oda nnauögesetzta Streit, wie ihu die Neigung da Jüdinnen zu Spöttereien üb« dir christlich« Religion etuerseitö, und zu Äroßprahlereten mit de» väterlichen Retchthn» «wvasett» «zeugt u. s. w." —