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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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xxfc diese» Fache «ine seiner! würdigere Stellung tnnerhalb de» Neligionsnnterricht» verschaffe». Daß ihm eine bessere zusteht, kam» nicht ,»eifelhaft sei». Nicht» ist so wie die Mische Geschichte geeignet, empfS»»lich z« mache» für Wahrheit, Freiheit und hohe» Strebe»; der tirfinnerste Inhalt eiae» tausendjährige« Leben» Wirken« de» jüdischen volle» ist Wahrheit v«d unentwegter stampf und grauenvolle» Leiden für Menschenthnm und Sittlichkeit. Der jüd. Geschicht«unterricht ist ein wahrer Religionsunterricht. (Fortsetzung fjlgt.) Kerirhte und Gorrespondenzen. Deutschland. Werkln. (Line Skizze au» der Sehrichtecke deutscher Journalistik.) Man schreibt heutjutage Artikel über die Verbreitung der Wanzen, über den Coloradokäfer, über die verbefferuog de» Sloakenwesen» — warum soll ich nicht »nch über Herrn Leuß, den Redacteur de» »Volk*, einen Artikel schreiben? Herr Leuß lebte still, vielleicht auch harmlo», in einem kleinen Oertchen Thüringen»; sein Geschoß war auf de» Thüringer Walde» Bewohner nur gerichtet, d. h. er gab dort ei» Lartellblättche« Hera»». Da packte ihn der Ehrgeiz; er wollte berühmt werden, und er denunzierte eine Berliner Zeitung wegen Btsmarckbelridigung. Herr Leuß wurde berühmt, noch mehr, er lieferte den Bewei« für seine hervorragend« Oualisication zur Leitung eine» Stöckerschen Blatte». Atu solcher Posten war aber leider zur Zeit nicht frei. Wa« sollte man thuu, «m solch hervorragende» Talent nicht nnbeschäfttgt verkümmern zu lasten? Nun mau gründete ihm ei« Organ — so entstand da» »Volk*, rin Blatt Stöckerscher Observanz, da» leider nicht durchweg die Prinzipien seine» erhabene» Schuhherru befolgt, denn e» bringt bisweilen anch wahre Nachrichten. Für mich ist da» »Volk* eine Quelle reinster Heiterkeit, «in Sorgeubrrchrr. Wenn ich »ach de» Tage» Mühen da» wir unentbehrlich gewordene Organ'zur Hand nehme und mich an den Evolutionen de» Lenß'scheu (der Leser verzeihe da» barte Wort) Geiste« ergötze, lache ich so herzlich, so au» vollem Halse, daß alle Sorgen schwinden «rüsten. Wa» Wunder, daß ich der Freund de» .Lenßchen»* (mit diesem stoseuame» nenne ich ihn fast immer) gewvrde» bi»? Jo dieser Eigenschaft fühle ich mich auch verpflichtet, da» Lenßchen auf manche Unvorsichtigkeiten aasmerksam zu machen, di« der lieb« «hrenwerthe Freund stch zu Schulden kommen läßt. So brachte er neulich in seinem Blättchen einen Artikel, der auf die traurige» Folgen der Mischehen zwischen Juden und »Deutschen* hiuwie« und al» Beispiel der Lügenhaftigkeit den unglücklichen kleine« Lindemarm (der an» de» Fenster gestürzte »Pflegesohn* de« Stadtmissionar» Gaädrock, der da» uneheliche Kind eine» jüd. Kaufmann» und einer christl. Lehrertochter sein soll) ,»führt«. Aber Lenßchen, muß mau wirklich zu so entlegenen Argumente» seine Zuflucht nehmen? Da» kann man doch m«ü etufacher erklären. Denken Sie lieber Freund, doch «ttrmal au Ihre» Herrn und Schutzpatron. Der ist doch thurmhoch über dm verdacht jüdischer Abstammung erhabm »nd dennoch-. Also nicht so unvorsichtig, Leußchen, weder in Ihren Artikeln, noch in ihre« sonstigen Leben. Al» Beispiel für Jhrm Mangel an Vorsicht tu letzterer Hinficht Mre ich »nr Ihre (de» christlich-sozialen Redaeteur» und Mitglied de» Mäuuerbundesk) Ihre Besuche einer stnripe mit »Dameubedimnug* au! Hierbei kommt noch al» erschwerender Umstand hinzu, daß diese stnripe tu der Auguststraße, gegmüber dem Mischen Krankenha»se gelegm ist. Stellen Sie stch vor, Lmßchm, Sie werden einmal in betrunkmem Zustand au» de« Lokal geworfen nyd verletze» fich, Gott behüte. Mau bringt fle »ach dem jüdische» straukeuhanse und hier »erdm Sie, der Redacteur de» »voll*, von jüdischen Aerzta behandelt und mästen losch« effmll! Nicht wahr, liebe» Senßchea, Sie »erdm von jetzt an vorsichtiger sei», ««so mehr al» ein« öffentlich« Person, wie Sie al» Redacteur de» »voll* e» doch fi»d, gewisse Rücksichten z» nehmen hat. Hoffmtlich erkenum Me mein« Freundschaft für Sie au — den» ich bst» Ihr Freund wirklich — würde ich mich mit Jhum sonst befaßt habm? P. Werkln. Zu dem Bericht (in vor. Rr.) über dl« Synagoge in der Heudereiterqasse sei noch htnzugefügt, daß der Erbauer derselben der au» Regeusburg gebürtig« Ztmmermeister steumeter senior war, dessen meisterhafte Oberdach-BerbMnng einst viel bewundert ward. Im Laufe der Zeit hat die Synagoge wiederholt bauliche Beränderungm erfahren. Dieselbe wurde zunächst 1818 ihrer stuppelwölbung beraubt und von da ab zu« Jahre 1823 umgrbaut und vergrößert. Eium umfassenden Erneueruugöbau ließ der Gemeindevorstaud, nachdem schon 1844 und 1848 einzelne Aenderungm vorgenommen waren, 1888 durch dm Bourath Knoblauch vornehmen, und hierauf erfolgte schließlich 1882 eine abermalige ansehnlich« Erweiterung der Synagoge, wobei e» unmöglich war, dm altm Charakter de» Bauwerk» zu erhalten. Seit 1866 wird jedoch die alte Synagoge von der »men, mit einem Kostenaufwand von einer Million Mark in der Oranienburger Straße von Baumeister Knoblauch erbantm Synagoge (deren Errichtung vor nunmehr 30 Jahren begann) »eit überstrahlt. Aamönrg, 13. September. Di« Amtseinführung de« neuerwähltm Oberrabbiner« der deutch-israelitischen Gemeinde Herrn M. Hirsch, bi»h«rigen Oberrabbiuer« tu Prag, fand gestern Abend 6 Uhr in der mit Bäumen und Gutrlandru grschmücktm Synagoge auf den stohlhöfen in feierlicher Weise statt. Zu der Feier war al» Vertreter de» Smat», Herr Syndicu» Dr. Behu, ferner der gesummte Vorstand und die RepräsmtaMen der deutsch-israelitischm Gemeinde, der' Vorstand de« Synagogen-verbände«, die Verwaltung de« israelitischen straukenhause», die Vorsteher de» Armm-Collegium», der Vorstand der Talmud-Tora- Schule und eine große Anzahl Gememdemitglieder erschienen. Der weite Raum war bi» zum letzten Platz (in jedem Kirchen« stuhl saßen sogar zwei Personen), ebenso in der Frauen- Abtheilung dicht gefüllt. Präcise 6 Uhr wurde der neuerwählte Oberrabbiuer in Begleitung der Vorsteher de» Synagogen-Verbande», der Herren Hartig und Norden» in die Synagoge nach seinem Amtssitz in der Nähe der heiligen Lade geführt, worauf unter Musikbegleitung von dem von H. Setrgsohn geleiteten Chorverrin und dem Knabenchor der Synagoge der Ps. 118,26—29 in exakter Weise vorgttcagm wurde. Rach Beendigung de« Gesanges trugm abwechselnd der erste Cantor, Herr Süßkiud, und der Chor den Ps. 18 vor. E« folgte dann der Gesang de» Ps. 24, welcher ebenfall» abwechselnd von dem Vorsänger Dreiblatt und dem Chor ausgezeichnet vorgettagm wurde. Hierauf bestieg der stellvertretmde RabbtnatSverweser Herr Dr. Nathan die Kanzel, um folgmde Ansprache zu halten: „Es ist mir v»N dem gerhrtea Vorstand des Lynagoaenverbandes der Auftrag geworden, den »«»rraähüea Herrn Oberrabbiner zu begrüßen, welche« «brrnvoll-n Auftrag ich aus volle« Herze» Nachkomme, indem ich Herrn Ob-rrabbiner SN. Hirsch in Name» der silmnUlichen Mitglieder des Synagogenoeibeide« und der Gemeind« willkommen heiße. Le» Beweis dafür, daß es dem »euerwLhlim Führer der Gemeind« »icht schwer «erden wird, seinem t» dieser Gemeind« übernommen«, neuen Amte in volle« Mab« gerech! zu werden, Hab« ja di« ln seiner früheren Gemeind« bewies««« Amtssührang uad der herzlich» Abschied von seiner Gemciid« tu Prag genügend erbracht. Den» neverwähltr» Oberrabbiuer gehe der Ras eine» tüchtige» Talmudiste», Rabbiners «nd Führers seiner Gemeind« voraus, was anch hauvlstch» lich de« Vorstand des Synagogenverbaades deranlabt habe, ihn an diese Stelle zu rufen.* Herr Nathan bat nun Herrn Oberrabbiner Hirsch» zum Segen und weiteren Ausblübm der Gemeinde sein neue» Amt zu übernehmen. Hieraus betrat der neue Oberrabbiuer die Kanzel. Mit de« Worten de» Propheten Jesaia, Kap. 6V, welche der Text der am nächsten Sonnabend zu verlesenden .Haftora* bilden: .Erhebe Deine Augen und schaue umher; »vir Alle sind versammelt, und kommen zu Dir,* leittte der Redner seinen Vortrag ei«, und führt« dann weiter an», daß er »icht hergekomme« sei, um dr» Glanze»

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