Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 37.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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2 «2 ■ - ■ •.-.. * -^m -vr/> JMKfcft (Bayern), 81. lupft. Gest»» fob hier NI Fest d«r Einweihung der »enerbantnr Synagoge, die' am 28. Mat ». I. niedergebrannt war, statt. Der Markt war durch Fahueu, Kränze uud Fichtmbäume festlich ge» schmückt. Der Zug setzt« sich vou der Wohuuog de» Lultus- »orstande» Sutherz, woselbst die Thorarolleo aufbewahrt wareu, iu Bewegung. Bora» schritt ein Mufikcorp», da» die Melodie ,Thut mir auf di« schöue Pforte" spielte; die Schuljugend folgte. Jnmitte» de» Zuge» schritte« 8 weißgekleidete Festjuugftaum, deren eine auf gesticktem Kissen die Schlüssel zu« neue» Hause trug. Bor dem Hause übergab die Trägerin diesen unter Bortrag eiue» Gedichte» dem kgl. Bezirksaratmanu Scherer »on Neustadt a. 0. und dieser denselben dem Distriktsrabbiuer Dr. Neu bürg er au» Fürth, der die Pforte vffnete. Die Syuagoge war prächtig geschmückt. Nach Ab ingrn vou Gemeinde- und liturgische» Gesängen und verbrtngirug der Thorarolleu iu den Altar hielt der Rabbiuer eiue Predigt über den 9. Ber» de» 2. Kap. de» Propheten Haggai: „Größer wird sein die Herrlichkeit diese» Hause» de» späteren al» de» früheren, und auch an diesem Platz« »erd« ich Friede grbeu, ist Spruch de» Herrn." Er wie» auf jene Zeiten hi», al» die hiesige Synagoge zum rrsteu Male riuzeweiht wurde (6. März 1818), wo iu ganz Deutschland die Nachweheo der Kriege aur Ende de» vorigen und Anfang diese» Jahrhundert» noch zu verspüre» wareu, daß «ber jetzt geordnete Zustände im Lande find, fichrre Wohnung vorhaoderi ist und Deutschland jetzt im Reiche eiue vollgewichtige (stimme im Rath der Völker spricht, so daß diese» neue Hau» die Segnungen dr» Frieden» erblicken kann, auch de» Frieden» in den verschiedenen Brkenutniffeu, die doch alle Einen Bater, Eineu Gott, Ein Gesetz, Ein Ziel kennen. Er betonte weiter, daß früher die jüdische Religio», wenigstem« äußerlich, in Folge der »och vom Mittelalter überkommenen Anfichteu, fich nicht so herau»bildeu konnte, und erinnerte daran, daß in Uehlfeld zwei Koryphäen der jüdischen Geistlichkeit, die Rabbiner Rosenfel» und Dr. Löwe, für die A einhell dr» göttlichen Worte» «ingetrrten find. Mit der Ermchnung, Recht zu thun, Liebe zu üben und in Dewuth zu wandeln» schloß die Predigt. Hieran schloß fich Weihegeb n. Gebet für den König, den Prinzregenten und da» Vaterland und sodann Segen. Mit weiteren Gesäugen schloß di« erhebende Feier. Bor glaubwürdiger Seite »vird nachstehender Vorfall berichtet, dm wir ohne jeden weiteren Kommentar der Oeffeatlichkeit Liergebeu: Ein paar Tage vor der Einweihung begaben fich einige Mitglied«! der Kultusgeweinde zum protestantischen Ort«- geistlichev, um ihn zur Theiluahme an dieser Feier eiuzuladen. Hier die Antwort, die ihnen zu Theil wurde: .Meine Herren, den Gang hätte« Sie fich erspare» können; ich kaun an der Einweihung nicht theiluehwen, well Sie Den Haffen, den wir verehren." Da» war doch taktvoll! Herr Rabbiuer Neubauer vou Fürth hat iu seiner trefflichere Weihrrede eine würdige Antwort auf die Arußrrung de» Herrn Pastor» zu grbeu gewußt. Oefterr ei cd-Ungarn. N. Zu» Auaarn, 30. August. (Or.-Eor.) Die Scho» fartvne de» Llrll-Mouale» rufen Sommerfrischler und Badegäste allnählich iu da» geliebte Heim und erinnern fie tu religiöser Hinficht daran, daß der Gesammtheit auzugrhvreu Pflicht ist. In großstädtische» Grmrindeu ist diese Beweguug weit mehr zu merke», al» auf de« Laude, wo jeder Sabbath mit oder ohne Predigt, Mittelpunkt de» Gemeindelebt»» ist, sofern wich die religiöse Gesinnung vorhanden ist, vom Markte de» Berühr» ab fich in'» Gotteshaus und Famllie zu begeben, um für Geist und Gemüth eiue» willkommenen Sammelpunkt zu gewinne», der doch für da» tägliche Leben der Arbeit so sehr erftischeud und wohlthueud wirkt. Iu unserer von Kämpfe» gegen religiöse Unduldsamkeit und konfessionelle Trübung so sehr bewegteu Zell gelangt mau uur schwer dazu, diese für alle Parteien de» Judeüthum» so wichtige und heilige Sabdathfragr, welch« die «nrzel und «roue de» Gemedtdeledeu» bildet, zu erürte». Tief zu beklage» G« ist es, daß tu unserem Lcmde auf die Helliguug de» Sabbath» verhältuißmäßig weutger Gewicht gelegt wir», al« auf »tele andere nebeusächlich« Riteu, um der» willen »ft «iu mächtiger Kampf unter deu Faktioneu und Fraktionen entbrennt, deffe» Ziel »te Trruunn, und Neublldung in der Gemeind« ist. Möge der höchste Sabbath. fitr welchen die Posauneutö« de» Jahresschlußmouate» al» den Abschluß der Bußtage vorbereiten, vorbildlich für alle Sabbathe de» Jahre» sei», uud die Gemeinden werden fich erlöst fühle» durch Wort und Lied, da» in den Gotte«häuseru Israel» erklingt. Die Posauaenrufe der Llul-Tage gebe» auch dem jüdische« Publizisten da» Signal, daß die todte Saison zu E»d« ist, uud die Periode der Gemeiode-Neuigketteu beginnt. Dt« erfreulich« Rührigkeit, welche tu Verl tu, augeficht» eine» Wendepuntte» iu den Borstaud»wahleu, fich kundgiebt, ist ein schöne» Zeichen von Gefinnu»g»tüchtigkeit dieser großeu Gemeinde. Da wo noch Männer vou hervorragender Lebensstellung an» reiner Hingabe an da» religiöse Ideal uud dt« Ehre, w«l«h« die Pflege deffelbeu de« Erwählte« bringt, ringe« uud kämpfen, um Stell« und Stellung iu der Gemeindevertretung zu gewinnen, ist Segen uud Gedeihe» vorhanden, Aufschwung und Heil zu erwarte». — E» hat keine Partei da» Recht, dt« Hände müßig in deu Schooß zu legen und sich zu sageu: .unsere Hoffnung in der Gesammtheit ist abgeschnlltru." Laut uud ehrlich und fretmüthig verkündet« Wahrheiten find Saatkörner, die Felsen sprengen, um zur Frucht zu reife«. Eiue Gemeinde ist keine Partei, sondern die alle Partei«» harmonisch vereiuigeude Gesammtheit für Gotte» wort, Gotte»dienst und mrnscheuwürdige Gotte»that. Pietät«- volle Aufklärung und gerechte Bertheiluug von Pflicht uud Recht tuuerhalb einer freiheitlich zur Eiu heit r. .«utfirteu Gemeinde ist wohl Sehusucht uud Ziel aller Angehörige» einer auf der Höhe der Zeit stehenden Gemeind«, deren Vertretung, sofern« fie wahrhaft liberal ist, die Ehre und da» Reibt der Persönlichkeit auch daun zur Ehre uud zum Recht gelangen laffen wird, wenn Meinung uud Bestrebung eiue abweichende ist. — Die Thellnahae der Gemeinde ist ein Segen für di« Verwaltung. Ein fteihetllicher Wahlmodu», öftere Wiederkehr vou Wahlen uud eine entsprechende Zahl der gewählten Vertreter kanu daher uur Jedem erwünscht sein, der die Wohlfahrt der Gemeind« austrebt. Die alte Posaune iu Israel gab ja die Zeichen für die Versammlung der Gemeinde. (Achmb folg».) X. #u Alngar», 8. Scptrmber. (Or.-L»rr.) Der Schah von Persien hat mit großem Pomp die Metropole» Gesammt-Oesterceich» und Ungar«'» besucht, uud r» wird nirgend» berichtct, daß Deputationen der hauptjtädtffchen Gemeind« bei dem unumschränkten Gebieter eine» großeu Reiche» zum Schutze unserer p.rsischen Glaubensgenossen eiue Audienz nachg«sucht hätten. Die so wackere .Wiener Allianz" hätte sich in keinem Falle die Gelegenheit entgehen laffen «üflen, um für die fernen Glieder unserer über der ganzen Erde auSgebrellrte» GlaudenSgemeinschaft zu wirken.—Hingegen weiß da» .Reue Pester Jouraal" zu erzählen, daß zwei perfische Juden. Racham valed Baba und Tichaia valed Jsmasl, al» Abgesandte der Jüdischen Gemeinde in Urmia nach der ungarischen Hauptstadt herdeigeellt waren, um bei« »König der Könige" gegen dm Gouverneur chrer Stadt Klage zu führen. Die Lage der Juden soll eine höchst bemitleidenswerthe sei», - jede Beschwerde aber wird mll Peitschenhiebe» und Print» gungen dort niedergehaltm. Er geschieht die», ttotzdem der Schah der Londoner J«r. Deputation erklärte, daß die Juden in Seinem Reiche gleichberechtigt seien, und der erste Minffter Mirza Ali sich zustimmend geäußert, batte. Die persffcheu Juden wandten sich im Ramm chrer schwer bedrängten Glaubensgenossen au den Budapest» Prof. - Btmbäry, ein« in der Gelehrtruwelt berühmten Manu. der jedoch dr» persische« Deputirteu keine Audienz bewirk« konnte. Dennoch wurde auf schriftliche« Wege so viel er» -